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Posts mit dem Label "schmerzwach schreibt" werden angezeigt.

schmerzwach schreibt: Poesie einer Ausstellung - Texte FÜNF UND SECHS

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Dominique Chapuis Einfach, schwierig Manchmal sind die Dinge so einfach, dass sie schwierig erscheinen. Du bist ein Spezialist darin. Du willst alles kompliziert machen, weil du nicht glauben kannst, dass diese Einfachheit unser Normalzustand ist. Raster und Schubladen Das ist eben auch die Sache, die mich gerade nervt, weißt du ... Du scheinst die Raster zu übernehmen, die dein Umfeld dir vorgeben möchte. Krittelst plötzlich an Dingen herum, die immer in Ordnung für uns waren. Wir sind nicht die Anderen, vergiss das nie. Wir passen nicht in deren Schubladen – und wollen das nie. Wie kann das sein, dass deine Einstellungen, deine Meinung, deine Sichtweisen immer mehr verblassen, während du das Gegenteil behauptest? Die Kontraste werden immer unschärfer, dein Schwarz immer weniger intensiv. Doch es wird nie grau. Warum? Wie geht das überhaupt? Wirst du zu mir zurückfinden? Wirst du zu „meinem Weiß“ am Ende? Jin-Kyoung Huh

schmerzwach schreibt: Poesie einer Ausstellung - Text VIER

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Helga Nohl Im Wein ... liege die Wahrheit – so sagt man. Ist das nicht so? Im Wein liege ich gerne, wenn ich meinen Blues habe. Im Rot-Wein. Aber ich weine auch gerne. Das Tal der Tränen. Wenn sie nur so gut schmecken würden wie dieser Wein. Vor unserer Beziehung trank ich sehr selten Wein. Auf Partys, wenn es nichts anderes gab. Oder mit meiner Schulfreundin, wenn wir nachts am Main saßen und in denn Himmel blickten. Mit dir trank ich selten unkontrolliert. Wir waren noch nie Barflys. Wir lagen noch nie irgendwo auf dem Tresen, totgesoffen. Wir pflegten, pflegen unseren Alkoholgenuss. Trinken bei einem guten Essen ein gutes Tröpfchen. Hört sich spießig an. Ist es vielleicht auch. Assmanshäuser Höllenberg So hell - und meine Gedanken dunkel. Kitsch. Rotwein-Kitsch. Im Moment trinke ich Rotwein, um meine Sinne zu verlieren. Um zu vergessen. Il boit pour oublier qu'il vit Il dort pour oublier qu'il boit Wie in diesem Lied dieser französis...

schmerzwach schreibt: Poesie einer Ausstellung - Text DREI

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Rity Jansen Heijtmajer Der Sex fehlt Abstand halten, nicht in die Privatsphäre des anderen dringen. Eindringen möchte ich. Das Eindringen vermisse ich. In dich. Eindringen. Der Sex war das unproblematischste in unserer Beziehung. Unsere Kommunikation. Beim Sex kam die Farbe ins Spiel. Beim Sex funktionierten wir wie Schloss und Schlüssel. Versagten wir bei allem anderen, hatten wir immer noch unsere körperliche Intimität. War das auch alles zu eng? frage ich dich. Diese intime Nähe ging immer von dir aus. Der Sex. Das Eindringen wollen und eindringen lassen. Diese körperliche Nähe brauchtest du bis zum Schluss. Was wirst du jetzt tun? Wer wird sie dir geben? Willst du auf sie verzichten? Wie lange kannst du darauf verzichten? Harmonie gab es anfangs immer. Und jetzt? Nur beim Sex. Doch wer stört diese Harmonie? Was stört diese Harmonie? Das frage ich dich, ohne eine Antwort zu erhalten ... Ich möchte eindringen. Jetzt.

schmerzwach schreibt: Poesie einer Ausstellung - Text ZWEI

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Anneke Klein Kranenbarg Perspektivlos Perspektive. Das Wort stammt aus dem Lateinischen, bedeutet: genau ansehen. Wirst du es schaffen, unsere Beziehung genau anzusehen, wenn du sie aus einem Abstand heraus ansiehst? Wie wirst du auf uns blicken? Auf mich. Auf dich und mich.  Perspektive. „Die Durchsehung“ nannte sie Albrecht Dürer. Wir waren vor kurzem bei der Ausstellung. Es war meine Idee. Du warst genervt. Du sagtest, dass du lieber alleine in Museen gehst. Plötzlich auch das. Dieser erste Ausflug hatte uns in ein Museum in Köln geführt – und wir waren uns da sehr nahe gekommen. Ich habe den Eindruck, dass du manchmal alles zu zweidimensional siehst. Schwarz und weiß. Ich sagte es schon. Doch es gibt diese Grautöne. Auch bei uns beiden. Es gibt die unterschiedlichen Schattierungen. Und vor allem gibt es die dritte Dimension. Wir sind mehr als das, was wir sagen. Sind mehr als das, wie wir erscheinen. Sind mehr als das, wer wir sein wollen. Alles könnte auch anders ...

schmerzwach schreibt: Poesie einer Ausstellung - Text EINS

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Ingrid Hornef Unüberwindbare Abstände I Das Beleidigendste daran war vielleicht, dass dieser abgelutschte, täglich millionenfach gesagte Satz zwischen uns fiel. Ich brauche Abstand von dir. Ich brauche Abstand von uns.  Vergessen, verdrängt, welcher Satz genau es war, unwichtig, klischeehaft, Floskeln, die gesagt werden müssen. Etwas wie „Gute Besserung!“ zu wünschen, wenn jemand etwas vom Krank sein erzählt, „Mein Herzliches Beileid“, wenn jemand aus dem Umfeld der anderen Person stirbt, solche Dinge. Es wird gesagt, ohne darüber nachzudenken, ohne etwas zu fühlen. Ich brauche Abstand von dir. Ich halte diese Enge nicht mehr aus. Das kam von dir. Wie war es denn früher zwischen uns? Das fragte ich dich, ohne eine Antwort zu erhalten.  II Unsere Unterhaltungen waren immer schwarz weiß. Oder weiß schwarz. Und ich war weiß. Ich bin weiß. Sagst du. Nicht grau. Keine Schattierung von Grau. Weiß. Du sagst: Du bist so selbstlos, Du bist wie Jesus. Ich denke eher, ...

schmerzwach schreibt: Einfach so!

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Ich denke, dass dieser Schnee das einzig Gute an meinem Pflichtbesuch ist, der macht dieses deprimierende Umfeld wieder ein bisschen wett. Gleich nach dem Aufstehen, noch vor dem Frühstück – ich bekomme sowieso keinen Bissen herunter – stapfe ich durch dieses kalte, weiche Weiß und erfreue mich an den Spuren, die ich hinterlasse. Weiß. Ich laufe bereits eine halbe Stunde, als ich plötzlich merke, dass ich müde werde. So lasse ich mich in den Schnee fallen und markiere einen Schneeengel. Ich erinnere mich daran, wie ich das zum letzten Mal gemacht habe: Mit Betty, auf der Freizeit mit unseren Studienkollegen in der Schweiz. Der Schnee um mich herum glitzert wild und herrlich schön, ich schaue in den klaren blauen Himmel, in meinen Augen blitzt es auf. Betty. Wie sehr vermisse ich dich, Betty. Wie. Sehr. Vermisse. Ich. Dich. Als ich zurückkehre, bekomme ich wieder Ärger mit meiner Mutter. Mein Gott, ich bin 21 Jahre alt und sie schimpft mich aus, weil ich nasse Klamotten habe, sie ...

schmerzwach schreibt: Einfach so?

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Die Felder hinter dem Bauernhof seiner Tante Isolde erstrahlen im glitzernden Weiß des Schnees, der unberührt wie seine junge Seele ist. Bastian stapft seit einer halben Stunde darin, immer wieder fasziniert von den Spuren, die seine noch kleinen Füße erschaffen. Er versucht sich an geometrischen Figuren. Bisher hat er einen fast runden Kreis und ein Dreieck gezaubert. Dann wird er müde und beschließt, sich in den Schnee fallen zu lassen. Er ist neun Jahre alt. Er stellt einen Schneeengel dar. Er schaut in den Himmel, und träumt davon, dass ein anderer Junge die gleiche Position wie er einnimmt, Fuß an Fuß, und das klare wolkenlose Blau über sich anblickt. Er gibt diesem Jungen einen Namen: Hannes. So hieß sein Banknachbar in der Schule, der vor kurzer Zeit verstarb.  Na, wo warst du, möchte seine Tante wissen. Spazieren, sagt er, ich liebe die klare Luft, wenn es so kalt ist. Isolde muss unwillkürlich lachen. Ihr Neffe, der kleine Sonnenschein, spricht wie ein kleiner Erwach...