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„Die Kolonie“ von Charles Burns - Der Alptraum geht weiter

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Cutup – so nannte sich die Methode, derer sich William S. Burroughs, Heroe der Beat Generation, bediente. Er berief sich dabei auf Brion Gysin, einem Maler und Freund von ihm. Dieser schnitt am 1.Oktober 1959 auf seinem Schreibtisch ein Passepartout zurecht. Bei diesem Vorgang zerfielen die Zeitungsseiten, die er als Unterlage benutzte, in Streifen. Er versuchte sie wieder zu einer ´intakten´  Seite zusammenzusetzen und entdeckte dabei, dass die Schnipsel sowohl witzigen Nonsens ergeben, als auch vollständige Sätze, die einen geheimnisvoll verschlüsselten Sinn zu haben schienen, darstellen konnten. Burroughs erkannte nun, dass man diese Collagentechnik für die Literatur nutzen konnte, nämlich dann, wenn man gleichzeitige Vorgänge, die einem im Traum und in der Realität begegnen und die sich im Bewusstsein miteinander vermischen, erzählen möchte. Burroughs experimentierte zunächst mit Cutup-Gedichten, später dann mit Romanen – er kombinierte die Texte in endlosen Variationen mitei...

Guy Delisle im Reprodukt Verlag

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Frankfurter Buchmesse 2010. Ich stehe mal wieder bei Luftschacht aus Österreich, Nachbar des Reprodukt Verlags – eine junge Frau, zu dem Zeitpunkt Praktikantin dort, erzählt mir ganz aufgeregt: Da ist Guy Delisle, da ist Guy Delisle. Ich kenne ihn nicht. Er wird gelobt, er sei ja so witzig, gut aussehend, charmant und auch talentiert. Ja, was macht der denn? frage ich naiv. Der 1966 in Quebec Geborene hat sich schon früh dem Comic verschrieben, so wird mir erzählt. Später, als er Zeichentrickfilme herstellt, entdeckt er erneut die Liebe zu diesem Genre. Er schreibt nun autobiografische Reiseberichte von seinen Aufenthalten in asiatischen Ländern, in denen er Zeichentrickfilm-Produktionen koordinieren soll. Zunächst erschien „Shenzen“, dann „Pjöngjang“ und „Aufzeichnungen aus Birma“. Für „Aufzeichnungen aus Jerusalem“ wurde er auf dem Internationalen Comicfestival Angoulême 2012 mit dem Preis für das Beste Album ausgezeichnet. Alles begann also mit Shenzen: die chinesische Stadt wurde...

Charles Burns: X

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Kein leichter Anfang, fürchte ich, ist die Graphic Novel „X“ von Charles Burns – und doch ist es am Ende das erste Buch seit Jahren, dessen Fortsetzung mich tatsächlich brennend interessiert. Graphic Novels zu lesen hatte ich mir vor einiger Zeit bereits vorgenommen: Vom 18. Dezember 2008 bis zum 22. März 2009 fand im Frankfurter Jüdischen Museum die fabelhafte Ausstellung “Superman und Golem: Der Comic als Medium jüdischer Erinnerung” statt, die vorher auch in Amsterdam und Paris mit großem Erfolg gezeigt worden war. Dabei stieß ich auf „Ein Vertrag mit Gott” von Will Eisner (Carlsen), „Maus“ von Art Spiegelmann (S. Fischer) und „Die anderen Mendelssohns“ von Elke R. Steiner (Reprodukt). Erst jetzt, Jahre danach, schaffte ich es, mich mit Graphic Novels näher zu beschäftigen.  Doch was sind Graphic Novels eigentlich? Will Eisner und sein gerade genanntes Werk ist ein gutes Stichwort, denn als er in den Siebzigerjahren auf eben diesen „Comic“ den Zusatz „Graphic Novel“ schrieb, w...