Posts

Posts mit dem Label "Integrationsdebatte" werden angezeigt.

Stuhl hin oder her... KOKOLORES... - Teil 5 -

Metin ruft mich an, und sagt: „Oh Mann, die Österreicher nerven mich. Die machen gerade so, als müssten sie mich – als Deutschen – ausweisen, wenn ich innerhalb von drei Monaten keinen sozialversicherungspflichtigen Job nachweise. Puh, diese alten Rassisten!“ Auf diesem Spielplatz, auf der Rutsche oben, nicht von anderen einsehbar, malten wir uns die Zukunft aus, redeten von Erfolg, von Glücklich sein, etwas erreichen, etwas vollbringen. Wir waren voller Hoffnung, dass wir unserem Schicksal entkommen können. Doch scheinbar hat es uns immer wieder verfolgt, uns zeitweise zur Strecke gebracht. Unseren Idealismus abgetötet vielleicht. Unsere Hoffnung. Unsere Ziele. Wir wollten etwas Sein, etwas Darstellen, Anerkennung erhalten, Ankommen. Unsere Väter schufteten sich den Rücken krumm für uns, damit wir es einmal besser als sie haben. Metins Vater sagte nach meines Vaters Tod: „Ich hab gesagt, Papa Aris, arbeit nicht so viel. Machst dich kaputt! Habe ich gesagt. Jetzt ist er tot!“ Er wein...

Stuhl hin oder her... KOKOLORES - Teil 2 -

„Kokolores, Klischee – bringt uns alles nicht weiter. Du bist so wie du bist, weil du clever bist. Nichts weiter. Einfach ein cleveres, weltoffenes Bürschchen, und das ist gut so. Fang aber nicht mit diesen Stühlen an, sonst ramme ich dir einen in deinen kleinen Bauch.“ Toula, die bei unserer ersten Demo gegen die Bildungsmisere, vorneweg lief, plötzlich gegen die Polizisten wetterte, so etwas wie „Bullen raus, geht nach Haus´“ skandierte, woraufhin wir ihr sofort rieten, ihren Mund zu halten, bevor sie noch niedergeknüppelt werde. Unsere Väter kamen aus unterschiedlichen Gründen nach Deutschland. Metins Vater war ein intellektueller Linker, hochgebildet, mit Universitätsabschluss als Ingenieur. Mein Vater war ein armes Dorfkind mit geringer Schulbildung, der als ältester der Brüder beschloss sich fünf Jahre lang als Gastarbeiter bei der Firma Züblin zu verdingen, um Geld nach Hause zu schicken, den Standard der Familie anzuheben, dann zurückzukehren, eine Frau zu finden und zu heira...