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Wahrheit oder Ironie

Im Studium besuchte ich das Seminar "Alltägliches Erzählen", meine Professorin behauptete, das jeder Mensch 15 - 20 Geschichten auf Lager hat, die er für interessant befindet, und die er bei jedem Kennenlernen (vielleicht in unterschiedlicher Reihenfolge) erzählt. Eine meiner Geschichten könnte sein: In der Schulzeit hatte ich mit Andrea immer Donnerstag in der fünften Stunde eine gemeinsame Freistunde. Eines Tages sagte ich zu ihr: "Hey, Andrea, alle Jungs aus der Stufe stehen auf dich." Sie lachte ungläubig und erwiderte: "Ach, als ob ich dir glauben könnte. Du erzählst doch die ganze Zeit nur ironische Sachen und so." Ich war tief getroffen, weil ich immer alles ernst meinte, was ich dachte. Zumindest kam es mir vor. Auch hatte ich nie von dieser Theorie gehört, dass jeder Mensch 200 Mal am Tag lügen soll. Da! Da ist die Fallgrube der Sprache: um einer Person nicht vor den Kopf zu stoßen, muss man entweder die Wahrheit geschickt verschleiern oder gl...

"Alles wahr" von Boris von Brauchitsch

In diesem Roman beginnt alles mit einem geschickt inszenierten Kunstraub. Ein dreister Betrüger haut fünf Galeristen übers Ohr, die allesamt bei der gleichen Versicherung namens Concil Klienten sind. Concil wiederum möchte verhindern, dass die Versicherungssummen bezahlt werden und beauftragt Robert Landau damit, Nachforschungen anzustellen. Gleichzeitig lässt er sich allerdings auch auf einen Extra-Deal mit seinem ehemaligen Kommilitonen Reinhold Berentz über zehn Tausend Euro ein, der ein Geschädigter ist und ein besonderes Interesse daran hat, den Betrüger aufzufinden. Robert Landau verfolgt Spuren in Venedig und Bangkok, fährt wieder zurück nach Frankfurt, um erneut in Venedig zu ermitteln. Er stellt fest, dass dies ein Ort aus seiner Vergangenheit ist und lernt seinen leiblichen Vater kennen, der eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt. Außerdem trifft er in Bangkok auf einen jungen Mann namens Phil, der in ab diesem Zeitpunkt nicht mehr von der Seite weicht. Jeder Tag bring...

Eine Antwort an R. - Alberto Caieros Poesie

Manchmal ist das Ganze etwas unfair. Der eine möchte nichts von sich in einem Blog lesen (wie z.B. P.), der andere möchte nur Gutes von sich lesen, wieder ein anderer nur Wahres, der letzte vielleicht nur Erfundenes. Ich gehöre sicherlich nicht zu denjenigen, die von sich behaupten, immer DIE WAHRHEIT zu sagen. Denn ich weiß, dass es DIESE EINE WAHRHEIT nicht gibt. Bestimmt gehöre ich ebenso wenig zu den Schmeichlern und Charmeuren. R., um ihn als Beispiel zu nehmen, hat das Gefühl, nicht immer so gut wegzukommen in meinen Beschreibungen. Kann sein, muss nicht sein. Und sicherlich trifft das auf andere ebenso zu. Doch darauf möchte ich mit einem Gedicht antworten. Geschrieben hat es Alberto Caiero in seinen POESIEN. Schön finde ich, dass sein Meisterschüler Ricardo Reis das Vorwort dazu verfasst hat. Seine Worte klingen mir noch in meinen Ohren: "Caeiros Leben läßt sich nicht erzählen, denn von ihm als Person gibt es nichts zu erzählen. Seine Gedichte waren sein Leben." Wie v...