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Posts mit dem Label "Mäuschen und Kätzchen" werden angezeigt.

Pontikaki kai gataki - Teil 4 -

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Ich verschlief meinen eigenen Tod. Ich hörte diesen verdammten Wecker am Morgen nicht, müßig darüber zu urteilen, ob es Schicksal war, wie es Nike behauptet, oder purer Zufall. Zu spät aufgestanden, konnte ich es bei aller Eile nicht rechtzeitig an den Check-Inn schaffen, ich sah das Flugzeug gerade noch abheben, mit Tränen in den Augen, weil mich diese Reise ans Atlasgebirge in Marokko so viel Geld gekostet hatte. Dort wollte ich den Ort finden, an dem sich Nacht und Tag einander begegnen, wo Atlas das Himmelsgewölbe tragen und vor allem der Gott des Schlafes, Hypnos, nach Hesiod wohnen sollte. Hypnos war dank Nike mein Forschungsgegenstand in meiner Magisterarbeit in Gräzistik. Meine Eltern hatten vor Stolz tagelang nicht schlafen können, hatten alle Verwandten angerufen, damals, als ich ihnen meinen Studienwunsch mitteilte. Sie konnten kaum wissen, dass ich in der Nähe von Nike sein wollte, um sie weiter zu becircen, so lange bis sie eingesehen hatte, dass ich reifer geworden sei,...

Pontikaki kai gataki - Teil 3 -

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Ich verschlief meine erste Beziehung mit einer Frau. Bevor ich es realisiert hatte, dass das etwas Festes sein soll, führte sie schon das Beziehungsende-Gespräch, wie sie es nannte, mit mir. Viel zu sehr von den Beziehungen verstört, die mir vorgelebt wurden, hatte ich nicht gemerkt, dass wir eine führten, zu wenig Streit gab es da, zu wenig Kabbelei, zu viel Harmonie, zu viel Geknutsche, zu viel Lächeln, Lachen, sich Freuen. Als wir uns kennenlernten, mehr durch Zufall, wir waren beide auf eine Party eingeladen und liefen uns über den Weg, als wir das Haus suchten, das, wie wir nicht wussten, im Hinterhof zu finden war. Sie, die blonde blauäugige Hamburgerin, mit ihrem aristokratischen Akzent, ich, der mit seinem dunklen Teint im Sommer, mit seinen dunklen Augen und Haaren, mit seiner leicht schnodderigen Art zu reden, wir, die am Ende der Party auf einer Couch lagen und knutschten, stundenlang. Tagelang überlegte ich nach unserer Trennung, ob meine Eltern oder Großeltern solche Mom...

Pontikaki kai gataki - Teil 2 -

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Ich verschlief den qualvollen Tod meiner Oma. Jahrelang hatte ich mich geweigert, nach Griechenland mitzugehen, nun in meinen Teenie-Jahren sei ich ja wohl alt genug, zuhause in Deutschland zu bleiben, um mit meinen Freunden alleine zu reisen. Man beschrieb mir diesen langsamen Tod kaum verständlich, ich ging davon aus, dass meine Oma niemals schlief oder immer schlief, denn das Bild, das mir vermittelt wurde, war Folgendes: Sie sitzt in einem Schaukelstuhl, vor sich hinstarrend, nimmt nichts wahr, starrt an die Decke vielleicht, an die Wand vielleicht, nimmt aber ihre Kinder und Enkel nicht mehr wahr, regt sich nicht, zuckt nicht einmal mit ihren Augenlidern, starrt nur, während mein Opa sich ganz bösartig weder um sie kümmert noch ein Herz für sie hat. Er höhnte: „Die war doch in ihrem ganzen Leben so, keinen Muckser gab sie von sich, nie hat sie sich gegen mich durchgesetzt, nie!“ Meine Mutter war dann immer nahe dran, ihm nicht nur eine Ohrfeige zu geben, sagte sie, sondern eine ...

Pontikaki kai gataki - Teil 1 -

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Ich verschlief Erdbeben. Am Morgen wachte ich auf und alles stand an einem anderen Platz. Bestürzt schaute ich in die verstörten Gesichter meiner Familie, samt Oma und Opa, die ich in diesem Moment nicht vor mir erwartete, und fragte, was denn hier für ein Aufruhr stattfinde. Mein Vater, der selten seine Nerven verlor – im Gegensatz zu meiner Mutter  – zog seine Augenbrauen hoch, wie er das immer tat, wenn er mich aufziehen wollte, und sagte in seinem vermeintlichen Insolaner-Singsang: „Du glaubst, dass jetzt ein Aufruhr herrscht? Dann weißt du nicht, was deine Mutter für einen Aufriss in der Nacht gemacht hat, als sie sich schon im Himmel wähnte, und mich dafür verfluchte, dass ich aus diesem Höhlenloch komme.“ Irritiert fragte ich nach: „Höhle oder Hölle?“ Er erwiderte: „Höhle natürlich. Sie glaubt wie die alten Griechen, dass Erdbeben aus Höhlen ausbrächen.“ Er schüttelte sich dabei, wie ein großer dicker lachender Bär und meine wütende Bären-Mutter schnaubte verächtlich: „Ach...