schmerzwach schreibt: Poesie einer Ausstellung - Text EINS
Ingrid Hornef Unüberwindbare Abstände I Das Beleidigendste daran war vielleicht, dass dieser abgelutschte, täglich millionenfach gesagte Satz zwischen uns fiel. Ich brauche Abstand von dir. Ich brauche Abstand von uns. Vergessen, verdrängt, welcher Satz genau es war, unwichtig, klischeehaft, Floskeln, die gesagt werden müssen. Etwas wie „Gute Besserung!“ zu wünschen, wenn jemand etwas vom Krank sein erzählt, „Mein Herzliches Beileid“, wenn jemand aus dem Umfeld der anderen Person stirbt, solche Dinge. Es wird gesagt, ohne darüber nachzudenken, ohne etwas zu fühlen. Ich brauche Abstand von dir. Ich halte diese Enge nicht mehr aus. Das kam von dir. Wie war es denn früher zwischen uns? Das fragte ich dich, ohne eine Antwort zu erhalten. II Unsere Unterhaltungen waren immer schwarz weiß. Oder weiß schwarz. Und ich war weiß. Ich bin weiß. Sagst du. Nicht grau. Keine Schattierung von Grau. Weiß. Du sagst: Du bist so selbstlos, Du bist wie Jesus. Ich denke eher, ...