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Gedanken über die Sprache

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Dies ist nun der zweite Post-Tausch in der Geschichte des Schmerzwach-Blogs . Ich freue mich sehr, euch nun einen Post aus dem Blog http://stancerblog.blog.de/ zu präsentieren, denn Carsten, der Betreiber des Blogs, ist nicht nur ein eifriger Leser meines Blogs - was mich sehr freut -, sondern ein Mensch, der ganz witzig und pointiert schreibt, und manchmal sehr ähnlich wie ich denkt. :-) Wirklich saucool, dass er zum Posting-Tausch bereit ist, nachdem schon der sehr talentierte Basti mein Gast hier war.  Die Sprache ist etwas wunderbares, ermöglicht sie uns doch in unvergleichlicher Weise durch Aneinanderreihung mannigfaltigster Wörter eine Art der Kommunikation, von der andere Spezies, zum Beispiel der gemeine Grottenolm, nur träumen können (so fern Grottenolme überhaupt träumen, ist das mal untersucht worden, wenn ja, warum?). Ich möchte sogar so weit gehen, zu behaupten, die Sprache ist eine Grundfeste der menschlichen Intelligenz, auch wenn das bei der Betrachtung von „Baue...

Wahrheit oder Ironie

Im Studium besuchte ich das Seminar "Alltägliches Erzählen", meine Professorin behauptete, das jeder Mensch 15 - 20 Geschichten auf Lager hat, die er für interessant befindet, und die er bei jedem Kennenlernen (vielleicht in unterschiedlicher Reihenfolge) erzählt. Eine meiner Geschichten könnte sein: In der Schulzeit hatte ich mit Andrea immer Donnerstag in der fünften Stunde eine gemeinsame Freistunde. Eines Tages sagte ich zu ihr: "Hey, Andrea, alle Jungs aus der Stufe stehen auf dich." Sie lachte ungläubig und erwiderte: "Ach, als ob ich dir glauben könnte. Du erzählst doch die ganze Zeit nur ironische Sachen und so." Ich war tief getroffen, weil ich immer alles ernst meinte, was ich dachte. Zumindest kam es mir vor. Auch hatte ich nie von dieser Theorie gehört, dass jeder Mensch 200 Mal am Tag lügen soll. Da! Da ist die Fallgrube der Sprache: um einer Person nicht vor den Kopf zu stoßen, muss man entweder die Wahrheit geschickt verschleiern oder gl...

Die Sprache -2-

Ich verwechsle Sprachen, übersetze falsch, mir passieren interessante Fauxpas. Ich sage im Griechischen: mir schlafen die Füße ein, und ernte Gelächter, in Griechenland heißt es, dass die Füße vermodern. Wie soll man als Kind auch auf so eine morbide Übersetzung kommen. Ich will zum Assenseri gehen, wenn ich einen Aufzug brauche, könnte aber auch Ascenseur sagen, wie meine Nachbarn, oder Lift? Dann möchte ich besonders intelligent und reif erscheinen und sage: „oben ohne“, als ich „open end“ meine, wieder lacht alles, während ich das sage. Es verwirrt mich. Man denkt erneut, ich sei dumm, weil ich zu Missverständnissen neige. Manchmal irren sich aber auch die anderen. Man erklärt mir, wie man mit Wasserfarben malt, doch ich benutze zu viel Wasser, ich liebe Wasser, finde wässrige Farbe faszinierend. Ich höre die Freundin von meiner Schwester sagen: „Erkläre ihm mal, dass er weniger Wasser nehmen soll!“ Ich verstehe es. Will kundtun, dass ich das wisse, aber es anders machen wolle. Ich ...

Die Sprache -1-

Spät begann ich die Kunst des Sprechens zu erlernen. In meinem Kopf formten sich zwar endlose Reihen von Wörtern, doch als sie aus meinem Mund strömen sollten, blieben sie aus, man vernahm nur ein Gurgeln und Quietschen. Es war, als blieben die Worte in meinen Stimmbändern hängen, könnten ihnen nicht entrinnen. Mir kam es so vor, als wollten sie mich ärgern, als versteckten sie sich dort unter der Haut meines Halses. Doch warum taten sie so etwas? Was hatte ich getan? Warum verkrampfte sich alles in mir drin, wenn ich reden sollte? Eines Tages fühlte ich mich so hilflos, so verzweifelt, dass ich die oberste Schublade unseres Küchenschrankes, die ich erreichen konnte, öffnete und den spitzesten Gegenstand, den ich fand, hervorholte. Es war eine Schere. Ich setzte gerade an, um sie in meinen Hals zu stechen, als ich ein lautes Schreien hörte, das aus der Kehle meiner Mutter entwich. Ich blickte sie erstaunt an, hatte aber durchaus nicht vor, von meinem Tun abzulassen, schließlich erwarte...