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Tanger

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"Naked Lunch" wurde 1991 von David Cronenberg verfilmt: 1953 ahmt der Kammerjäger William "Bill" Lee mit seiner Frau im Drogenrausch das Pfeil-und-Apfel-Spiel von Wilhelm Tell nach: dabei benutzen sie Pistole und Wasserglas. Das Ende der Geschichte ist, dass er sie umbringt und danach fliehen muss. Und wohin geht es? In die Internationale Zone Tanger. Dort stolpert der angebliche Geheimagent (für den man ihn nun hält) durch einen surrealen Alptraum, während er gleichzeitig versucht seinen Roman "Naked Lunch" zu schreiben. Umgeben ist er in in diesem Tanger von  vielgestaltigen Junkies, Drogenhändlern und bizarren Kreaturen (darunter sprechende, insektoide Schreibmaschinen und monströse Halbwesen, die sogenannten Mugwumps). Nachdem ich mein Silvester in Andalusien verbracht habe und den Anfang des Jahres ebendort und in Jerez und Cadiz genießen durfte, lag Tanger als nächstes, wenn auch spontanes Ferienziel sehr nahe. Vielleicht würde es mich literarisc...

„Die Kolonie“ von Charles Burns - Der Alptraum geht weiter

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Cutup – so nannte sich die Methode, derer sich William S. Burroughs, Heroe der Beat Generation, bediente. Er berief sich dabei auf Brion Gysin, einem Maler und Freund von ihm. Dieser schnitt am 1.Oktober 1959 auf seinem Schreibtisch ein Passepartout zurecht. Bei diesem Vorgang zerfielen die Zeitungsseiten, die er als Unterlage benutzte, in Streifen. Er versuchte sie wieder zu einer ´intakten´  Seite zusammenzusetzen und entdeckte dabei, dass die Schnipsel sowohl witzigen Nonsens ergeben, als auch vollständige Sätze, die einen geheimnisvoll verschlüsselten Sinn zu haben schienen, darstellen konnten. Burroughs erkannte nun, dass man diese Collagentechnik für die Literatur nutzen konnte, nämlich dann, wenn man gleichzeitige Vorgänge, die einem im Traum und in der Realität begegnen und die sich im Bewusstsein miteinander vermischen, erzählen möchte. Burroughs experimentierte zunächst mit Cutup-Gedichten, später dann mit Romanen – er kombinierte die Texte in endlosen Variationen mitei...

Charles Burns: X

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Kein leichter Anfang, fürchte ich, ist die Graphic Novel „X“ von Charles Burns – und doch ist es am Ende das erste Buch seit Jahren, dessen Fortsetzung mich tatsächlich brennend interessiert. Graphic Novels zu lesen hatte ich mir vor einiger Zeit bereits vorgenommen: Vom 18. Dezember 2008 bis zum 22. März 2009 fand im Frankfurter Jüdischen Museum die fabelhafte Ausstellung “Superman und Golem: Der Comic als Medium jüdischer Erinnerung” statt, die vorher auch in Amsterdam und Paris mit großem Erfolg gezeigt worden war. Dabei stieß ich auf „Ein Vertrag mit Gott” von Will Eisner (Carlsen), „Maus“ von Art Spiegelmann (S. Fischer) und „Die anderen Mendelssohns“ von Elke R. Steiner (Reprodukt). Erst jetzt, Jahre danach, schaffte ich es, mich mit Graphic Novels näher zu beschäftigen.  Doch was sind Graphic Novels eigentlich? Will Eisner und sein gerade genanntes Werk ist ein gutes Stichwort, denn als er in den Siebzigerjahren auf eben diesen „Comic“ den Zusatz „Graphic Novel“ schrieb, w...

Berlin Bromley von Bertie Marshall

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Heute stelle ich einmal ein älteres Buch vor, 2008 erschienen, welches ich damals für Radiosub rezensiert hatte. Da wir am Wochenende im Suff darüber gesprochen haben, fiel mir ein, dass es hier noch kein Berlin Bromley-Post gab, obwohl er hier sehr sehr gut reinpasst... Berlin Bromley ist das Pseudonym von Bertie Marshall: der Vorname ist eine Reminiszenz an das Berlin der glamourösen goldenen Zwanziger Jahre. Diese faszinierten den jungen Mann, seitdem er den Film „Cabaret“ mit Liza Minelli sah. Auch ein Album von Lou Reed heißt so... Der Nachname lehnt sich an Bromley – der spießige Vorort Londons, in dem der fünfzehnjährige Tür an Tür mit Siouxsie Sioux von den späteren Banshees lebt. Der autobiografische Roman erzählt von der Zeit zwischen 1975 und 1978, als Berlin Bromley gemeinsam mit Siouxsie und vielen anderen Protagonisten der Punk-Szene im so genannten Bromley Contingent den Sex Pistols auf ihre Konzerte nachreisen und mit ihnen Partys feiern. In der Nachbarschaf...

BEAT Generation - Schreiben, saufen, huren - Teil 4 -

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I belong to the beat generation. I don't let anything trouble my mind. I belong to the beat generation. And everything's goin' just fine. So heißt es in dem Lied "Beat generation" von Bob MacFadden. Die Beat Generation. Die Beatniks. Die Cut Up Methode. William S. Burroughs... Es gibt wieder etwas Neues über sie zu erfahren, Informationen, Inspirationen. Gerade läuft im Mal Seh´n Kino, wo auch sonst in Frankfurt, "William S. Burroughs A Man Within". Und ich kann es vorweg sagen: Ein sehenswerter Film. Setz dich mit einem Glas Rotwein in den kleinen Filmsaal, lehne dich zurück und lass dich von den vielen Zeitzeugen gefangen nehmen. Auf dem Kinoplakat kann man ja erkennen, wer da alles dabei ist, Patti Smith, Gus van Sant, John Waters und und und... William S. Burroughs ist die Kultfigur der Beat Generation, Pionier der Gegenkultur und Drogenpapst. Welche Droge hat er nicht ausprobiert? Welche Drogenerfahrung hat er ausgespart, im realen Leben und in...

BEAT Generation - Schreiben, saufen, huren - Teil 3 -

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Neal Cassady lief in der Nacht des 3.Februar 1968 irgendwo in Mexiko die Bahngleise entlang, es regnete - plötzlich beschloss er, dass er müde sei, zu müde um weiterzugehen. So legte er sich auf die Gleise. Und wenig später fiel er in ein Koma und wachte nicht mehr auf. Warum? Weil er eine tödliche Mischung von Drogen und Alkohol intus hatte. Warum ich das erzähle? http://www.cineastentreff.de/teleschau/200736/ 5/ 200736_188737_1_024.jpg Neal Cassady war der heimliche Held von einem Gedicht, das der 27jährige Allen Ginsberg im Jahre 1955 schrieb: "Howl" - ihr erinnert euch ja noch an meine Rezension zu diesem Film . Neal Cassady also, der Held, der immer betrunken war, der nicht erwachsen werden konnte und wollte, Cassady, der in allen Beatnik-Köpfen herumspukte, nicht nur in Ginsbergs. Es gibt eine Verfilmung aus dem Jahr 1997 mit Thomas Jane und Keanu Reeves: "Wie ich das erste Mal Selbstmord beging", in dem Cassady die Hauptfigur ist. Darin steht die Zeit...

BEAT Generation - Schreiben, saufen, huren -2-

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Allen Ginsberg sagt in HOWL, dass er sich in Jack Kerouac verliebt hatte... Kennengelernt hatten sie sich durch Lucien Carr: Allen Ginsberg, Jack Kerouac und William S. Burroughs. Allen Ginsberg war auch der erste, der über Lucien Carr und dessen Mordtat schrieb... Doch während bei Allen Ginsberg verhindert wurde, dass er weiter darüber schreibt - sein Professor an der Uni versuchte ihn davon zu überzeugen, dass seine Erzählung darüber zu obszön sei - veröffentlichten William S. Burroughs und Jack Kerouac ihr gemeinsames Erstlingswerk über die Geschichte von Lucien Carr und David Kammerer. Allerdings auch erst sehr viele Jahre nach Beendigung ihres Werkes. Beide waren von diesem Thema sehr fasziniert, versuchten immer wieder ihr Manuskript bei einem Verlag unterzubringen. Jahrzehntelang lehnten Verlage dieses Buch ab, weil sie daran zweifelten, es verkaufen zu können... David Kammerer war ein Lehrer in St. Louis und stand nachweislich auf sehr junge Männer, um nicht zu sagen Tee...