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Posts mit dem Label "Tarek Badawia" werden angezeigt.

Stuhl hin oder her... KOKOLORES... - Teil 4 -

Gemma war die einzige, die ihren Weg bis zum Ende ging. Die jetzt Lehrerin ist und sicher ihren Job gut macht. Die Familie hat, glücklich ist, die ihren Schülerinnen und Schüler etwas mit auf ihrem Lebensweg geben kann. Die anderen sind nicht mehr im sozialen Bereich zu finden. Außer mir. Ich arbeite in einem bundesweiten Projekt mit, das die Chancen von erwachsenen Menschen mit Migrationshintergrund verbessern soll, sich in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren, mehr so ein politisches Ding. Metin sagt: „Ich musste meinen Eltern immer bei Behördengängen helfen, die waren so unselbständig, konnten zu wenig Deutsch, um sich selbst zu helfen, waren von allem überfordert. Sie hatten viele Ängste, die sie auf mich übertrugen. Wie hätte etwas aus mir werden können?“ Wie hätte aus ihm etwas werden können, mit all diesen Handycaps, Schwierigkeiten und Diskriminierungen. Es gab immer einen Unterschied zwischen ihm und mir. Ihm sieht man das „Ausländer-Sein“ an, er ist der böse Türke, der ...

Stuhl hin oder her... KOKOLORES - Teil 3 -

„Es ist unumstößlich“, sagte er, „als ich in die Schule kam, hatte ich klare Nachteile. Ich konnte kaum Deutsch, ich war einer der wenigen Migranten. Die Deutschen konnten schon lesen und schreiben und ich konnte noch gar nichts. Als ich so weit wie sie war, da konnten sie schon kleine Aufsätze schreiben, ich hinkte immer hinterher.“ „Ja“, antwortete ich, „Bourdieu würde dir jetzt zustimmen. Die Kapitalientheorie. Akkumulation von kulturellem Kapital. Wer nix hat, hat Schwierigkeiten, mehr dazu zu bekommen, wer schon viel hat, dem wird noch mehr gegeben. So funktioniert das System! Das ist nicht anders als beim ökonomischen Kapital, wer kein Geld hat, der kriegt die erste Million sehr schwer, wer die Million schon hat, kriegt die zweite und dritte Million im Nu. Und du, lieber Metin, hast von keiner Art des Kapitals genug, weder ökonomisch, noch sozial, noch kulturell. Leider.“ – „Ja, leider.“ Im Laufe des Studiums kristallisierte sich immer weiter heraus, dass wir Studierenden mit M...

Stuhl hin oder her... KOKOLORES - Teil 2 -

„Kokolores, Klischee – bringt uns alles nicht weiter. Du bist so wie du bist, weil du clever bist. Nichts weiter. Einfach ein cleveres, weltoffenes Bürschchen, und das ist gut so. Fang aber nicht mit diesen Stühlen an, sonst ramme ich dir einen in deinen kleinen Bauch.“ Toula, die bei unserer ersten Demo gegen die Bildungsmisere, vorneweg lief, plötzlich gegen die Polizisten wetterte, so etwas wie „Bullen raus, geht nach Haus´“ skandierte, woraufhin wir ihr sofort rieten, ihren Mund zu halten, bevor sie noch niedergeknüppelt werde. Unsere Väter kamen aus unterschiedlichen Gründen nach Deutschland. Metins Vater war ein intellektueller Linker, hochgebildet, mit Universitätsabschluss als Ingenieur. Mein Vater war ein armes Dorfkind mit geringer Schulbildung, der als ältester der Brüder beschloss sich fünf Jahre lang als Gastarbeiter bei der Firma Züblin zu verdingen, um Geld nach Hause zu schicken, den Standard der Familie anzuheben, dann zurückzukehren, eine Frau zu finden und zu heira...

Stuhl hin oder her... KOKOLORES - Teil 1 -

Unsere Väter trafen sich eines Mittags in der Kantine des Badischen Stahlwerkes, klopften sich gegenseitig auf die Schultern und sagten es so: „Ah, du Papa Aris?!“ – „Ah, du Papa Metin?!“ – „Ja. Metin ist guter Junge.“ – „Ja. Ja. Dein Aris auch ein guter Junge.“  Und dann kümmerten sie sich wieder um ihr Essen, vermutlich irgendetwas mit Kartoffeln.  Metin und ich befanden uns auf dem Spielplatz, in der Nähe seiner Straße, gut versteckt in der großen Rutsche, wenn man saß, sah man uns nicht von außen. Das war auch gut so. Unsere Väter sollten uns nicht beim Kiffen erwischen. Wir sagten es so: „Scheiße, Mann, wir müssen hier aus dem Kaff raus, wir haben keine Chancen hier, keine Optionen.“ – „Ja, Mann, wir können uns hier nicht entfalten. Wir müssen weg, in die Großstadt, wir brauchen Museen, Theater, wir brauchen eine Chance, um weiterkommen zu können.“   Das war vor langer Zeit gewesen. Wo sind der Metin und der Aris von damals geblieben? Und wo unsere Väter? M...