Posts

Posts mit dem Label "ich verschlief Erdbeben" werden angezeigt.

Pontikaki kai gataki - Teil 3 -

Bild
Ich verschlief meine erste Beziehung mit einer Frau. Bevor ich es realisiert hatte, dass das etwas Festes sein soll, führte sie schon das Beziehungsende-Gespräch, wie sie es nannte, mit mir. Viel zu sehr von den Beziehungen verstört, die mir vorgelebt wurden, hatte ich nicht gemerkt, dass wir eine führten, zu wenig Streit gab es da, zu wenig Kabbelei, zu viel Harmonie, zu viel Geknutsche, zu viel Lächeln, Lachen, sich Freuen. Als wir uns kennenlernten, mehr durch Zufall, wir waren beide auf eine Party eingeladen und liefen uns über den Weg, als wir das Haus suchten, das, wie wir nicht wussten, im Hinterhof zu finden war. Sie, die blonde blauäugige Hamburgerin, mit ihrem aristokratischen Akzent, ich, der mit seinem dunklen Teint im Sommer, mit seinen dunklen Augen und Haaren, mit seiner leicht schnodderigen Art zu reden, wir, die am Ende der Party auf einer Couch lagen und knutschten, stundenlang. Tagelang überlegte ich nach unserer Trennung, ob meine Eltern oder Großeltern solche Mom...

Pontikaki kai gataki - Teil 2 -

Bild
Ich verschlief den qualvollen Tod meiner Oma. Jahrelang hatte ich mich geweigert, nach Griechenland mitzugehen, nun in meinen Teenie-Jahren sei ich ja wohl alt genug, zuhause in Deutschland zu bleiben, um mit meinen Freunden alleine zu reisen. Man beschrieb mir diesen langsamen Tod kaum verständlich, ich ging davon aus, dass meine Oma niemals schlief oder immer schlief, denn das Bild, das mir vermittelt wurde, war Folgendes: Sie sitzt in einem Schaukelstuhl, vor sich hinstarrend, nimmt nichts wahr, starrt an die Decke vielleicht, an die Wand vielleicht, nimmt aber ihre Kinder und Enkel nicht mehr wahr, regt sich nicht, zuckt nicht einmal mit ihren Augenlidern, starrt nur, während mein Opa sich ganz bösartig weder um sie kümmert noch ein Herz für sie hat. Er höhnte: „Die war doch in ihrem ganzen Leben so, keinen Muckser gab sie von sich, nie hat sie sich gegen mich durchgesetzt, nie!“ Meine Mutter war dann immer nahe dran, ihm nicht nur eine Ohrfeige zu geben, sagte sie, sondern eine ...

Pontikaki kai gataki - Teil 1 -

Bild
Ich verschlief Erdbeben. Am Morgen wachte ich auf und alles stand an einem anderen Platz. Bestürzt schaute ich in die verstörten Gesichter meiner Familie, samt Oma und Opa, die ich in diesem Moment nicht vor mir erwartete, und fragte, was denn hier für ein Aufruhr stattfinde. Mein Vater, der selten seine Nerven verlor – im Gegensatz zu meiner Mutter  – zog seine Augenbrauen hoch, wie er das immer tat, wenn er mich aufziehen wollte, und sagte in seinem vermeintlichen Insolaner-Singsang: „Du glaubst, dass jetzt ein Aufruhr herrscht? Dann weißt du nicht, was deine Mutter für einen Aufriss in der Nacht gemacht hat, als sie sich schon im Himmel wähnte, und mich dafür verfluchte, dass ich aus diesem Höhlenloch komme.“ Irritiert fragte ich nach: „Höhle oder Hölle?“ Er erwiderte: „Höhle natürlich. Sie glaubt wie die alten Griechen, dass Erdbeben aus Höhlen ausbrächen.“ Er schüttelte sich dabei, wie ein großer dicker lachender Bär und meine wütende Bären-Mutter schnaubte verächtlich: „Ach...

Pontikaki kai gataki

Bild
http://www.benm.at/wp-content/uploads/2009/10/Katz-und-Maus.jpg Jetzt unter:  http://schmerzwach.blogspot.com/2011/11/pontikaki-kai-gataki-teil-1.html Er verschläft Erdbeben, seine erste Beziehung, den Tod seiner Oma und sogar seinen eigenen Tod. Eine kurze Geschichte über eine Liebe, die schicksalhaft zu sein scheint. Eine kurze Geschichte über das Erwachsenwerden, das sich Finden und über Beziehungen, die einem vorgelebt werden und die man nachahmt - oder eben nicht. Was ist Schicksal? Was ist Zukunft? Welchen Einfluss haben vorgelebte Beziehungsmuster auf das eigene Beziehungsleben? Wie finde ich meine eigene Identität? Kann ich sie über die Liebe zu einem anderen Menschen finden? Lest eine liebenswerte, nette, wendungsreiche Geschichte dazu hier: http://www.epidu.de/buch/1103/ Über Unterstützung, nette Kommentare, "Scoutings" usw. würde ich mich riesigst freuen. Ich danke euch im Voraus sehr dafür! :-)

Kitchen Stories SIXTEEN - der zweite Geburtstag

Bild
Es war die zweite Lesung meines Lebens, in der ich eigene Texte vorlas - und mein zweiter 35. Geburtstag! :-) Wie das kam? Kurt Drawert, Leiter des Zentrums für Literatur, stellte mich dem Publikum vor, wer ich bin, was ich arbeite, was ich sonst so mache, wie und was ich schreibe. Dann plötzlich sagt er: Es gibt nun das erste Mal einen Tusch bei der Lesebühne! Ich sitze leicht verwirrt da, denke: HÄ? Dann spricht Kurt weiter: "Ja, denn heute hat Jannis Geburtstag!" Verwirrt blicke ich ihn an, frage mich: Will Kurt mich verarschen? Wo ist die versteckte Kamera??? Doch nichts, er meint es völlig ernst. Auch Schwester S. schaut mit irritiert an. Was nun machen? Perplex rufe ich aus: Was? Ich? Geburtstag? HEUTE? Wusste ich ja gar nicht! Daraufhin die Antwort Kurts: "Soll ich dir die Email zeigen, in der du mir das geschrieben hast?" Und dann war mir alles sehr viel klarer...  Denn ursprünglich hätte ich tatsächlich bei der Lesebühne am 6.7. - meinem Geburtstag ...