Bitte steck mich nicht in Schubladen!
2006 „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin…“ – ich laufe den Main entlang mit Tausenden von grölenden Menschen, die glücklich ihre Fahnen schwenken. Sie singen, sie lachen, sie freuen sich. Ich schaue sie mir an, lasse jede Skepsis, jedes Misstrauen, das ich gegenüber Patriotismus und Nationalismus hegte, fallen. Ich lasse mich von der Menge treiben, spüre einen wohligen Schauer. Ich habe gute Laune. Ich möchte tanzen. Mein Herz zerspringt vor Freude. Wer hätte das gedacht? Eine junge Frau stupst mich von der Seite an: „Sing mit, wenn du ein Deutscher bist, sing mit…“ Und ich singe. Sie lacht mich an und schenkt mir ein Bier. Plötzlich geht es nicht mehr weiter. Wir bleiben stehen an einem brasilianischen Stand: Hier bewegen sich alle zu Techno-Musik, stehen auf den Tischen, trinken, hopsen, singen. Ich denke: das sind also die Deutschen, die angeblich nicht feiern können? Als ich vor dem ersten Spiel an den Römerberg kam, wunderte ich mich doch ...