Sonntag, 12. Dezember 2010

Stuhl hin oder her... KOKOLORES... - Teil 5 -

Metin ruft mich an, und sagt:
„Oh Mann, die Österreicher nerven mich. Die machen gerade so, als müssten sie mich – als Deutschen – ausweisen, wenn ich innerhalb von drei Monaten keinen sozialversicherungspflichtigen Job nachweise. Puh, diese alten Rassisten!“

Auf diesem Spielplatz, auf der Rutsche oben, nicht von anderen einsehbar, malten wir uns die Zukunft aus, redeten von Erfolg, von Glücklich sein, etwas erreichen, etwas vollbringen. Wir waren voller Hoffnung, dass wir unserem Schicksal entkommen können. Doch scheinbar hat es uns immer wieder verfolgt, uns zeitweise zur Strecke gebracht. Unseren Idealismus abgetötet vielleicht. Unsere Hoffnung. Unsere Ziele. Wir wollten etwas Sein, etwas Darstellen, Anerkennung erhalten, Ankommen.

Unsere Väter schufteten sich den Rücken krumm für uns, damit wir es einmal besser als sie haben. Metins Vater sagte nach meines Vaters Tod:
„Ich hab gesagt, Papa Aris, arbeit nicht so viel. Machst dich kaputt! Habe ich gesagt. Jetzt ist er tot!“
Er weint. Er weint noch mehr, als er Sarrazin im Fernsehen sieht. Metin ruft mich an:

„Ich könnte ausrasten!“ sagt er. „Ich könnte wirklich ausrasten!“
Damals im Studium wollten wir gerade für die Jugendlichen mit Migrationshintergrund da sein – doch die Realität zeigte uns, dass dies nicht möglich ist. Die einzig nicht Radikale unter uns ist die einzige, die in der Schule gelandet ist. 

„Papa Aris“, sagte Metins Vater, „unsere Kinder sollen Lehrer und Anwälte werden!“ Und mein Vater antwortete: „Ja, dafür sind wir in Deutschland, meine Frau und ich. Deine Frau und du.“

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