Freitag, 28. September 2012

Uferwechsel von Sunil Mann


Es ist sehr früh am Morgen, gemeinsam mit einem Freund, dem Redakteur eines Zürcher Stadtmagazins, gelangt der Privatdetektiv indischer Herkunft an einen Tatort. In dem
Waldstück nahe des Zürcher Flughafens wird eine Leiche geborgen: Ein junger Mann ausländischen Aussehens, der trotz des kalten Winters nur halb bekleidet ist. Der Körper ist steif gefroren, das Gesicht weist schwere Verletzungen auf. Überraschenderweise erhält Vijay Kumar am nächsten Tag den Auftrag, die Umstände des Todes aufzuklären. Erste Recherchen lassen die Vermutung aufkommen, dass sich der Tote im Radkasten eines Flugzeugs versteckt hatte, um illegal in die Schweiz einzureisen. Diese Vermutung gründet sich auf einen Fall, den Kumar vor Monaten in der Zeitung gelesen hatte. Er gibt diesen Tipp dem Ermittler bei der Schweizer Polizei weiter, und am folgenden Tag liest Vijay Kumar erstaunt einen Zeitungsbericht, in dem diese Hypothese ohne Nennung seines Namens, berichtet wird. Doch der Privatdetektiv merkt bald, dass jemand eine falsche Spur legen wollte. Die richtige führt ihn bald ins Stricher-Milieu und in die „schwule Szene“ Zürichs. Er wirft sich also in sein „schwulstes Outfit“ (bei dem er übrigens, wie sich bald zeigt, etwas daneben liegt) und erbittet sich Hilfe bei Miranda, ihres Zeichens transident und in der Szene unterwegs...
„Vom anderen Ufer sein“ ist ein Euphemismus für „homosexuell sein“. „Uferwechsel“ könnte nun übersetzt heißen, sich vom „Schwulsein zu befreien“ und „heterosexuell zu werden“ – oder eben umgekehrt. Geht das überhaupt? Es gibt religiöse Gruppen, Sekten, die das auch im Jahr 2012 noch denken: Der Bund Katholischer Ärzte (BKÄ) in München vertritt die These, nach denen Homosexualität psychische und Empfindungsstörungen sind, die psychotherapeutisch, homöopathisch und geistlich „geheilt“ werden können. Dieser Bund sorgte beim Kirchentag in Mannheim im Mai für einen Eklat, weil er Flugblätter solcher Art verteilt hatte. Eine Ausnahme? So betrachtet die CDU-Politikerin Katherina Reiche die Gleichbehandlung der ´kleinen Gruppe´ Homosexueller als Gefahr, die traditionelle Familie müsse geschützt werden, denn nur sie gewährleiste den weiteren Fortbestand der Gesellschaft. Zwar betont sie, dass man homosexuelle Beziehungen nicht diskriminieren dürfe, doch es wird klar, dass sie sie als Gefahr der patriarchalen Gesellschaft sieht, für die die klassische Geschlechtsrollenaufteilung notwendig erscheint. Bei näherem Betrachten erscheint diese für Konservative „staatserhaltende Maßnahme“ als nicht weniger homophob und wenig zeitgemäß als die Therapieversuche von der BKÄ.
Im Laufe seiner Ermittlungen kommt Vijay Kumar einer vergleichbaren Organisation auf die Spur, die ihren „Klienten“ verspricht, sie von ihrer Homosexualität zu befreien und sie auf die rechte Bahn zu bringen. Die Methoden dabei sind natürlich sehr fragwürdig. Und die Konsequenzen sind teilweise tödlich, wie der Privatdetektiv feststellt. Homophobie, und da muss man nicht erst in Putins Russland reisen, der homosexuelle Kundgebungen für die nächsten Jahrzehnte unter Strafe gestellt hat, und nicht in die bekanntermaßen sehr schwulenfeindlichen afrikanischen Staaten Uganda oder Ghana, sie ist auch in mitteleuropäischen Staaten weit verbreitet. Diversity Stellen in großen Unternehmen, CSD-Paraden in deutschen Städten und öffentliche Vorbilder aus dem gesellschaftlichen Leben, Wowereit, Westerwelle oder Kerkeling, scheinen darüber hinwegzutäuschen. Doch nach wie vor werden homosexuelle Menschen diskriminiert, von ihren Mitschülern, Kollegen, Vorgesetzten oder gar Familienmitgliedern verhöhnt. Bei homosexuellen Künstlern wird die Veranlagung hervorgehoben, als wäre sie die wichtigste Charaktereigenschaft. So liegt also nahe, dass es für manche Menschen auch heute noch verführerisch erscheint, von der Veranlagung befreit zu werden...
Sunil Mann scheint zu wissen, wovon er schreibt, er kennt nicht nur das Kiez rund um die Langstraße, in der Vijay Kumar lebt, sehr gut, sondern beschreibt das „schwule Leben“ detailgenau und stilsicher. Wie man auf den „blauen Seiten“ (Gayromeo: ein Chat-Forum für schwule Männer) chattet, auf welche Besonderheiten man da gefasst sein muss, welche Gepflogenheiten vorherrschen. Er kennt die Charaktere, von denen er erzählt, kennt ihre Sorgen und Nöte – sie sind authentisch und glaubwürdig. Der Autor lässt dabei durch seine Figuren tiefer in diese Szene einblicken, und Außenstehende erfahren Neues. 
Beim Aufbau seiner Geschichte gefällt vor allem, dass er die Sehnsucht nach Liebe und Suche nach Sex, die in diesem Fall im Mittelpunkt steht, mit der persönlichen Geschichte des Detektivs Kumar verwoben wird. Sein Vater hat Depressionen, Sehnsucht nach Indien und stellt sich die Sinn-Frage. Wie konnte das der Familie monatelang nicht auffallen? Die Mutter schnappt sich ihren Mann und verreist nach Indien. Aber nicht ohne dafür zu sorgen, eine Kontaktanzeige in die Zeitung zu setzen, damit ihr Sohnemann endlich an die Frau kommt. Stoff für viel Erheiterung. Unterhaltsam ist nicht nur das Umfeld des Privatdetektivs, der Schreibstil ist es genauso wie die Sicht auf die Welt, die der Erzähler uns zeigt. Großstädtisch, weltmännisch, immer mit einem Augenzwinkern, Latte Macchiato trinken und sich über die „Gentrifizierung“ ärgern, mit den Klischees spielend – der indische Whisky darf nie fehlen –, und doch offen und frei, zeitgemäß. „Uferwechsel“ von Sunil Mann, gerade im wunderbaren Grafit Verlag erschienen, macht definitiv Spaß und Lust auf mehr, ist größtenteils spannend und sorgt für ein überraschendes Ende. 
http://www.amazon.de/Uferwechsel-Sunil-Mann/dp/3894254076

Mittwoch, 26. September 2012

Fortsetzungsroman: Moody Blue 9

http://schmerzwach.blogspot.de/2012/
09/fortsetzungsroman-moody-blue-8.html
Früher hattest du mehr Muskeln, sagte er, meinen Oberkörper betrachtend. Früher trieb ich auch mehr Sport, damals, als ich ein junger Gott war, sagte ich. Ach, komm, meinte er, du bist noch immer ein junger Gott, schau mich an, mir fallen die Haare aus, mein Bauch schwabbelt... – ist ja gut, unterbrach ich ihn. Nein, nein, sagte er, das ist alles kein Problem mehr, ich fühle mich wieder jung. Oh nein, wir waren erst vierundzwanzig und führten eine solche Unterhaltung. Und oh nein, oh nein, oh nein, hatte er sich etwa in dieses Mädchen verliebt? Mir schwante Böses. 
Hat es mit Stefanie zu tun? fragte ich unbehaglich. Ja, ja, ja, antwortete er überschwänglich. Was sollte ich nun dazu sagen?! Sie ist ein wunderschönes, spritziges Mädchen, mein Jungbrunnen, ich liebe sie – Entschuldige einmal, stoppte ich erneut seinen Redeschwall, du hast gerade einmal drei Stunden mit ihr verbracht, mit ihr gesoffen und gepoppt... Es waren mindestens zehn Stunden, schrie er fast, und könntest du mal bitte das Fenster öffnen, hier drinnen mieft es. Ich stand noch immer. Ich öffnete das Fenster, setzte mich dann auf das Bett neben Levent. Du warst noch bei ihr? Ja, bis eben, Apostoli, wir haben die ganze Zeit geredet, ich fand es wunderschön, ich fühle mich wie ein Teenie. Nun blieb mir die Spucke weg. Ich erkannte meinen schwermütigen Freund nicht mehr wieder, der mir erst vor wenigen Tagen erzählt hatte, dass er keine echten, tiefen Empfindungen mehr haben könnte. So hatte ich ihn noch nie gesehen. 
Seine Freundin hatte er bereits lange gekannt, bevor sie zusammenkamen, sie waren beste Freunde gewesen, die sich alles erzählten, damals noch zwei-drei gemeinsame gute Freunde besaßen, eine Clique darstellten; eines Tages gingen sie am Rhein spazieren- da! Wieder ein Spaziergang, noch dazu am Rhein, wie bezeichnend!-, setzten sich auf eine Bank und plötzlich küssten sie sich. Das war der Anfang. Für ihre Clique der Anfang vom Ende, langsam zerbröckelte sie. Erst viel zu spät erkannte Levent, woran das lag. Sie hatten diese Verbindung durch dieses Zusammenkommen gesprengt, die Spannungen wurden zu groß. Eine Gruppe ist ein sensibles System, jeder in der Gruppe bekleidet eine Funktion, wenn dies reibungslos klappt, geht es auch mit der Gruppe gut, verändern sich die Funktionen, verändert sich die Gruppe, meistens funktioniert sie dann nicht mehr. So stellte es sich bei ihnen dar. Da war nichts zu machen. Levent bereute diesen Ausgang, vielleicht gab er seiner Freundin unbewusst die Schuld daran, denn er versuchte ja – in seinen Augen – alles, um die Clique vor dem Ruin zu bewahren. Dem unvermeidlichen. Er wirkte damals nicht sehr verliebt oder so, nein, es schien eher, dass es einfach gut passte, seine Jungfräulichkeit konnte nun ad acta gelegt werden, seine Freundin würde ihn knuddeln, wenn er sich wehrlos vorkam, sie könnte ihm in seinem schweren Leben stützen. Ansonsten hatte er sich zwar in Mädchen verkuckt, aber nie ernsthaft verliebt, so dass er wild von ihnen schwärmte. 
In Liebesratgebern steht: man solle nicht verzweifelt nach einer Liebe suchen, man solle aber sein Herz öffnen, es bereit machen, dass es die Liebe zulässt, wenn es sie trifft, alles andere passiere dann von selbst. So wie gestern Abend? Merkwürdig, sagte ich. Was? fragte Levent und ich sagte: nichts! und dachte an Tobias und Julian. Ich liebe sie, versuchte er mich zu überzeugen, ich weiß, das alles ging sehr schnell, aber ich bin mir bereits sicher. War der ekstatische Sex daran Schuld? fragte ich mich, konnte seine Freundin ihn nicht so gut befriedigen wie die andere? Wieder mein ewiges Thema: der Sex. Aber es drängte sich mir so sehr auf. Stefanie ist praktisch sein zweites Sex-Abenteuer in seinem Leben. Hätte ich doch vor ihr zugegriffen! kam es mir in den Sinn. Allerdings wollte ich das gar nicht wirklich, nicht mit diesem Jungbrunnen Levent, der mir doch reichlich teeniemäßig daherkam heute Morgen. Wahrscheinlich lag es am fehlenden Schlaf, folgerte ich. Bist du nicht sehr müde? fragte ich ihn. Doch, antwortete er, kann ich nicht hier schlafen? Ich bin gerade so müde, dass ich keinen Bock habe nach Hause zu laufen. Ach, schlaf einfach! erwiderte ich. Er schlummerte sofort ein, als er sich in mein Bett legte...
Ich ging in die Küche, schaute auf die Uhr, elf! So früh! Nun war ich wach, hatte sowieso keine Lust mehr zu schlafen. Es klingelte wieder. Ich lief erneut die Treppe hinunter, öffnete. Ein wunderhübscher Jüngling trat ein: ein brauner, engelslöcklicher Haarschopf, wunderbare braune Augen, die einen ganz warm ums Herz werden lassen, wenn man in sie hineinschaut, rosige, goldige Wangen, die seinem statuenhaften Antlitz Leben schenkten, sein Körper eines Adonis bewegte sich grazil die Treppen hinauf, seine wohlgeformten Beine, sein knackiges Hinterteil, luden mich zu einem appetitlichen Happen ein – habe ich nun genug Schmalziges, Übertriebenes, Schmeichelndes über diese Schönheit von mir gegeben.
Ich sprach übrigens von meinem Freund. Meinem liebsten Südamerikaner. Meinem Brasileiro, der kein Brasilianisches Portugiesisch beherrschte. Sein Vater hatte es erfolgreich verhindert. Welch Verschwendung von Möglichkeiten in einer binationalen Ehe! 

Dienstag, 25. September 2012

Call me Kuchu - Ein Film, der traurig und wütend macht


Kuchu werden in Uganda Schwule genannt. Kuchu. Uganda ist eines der homophobsten Länder der Erde. Man könnte fast darüber lachen, dass der Westen dieses absurde Christentum nach Uganda brachte - und diese Menschen dort nun christlicher als alle anderen zusammen sind. "Christlicher" - man sollte schon Anführungsstriche setzen. Denn es ist das Christentum des Hasses, der Dummheit, der Intoleranz und Ungerechtigkeit. Ein sehr mutiger Bischoff (Christopher Senyonjo), der nicht die Meinung der Staatskirche vertritt und deswegen täglich angefeindet wird, drückt es so aus: Jesus liebt ALLE Menschen. Doch die Kirche ruft zur Gewalt gegen Homosexuelle auf, denn homosexuell sein halten sie für unnatürlich. Und Teile des homophoben Parlaments dieses Staates versuchen schon seit Jahren das strengste Anti-Homosexuellen-Gesetz der Welt durchzukriegen, scheitern aber immer wieder daran, weil dann doch befürchtet wird, dass sich wichtige Partner wie die USA von Uganda abwenden. Nicht nur Haftstrafen und Denunziationen sieht das neue Gesetz vor, sondern auch die Todesstrafe in "besonders schlimmen" Fällen. Denn man müsse die Kinder beschützen - alle Homosexuellen (!) vergewaltigen Kinder und verführen Jugendliche zum Homosexuell sein. Eltern sollen ihre Kinder anzeigen, wenn sie merken, dass diese schwul sind, jeder Bürger ist aufgerufen zu denunzieren, denn bei Unterlassung dieser Bürgerpflicht drohen ihm Haftstrafen bis zu drei Jahren. Katherine Fairfax Wright porträtiert hier in ihrer Dokumentation LGBT-Aktivistinnen aus Uganda, die ihr Leben aufs Spiel setzen, täglich, stündlich, minütlich, um ihr Ziel durchzusetzen: ihre eigene Anerkennung und die Verhinderung des neuen Gesetzes. David Kato, ihr Anführer, wird tatsächlich am Ende von einem homophoben Typen kaltblütig, hinterlistig und feige ermordet. Ich weiß nicht, wie es Fairfax Wright und ihr Team schaffen, diese Dokumentation mit so wenig Wertung zu filmen, ruhig und stilsicher zu filmen, während der Chef-Redakteur des Rolling Stone (einer "jugendlichen" Zeitung in Uganda) in die Kamera lacht, wenn er davon redet, dass Homosexuelle keine Menschen sind und keine Menschenrechte besitzen. Wie er Bilder und Adressen dieser mutigen Menschen in seiner Zeitung veröffentlicht und dazu aufruft, sie aufzuhängen. Schon beim Niederschreiben werde ich wieder wütend. Ich wäre mehrmals während des Films am liebsten aufgestanden und wäre am liebsten Richtung Leinwand gerannt - um diesem und anderen Arschlöchern, die ihre homophobe Meinung in die Kamera sagten, ins Gesicht zu schlagen (wenn es auch nur die arme Leinwand getroffen hätte). Wäre ich bei den Dreharbeiten dabei gewesen - ich hätte nicht an mich halten können. Wenn ich nicht gerade wütend war, weinte ich bei diesem erschütternden Film, bei dem von so viel Leid, so viel Schmerz berichtet wird. Von Vergewaltigungen an lesbischen Mädchen, damit ihnen gezeigt wird, wie es "richtig geht", vom Verstecken und Verbergen, vom nicht Outen können. David Kato. So mutig! Wie er sich als erster Mann in Uganda öffentlich zu seinem Schwul sein bekannte. Wie er weitere Aktivist/innen um sich scharte, mit ihnen eine Bewegung erschuf, die klein, aber stark ist. Stärker wird. Jede Veränderung der Gesellschaft braucht Märtyrer, jede Entwicklung basiert auf großen Opfern. Diese wunderbaren Menschen: der verstorbene David, die resolute Naome, die starke Stosh, der charmante "Long Jones"... Call me Kuchu ist ein eindrucksvoller Film über eindrucksvolle Menschen, ein wichtiger Film, einer, der in Schulen gezeigt werden sollte, überall auf der Welt. Ein Film, der aufzeigt, wie weit an vielen Orten unserer Erde wir noch so weit von der toleranten, offenen, freien Gesellschaft entfernt sind. Ein Film, der uns zeigt, wie wichtig es ist, überall und jederzeit, für mehr Toleranz und Freiheit einzustehen!

Mal Sehn Kino, Frankfurt, Dienstag und Mittwoch um 18:00 Uhr CALL ME KUCHU (OmU) von Malika Zouhali-Worrall und Katherine Fairfax Wright, USA 2012, 90 Min. 
http://www.malsehnkino.de/index.php?section=week&movieID=25296&date=2012-09-25&time=18:00

Sonntag, 23. September 2012

Die Weltentaucher nominiert für den Virenschleuder-Preis


Seit einiger Zeit könnt ihr rechts in der Leiste auf das Widget der Weltentaucher Literaturfreunde klicken, einem Projekt, das die Autorin Hilke-Gesa Bußmann initiiert hat - und bei dem unter anderem ich mitgewirkt habe, natürlich auch einige andere talentierte Leute. Hier auf dem Blog gab es da ja einige sehr schöne Postings dazu. Nun ist diese sehr schöne Projekt für den Virenschleuder-Preis nominiert worden - und da brauchen wir DICH und deine STIMME(N). Alles was ihr tun müsst, ist dem Artikel ein "Gefällt mir" oder ein g+ zu geben:
http://bit.ly/RpCmpb


Die Weltentaucher-Literaturfreunde sind eine Gemeinschaft aus Lesern, Autoren, Bloggern, Künstlern jeder Art … eben Literaturfreunden, die Literatur als ihre Leidenschaft bezeichnen. Gemeinsam wollen sie die Innovationen des Social-Medias nutzen, neue Wege erfinden, sich vernetzen und zusammen Literatur zum Leben erwecken!
Die Literaturfreunde haben die Möglichkeit, live bei der Entstehung der Fantasy E-Book-Serie “Die Legenden der Weltentaucher” dabei zu sein und können sogar selbst einen Beitrag dazu leisten. Lasst uns Spaß an Literatur haben und uns gleichzeitig vernetzten und davon profitieren! Und das alles auf einfachem Weg!
Auf die Leser des Serienromans wartet ein ganz besonderer Lesespaß, bei dem sie nicht nur in den Legenden der Weltentaucher versinken, sondern auch in den Weiten der Literaturfreunde!
Quelle: http://www.weltentaucher.hilke-gesabussmann.de/

Worum geht es beim Virenschleuder-Preis? 

Wie sieht erfolgreiches Marketing im Social Web aus? Patentrezepte dafür gibt es nicht. Der Virenschleuder-Preis soll in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse das Thema voran bringen, indem er Erfolgsbeispiele sichtbar macht und den Erfahrungsaustausch befördert.
Daher ist der Virenschleuder-Preis kein normaler Marketing-Preis, bei dem am Ende ein Gewinner aus dem Hut gezaubert wird. Beim Virenschleuder-Preis werden alle Nominierungen auf dem Blog www.virenschleuderpreis.de veröffentlicht, sodass sie öffentlich diskutiert werden können und wir alle voneinander lernen.

Quelle: http://virenschleuderpreis.de/

Also, wenn DICH dieses überzeugende Projekt überzeugt, vote, vote, vote! Oder noch einmal auf deutsch: stimme ab!!! Und teile! Und was man eben so tut heutzutage. ;-)

Freitag, 21. September 2012

Beirut - Konzert am 19/09/12 in der Columbiahalle in Berlin

http://www.minxsociety.com/wp-content/uploads/2011/08/beirut-band.jpg
Seit fast sechs Jahren höre ich nun Beirut, habe immer mindestens ein Album oder mehr von ihnen auf meinen MP3-Playern, iPODs und iPhones, höre sie auf Spotify, beim Schreiben - satt hören kann ich mich nicht an ihnen. Jedes Lied gefällt mir von ihnen, jedes! Es gibt weniger Bands/ Sänger, die so einen Eindruck auf mich machen/ gemacht haben, die so sehr meinen Musikgeschmack treffen, für die ich sogar in ein anderen Land reisen würde, um sie einmal live zu sehen. Aber live hatte ich sie tatsächlich noch nie gesehen - denn Zach Condon, der Sänger, sagte die letzten Konzerte in Deutschland ab, als ich vor ein paar Jahren Karten für das Münchner Konzert hatte. Auch diesmal sicherte ich mir ganz schnell Tickets, denn ich dachte mir, dass es schnell ausverkauft sein wird, dieses Konzert. Und wenn er wieder krank wird, schwor ich vor meinen Freunden, würde ich in die Staaten fahren und mein Konzert endlich einfordern! Beirut, eine amerikanische Folkband, ja, Indie Folk würde ich es fast nennen, und zwar Indie Folk, der auf Balkan-Folklore trifft, einen reizvolle Mischung - und eine Mischung, die mich glücklich macht, die meine musikalischen Leidenschaften zusammenführt. Beirut, so hatte ich auch den Eindruck bei diesem wunderbaren Konzert, ist eine Band, die man besonders mag, weil man eine Affinität dazu hat, oder die einen gleichgültig lässt. Etwas dazwischen gibt es eigentlich nicht - es sei denn, man möchte es nicht so richtig zugeben, weil Beirut in bestimmten Kreisen ja doch einen guten Ruf hat. ;-) Die Stimmung war einfach bombig in der Columbiahalle, wedder meiner wunderbaren Begleitung noch mir war vorher klar gewesen, dass Beirut Pärchen-Musik macht, aber irgendwie waren da schon sehr viele Pärchen. ;-) Zach Condon ist ja eigentlich hassenswert: Er ist noch sehr jung, dafür, dass er schon so erfolgreich und lange im Geschäft ist, und er ist genial. Ja, wirklich: ER kann sehr gut singen (will auch!!!), beherrscht das Spiel auf mehreren Instrumenten, komponiert und textet. Er kann sowohl diese Folk-Musik als auch Elektronisch - was kann er nicht? Immer wieder standen mir Tränen in den Augen, weil mich die Musik so berührt hat, immer wieder dachte ich: DAS ist jetzt mein Lieblingslied, und dann merkte ich kurze Zeit später, ach nein, das auch, von Beirut habe ich einfach mehrere Lieblingslieder. Wie konnte ich so lange Zeit ohne Konzert von Beirut auskommen? Sagt mir das! Die ganze Zeit dachte ich: Ey, dieses Konzert zeigt mir, was das Schöne an solchen Events ist, wie cool es ist, mit Leuten irgendwo zu sein, die das schätzen, was man schätzt, die Emotionen dabei haben, die man spürt, die sich gerade genauso freuen wie man selbst. Es zeigt, dass so schön und so toll digitalisierte Aufnahmen sind, sie doch nicht die Live-Musik ersetzen können, auch keine Mitschnitte von Konzerten, so wie auch eine Lesung im Internet etwas anderes ist, als wenn man dem Lesenden gegenübersitzt, ihn spürt, direkt hört und sieht...

Mittwoch, 19. September 2012

Lese-Inseln des Glücks - ein gewagtes und tolles Experiment am 16/09/12

Es war ein großes Experiment. Wir wussten nicht, worauf wir uns da einlassen, meine liebe Partnerin bei der Lesebühne des Glücks und ich. Wir verkauften den anderen Autor/innen - und immerhin haben sich 10 bereit gefunden mitzumachen -, diese Lese-Inseln des Glücks als fertiges Konzept. Dass es nicht war. :-) Umso überraschter waren wir, wie toll und relativ unchaotisch das alles abgelaufen ist. :-) Wir lasen auf den Mainsofas und um die Mainsofas herum auf Picknickdecken (oder auch nicht - wegen Feuchtigkeit)...

Werbung machten wir mit dem Megaphon - an dem auch eine Sirene dran ist. Aber das Megaphon war gar nicht unbedingt notwendig...



Denn es kamen ganz viele interessierte Menschen vorbei, blieben stehen, wollten den 10 Lesungen zuhören, persönliche Lesungen in Kleingruppen genießen. Und letztendlich ist es ja so, dass Autor/innen vor allem interessierte Leser/innen und Zuhörer/innen möchten, also qualitativ und nicht quantitativ.



Es machte uns allen großen Spaß in intimer Atmosphäre zu lesen, mit den Zuhörer/innen in Kontakt zu treten. Das waren wirklich schöne Momente an diesem Sonntag Nachmittag...


Es gab schon sehr spannende Konstellationen, die auch zeigen, wie bunt, vielfältig und offen Frankfurt sein kann...



Frankfurt zeigte sich von der besten Seite - wir hatten nicht mit so einem Bomben-Wetter gerechnet. Und nicht damit, dass die beiden Lyriker George Goodman und Gerda Jäger genauso Publikumsmagneten sind wie...



Nina Marewski (hier unten) mit ihrem Frankfurt-Krimi "Die Moldau im Schrank" - bei der es besonders gechillt war. :-) Sie las drei Mal vor tiefenentspannten und begeisterten Zuhörer/innen.



Wer mehr Bilder und Impressionen von den weiteren Autor/innen Waltraud Grampp, Gundel Limberg, Gernot Gottwals, Robert Herbig, Petra M. Jansen sehen möchte: https://www.facebook.com/LesebuehneDesGluecks. Dort gibt es auch einen Bericht und mehr...

Dienstag, 18. September 2012

Fortsetzungsroman: Moody Blue 8

http://schmerzwach.blogspot.de/2012/09/
fortsetzungsroman-moody-blue-7.html Spaziergänge spielen eine große Rolle in meinem Leben, man konnte fast schon meinen, ich zöge einen Spaziergang einem Konzert- oder Kinobesuch oder einer Kneipentour vor, ich kann mich so vieler Pro-menaden entsinnen, in denen wichtige Dinge für mich passierten, nehmen wir die Spaziergänge mit Levent und die mit Sally, meiner amerikanischen Freundin, und mit Dominik, der gar nicht gerne zu Fuß ging, aber bei den beiden Anlässen, da ich ihn überreden konnte, führten wir unsere sinnvollsten, fruchtbarsten Gespräche; und sogar mit meinem Freund, mit dem ich ständig tiefgründig redete, hatte ich ganz besondere Unterhaltungen, wenn wir gelegentlich spazieren gingen. Doch auf diesem meinem letzten Spaziergang redeten wir nicht mehr viel, jeder war seinen eigenen Vorstellungen überlassen, die an-deren drei lächelten scheinbar zufrieden und seelenruhig, zumindest bis ich mich verabschiedete, denn ich wohnte dem Rheindamm am nächsten. Ich gab ihnen allen Küsschen auf die Wangen, als erstem Levent, der sagte, dass er mich nach dem Aufstehen anriefe, dann Stefanie und als letztem Tobias, den ich zum Kaffeetrinken am nächsten Tag einlud. Wo? Wann? fragte er. Esperanza, um vier, okay? Okay! Ich lief zu meiner Haustür, schloss sie auf, trat durch den Gang in mein Zimmer, stellte die Stereoanlage an und legte meine Bratsch-CD in den CD-Player ein. Sie hatten „Anewa sto trapezi mu“ neu arrangiert. Eine schöne Version. Ich zog mich bis auf die Shorts aus, legte mich ins Bett, drückte auf der Fernbedienung die Repeat-Taste und dachte über den Abend nach. Die Geige schwoll schräg an, die Klarinette schrillte lauter, der Sänger mit seiner matten Stimme gab ihnen den Takt an, diese Töne brachten mich um, man kann nicht sagen, ob sie traurig oder lustig sind, sie sind beides gleichzeitig. Als ich mir im Media-Markt die CD anhörte, musste ich bei diesem Lied fast weinen, eine einzelne Träne lief mir über die Wange. War es mein blutendes griechisches Herz, meine verborgenen Sehnsüchte? In diesem Moment machte mich die Musik lachen und glücklich, sie verlieh mir eine Erhabenheit, ein Gefühl, dass es das Schicksal gut mit mir meint, so dass ich entspannt einschlief, bevor ich die Aufgabe, den Abend und die Nacht zu analysieren, umsetzen konnte. Warum sollte man sich auch unnötige Gedanken über einen wunderbaren Abend machen? Freu dich daran, Apostoli. Sei glücklich. Wisse, dass dich das Schicksal oder sonst irgendetwas begünstigt... 

Zwei

Γι′ αλλα
Δεν σ′ αγαπω εδω και καιρο
αλλη αγαπη εχω στο μυαλο
δε σ′ αγαπω κι ειναι σκληρο
μα πρεπει την αληθεια να σου πω
συγνωμη σου ζητω
δεν το θελα ουτ′ εγω
μα πεs μου τι να κανω, 
σε ρωτω να πεθανω;.

Jalla
Ich liebe dich seit langem nicht mehr,
ich habe eine andere Liebe in meinem Kopf;
ich liebe dich nicht und das ist hart,
aber ich muss dir die Wahrheit sagen,
ich bitte dich um Entschuldigung,
nicht einmal ich wollte das.
aber sag mir, was ich tun soll,
ich frage dich: soll ich sterben?

Mich weckte ein Klingeln. Ich wollte nicht aufstehen, wollte liegenbleiben, es klingelte ein weiteres Mal. Mein was-nichts-Kind Julian hörte einmal bei einer Unterhaltung, die ich mit meiner Kollegin Erika führte, zu, sie sagte: dann klingelte die Tür. Julian begann zu lachen und wies sie daraufhin, dass die Tür nicht klingelt. Wie heißt es dann? fragte sie verwirrt, aber er rannte desinteressiert davon. Es gibt einige Stolpersteine in der deutschen Sprache, vor allem einzelne Redewendungen, die Konjunktionen und Präpositionen, die einen ständig zum Straucheln bringen. Mein diesbezügliches Unvermögen ist einer der Gründe, warum ich nicht gut schreiben kann, da ist zum Beispiel noch die Unfähigkeit, eine kluge, komplizierte Sprache zu benutzen, die von Fremdwörtern und meiner Meinung nach Worthülsen gespickt ist. Oh, gibt es intellektuelle Schriftsteller, die man nicht versteht und deswegen denkt, man sei dumm. Oder Autoren, die wunderschöne neue Bilder erfinden, eine symbolhafte Sprache verwenden, auf die man auf den ersten Blick neidisch wird, aber auf den zweiten ein ekliges Würgen folgt. Ach, Herr, gib mir mehr Synonyme, eine bessere Syntax, die Geduld, alle meine Ergüsse so oft zu durchpflügen, bis sie perfekt sind, lasse mich vor allem die blöden Füllwörter vergessen! Wie konnte man mich so früh wecken wollen? Ich drehte mich auf die andere Seite. Erneutes Klingeln und ich schmiss die Decke von meinem Körper, lief in Shorts die Treppe hinunter an die Tür, öffnete sie unwillig und mit fast noch geschlossenen, versandeten Augen erblickte ich Levent, allerdings erkannte ich ihn eher an der Stimme, ich sah ihn nur undeutlich vor mir. Der überraschte mich zunehmend. Er schlief normalerweise sehr viel länger und mehr als ich, verbrachte oft den ganzen Tag träge vor dem Fernseher und ließ sich manchmal, wenn er sich davon losreißen konnte – das eher selten –, gegen Abend bei mir blicken. Was war mit ihm los? Ich fragte ihn: was ist los? 
Und ließ ihn hereinkommen; in meinem Zimmer angekommen, legte er sich auf mein Bett. Ich blieb mitten im Zimmer stehen, auf meinem griechischen, knall-orangenen Fusselteppich, dessen warme Farbe so gut zu meiner blauen Wand passte, die von selbstgemalten Bildern behangen war, die ich in kreativ-ekstatischen Nächten produzierte und die in Orange- oder in Blautönen gehalten sind. 

Sonntag, 16. September 2012

sprich! mit dem Glücksbus, dem Glück ist jetzt! und der Lesebühne des Glücks am 8/9/12


Da haben wir gut lachen - das fahrende Volk von heute... Wer schreiben möchte, muss nun auch schon auf die Straße? Straßenmusiker gibt es schon lange, nun jetzt auch noch die Poeten? Die frühen Geschichtenerzähler (als die wenigsten des Lesens kundig waren) sind immer durchs Land gezogen, waren also "Fahrende" (selbst wenn sie in Ermangelung eines Esels laufen mussten). Shanachie heißen sie im Gälischen, erklärt Waltraud Grampp. Aber warum wir? Warum wir? Nun, natürlich für einen guten Zweck: Um was es geht?



Im Rahmen der zweiten Frankfurter Sprachwoche hatte Georgette von sprich! die Idee, dass wir den schnuckeligen, hippiegen Glücksbus von Janni Blond aus dem Glück ist jetzt! nutzen, damit wir die Literatur zu den Leuten bringen, also, genau da, wo sie sich am frühen Samstag Abend bei gutem Wetter aufhalten:
Im Günthersburgpark und an die Hauptwache...



Es ist natürlich ungewohnt, auf öffentlichen Plätzen zu lesen, ohne Erlaubnis, fast ohne Ankündigung - und darauf zu hoffen, dass sich jemand dafür interessiert. Mutig ist es, tapfer. :-) Und eine ganz neue Erfahrung für uns alle, sowohl für die lesungserfahrene Dichterin Safiye Can, als auch für den Poetry Slammer und Aphoristiker Carsten Nagels, für den engagierten Schriftsteller Levend Seyhan und für schmerzwach, der alles mal ausprobiert. :-) Wir hatten eine Menge Spaß - und nicht nur Janni Blond hat Lust, das alles zu wiederholen! Und wie das alles dann so war, kann man hier sehen:



Und heute geht es gerade mal weiter mit den ungewöhnlichen Lese-Veranstaltungen, am Maincafe zu den Lese-Inseln des Glücks! :-) Ab 15 Uhr...

Samstag, 15. September 2012

Die Lese-Inseln des Glücks


Die Lesebühne des Glücks ist wieder unterwegs, diesmal im Maincafe Frankfurt.

10 Autoren aus Frankfurt und Umgebung lesen. 
Gleichzeitig? Alle auf einmal? Wie soll das gehen?

Wir sagen es euch:
Es wird gutes Wetter geben. Die Autor/innen setzen sich auf um kurz vor 15 Uhr auf ihre Picknickdecken, es wird eine kleine Markierung geben, damit die Zuschauer/innen wissen, wer liest und wer nicht. Die Autor/innen stehen auf einem Flyer. Alle haben sie ein kleines Programm ausgearbeitet, etwa 15 - 20 Minuten, das sie immer wieder neu beginnen. Die potenziellen Zuhörer/innen können frei entscheiden, bei wem sie sich hinsetzen (oder auch stehen oder liegen) und lauschen möchten. 

Lese-Insel-Autorin Nummer 1: Gundel Limberg - fantastische Romane, SF
Lese-Insel-Autorin Nummer 2: Monika Baitsch - Kinder- und Jugendbücher: Mutmacher-Geschichten
Lese-Insel-Autor Nummer 3: Gernot Gottwals - Frankfurt-Krimi
Lese-Insel-Autorin Nummer 4: Waltraud Grampp - witzige, fantasievolle Romane
Lese-Insel-Autor Nummer 5: Robert Herbig - Kurzgeschichten, humorvollle und Krimis
Lese-Insel-Autorin Nummer 6: Petra M. Jansen - Sozialkritik / Satire
Lese-Insel-Autorin Nummer 7: Gerda Jäger - Lyrik
Lese-Insel-Autor Nummer 8: George Goodman Lyrik
Lese-Insel-Autor Nummer 9: Carsten Nagels, Aphorismen
Lese-Insel-Autorin Nummer 10: Nina Marewski, Frankfurt-Krimi

Moderator, Ersatz- und Spontanleser: Jannis Plastargias

Mehr zu uns gibt es auf der Fanseite: https://www.facebook.com/LesebuehneDesGluecks

Freitag, 14. September 2012

Lesung in der Stadtteilbibliothek Nordweststadt am 13/09/12


Da hat der Auszubildende gute Arbeit geleistet, mein Buch über Andreas Steinhöfels "Die Mitte der Welt", Cornelia Funke ist dabei - und ein paar Fantasy-Bücher... Gelungene Mischung, Plattenbaugefühle passt genau da rein. :-) Nein, ich fand das eine schöne Sache, als ich da nach einer kleinen Weltreise  in die Nordweststadt kam und schon um zehn Uhr lesen sollte. :-)



Zwei Schulklassen der Ernst-Reuter-Schule trauten sich an diese Lesung heran. Es war spannend! Und zeigte mir wieder, wie wichtig Lesungen an sich sind, aber vor allem wie wichtig Lesungen von Büchern wie dem meinen sind. Zu den Lesungen an sich: Es sollte Pflicht sein, dass man mit seinen Schülern zu Lesungen geht, ins Theater, ins Museum, ins Kino, zu einem Konzert - und zwar regelmäßig. Man kann eben nicht alles nur im Schulraum und im Internet konsumieren - und wenn immer weniger Eltern mit ihren Kindern für ein Kulturprogramm außerhalb von Internet und Konsum bieten (nein, in der City shoppen oder auf die Dippe-Messe gehen gilt NICHT als Kultur), dann hat die Schule eben diesen Kultur-Auftrag...



Wie wichtig die Themen (Homo)Sexualität, von der Norm abweichende Geschlechtsrollen und das Sprechen darüber sind, das zeigte sich erneut bei dieser Lesung. Die eine Klasse hatte sich auf diese Lesung vorbereitet, traute sich aber dann nicht mir Fragen zu stellen, weil die Wilden von der anderen Klasse nicht gerade für ein vertrauensvolles Klima sorgten. Da waren dann meine pädagogischen (und Moderations)Fähigkeiten sehr viel mehr gefragt als ursprünglich gehofft. Aber das soll jetzt keineswegs negativ und abwertend klingen, die Jugendlichen sind mitten in der Pubertät, die Jungens versuchen gerade sich abzugrenzen, "nicht Mädchen zu sein" - da ist eine Offenheit schwierig. Und diese Schwierigkeit wird so lange bestehen bleiben, bis sich die Gesellschaft endlich ändert, sich von diesem Mario Barth-Quatsch löst, von diesem Quatsch auch, der aus den USA kommt, die Twilight-Scheiße genauso wie der Shades of Grey-Schwachsinn. Denn diese Rollenstereotype, die da vermittelt werden, sind nicht viel besser als das, was die Europäer andernorts als rückständig bekämpfen (Frauenbild im Islam). Anstatt jeden Quatsch aus den Medien unreflektiert zu übernehmen, seit Jahrzehnten schon in den gleichen Mustern zu schmoren, sollte man lieber in die Zukunft blicken, neue Gesellschaftsformen, neue Geschlechtsrollenbilder, Beziehungsmuster und einen befreiteren Umgang mit Sexualität und Normabweichung suchen. Und das kann man nur mit offenen Menschen - so offen, wie es die Kolleg/innen von der Stadtteilbibliothek in der Nordweststadt waren, aber auch vor allem die Lehrerinnen der Ernst-Reuter-Schule, die ihre Schüler/innen vier Stunden lang auf diese Lesung vorbereiteten; sie erarbeiteten die Themen Coming-out und Homosexualität. 



Dass Plattenbaugefühle auf Interesse stieß, merkte ich nicht nur daran, dass eine Schülerin die Lehrerin fragte, ob sie das nicht als Zwischenlektüre lesen könnten. Sondern auch, dass ein Schüler nach der Lesung in der Ecke saß und darin schmökerte. Ein größeres Kompliment gibt es wohl nicht! :-)

Donnerstag, 13. September 2012

sprich! mit der Lesebühne des Glücks am 07/09/12


Es war der 5. Autoren-Abend im Glück ist jetzt! Glücksclub, diesmal im Rahmen der zweiten Frankfurter Sprachwoche, mit den Autor/innen Antonia von Trotha, Jan-Erik Grebe, Andreas Lehmann und Jannis Plastargias.



Wann ist ein Team ein gutes Team? Und wie sind wir zu einem Team geworden? Es benötigt ein gemeinsames Ziel. Unseres ist, unser Schreiben weiter zu entwickeln, unseren schriftstellerischen Weg zu gehen. Es benötigt Offenheit. Jeder von uns ist anders. Und doch respektieren wir uns so, wie wir sind. Schätzen uns und unsere Fähigkeiten, unterstützen uns, ohne den anderen verändern zu wollen. Es benötigt Respekt und eine hohe Kommunikationsfähigkeit. Und es muss sich ergänzen. Jeder spielt in seinem Team eine bestimmte Rolle, wir möchten uns keine Titel geben, aber jeder von uns hat Stärken und Schwächen - und in unserem Fall passen die wirklich sehr gut zusammen. Ein gutes Team eben. Auf dem Bild oben drüber liest übrigens Jan-Erik Grebe, der sich von einer ganz anderen Seite zeigte...


Der digitale Dandy ist auch ein Unterhalter, Langeweile muss vermieden werden, das merkt man auch bei Lesungen... Antonia von Trotha hört andächtig zu, vorher hatte sie einen Ausschnitt aus ihrem Roman gelesen, der von einem Mann handelt, dem vieles zustößt und der sehr ungenießbar sein kann...



Es gibt Menschen, die sehr viele Worte brauchen, um etwas auszudrücken, die einen Roman benötigen, wenn sie eine Geschichte erzählen - und es gibt Andreas Lehmann, der in einer Kurzgeschichte mehr erzählt als andere in einem Roman. 



Das Schöne an diesen Autoren-Abenden, bei dieser Lesebühne des Glücks, ist, dass immer eine sehr entspannte, lockere Atmosphäre herrscht, dass man ins Gespräch mit den Autor/innen kommt, dass die Leute neugierig, ja total gespannt auf sie sind, dass es zum Dialog kommt. Es war eine kleine, aber sehr feine Runde diesmal. Und wir freuen uns auf das nächste Happening: der 6. Autoren-Abend der Lesebühne des Glücks wird eine Fantasynacht während der Buchmesse-Zeit sein, drei Frauen werden Fantastisches lesen: Hilke-Gesa Bußmann, Chris P. Rolls und E.M. Jungmann...

Dienstag, 11. September 2012

Fortsetzungsroman. Moody Blue 7

http://schmerzwach.blogspot.de/2012/08/
fortsetzungsroman-moody-blue-6.html
Du bist ein Sprachtalent, Tobi, aber wo rennst du denn hin? Beeil dich, Apostoli, schrie er von Weitem und: Anewa sto trapezi mu, kukla mu rlikja. Nun schrie ich ihm das Lied entgegen, lachend, den Atem verlierend: horepse ke spasta ola tuti ti wrazja. Ja, steig auf den Tisch, meine süße Puppe, lachte er, ich möchte dich ficken und alles vergessen, alles kaputtmachen, nicht an morgen denken. Hahaha. Lass uns schwimmen gehen! schrie Tobias, wir waren bereits fast aus dem Wald herausgekommen, hatten nur noch den Rheindamm vor uns, rannten ihn hoch, rannten auf der anderen Seite hinunter, gebt mir was zum Trinken, ich möchte Party machen, schrie der Junge, wir überquerten die Straße. Wir kletterten über den hohen Zaun des Schwimmbads, zum Glück hatten sie keinen Stacheldraht darauf befestigt. Hinter dem Zaun waren Bäume und Büsche, doch genug Lücken, um unbeschadet auf den Boden zu gelangen. Oh je, ich brach in ein Schwimmbad ein! Hoffentlich hatten sie keine Wachhunde oder so. Sei aber jetzt leiser, flüsterte ich Tobias zu, nicht dass jemand darauf aufmerksam wird, dass wir hier sind. Schon klar, sagte er lächelnd, stolperte, sich gleichzeitig ausziehend, zum mittleren Becken, in dem das wärmste Wasser auf uns wartete. Nackt sprang er hinein. Komm doch! forderte er mich auf und ich folgte ihm und sprang genauso nackt ins Becken. Im Grunde genommen mochte ich das Nacktbaden, machte es aber bisher immer irgendwo, wo ich alleine war und von daher fand ich es ein bisschen merkwürdig, mit ihm so zu schwimmen. Die Lichter im Becken leuchteten, man sah also den Körper – die Geschlechtsteile –, des anderen sehr genau. Ich mit meinem Sex! machte mir wieder einige Gedanken. Dachte nur ich darüber nach? Oder auch er? Und wenn ich jetzt einen Ständer bekäme? In meinen Geschichten stünde ich zu diesem Zeitpunkt einmal mehr kurz vor einem ekstatischen Liebesvergnügen. Doch er schlug ein Wettrennen vor. Kaum war ich zu ihm gelangt, um zu starten, hatte er schon: auf die Plätze, fertig los! gerufen und war losgeschwommen. Bis ich von der Stelle kam, hatte er fast schon das Ziel erreicht. Von da rief er: komm schon, du lahme Ente. Er stand und ich schwamm auf ihn zu, tauchte das letzte Stück, sah seinen nun aufgerichteten Penis. Aha, dachte ich, wird es heute noch was? Ich stellte mich genau vor ihn, unsere guten Teile berührten sich und ich sagte: Was nun? Und er schubste mich ins Wasser und sagte: Jetzt gehen wir rutschen, rannte dorthin, und ich hinterher, wir spielten wie die kleinen Kinder, unschuldig, er ließ nichts zu, ich wusste nicht einmal, ob ich überhaupt wollte, aber dies alles war so aufreizend für mich. 
Ich geriet an diesem Abend ständig in Erregung, die nicht befriedigt wurde. Aber was malte ich mir auch immer solche Dinge aus?! Meine Phantasie ging mit mir durch, meine Realitätssphäre und die Fiktionssphäre, die in meiner Schriftstellerei spukte, gerieten durcheinander, überlappten sich mit Tag- und Nachtträumereien, die ich hatte, und mit erotischen Vorstellungen aus früheren Zeiten. Bemerkte Tobias das alles? Hatte er ähnliche Gefühle und Gedanken? Er blieb nach dem Rutschen auf der Stelle stehen und so rutschte ich genau in ihn herein, klammerte mich an ihm fest, umschlang ihn. Mein bestes Stück klebte an seinem Po, welch homosexuelle Pose! Und er ließ mich ins Wasser platschen, in dem er sich aus dieser Umklammerung befreite. Er lachte. Ich lief in die Mitte des Beckens, er stürzte hinterher, riss mich hinunter, balgte sich mit mir, wir planschten im Wasser. Er sagte, mit dir kann man sehr viel Spaß haben, Apostolis. Dieses Kompliment gebe ich gerne zurück, sagte ich. 
Lass uns zurückgehen, meinte er. Wir rannten zu unseren Klamotten, zogen sie uns über den nassen Körper, kletterten über den Zaun, liefen zurück zu den beiden anderen. Es war uns nun kalt, wir zitterten, waren vollauf damit beschäftigt, schwiegen. Diese Intimität zwischen uns hatte mir gut gefallen, doch fand ich sie gleichzeitig irritierend und mysteriös. Levent schlief mit einem fremden Mädchen, das hatte er noch nie getan, aber er wollte sowieso Schluss mit seiner Freundin machen. Bei mir war es etwas anderes. Ich lebte glücklich mit meinem Freund. Und solche Vertraulichkeiten und Berührungen hatte ich mit ihm nicht einmal nach dem ersten Abend, nicht einmal nach einer oder zwei Wochen. Merkwürdig. Allerdings konnte ich mir vorstellen, dass mein Liebster nichts sagen würde, bestimmt bemerkte er, dass das etwas ganz Wunderbares sei, dass man so locker und zärtlich miteinander umgehen könne. 
Mein Freund ist cool, irritiert wäre er trotzdem, denke ich. Nein, wir führen keine offene Beziehung, ich habe ihn noch nie betrogen, aber wir sehen die Dinge nicht mehr so verbissen wie andere Paare. Liebe ist etwas Schönes. Zärtlichkeit, Intimität, Sex. Wir liebten uns. Wir mussten nicht eifersüchtig sein. Ich muss nicht eifersüchtig sein, denn ich habe Selbstbewusstsein. Wenn ihm ein anderer besser gefällt, er sich anderweitig verliebt, bedeutet das nicht, dass ich also scheiße, unattraktiv, blöd bin, ein Verlierer oder so etwas. Nein, dann bin ich genauso viel Wert wie vorher. Jeder Mensch sollte sich selbst lieben, sich für etwas ganz Besonderes halten, als jemand Einzigartiges. Jeder ist großartig und gleichzeitig nichtig. Nichtig, weil es viele großartige Dinge auf der Welt gibt. Schnecken, Bäume, Vögel, Blumen, Käfer... Lauf doch schneller! forderte mich Tobias auf. Jaja, ich komme ja, erwiderte ich. Wir erreichten die beiden anderen, die genüsslich Kippen rauchten. Levent, du rauchst! rief ich empört. Egal, was passiert, nach uns die Sintflut, sagte er süffisant. Ich bin dabei mein Leben umzukrempeln, warum sollte ich nicht alle meine Grundsätze ändern? sagte er. Tobias sang: anewa sto trapezi mu, kukla mu rlikja... Was? fragte Levent. Tobias unterbrach sich, sagte: nichts! und lachte mich an, sagte: Apostoli, danke für den schönen Abend, die wunderschöne Nacht, ich hatte selten so viel Spaß. Die beiden anderen schauten sich glücklich, vertraut und befriedigt an. Wollen wir aufbrechen?! fragte Levent, ich bin sehr müde, muss ins Bett. Wir halfen Stefanie und Tobias beim Aufsammeln ihrer Decken, Snacks, Getränke, wir liefen nun zu viert durch die Dunkelheit.