Dienstag, 29. September 2015

schmerzwach hört: Local heroes


Beim letzten "schmerzwach hört" schrieb ich ja von meiner Neigung zur Weltmusik, die schon in Kinderjahren gepflegt und gehegt wurde. Mein Musikgeschmack ist jedoch sehr vielfältig, ich mag zum Beispiel genauso gerne Indie/Alternative Musik. Und ich verfolge auch die hiesige Szene ein wenig. Bin ich also im letzten "schmerzwach hört" musikalisch um die ganze Welt gereist, möchte ich nun im Rhein-Main-Gebiet bleiben.


Vor einigen Wochen durfte ich die jungen Herren von "The Munitors" kennenlernen. Ich fand es unheimlich aufregend, kannte ich doch "Walls collide" von ihnen und fand das superstark. Dann waren sie neben mir im Studio von Radio X, beantworteten meine Fragen, spielten live (was richtig, richtig gut war) und danach saßen wir bei ein paar Bier zusammen und unterhielten uns über Gott und die Welt, was sehr unterhaltsam war. Neben "Walls collide" entdeckte ich ein weiteres wunderbares Lied von ihnen, "Blue and Green":


Ich spielte auch Ozaka Bondage an dem Abend (ich hatte eine Playlist für die Umbauphasen), was The Munitors ganz hervorragend fanden. Mit Ozaka Bondage waren sie schon aufgetreten. Ich wiederum lernte sie auf einem Festival kennen, auf dem die vor Guiaguia auftraten - die hatte ich kennenlernen wollen, weil es diesen coolen Doku-Film über sie gab. Aber ich stellte dann fest, dass musikalisch und von der Power auf der Bühne her Ozaka Bondage sehr viel spannender ist:




Ozaka Bondage machen mir einfach supergute Laune. :-) 

In der Sendung spielte ich auch etwas von den Newmen - da sagten The Munitors: Super, mit denen haben wir auch schon auf der Bühne gestanden. Newmen haben in Frankfurt schon einen Namen. Wer kennt sie nicht?!


Mein Lieblingslied von den Jungs. Ja, Jungs, wieso eigentlich immer nur Jungs, Jungs, Jungs in diesem Posting. Gibt es keine Frauen? Mag ich auch in der Musik nur Männer? Äääääähhhhmmmm, kann sein?!

Vielleicht Layonne & Loui? Die beiden Damen waren auch in unserer Radiosendung damals, sehr sympathisch, sehr patent. Hört euch dieses Lied an!


Gefällt es euch? Layonne hat ein Projekt mit The OhOhOhs :-) Zusammen im Oh:chestra. Habe ich letztens mal live gesehen. Hier mal was schräges Älteres von den OhBoys. :-)


Viel Spaß beim Auschecken der Musik! :-)

Sonntag, 27. September 2015

Karlsruhe - oder ich bin im Zauberwald mit den Regenbogenlampen


Karlsruhe war mir jahrelang eine Heimat. Eine schöne Heimat. In der ich mich wohl fühlte. In der ich schöne Dinge erlebte. Gerade auch im wunderschönen Schlossgarten. Oh Mann, wie viele Mittage habe ich während des Studiums dort verbracht (in den ersten zwei Semestern wohnte ich fünf Minuten zu Fuß vom Schlossgarten entfernt), aber auch: wie viele Nächte bin ich in diesen Schlossgarten geklettert, habe rauschhafte Zustände erlebt, mit Alkohol, aber auch ohne. Dort durfte ich auf der einen Seite den schönsten Kuss bisher erleben, auf der anderen Seite auch den witzigsten (irgendwie) - bei letzterem übergab sich mein Partner DANACH, weil er offensichtlich zu viel getrunken hatte. Ich nahm es nicht persönlich und wir wurden daraufhin gute Freunde - geküsst habe ich ihn natürlich nicht mehr. Der schönste Kuss ist eine ganz andere Geschichte. Manchmal denke ich, dass dieser Partner der Mann meines Lebens hätte werden können. Wenn wir beide nicht so viel Angst davor gehabt hätten oder uns im richtigen Moment getroffen hätten oder auch woanders.
Weil ich den 3. Diary Slam des Bücherbüffet moderieren durfte, war ich wieder einmal in Karlsruhe und die besten Gastgeber der Welt nahmen mich nach dem Diary Slam zum Schloss, wo das Abschlussfest des Stadtgeburtstags stattfand - 300 Jahre Karlsruhe. Gefeiert mit ganz viel Feuer, Zauberwäldern, Regenbogenlampen, viel Alkohol und Essen und noch mehr Menschen. Ich fand es schön, fühlte mich wohl, obgleich ich versuchte alles auf Abstand zu halten, nicht an die Vergangenheit zu denken, sondern in der Gegenwart zu bleiben. Karlsruhe ist meine Vergangenheit, kann mich aber auch in der Gegenwart verzaubern, wenn ich es zulasse. Ja, ich darf noch immer neue Geschichten in der alten Heimat erleben, Freundschaften wachsen lassen, für Männer aus Karlsruhe schwärmen, von ihnen träumen, darf neue Anekdoten mitbringen, darf arbeiten, heißt: moderieren, lesen, Freude schenken. Ja, es war wirklich schön und Karlsruhe erfüllte mich mit neuem Zauber!



















 



Freitag, 25. September 2015

schmerzwach hört: Weltmusik


Ich höre Musik aus aller Welt, Welt-Musik sozusagen, ich höre das, weil es mir gefällt, weil ich damit aufgewachsen bin, weil ich Grenzen und Begrenzungen noch nie mochte. Mit griechischer Musik bin ich aufgewachsen, türkische ist nicht viel anders, ich mag es, wenn es orientalisch wird. Ich war auf Konzerten in Straßburg, hörte Orientalisches. Balkan Brass mag ich immer schon und es ist mir ganz egal, ob ich ein Wort verstehe oder nicht. Auf die Emotion kommt es an. Auf das Lebensgefühl, das mir vermittelt wird. 



Ich war in Straßburg auf einem Konzert von Cheb Khaled, später nochmals in Budapest auf dem Sziget Festival und liebte ihn sehr. Ich beschäftigte mich einige Zeit mit Raï-Musik und fand noch mehr dieser Perlen. 



Natürlich ist mir die griechische Musik noch sehr viel näher und ich versuche auch hier jedes Konzert zu besuchen, was ich kriegen kann. Ich weiß gar nicht, wie oft ich meine griechischen Lieder bereits angehört habe, egal ob on Michalis Chatzigiannis ...



... oder von Nikos Vertis, den ich ebenfalls in Frankfurt live erlebte (und hier nun ein Ausschnitt aus einem Konzert aus meiner griechischen Heimat Ioannina) ...



... und jetzt mal eine Frau, bevor mir hier was vorgeworfen wird, denn natürlich liebe ich auch Anna Vissi ...


Das bekannteste Lied von Cheb Khaled ist wahrscheinlich Aisha. ;-)



Man meint ja immer, man müsste mir eine Feindschaft zur Türkei andichten, da ich ja griechische Wurzeln habe, aber ... mei, mir ist das gleich, es gibt so viele Gemeinsamkeiten, so viel Nähe - und ich habe so viele türkische Freund/innen. Also, mal ein paar türkische Köstlichkeiten:





Oder auch mal was älteres ...



Eines der schönsten Lieder ever ever ever für mich ist ein Klassiker der Weltmusik und ein wichtiger Bestandteil eines Kusturica Soundtracks, Ederlezi von Goran Bregovic:



Balkan-Musik. Brass bands. Beirut. Ich liebe ja Beirut, also die Musik-Band. Und die covert hier ein cooles Balkan Brass Band-Lied. :-)



Und ja, wie oft habe ich einem der Balkan-Länder die Daumen gedrückt beim ESC, wie zum Beispiel in diesem Falle Serbien (und Montenegro, was damals gemeinsam mit Serbien auftrat):



Natürlich gibt es noch viel mehr auf der Welt, ich bin ja auch mit den Gipsy Kings aufgewachsen, in einem Urlaub haben wir die immer im Auto auf Kassette (in Griechenland) gehört. Und just beim Geburtstag meiner Schwester sang Alfonso im Tabla Rasa genau dieses Lied für uns und wir sangen mit. :-)



Ja, französische Musik war uns natürlich sehr nach, ungefähr fünf Kilometer ;-) - ja, wirklich, es gab immer einen Bezug dazu, wie bei Les Negresses Vertes:



Und irgendwie mochten wir damals alle Manu Chao so gerne. Mit dem kann man heute immer noch erfolgreiche Party Formate starten, wenn ich das Feinstaub oder Tiefengrund bei mir im Nordend richtig deute. ;-)



Samstag, 19. September 2015

Queere Videos 19: "Saturday night" von Yukon Blonde

https://i.vimeocdn.com/video/517304865_640.jpg
Yukon Blonde also. Noch nie gehört? Tja, ich auch nicht. Bis diese Random Playlist auf Youtube plötzlich ein richtig geiles Lied heraufbeförderte, das mir so unheimlich gute Laune machte. Zuerst hörte ich nur dieses gefällige Indie-Pop-Lied: "Saturday Night" - das ist sicher kein Indie-Rock, den die kanadische Band laut Wikipedia macht. Es gibt sie seit 2005, damals aber noch unter dem alten Namen "Alphababy". Ich bin sehr froh, dass sie seit 2009 Yukon Blonde heißen. Ich mag das Wort Yukon sehr. Passt auch besser zu ihren sehr schrägen Videos.



Ich verstehe nicht, dass dieses Lied nicht bekannter ist. Das ist so smooth, das macht so Spaß. Aber kommen wir zum Video: queer heißt ja auch schräg, anders, von der Norm abweichend. Diese Figuren im Video weichen alle vom Normalen ab, es wird mit Geschlechtsrollen gespielt, mit Selbstinszenierungen, mit Klischees. Gespielt. Verspielt. Ich mag das Video. Lalalalalalalalalalalalala. Viel Spaß beim Schauen! Viel Spaß Samstag Nacht! Viel Spaß mit Yukon Blonde!

Donnerstag, 17. September 2015

Frankfurter Verkehrsliteratour


Für mich war die erste Zeit in Frankfurt gar nicht so einfach. Ich war wegen der Liebe ins Rhein-Main-Gebiet gekommen - und kaum war ich da, zerbrach diese. Der neue Job war auch nichts für mich. Und zu allem Überfluss hatte ich fürchterliche Panik-Attacken. Die ersten Monate litt ich sehr, fühlte mich ungeliebt, von allem und jedem. Auch von dieser Stadt Frankfurt, die sowieso nur ein Übergang sein sollte - das Ziel hatte Berlin sein sollen, später, wenn mein damaliger Freund mit dem Studium fertig sein sollte. Er ist seit Jahren schon dort und ich bin immer noch hier. Denn irgendwann wurde Frankfurt meine Heimat, meine geliebte Heimat. Einer der ersten Orte, die ich lieben lernte, war der Botanische Garten im Grüneburgpark. Es war klar, dass ich mal einen Text schreiben würde, der diesen Ort zum Mittelpunkt des Geschehens macht. 



Ich saß mit Hilke-Gesa Bußmann in der Rotunde am Campus Westend und sagte gerade, dass ich diesen Ort ganz schön finde. Und plötzlich war uns beiden klar: darum sollte es in unserer geplanten Frankfurt Anthologie gehen: um Orte, Gebäude, Plätze, Denkmäler ..., die in Frankfurt stehen - und an denen etwas Besonderes passieren sollte. Quasi ein literarischer Reiseführer. Wichtig war uns aber auch, dass wir mit ganz vielen verschiedenen Autor/innen aus Frankfurt kooperieren, vielleicht darüber eine Gemeinschaft generieren könnten. Deswegen sollte das Genre egal sein, zunächst mal schon eine Beschränkung auf Prosa, sondern gerne auch mit Gedichten und Aphorismen versehen. Aber dann auch Liebe / Krimi / Fantasy / Humor / Thriller und und und ... Alles sollte erlaubt sein. So lange ein Ort gewählt wurde, der eine Haltestelle in der Nähe hatte. Denn recht schnell kam dann die Idee auf, dass das ÖPNV eine große Rolle spielen sollte in unserer Anthologie - und here it is!


Frankfurter Verkehrsliteratour
HERAUSGEBER:  Daria Eva Stanco Jannis Plastargias Nina Maria Marewski
Im Mittelpunkt der Anthologie stehen Gebäude, Denkmäler, Plätze, Brücken, Straßen,  bekannte und weniger bekannte Frankfurter Sehenswürdigkeiten, die alle eine Anbindung zu einem öffentlichen Verkehrsmittel haben, Stationen, die sich mit Bus, Tram, U- oder S-Bahn erreichen lassen. Dieser literarische rote Verkehrsleitfaden fungiert als Reiseführer und gibt den Neuentdeckern – Einheimischen, Zugezogenen oder Touristen – eine Orientierung durch die Weltstadt.

Fällt der Abend auf die Alte Oper
milchig gelb das Licht in Anmut
das Wasser springt majestätisch empor
fällt samtig zurück in seinen Granit.
Vier Blitze Schlag auf Schlag
fotografieren den Platz
Verliebte händchenhaltend
das Kind auf dem Tretroller
ein anderes fährt Dreirad.
(Safiye Can)

So kennen wir Frankfurt, so lieben wir die Mainmetropole: Nach bewegter Geschichte heute als Messe- und Finanzstadt mit Skyline und Flughafen bekannt, für Goethe und Apfelwein weltberühmt. Aber war‘s das schon? Mitnichten: Aus der überraschend großen Off-Kultur-Szene entwickelte sich das Projekt Verkehrsliteratour. 26 Nachwuchsautorinnen und -autoren aus Frankfurt und Umgebung widmen der Stadt am Main ihre jeweils ganz persönliche Liebeserklärung.

Gefällt Ihnen das städtische Gewusel? Waren Sie schon mal an einem Mittwoch am Frankensteiner Platz? Haben Sie den Eschenheimer Turm gesehen? Auch als Ashley weg war? Wer ist überhaupt Ashley? Möchten Sie, von einem Pustekuss aufgeweckt, etwas über Liebe erfahren? Kennen Sie die  Frau, die jeden Morgen mit ihrem Dackel vor der Rolltreppe zur U-Bahn-Station Merianplatz steht? Sie möchten direkt weiter und noch mehr erleben? Dann fahren Sie mit der U5 zum Hauptbahnhof und nehmen dort die Tram 21 bis zur Rennbahn. Oder fahren Sie mit der S-Bahn bis zur Galluswarte.

Hierher und an andere ausgewählte Plätze laden wir Sie ein. Folgen Sie unseren Empfehlungen und entdecken Sie durch unsere literarischen Texte eine andere Seite der Stadt: die der Poeten, Schriftsteller, Denker und gefühlvollen Beobachter. Willkommen in Frankfurt am Main.

Im Mittelpunkt der Anthologie stehen Gebäude, Denkmäler, Plätze, Brücken, Straßen,  bekannte und weniger bekannte Frankfurter Sehenswürdigkeiten, die alle eine Anbindung zu einem öffentlichen Verkehrsmittel haben, Stationen, die sich mit Bus, Tram, U- oder S-Bahn erreichen lassen. Dieser literarische rote Verkehrsleitfaden fungiert als Reiseführer und gibt den Neuentdeckern – Einheimischen, Zugezogenen oder Touristen – eine Orientierung durch die Weltstadt.


Nutzen Sie das öffentliche Verkehrsnetz. Steigen Sie ein – Türen schließen selbsttätig – und erleben Sie unsere Frankfurter Verkehrsliteratour.

Bestellen kann man hier: http://groessenwahn-verlag.de/shop/anthologien/frankfurter-verkehrsliteratour/

Dienstag, 15. September 2015

Dichtungsfans: die nachnominierten


Donnerstag, um 20:00
Alte Liebe
Darmstädter Landstraße 23, 
60594 Frankfurt am Main

die nachnominierten. lyrikabend in der alten liebe mit sarah schuster, alexandru bulucz und marcus roloff.

im anschluss electronica vom band.

Donnerstag, 10. September 2015

Meine Erlebnisse als Pädagoge (21-25):


Meine Erlebnisse als Pädagoge (21):
Noch als Student arbeitete ich im Schülercafe einer Karlsruher Hauptschule. Eines Tages sprach mich ein Mädchen aus der 8. Klasse an: "Jannis, hast du eigentlich eine Freundin?" 
Natürlich war meine Antwort: Nein.
Eine Woche später traf sie mich dort wieder, ich hatte einen Knutschfleck. 
Sie schaute mich ernst an, sagte: "Letzte Woche habe ich dich gefragt, ob du eine Freundin hast."
Ich: "Ja?"
Sie: "Und du hast gesagt: nein. Und jetzt hast du einen Knutschfleck! Wie geht das?"
Ich muss schmunzeln, die Jungs kichern. 
Die Sozialarbeiterin mischt sich ein: "Ja, denk mal darüber nach, liebe ..." und muss ebenso schmunzeln.
Die Schülerin grübelt.
Die Sozialarbeiterin helfend: "Was könnte das bedeuten?"
Die Jungs schütteln lachend den Kopf.
Die Schülerin: "Hä? Ich checks net!"

Meine Erlebnisse als Pädagoge (22):
Die Episode mit dem Bäckersjungen erinnerte mich auch an eine Beratungssituation mit einem fünfzehnjährigen Jugendlichen. 
Der redete und redete und redete - und ich dachte: komm mal zum Punkt, ich habe auch noch andere Klienten. Aber weiter ging es: blubb blubb blubb. 
Dann, eine gefühlte Stunde später: "Also, PlastaMasta, ich bin nicht normal. Ich sehe dauernd: Hintern, Busen, Hintern, Busen, Hintern, Busen. Die ganze Zeit. Ich werde noch verrückt!"
Ich wollte ihn ja nicht auslachen, musste mich allerdings gut zurücknehmen. 
Ich schaute ihn ernst an: "Du bist sowas von 'normal'. Wenn du deine Mitschüler fragen würdest, dann würden die das gleiche sagen. Und wenn du deinen Vater fragst, wie er damals war ..."
"Und du?"

"Ich? Ja, ich war auch mal 15."

Meine Erlebnisse als Pädagoge (23):
Schon als Student leitete ich ja Kurse mit jugendlichen Flüchtlingen. Ich hatte da einen ganz zauberhaften irakischen Jungen als Schüler. Bei der Flucht hatte er seine Eltern verloren und kam dann über Umwege zu seinem großen Bruder nach Karlsruhe. Der kümmerte sich um ihn, war aber natürlich mit seinem eigenen Leben genug beschäftigt und etwas überfordert mit seinem kleinen Bruder ... So bat er mich irgendwann, auf seinen kleinen Bruder ein Auge zu werfen, quasi als zweiter großer Bruder. Die beiden wussten die ganze Zeit nichts über den Verbleib ihrer Eltern ... Dann nach fast zwei Jahren (das muss man sich mal vorstellen, der jüngere war ja 11/12 Jahre alt) stellte sich dann endlich heraus, dass sie noch lebten. Natürlich wollte er sie sofort sehen, was jedoch gegen die deutschen Richtlinien verstieß, da sie in einem anderen Bundesland untergebracht waren. So verstand ich sehr gut, dass der Junge schwierig wurde und ausreißen wollte. Er probierte es mehrmals und sein Bruder und ich mussten da viel Überzeugungsarbeit leisten, dass er sich wieder beruhigte und Geduld zeigte. Und das in diesem Alter ...

Meine Erlebnisse als Pädagoge (24): 
Neben der Bauernschläue gibt es auch die Lehrerschläue... Eines Tages - noch zu Studienzeiten - begleitete ich die zweiten Klassen einer Karlsruher Grundschule zu einem Theaterstück. Die Mutter eines Schülers war auch mit dabei. Wir setzten uns nach links zu ihrem Sohn. Kaum saßen wir, mussten wir jede Minute "eigene" wie "fremde" Kinder ermahnen. Ich blickte mich um, sagte dann zur Mutter:
"Ist dir eigentlich aufgefallen, dass wir als einzige Betreuer links sitzen?"
"Nein. Wo sitzen denn die Lehrerinnen?"
"Alle Lehrerinnen sitzen rechts, auch die der anderen Schulen."
"Ähm, okay."
"Und die Rabauken sitzen alle links übrigens." 
"Die Lehrerinnen sind ganz schön abgebrüht", schmunzelte die Mutter. 

Die Mutter und ich haben irgendwie nur die Hälfte des Stückes mitgekriegt...

Meine Erlebnisse als Pädagoge (25):
Ich bin ja mehr der große Bruder so als Pädagoge, manchmal habe ich mich dann aber doch gefragt, ob ich nicht zu viel erzähle... Eines Tages hatte ich eine Postkarte auf meinem Tisch, auf der die Nummer einer Hotline für Alkoholsüchtige drauf stand... Ich war leicht verwirrt. Als ich Schüler Daniel wieder sah, fragte der mich: "Haben Sie schon angerufen?" von mir kam wahrscheinlich nur ein "grmpfl" heraus. Er lachte: "Naja, ich habe es nur gut gemeint, Herr P."

Montag, 7. September 2015

Queere Videos 18: "Wild" von Troye Sivan

http://www.billboard.com/files/styles/promo_650/public/media/troye-sivan-2014-billboard-650-2.jpg
Meistens entdecke ich neue Musik ja entweder durch meinen heißgeliebten Musikexperten B., durch die Intro oder durch diese Random Empfehlungslisten von Spotify, Youtube oder Napster - Troye Sivan entdeckte ich tatsächlich durch letztere Möglichkeit. Vor ein paar Monaten schaffte es sein Song "Happy little pill" in meine Playlist. Weiters beschäftigte ich mich allerdings nicht mit ihm, obwohl ich immer irgendwie dachte, dass der Junge mir bekannt vorkommt. Und ja, er ist bekannt - noch nicht so sehr als Musiker, obwohl sein erstes Album als völlig Unbekannter schon auf Platz 5 der Billboard-Charts gelangte! Eher jedoch kennt man ihn aus dem Kino, sozusagen. Troye spielte im Film X-Mens Origins: Wolverine mit und übernahm in der Filmreihe Spud die Hauptrolle. 

                                           

Vielleicht gibt es aber auch keinen Zufall, denn wie sollte ich folgende Koinzidenz erklären: vorgestern hörte ich mir seine neue EP "Wild" an und war ganz begeistert. Und gestern entdecke ich das erste Video daraus auf meiner Timeline auf Facebook: "Wild" scheint der erste Teil einer Trilogie zu sein. Man sieht Troye mit einem anderen Typen, kuschelnderweise. Und dann gibt es einen Rückblick, zwei Jungs, Kindheit, beste Freunde, eine Liebe entsteht. Ganz niedlich. Und macht neugierig auf mehr. Wird der Vater des einen Jungen dagegen sein? Treffen sie sich verbotenerweise? Oder was ist da los?
Teil 1 jedenfalls seht ihr hier: http://www.vevo.com/watch/troye-sivan/WILD-(Blue-Neighbourhood-Part-1-3)/AUUV71500121
Spannend an ihm ist auch sein frühes, beherztes Coming-out, das er auf Youtube zelebrierte. :-)

Samstag, 5. September 2015

RotZSchwul. Der Beginn einer Bewegung (1971-1975)

Es gab Momente, in denen ich dachte: Hm, das schaffst du nie! Zu groß erschien mir der Berg - die vielen Kopien aus dem Archiv, gefühlt eine Million!, die langen Tonbandaufnahmen, die enormen Eindrücke und die Komplexität des Ganzen - ja, er erschien mir unüberwindbar! Ängste trieben mich um, niemals mit dem Buch fertig zu werden. Das erscheint kurios, angesichts der Tatsache, dass es nun 200 Seiten dick ist. Aber zwischendurch dachte mein Betreuer von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, dass ich bei dem vielen Material und bei meiner Herangehensweise einen 1000-Seiten-Wälzer fabrizieren würde. Das verhinderte natürlich mein Lektor und Verleger in Personalunion (Jim Baker vom Querverlag). Zum Glück für die zukünftigen Leser_innen. 1000 Seiten hätte niemand geschafft. ;-) Als allerletzter ich selbst! Denn selten habe ich ein Buch so oft überarbeitet wie dieses. Dachte ich schon bei Liebe/r Kim, dass ich am Rande des Erträglichen stehe, war diese Sisyphus-Arbeit an dem RotZSchwul noch eine Steigerung und noch größere Herausforderung für meine Nerven! 
Das alles hört sich nach zu viel Arbeit und Bereuen an. Nein, dem ist natürlich nicht so! Ich habe in diesen drei Jahren, in denen ich an diesem Buch arbeitete - immer etappenweise natürlich - so vieles gelernt, dass ich das kaum in einem Blog-Artikel zusammenfassen könnte. Da waren so viele spannende Menschen, die ich kennenlernen durfte, so viele Geschichten, die ich zu hören bekam, so viele Gedanken und Gefühle, die auf mich einstürzten und zu einem anderen Menschen machten. Während der Arbeiten dachte ich gelegentlich: So etwas machst du nie wieder! Nichts Historisches mehr, nichts mit Interviews, kein Crossover mehr - denn im Grunde ist "RotZSchwul. Der Beginn einer Bewegung (1971-1975) mehr als ein Sachbuch. Oder besser: kein übliches Sachbuch. Es ist kein Geschichtsbuch, wie man das so kennt. Es ist mehr ein Geschichten-Buch. In den Mittelpunkt habe ich nicht nur die Gruppe RotZSchwul gesetzt, sondern auch meine "Erfahrung mit der RotZSchwul", was ein sehr großer Unterschied ist. Ich erzähle aus meiner Sicht, und das wirkt manchmal traumartig, irgendwie die Vergangenheit verfälschend - und doch berichte ich immer Fakten, stütze mich auf wahre Quellen, die meine Worte belegen. 
In diesem Werk wollte ich Geschichte(n) erlebbar machen, wollte Menschen mit auf meine Reise in die Vergangenheit nehmen - ich möchte nicht nur, dass die Leser_innen verstehen, warum ich das Buch geschrieben habe, sondern auch, dass sie nachvollziehen können, warum ich es nur so schreiben konnte und was es mit mir gemacht hat. Ich ziehe alles in meine eigene Realität, in meine Gegenwart, nein, in unsere Gegenwart - und so versuche ich die Vergangenheit zu erklären und zu zeigen, wie sie unseren Weg gebahnt hat. Ich hoffe sehr, dass mir dies gelungen ist. Wen ich nun neugierig auf mein neues Baby gemacht habe, hier gibt es mehr dazu: http://querverlag.de/books/RotZSchwul.html.

Mittwoch, 2. September 2015

Meine Erlebnisse als Pädagoge (16-20):


Meine Erlebnisse als Pädagoge (16):
"Spiel doch mit deiner Freundin im Sandkasten", sagte ich einem Mädchen im Kindergarten. 
Die Antwort: "Meine Mutter hat gesagt, ich darf das neue Kleid nicht dreckig machen."
Ich, stets genervt von solchen Eltern, erwiderte lächelnd: "Dann sag deiner Mutter, dass sie dir keine neuen Kleider anziehen soll, wenn sie dich in den Kindergarten schickt. Und jetzt mach dich dreckig! Mit schönem Gruß später an zuhause." 
Ich war übrigens nach jedem Arbeiten reif für die Dusche und meine Klamotten musste ich in die Wäsche tun.
Als ich eines Tages mit dreckigen Herbstblättern beworfen wurde, stiftete ich die Kinder an, nicht nur mich, sondern auch die Leiterin des Kindergartens zu bewerfen. Zuerst trauten sie sich nicht. Ich provozierte sie. Dann taten sie es hinterrücks. Die Leiterin schrie. Ich lachte.

Meine Erlebnisse als Pädagoge (17):
Eines Tages war ich mit viel zu vielen Schüler/innen im Freibad. Ich beobachtete sie mit Argusaugen und war ganz stolz auf sie (und auf mich), dass es nach fast zwei Stunden immer noch keine Vorfälle gab - schon mit gutem Betreuungsschlüssel bekamen Schüler/innen von mir zum Beispiel ein "Rutsch-Verbot und dergleichen. Doch dann kam der Bademeister auf mich zu und teilte mir mit, dass er einen meiner Schüler gleich rausschmeißen werde. Ich war ganz irritiert, ließ mir die Taten erzählen und den Delinquenten zeigen. Tja, ich stellte fest, dass der junge Mann überhaupt kein Klient war, sondern ein Freund meiner Schüler. Ich sagte dem Bademeister, dass ich mich drum kümmern werde, ging zu dem Jungen und drohte ihm damit, ihn zu tunken, wenn er nicht mit dem Scheiß aufhörte. Er lachte nur. Ich schnappte ihn mir und schmiss mich mit ihm zusammen ins Wasser, damit tunkte ich ihn natürlich. Als er wieder auftauchte, lachte er noch mehr und sagte, dass wir das noch öfter machen sollten. Ich antwortete: "Okay, aber nur wenn du mit dem Scheiß aufhörst." Er nickte.

Das war alles schön und gut, aber damit hatte ich ihn nicht nur im Freibad an der Backe, sondern auch auf der sehr langen Heimfahrt. DAS war ein harter Arbeitstag! 

Meine Erlebnisse als Pädagoge (18):
Im Rahmen der Frankfurter Sprachwoche des Vereins sprich! e.V. durfte ich einen Book-Flashmob mit Schüler/innen organisieren.
Hat einen riesengroßen Spaß gemacht - auch den Schüler/innen. „wink“-Emoticon Hinterher meinte jedoch ein Schüler zu mir: "Können wir wieder machen, aber dann bitte ohne Bücher." Und ich antwortete: "Ja, einen Kiss-Flashmob fände ich auch spannender. Kriegen wir aber wahrscheinlich kaum durch, was?" 

Meine Erlebnisse als Pädagoge (19):
Da war dieses smarte kleine Kerlchen im Kindergarten-Praktikum, ein fünfjähriger Lockenkopf. Eines Tages schaute er mich an, schweigend - irgendwas dachte er sich da sicherlich, aber er sagte nichts. Nach einer gefühlten Minute (ich neige ja zur Ungeduld) fragte ich ihn lächelnd: "Was?"
Er kicherte und sagte: "Nichts."
Ich also wieder: "Was?"
Er: "Nichts!"
Ich: "Was??"
Er: "Nichts!!"
Ich: "Was???"
Er lachte schallend und sagte: "NICHTS!!!"
Diese Unterhaltung setzte sich zwei Wochen lang täglich fort. Wobei wir immer wieder die Rollen wechselten. Mal war ich der Fragende, mal er, wenn ich ihn länger anblickte.

Dann entwickelten wir ein neues Spiel ...

Meine Erlebnisse als Pädagoge (20):
Meine Kolleginnen im Kindergarten waren ja schon klug: die haben mich bei Ausflügen immer hinten laufen lassen. Bei unserer Wanderung im Wald führte das dann dazu, dass sich bei mir die ganzen Kinder sammelten, die so drauf waren:
"Oh, da ist ein Eichhörnchen, wie süüüüüüüß, das muss ich beobachten!" Andere blieben stehen wegen einer Schnecke. Und, oh, da, da ist ein Schmetterling, wow! "Jannis, ich höre da einen Vogel, was ist das für einer?"
"Moment, da müssen wir kurz alle mal ruhig sein und zuhören ..." (Ich erkenne übrigens nur den Zilp Zalp haha)
Oder: "Ich sehe da einen tollen Stock, den brauche ich!" - "Ähm, der ist da voll im Gestrüpp, Moment! Nicht! Du verletzt dich!" - "Autsch!" Gestolpert! (Ich hatte übrigens auch immer den Erste-Hilfe-Kaste bei mir: warum wohl?!)
Oder: "Trägst du mich, Jannis?" - "Pah! Da kannste lange drauf warten." - "Oh bitte!" - "Nein. Njet. Non. Yok!" - "Oh, bitte!" 
Das Ende vom Lied: Ich kam immer viiiieeeeeeel später an als die anderen, aber auch mit mehr Eindrücken