Mittwoch, 2. September 2015

Meine Erlebnisse als Pädagoge (16-20):


Meine Erlebnisse als Pädagoge (16):
"Spiel doch mit deiner Freundin im Sandkasten", sagte ich einem Mädchen im Kindergarten. 
Die Antwort: "Meine Mutter hat gesagt, ich darf das neue Kleid nicht dreckig machen."
Ich, stets genervt von solchen Eltern, erwiderte lächelnd: "Dann sag deiner Mutter, dass sie dir keine neuen Kleider anziehen soll, wenn sie dich in den Kindergarten schickt. Und jetzt mach dich dreckig! Mit schönem Gruß später an zuhause." 
Ich war übrigens nach jedem Arbeiten reif für die Dusche und meine Klamotten musste ich in die Wäsche tun.
Als ich eines Tages mit dreckigen Herbstblättern beworfen wurde, stiftete ich die Kinder an, nicht nur mich, sondern auch die Leiterin des Kindergartens zu bewerfen. Zuerst trauten sie sich nicht. Ich provozierte sie. Dann taten sie es hinterrücks. Die Leiterin schrie. Ich lachte.

Meine Erlebnisse als Pädagoge (17):
Eines Tages war ich mit viel zu vielen Schüler/innen im Freibad. Ich beobachtete sie mit Argusaugen und war ganz stolz auf sie (und auf mich), dass es nach fast zwei Stunden immer noch keine Vorfälle gab - schon mit gutem Betreuungsschlüssel bekamen Schüler/innen von mir zum Beispiel ein "Rutsch-Verbot und dergleichen. Doch dann kam der Bademeister auf mich zu und teilte mir mit, dass er einen meiner Schüler gleich rausschmeißen werde. Ich war ganz irritiert, ließ mir die Taten erzählen und den Delinquenten zeigen. Tja, ich stellte fest, dass der junge Mann überhaupt kein Klient war, sondern ein Freund meiner Schüler. Ich sagte dem Bademeister, dass ich mich drum kümmern werde, ging zu dem Jungen und drohte ihm damit, ihn zu tunken, wenn er nicht mit dem Scheiß aufhörte. Er lachte nur. Ich schnappte ihn mir und schmiss mich mit ihm zusammen ins Wasser, damit tunkte ich ihn natürlich. Als er wieder auftauchte, lachte er noch mehr und sagte, dass wir das noch öfter machen sollten. Ich antwortete: "Okay, aber nur wenn du mit dem Scheiß aufhörst." Er nickte.

Das war alles schön und gut, aber damit hatte ich ihn nicht nur im Freibad an der Backe, sondern auch auf der sehr langen Heimfahrt. DAS war ein harter Arbeitstag! 

Meine Erlebnisse als Pädagoge (18):
Im Rahmen der Frankfurter Sprachwoche des Vereins sprich! e.V. durfte ich einen Book-Flashmob mit Schüler/innen organisieren.
Hat einen riesengroßen Spaß gemacht - auch den Schüler/innen. „wink“-Emoticon Hinterher meinte jedoch ein Schüler zu mir: "Können wir wieder machen, aber dann bitte ohne Bücher." Und ich antwortete: "Ja, einen Kiss-Flashmob fände ich auch spannender. Kriegen wir aber wahrscheinlich kaum durch, was?" 

Meine Erlebnisse als Pädagoge (19):
Da war dieses smarte kleine Kerlchen im Kindergarten-Praktikum, ein fünfjähriger Lockenkopf. Eines Tages schaute er mich an, schweigend - irgendwas dachte er sich da sicherlich, aber er sagte nichts. Nach einer gefühlten Minute (ich neige ja zur Ungeduld) fragte ich ihn lächelnd: "Was?"
Er kicherte und sagte: "Nichts."
Ich also wieder: "Was?"
Er: "Nichts!"
Ich: "Was??"
Er: "Nichts!!"
Ich: "Was???"
Er lachte schallend und sagte: "NICHTS!!!"
Diese Unterhaltung setzte sich zwei Wochen lang täglich fort. Wobei wir immer wieder die Rollen wechselten. Mal war ich der Fragende, mal er, wenn ich ihn länger anblickte.

Dann entwickelten wir ein neues Spiel ...

Meine Erlebnisse als Pädagoge (20):
Meine Kolleginnen im Kindergarten waren ja schon klug: die haben mich bei Ausflügen immer hinten laufen lassen. Bei unserer Wanderung im Wald führte das dann dazu, dass sich bei mir die ganzen Kinder sammelten, die so drauf waren:
"Oh, da ist ein Eichhörnchen, wie süüüüüüüß, das muss ich beobachten!" Andere blieben stehen wegen einer Schnecke. Und, oh, da, da ist ein Schmetterling, wow! "Jannis, ich höre da einen Vogel, was ist das für einer?"
"Moment, da müssen wir kurz alle mal ruhig sein und zuhören ..." (Ich erkenne übrigens nur den Zilp Zalp haha)
Oder: "Ich sehe da einen tollen Stock, den brauche ich!" - "Ähm, der ist da voll im Gestrüpp, Moment! Nicht! Du verletzt dich!" - "Autsch!" Gestolpert! (Ich hatte übrigens auch immer den Erste-Hilfe-Kaste bei mir: warum wohl?!)
Oder: "Trägst du mich, Jannis?" - "Pah! Da kannste lange drauf warten." - "Oh bitte!" - "Nein. Njet. Non. Yok!" - "Oh, bitte!" 
Das Ende vom Lied: Ich kam immer viiiieeeeeeel später an als die anderen, aber auch mit mehr Eindrücken

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