Dienstag, 31. Januar 2012

Mysteriöse 59

Seht ihr das Teil in der Mitte? So ein Kleidungsstück in einer undefinierbaren Farbe? Vor langer Zeit fragte mich der schönste Mann der Welt, der einen übersteigerten Sinn für Ästhetik besitzt, ob dies MEIN Kleidungsstück sei. Bis heute konnte ich noch nicht herausfinden, wie er auf eine solche Idee kam - als hätte ich nichts Besseres zu tun, als mich auf den Balkon zu stellen und mal ein Kleidungsstück an den nächsten Baum zu schmeißen. Wozu? fragte ich ihn dann auch folgerichtig. Er zuckte mit den Schultern, so nach dem Motto: Bei dir was man ja nie... Doch wieso weiß man bei mir nie? Bin ich so unberechenbar? Nee, eher nicht, oder? Bin ich so durchgeknallt? Könnte ich, aus mir gerade noch unerfindlichen Gründen, auf die Idee gekommen sein, meine revolutionären Wünsche, die Welt zu verändern, auf diese Weise befriedigt zu sehen? Nein, ich glaube nicht. Sollte das ein Ausdruck einer Negierung der Kleiderordnung oder gar der Markenversklavung in unserer Gesellschaft darstellen? Also, ich weiß ja nicht... Näher liegt natürlich der Gedanke, dass ein Unwetter damit zu tun haben könnte und einer armen Nachbarin ihr liebstes Hemd vom Balkon stürmte. Aber auch das etwas unwahrscheinlich. Nicht nur dass es hässlich ist... Man hätte in der 59 davon etwas erfahren. In der 59 erfährt man solche Dinge. Und in der 59 tut man etwas dagegen! So! Viel wahrscheinlicher also, dass die Bekloppten vom Haus neben dran (aber nicht die, welche man auf dem Bild sieht, sondern das weiße daneben) die Schuldigen waren. Das sind sie nämlich immer - hahaha, Diffamierungen machen Spaß. Jawoll, eine Schelte auf die Verrückten, die unser Nachbarhaus bevölkern müssen. Nein, ich meine das nicht ernst. Überhaupt nicht. Mich belustigt allerdings die Vorstellung, dass da jemand das Fenster öffnet, rumkrakeelt in seiner Wut (immerhin besser als vor dem Fenster zu onanieren und die ganze Nachbarschaft daran teilhaben zu lassen, was auch geschieht), und dann tatsächlich so wütend ist, dass er (naja, oder sie) das nächst beste Wurfgeschoss nimmt und gegen den Baum brezelt. Nur: Wieso ein Hemd, T-Shirt oder was auch immer das ist? Wieso nicht etwas, das Krach schlägt, das actionreich kaputt geht, mit viel Tamtam und viel Dreck und so? Na, wir werden es wohl nie erfahren... Aber eines ist klar: Ich bin meistens NICHT an den mysteriösen Geschichten in der 59 beteiligt. Warum auch immer! ;-)

Sonntag, 29. Januar 2012

Was geht los hier rein? - Show

Britschitt hat gewoooonnnnnennn!!!! Yeah! Und der Prosecco geht auf mich! :-) Nur: Was geht los hier rein? Das frage ich mich hier. Das Dschungelcamp war dieses Jahr anders. Anders als im letzten Jahr. Auf jeden Fall. Mehr Gejammer, mehr Abbrüche - als ob die Teilnehmer_innen vorher auf "hart" gemacht hätten, ihren Lieben versprochen hätten: Mit MIR machen die das nicht, ich gehe lieber vorher raus, bevor ich mich zum Affen mache. Und damit haben sich die Kesicis und Vincents noch lächerlicher gemacht. Finde ich. Überhaupt: Vincent Raven. Was wollte der eigentlich? Verschleiern, dass er die größte Tunte von allen ist? Obwohl er da echt Konkurrenz hatte. ;-) Ich mache Spaß. Ich bin selbst ein Weichei. Ganz ehrlich: Ramona ist NIX gegen mich. Ich erinnere gerne an das Matschcamp im letzten Jahr: Ich musste keine Kakerlaken essen, musste durch keine Gewässer mit Ratten oder Krokodilen - und trotzdem war es mir dann irgendwann zu viel mit diesem beschissenen Regen und dem Matsch. Und ich hatte da Urlaub! Wunderschöne Konzerte, die wunderschönste Begleitung der Welt - und ein Zelt. Ich hätte keine der Prüfungen mitgemacht. Keine bestanden dementsprechend. Aber ich kriege auch keine 50.000 Euro. Oder 150.000 Euro - wie Britschitt das angeblich bekam. Ich gönne es ihr. Ich gönne den Leuten das Geld. So schnell werden sie ja keinen coolen Job bekommen... Nein, dieses Camp war anders als im letzten Jahr. Gejammer und Rumgezicke. Aber nicht auf diesem Psychoterroristen-Niveau wie im letzten Jahr mit dem Carriere. Keine Zicke wie die Knappik. Dafür eine GNTM-Vertretung, die nur durch Barbusigkeit auffiel. Und das war ja schon am zweiten Tag langweilig. Man mag sich nicht vorstellen, welche armseligen Typen sie mit ihrer Nacktheit ködern könnte. DIE müssen das wirklich nötig gehabt haben. Für die Teilnehmer_innen des Camps muss diese Nacktheit ungefähr so psychoterroristisch wie die Gesangseinlagen der Knappik gewesen sein. Apropos Knappik: Die wollte mal wieder etwas Aufmerksamkeit und machte ein lustiges Protest-Video gegen Raven. Mögen alle Schwulen der Erde aufbegehren, sie lieben und ihn hassen. Oder so. Ramona: Wieso wurde sie eigentlich so früh rausgewählt? Das vermeintlich junge Publikum hatte wohl keinen Bock auf eine Spießer-Mutti. Oder? Die andere Mutti der Nation: Britschitt gewann. Weil sie eine moderne Version einer Mutter ist? Vielleicht. Oder vielleicht eher eine Tante, mit der man Pferde stehlen kann und man sowieso lieber die Tanten als die Mütter hat? Alle wurden sie nacheinander rausgewählt, alle Querulanten und Spaßbremsen. Bis nur noch das Dreiergespann übrig blieb, das überraschenderweise am wenigsten nervte und letztlich mit Abstand am sympathischsten rüberkam. Der etwas debile Rocco, der gelegentlich Bauernschläue bewies und vor allem auf tapferes Schneiderlein machte, die immer ruhige Kim, die über sich hinaus wuchs und am Ende richtig kumpelhaft süß rüberkam - und natürlich die große Brigitte mit ihrem liebenswerten Akzent. Die immer positiv sein wollte und es auch schaffte. Die so nett, so spannend ist - vergleichsweise. Ein großes Kompliment an die Macher: Bei aller Kritik war die Musikauswahl dieses Jahr grandios. Und die Redaktion genauso. Nein, flach konnte man die Texte der beiden Moderator_innen nicht nennen, wirklich nicht. Sie waren teilweise so wie man sie von Harald Schmidt erwarten würde - der kann das aber nicht mehr. Ironie ist eine große Kunst - und diese wird im Dschungelcamp bzw. über dem Dschungelcamp beherrscht. Meine Meinung! Brigitte hatte einen Start- Ziel-Sieg. Mal schauen, was ihr der bringt. Eine Show im deutschen TV? Wer weiß das schon. Unterschätze nie die Trashfähigkeit eines RTL 2 oder Vox oder Kabel 1. ;-) Was geht los hier rein???

Freitag, 27. Januar 2012

Eröffnungsfest „Kultur und mehr - ..." Impressionen










Eröffnungsfest „Kultur und mehr – miteinander im Quartier“

Als neuer Akteur im „Kleinen Zentrum“ bieten wir, unterstützt durch die Diakonie Frankfurt und das Frankfurter Programm „Aktive Nachbarschaft“ gemein-wesenorientierte, interkulturelle und generations-übergreifende Kulturarbeit rund um das „Kleine (Einkaufs-)Zentrum“ an. Um uns der Bewohnerschaft sowie den Mit-Akteuren, politisch Verantwortlichen und Interessierten bekannt zu machen, werden wir am 27.01.12 ab 17.00 Uhr ein Eröffnungsfest rund um ein beheiztes Festzelt im „Kleinen Zentrum“ (Thomas-Mann-Straße 6b, 60439 Frankfurt am Main) veranstalten – hierzu laden wir Sie herzlichst ein! Gerne würden wir diese Gelegenheit auch nutzen, um Sie näher kennenzulernen und um uns mit Ihnen auszutauschen. Nachfolgendes Programm, das von Dirk Hülstrunk (Kulturnetz Frankfurt) moderiert wird, erwartet Sie: 
17.00 Uhr: Einladende Musik von Santa La Negra / Empfang 
17.15 Uhr: Begrüßung durch Herrn Dirk Hülstrunk (Kulturnetz Frankfurt) 
17.20 Uhr: Begrüßung durch Frau Stadträtin Prof. Dr. Daniela Birkenfeld (angefragt) 
17.25 Uhr: Performte Kurzlesung von Herrn Michael Bloeck (Kulturnetz Frankfurt) 
17.30 Uhr: Begrüßung durch Jürgen Schmidt (Vereinsring Niederursel) 
17.35 Uhr: Begrüßung durch Annette Püntmann (Diakonie Frankfurt – Quartiersmanagerin) 
17.40 Uhr: Begrüßung durch Ali Karakale (Co-Projektleiter “Kultur und mehr – miteinander im Quartier”) 
17.45 Uhr: Trommel-Session (Roque de Souza und Jugendliche aus dem Quartier) 
17.52 Uhr: Buffet-Eröffnung (interkulturelle Speisen und Getränke)
17.55 bis 19.00 Uhr: ab 19.00 Uhr: Möglichkeit zu Kennenlern- und Vernetzungsgesprächen, begleitet von dezenter Weltmusik (Roque de Souza) und einer Dia-Show (Dirk Hülstrunk) Weltmusik (verschiedene Künstler)
Parallel zum Eröffnungsfest werden Sie in unseren Vereinsräumen auch die Möglichkeit haben, die Ausstellung „Erfolgsgeschichten – Gesichter einer gelungenen Integration in Stadt und Kreis Offenbach“  zu besichtigen.
http://www.kulturnetz-frankfurt.de/2012/01/einladung-zum-eroffnungsfest-%E2%80%9Ekultur-und-mehr-%E2%80%93-miteinander-im-quartier%E2%80%9C/

Donnerstag, 26. Januar 2012

Abschlusslesung Textwerkstatt 2011



Es war mein letztes Mal in der Textwerkstatt Darmstadt. Naja, vielmehr auf der Lesebühne als Mitglied der Textwerkstatt 2011. Ein letztes Mal lesen. Ein letztes Mal die ganzen Leute auf einem Haufen treffen. Die anderen hören, über die Pläne reden. Mit manchen sind es gemeinsame. Mit anderen nicht. Manche bleiben noch ein Jahr in der Textwerkstatt. Ich war bereits zwei Jahre. Viel habe ich gelernt bei Kurt Drawert, dem Leiter dieser wundervollen Einrichtung des Zentrums für junge Literatur. 
Es war voll bei unserem letzten gemeinsamen Abend - wo sich die alten Textwerkstättler und die neuen begegnen. In der Textwerkstatt lesen einmal im Monat, am ersten Dienstag, zwei Mitglieder dieser Werkstatt ihre Texte, sie werden von den anderen "kritisiert", gemeinsam überlegt man sich, wie die Texte noch besser werden könnten. 

Kurt Drawert gab natürlich immer sehr viele nützliche Tipps, erzählte aus seinem bewegten Leben - mein Gott, das hört sich an, als ob er hundert wäre. Ist er nicht, aber er hat schon eine Menge erlebt, genauso viel geschrieben und gewonnen - welchen Preis hat er noch nicht? Doch auch andere haben mein Schreiben bereichert, allen voran Andreas Lehmann, hier auf dem Bild. Auf seine Kritiken war ich immer besonders gespannt. Mit Andreas Lehmann wird es auch ein Wiedersehen geben. Er ist im "Club der Prosaisten", gemeinsam mit Töny von Trotha, die dieses Jahr Merck-Stipendiatin ist und Jan-Erik Grebe, die noch ein Jahr in der Textwerkstatt sein werden. Der Club der Prosaisten (wir anderen waren übrigens 2011 Merck-Stipendiaten) trifft sich abwechselnd in Frankfurt, Darmstadt und Mainz. Zum Essen. Zum über Literatur reden. Über Freud und Leid beim Schreiben. Um sich zu unterstützen und weiterzubringen. Andreas Lehmann sagte immer kluge Sachen und manchmal wünschte ich mir, er wäre mein Lektor. Doch Andreas Lehmann kann mehr - das zeigte er am 24.1. auch: kurze Geschichten pointiert, klug, mit einer formvollendeten Sprache zu schreiben. Ich könnte das nicht. Ich brauche die lange Form. Auch eine Erkenntnis dieser Textwerkstatt.




Ich las natürlich aus den Plattenbaugefühlen. Hier muss ich doch auch mal zeigen: Genug Material ausgelegt für die Leute. Stolz kann ich nämlich berichten, dass ich der einzige aus der Textwerkstatt 2011 mit einer Veröffentlichung bin. :-) Ich Angeber. ich las die Szene vor, in der Jonas das erste Mal von seinen Eltern mit dem Schwulsein konfrontiert wird - und mit Grüner Soße. Es gab sehr viele Lacher. Das hat mich gefreut. War wohl ein gelungener Auftritt, darf ich ganz selbstsicher äußern. 


Vom Talent her könnten Andreas Lehmann oder Özlem Dündar schon längst einige Veröffentlichungen haben, also ich meine als eigenständige Veröffentlichungen, denn sie haben beide schon in diversen Zeitschriften Texte untergebracht. Özlem hat mal wieder vor mir gelesen. Das ist natürlich immer eine Ehre. Ihre Gedichte sind einfach richtig gut. Sogar ich kann etwas mit ihnen anfangen, und das will was heißen. 
Ich werde diese Treffen in Darmstadt vermissen. Wirklich. Nicht nur weil ich so viel gelernt habe über das Schreiben, wie man zum Beispiel Dialoge baut, wie Spannungsbögen ausschauen, wie man den Ton trifft und vieles mehr, sondern auch weil das Wein trinken mit den anderen so viel Spaß machte, die Geschichten, die Kurt erzählte sowieso - und weil es gut tut, Mut zugesprochen zu bekommen, Bestätigung möchte ich sagen. Das muss ich mir jetzt wieder anderswo holen. Aber was bleibt sind ein paar tolle Kontakte, der Club der Prosaisten zum Beispiel, meine liebe Freundin Petra Bauernfeind zum Beispiel, die auch ausgeschieden ist, und viele andere mehr. Es war ein schöner Abend. Mit sehr viel Literatur. Mit sehr viel schönen Dingen, die über die Autoren gesagt wurde (von Kurt Drawert), mit musikalischer Begleitung, mit ausgemachten Terminen für die Zukunft - und mit dem Versprechen immer den Kontakt zur Textwerkstatt zu halten. Schön waren die zwei Jahre. Und jetzt heißt Good Bye, Textwerkstatt Darmstadt! 


Werde Fan: https://www.facebook.com/Plattenbaugefuehle

Dienstag, 24. Januar 2012

Schmerzwach - der Podcast

http://www.hunkdujour.com/hunks/
Kürzlich wurde ich interviewt. Nun ist das natürlich nichts Alltägliches für mich. So bekannt bin ich ja (leider) noch nicht, also ist es etwas Besonderes, etwas Aufregendes. Zumal es um Studio 3 - schwul dabei geht, dem Podcast, in dem sich alles um "Geschichten, Gedanken und Einblicke ins schwule Leben mit all seinen schönen und unschönen Seiten" dreht. Warum das so spannend ist? Weil ich noch nie bei einem speziellen Podcast mit dabei war. Weil wir unser Interview per Skype geführt haben, weil es ein Feature nur über mich war. 25 Minuten, in denen ich die Hauptfigur bin. 25 Minuten über mein Blog - schmerzwach - über das Arbeiten beim Radio und natürlich zum größten Teil über das Schreiben, und da natürlich auch über die Plattenbaugefühle. Zu hören ist das alles hier: 
http://studio3.podspot.de/post/schmerzwach/
Jan Ranft, der Podcaster, sieht große Ähnlichkeiten zwischen Podcast und Blog, nur ist das Bloggen eher ein Trend geworden, während die meisten Leute gar nicht wissen, was ein Podcast überhaupt ist. Wieso? Ich habe darauf keine Antwort... Aber mich interessiert Podcasten mittlerweile auch...
Was an diesem Podcast ist für die Blog- oder Plattenbaugefühle-Leser_innen interessant? Naja, zum Beispiel gab es ein Vorbild für Plattenbaugefühle, ein "Vorgänger"-Buch. Das habe ich so noch nie erzählt. Und ich habe noch so ganz andere Sachen verraten, die ich vielleicht in dieser Form noch nicht hier geschrieben habe - denn so ein Interview entwickelt immer so seine eigene Dynamik. So wie das auch Figuren in Büchern so tun...
Wir haben fast anderthalb Stunden miteinander geredet. Jan Ranft von Studio 3 und ich, es war sehr nett, sehr spannend sogar - und würde ich gerne beim nächsten Buch wiederholen. :-) Oder noch öfter interviewt werden. ;-) Ach ja, bald ist es ja wieder so weit, bei Radio Radar (NKL in Darmstadt) - aber dazu bald mehr...

Sonntag, 22. Januar 2012

Die Verschwulung der Welt

Der Berliner Joachim Helfer und der Beiruter Rashid al-Daif waren 2006 Teilnehmer des Interkulturellen Literaturaustauschprogramms „West-Östlicher Diwan“, das vom Goethe-Institut, den Berliner Festspielen und weiteren deutschen Institutionen initiiert ist. Das Ziel ist, den Austausch der verschiedenen Kulturen zu forcieren, indem man sich gegenseitig in den beiden Ländern besucht und das literarische Umfeld des Anderen kennenlernt. Das Produkt soll ein Essay über die Verschiedenheiten und Gemeinsamkeiten der beiden Gesellschaften sein. Rashid al-Daif, der Austauschpartner aus dem Libanon, tat etwas anderes. Er verfasste ein kleines Büchlein, das sehr persönlich und intim war: er schrieb über das Privatleben seines deutschen Kollegen, und insbesondere über dessen Homosexualität. Dieses Traktat wurde zu einem kleinen Bestseller im Libanon. Joachim Helfer sah sich gezwungen, eine Gegenrede zu verfassen, die vor kurzer Zeit trotz Bedenken des deutschen Verlages, in Deutschland herausgegeben wurde.
Worum geht es in diesem Werk? „Das Bett ist ein Kriegsschauplatz zwischen arabischer Tradition und westlicher Moderne“ so spitzt der Libanese seine These zu. Schon hier muss man erwähnen, dass al-Daif in seinen Romanen sehr gerne über Sexualität schreibt, allerdings stets heteronormative Vorstellungen vertritt. Er hat also bewiesenermaßen ein großes Interesse an Sexualität und deren Auswirkungen. So fasziniert ihn die Sexualität des deutschen Gegenübers und scheint alles andere in den Schatten zu stellen. Im gesamten Text spielt nur eben die Sexualität von Joachim Helfer eine Rolle. Am Ende ist er gar der Meinung, dass er selbst den jüngeren Literaten aus Europa bekehrt und zum rechten Pfad der Tugend gebracht hat, da Helfer sich seinen lang gehegten Wunsch eines Kindes erfüllt, und zwar mit Hilfe einer Frau, die er in Beirut kennenlernt. Die Sichtweise des Beiruters lässt allerdings nicht zu, dass dies für Helfer nichts am Status seiner langjährigen Beziehung mit seinem Partner ändert.
Doch warum ist das so wichtig für ihn? Es stellt sich bald heraus, dass al-Daif wie die meisten Menschen in arabischen Ländern eine andere Definition von Homosexuellen haben:
„Als Homosexueller wahrgenommen und bezeichnet wird weder ein Mann, der einen Homosexuellen oder einen Jüngling begehrt, noch dieser Jüngling selber, sondern einzig der erwachsene Mann in seiner, für Rashid durch Bart- und Körperhaar symbolisierten, Potenz als Mann begehrt, sich also von ihm penetrieren lässt, oder zumindest ließe, wenn sein aufdringliches Buhlen zum Erfolg führen würde.“


Das heißt, dass das potenziell Weibische und weiblich Passive das Verteufelte in den Augen des Libanesen ist. Damit einhergeht klar ersichtlich die abwertende Haltung gegenüber Frauen. Und dies ist einer der Streitpunkte der beiden Autoren: Joachim Helfer wirft dem Kollegen aus Beirut vor, einen sehr geringschätzigen Blick auf das andere Geschlecht zu haben. Al-Daif, der in seinem Land als progressiver Intellektueller gilt, zeigt hier in diesem Buch seine eher rückwärts gewandte Sichtweise der Dinge. Manche wohlwollende Kritiker schreiben, dass der Libanese doch manches eher ironisch meinte, doch nirgends in dem Text ist Ironie erkenntlich. Joachim Helfer seinerseits hat es ebenso wenig mit der Ironie. Seine Gegenrede ist doch allzu oft belehrend und mit erhobenem Zeigefinger. Viel zu oft benutzt er den erhobenen Zeigefinger und viel zu selten lässt er eine distanzierte, gelassene und humorvolle Haltung zu. 
Die Frage ist sowieso, ob dieses Werk ein tatsächlicher Dialog ist. Al-Daif hatte sein Werk im Monolog veröffentlicht. Und Joachim Helfer hielt einen Monolog dagegen. Ein Dialog ist das nicht. Viel spannender und erhellender wäre wohl eher, den Text von al-Daif zu nehmen, einzelne Passagen zu kommentieren und dann wieder zurück zu ihm nach Beirut zu schicken. So hätte ein wahrer Dialog zustande kommen können, der vielleicht etwas produktiver gewesen wäre. Und nicht im Sande verläuft wie das jetzt wohl der Fall sein wird. 
So richtig was Neues, was wir uns noch nicht gedacht hätten, kann man aus diesem Werk nicht herauslesen. Amüsant ist es trotzdem, wenn die beiden Schriftsteller ihre verschiedenen Versionen von Wahrheit kundtun. Joachim Helfer, der eher trocken analysieren möchte, und der poetische Rashid al-Daif, dessen Geschichten-Strom von dem Deutschen durch seine Einlassungen unterbrochen wird – manchmal ein wenig schade. Lustig sind auch die Unterstellungen von al-Daif, der zum Beispiel Angst hat, von Helfer angemacht zu werden, da er ja so männlich und behaart ist, und darauf stehen bekanntlich die Schwulen!
Alles in allem ist das Buch für all diejenigen lesenswert, die es mit Distanz, guter Laune und einem Quäntchen Philanthropie lesen. Menschen allerdings, die ohnehin schon Vorurteile und Klischees bezüglich muslimischen Menschen haben beziehungsweise in der Frauenbewegung arbeiten, sollten dies lieber unterlassen, denn man kann sich schon sehr über die Kommentare des Libanesen aufregen, was Joachim Helfer gelegentlich auch tut!
Das Buch „Die Verschwulung der Welt – Rede gegen Rede; Beirut – Berlin“ von Joachim Helfer und Rashid al-Daif ist in der Edition Suhrkamp erschienen und für zehn Euro im Buchhandel erhältlich. 

Samstag, 21. Januar 2012

Plattenbaugefühle hören und sehen...

Oder darüber diskutieren... Wieso ist das Schwul sein so schwierig für Jungs "mit Migrationshintergrund? werde ich gefragt. Ob ich eine Erklärung dafür habe... Nicht wirklich. Es werden Theorien ausdiskutiert, "die Angst vor der Frau im Islam" ist eine Arbeitshypothese, den Ausführungen des Autoren Joachim Helfer (Die Verschwulung der Welt) folgend: „Als Homosexueller wahrgenommen und bezeichnet wird weder ein Mann, der einen Homosexuellen oder einen Jüngling begehrt, noch dieser Jüngling selber, sondern einzig der erwachsene Mann in seiner, für Rashid durch Bart- und Körperhaar symbolisierten, Potenz als Mann begehrt, sich also von ihm penetrieren lässt, oder zumindest ließe, wenn sein aufdringliches Buhlen zum Erfolg führen würde.“ Das heißt, dass das potenziell Weibische und weiblich Passive das Verteufelte in den Augen des Libanesen ist (Rashid al-Daif, der sich in einer Streitschrift mit dem Deutschen fetzt). Damit einhergeht klar ersichtlich die abwertende Haltung gegenüber Frauen. Ein Zuhörer wirft allerdings ein, dass es wohl eher um die Ehre gehen könnte, denn da Homophobie in vielen traditionellen patriarchalischen Kulturen fest verankert ist, gilt dort auch Homosexualität als Ehrverletzung. In solchen Fällen besitzen die Betroffenen nicht mehr den bevorzugten Status, den Männer sonst in einer patriarchalischen Gesellschaft genießen. Vielleicht beides zusammen. Vielleicht etwas anderes. 



Ausgangspunkt bei Plattenbaugefühle war für mich die Frage, was passieren würde, wenn ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund sich in Darmstadt Kranichstein, ein Plattenbaugegend, outen würde. Meine Hypothese ist, dass er es sehr schwer haben würde. Mein Kumpel Mohamed aus Ägypten, auch schwul, vor einiger Zeit in einer Partnerschaft mit einem Engländer, erzählte mir (wohlgemerkt vor drei vier Jahren), dass ihm erst einmal nichts passieren würde, wenn es herauskäme. Doch wäre soziale Isolation die Folge seines Outings. Kollegen würden nicht mehr mit ihm reden, seine Familie erst recht nicht, ja, Ehrverletzung, nicht wahr? Die Kranichsteiner Jungs sagen, dass es kein Problem wäre, wenn einer ihre Freunde schwul wäre... Aber komisch, dass ein Kommentar war: Ja, schön und gut dein Buch, aber wäre cooler gewesen, wenn es eine Beziehung zwischen einem deutschen Jungen und einem türkischen Jungen wäre... Zeigt a) dass es nach wie vor eben nicht gang und gäbe und normal ist, wenn ein Junge schwul ist und b) andererseits zeigt es auch, dass eine interkulturelle Beziehung zwischen Junge und Mädchen ein hinreichendes Skandalon für ein Buch wäre...


Und die "Experten" in der Runde werden gefragt, was mit den jungen Männern sei, die in Mittelmeerländern oder anderswo in patriarchalen Gesellschaften, sich während ihres Militärs für Geld verkaufen, als Stricher, oder die untereinander Sex haben, weil sie räudig sind - und die sich nicht als "schwul" bezeichnen, das alles abtun und sagen, es war fürs Geld, damals, ich bin rein gar nicht schwul, ich habe es einfach so gemacht... Broke straight boys... ich habe noch nie verstanden, wie man so triebgesteuert sein kann, so wahllos - für mich hat einerseits Sex eine weniger große Bedeutung... In dem Sinne, dass ich es nicht dauernd und ständig brauche und auch nicht mit jedem und alles. Andererseits hat Sex für mich eine große Bedeutung - als Symbol der Liebe, der Intimität - und deswegen ist Treue für mich auch so wichtig. Das mag jeder anders sehen. Jeder Mann. Jeder Schwule. Jede Frau? 


Es war eine wundervolle Lesung in der Bar jeder Sicht in Mainz. Anka Loeben hat die Lesung wunderbar organisiert, es hat Riesen Spaß gemacht. Es war nicht so, dass die Bude voll war, aber diejenigen, die da waren, haben toll mitdiskutiert, das war super. Das sollte immer so sein... Die Bar jeder Sicht ist das lesBischwule Kultur- und Kommunikationszentrum in Mainz. Neben einem vielfältigen kulturellen Programm ist Hilfe für Schwule, Lesben, Bisexuelle und transidentische Menschen eines unser wichtigsten Anliegen. Alle, die da arbeiten, tun dies ehrenamtlich. Eine davon ist Kathryn, die zehn Jahre in Griechenland gelebt hat... Ich durfte mal griechisch reden zur Begrüßung... :-)

Freitag, 20. Januar 2012

Ich, Adrian Mayfield von Floortje Zwigtman

Da ist ein hervorragendes Buch bisher an mir vorbeigegangen, ohne dass ich bemerkt hätte. Wie das passieren konnte? Ich weiß es einfach nicht. Aber lieber spät als nie! Oder? Dafür war der Spaßfaktor umso größer und der Suchtfaktor kann sogleich gestillt werden, denn während die Fans der ersten Minute auf die Fortsetzung warten mussten, habe ich die jetzt direkt vor mir... Wovon ich rede? Von "Ich, Adrian Mayfield", dem wundervollen Jugendroman von Floortje Zwigtman, die in Belgien und Holland meiner Ansicht nach völlig zurecht der "weibliche Dickens" genannt wurde und für diesen Roman mit der „Goldenen Eule” und dem „Goldenen Kuss” geehrt wurde. Adrian Mayfield ist, wie der Name schon sagt, der Held der Geschichte, die damit beginnt, ihn in seiner Tätigkeit beim griechischen Schneider Procopius im Osten Londons zu zeigen. Gemeinsam mit seinen beiden jungen Kollegen, die mit ihm in einer Bude wohnen, arbeitet er dort fast Tag und Nacht. Und nur am Samstag Abend frönen sie dem Spaß. Eines Abends tun sie das zu ausgiebig und geraten in eine Prügelei und damit an die Polizei. Dies führt zur Kündigung und Adrian muss nun schauen, wie er zu Geld kommt. Die elterliche Kneipe war schon zuvor zugrunde gegangen, der Vater versucht sich über Theaterengagements irgendwie über Wasser zu halten, für zwei reicht es da nicht. So sucht Adrian Hilfe bei Trops, dem französischen Künstler, der noch zu Procopios´ Zeiten bei ihnen im Laden auftauchte und dem jungen Adrian die ersten Gefühlswirren bescherte. Trops wird sein Freund und eher unfreiwillig auch sein erster Geliebter. Trops bringt den Jungen in Verbindung mit dem Cafe Royal, dem Etablissement, in dem sich damals, Anfang des Jahrhunderts, auch Oscar Wilde, sein Geliebter Alfred Douglas - und viele andere Künstler rumtrieben. Adrian wird Modell für Künstler, wie einst Dorian Gray, und letztendlich auch Stricher. Sein neuer bester Freund führt ihn nicht nur in diese Künstlerkreise ein, nicht nur in das "homosexuelle London", sondern auch in die Literatur und Kultur. 
Ja, "Ich, Adrian Mayfield" ist ein Jugendroman, doch auch wieder einer, der genauso von Erwachsenen gelesen werden kann. Einige Kritiker_innen mahnten sowieso an, dass man diese Thematik, also männliche Prostitution, nicht unbedingt in einen Jugendroman packen sollte. So seien außerdem manche Szenen fast schon pornografisch und nicht unbedingt für Jugendliche geeignet. Manche nannten es nicht moralisch genug für dieses Genre. Doch wie sagte Oscar Wilde in der Vorrede des "Dorian Gray"? "So etwas wie moralische oder unmoralische Bücher gibt es nicht. Bücher sind gut oder schlecht geschrieben. Weiter nichts." 
Dieser Roman von Floortje Zwigtmann IST gut geschrieben, ganz zweifellos. Sie schafft es nicht nur, die Figuren in ihrer Tiefe zu zeichnen, in all ihren Verwerfungen, Verzweiflungen und Verfehlungen, sie schafft es auch, Sympathien für sie zu wecken, mitzufühlen und vor allem mit Adrian mitzufiebern. Einmal mit dem Buch angefangen, schafft man es kaum noch aus der Hand zu legen. Dieser Roman ist für alle, die sich für das viktorianische London interessieren, für alle Oscar Wilde-Fans, aber auch für alle die, die einfach ein spannendes und einfühlsames Buch schätzen. 
"Ich, Adrian Mayfield" von Floortje Zwigtman ist 2009 beim Verlag Gerstenberg erschienen, wurde genial von Rolf Erdolf übersetzt, umfasst 512 Seiten und ist für 16,90 Euro im Fachhandel erhältlich. Die Fortsetzungen sind bereits erschienen und heißen „Adrian Mayfield – Versuch einer Liebe“ und „Adrian Mayfield – Auf Leben und Tod“.
P.S.: Also, unter und: Mir gefällt das Cover von Oetinger (links) noch besser als das rechte von Gestenberg, das ich auch schon gut finde... 

Mittwoch, 18. Januar 2012

BEAT Generation - Schreiben, saufen, huren - Teil 4 -

I belong to the beat generation.
I don't let anything trouble my mind.
I belong to the beat generation.
And everything's goin' just fine. So heißt es in dem Lied "Beat generation" von Bob MacFadden. Die Beat Generation. Die Beatniks. Die Cut Up Methode. William S. Burroughs... Es gibt wieder etwas Neues über sie zu erfahren, Informationen, Inspirationen. Gerade läuft im Mal Seh´n Kino, wo auch sonst in Frankfurt, "William S. Burroughs A Man Within". Und ich kann es vorweg sagen: Ein sehenswerter Film. Setz dich mit einem Glas Rotwein in den kleinen Filmsaal, lehne dich zurück und lass dich von den vielen Zeitzeugen gefangen nehmen. Auf dem Kinoplakat kann man ja erkennen, wer da alles dabei ist, Patti Smith, Gus van Sant, John Waters und und und... William S. Burroughs ist die Kultfigur der Beat Generation, Pionier der Gegenkultur und Drogenpapst. Welche Droge hat er nicht ausprobiert? Welche Drogenerfahrung hat er ausgespart, im realen Leben und in seinen Büchern. Doch William S. Burroughs steht für mehr als "nur" dieses Erheben des Drogenrausches zum künstlerischen Medium, er riss nicht nur die Grenzen des Mainstream ein... Sondern er war ein ungewollter Wortführer der schwulen Befreiungsbewegung, sein genialer Roman "Naked Lunch" wurde zur Bibel nicht nur von der "Queer"-Bewegung und den Hippies, sondern auch von Punks, Revolutionären, von vielen Künstlern und Musikern in der ganzen Welt. Es gibt kaum einen Bereich, den er nicht durchdrungen hat. Viele Begriffe werden auf ihn zurückgeführt, ob "Heavy Metal", "queer" oder "Soft Machine", bedeutende Bands generierten ihren Namen aus Burroughs´Büchern, wie z.B. Steely Dan. Yony Leyser dröselt dies alles in seinem Dokumentarfilm auf, lässt Freunde und Verehrer von William S. Burroughs zu Wort kommen. Yony Leyser vergisst dabei nicht die kritischen Untertöne, trotzdem erscheint William S. Burroughs als großer Held - mit all seinen Macken, Verwerfungen, Verzweiflungen. Er hat sich selbst nie als "schwul" bezeichnet, er kämpfte immer mit seiner Veranlagung, er kämpfte aber noch mehr damit, seine Frau erschossen zu haben - es war ein "Unfall", sie hatten "russisches Roulette" gespielt... Sein Schreiben beschäftigte sich immer wieder mit seiner Schuld, mit diesem Trauma. Der Film generiert wunderbare Zitate, zum Beispiel, wenn John Waters sagt: "Er war berühmt für Dinge, die man sonst eher versteckt. Er war schwul, er war ein Junkie, er sah nicht gut aus, er erschoss seine Frau. Er schrieb über Arschlöcher und Heroin. Es war nicht leicht, ihn zu mögen." Es gab viele Lacher an dieser Stelle. Ja, es ist ein Film zum Schmunzeln, sogar zum Lachen. Es ist ein Film über ein Monster, aber auch ein Film der Ehrerbietung und sehr intim ist er noch dazu. Patti Smith sagt: "Er hat mich zum Singen ermutigt, noch bevor ich überhaupt anfing, öffentlich aufzutreten." Ich saß in meinem Kinosessel, das Rotweinglas in der Hand, zurückgelehnt und inspiriert... Welcher Art die Inspiration ist? Das werdet ihr noch sehen... ;-) Ihr habt die Chance, den Film zu sehen... In Frankfurt hier: http://www.malsehnkino.de/
Zum Lied: http://www.youtube.com/watch?v=oeH5_CgeR30 

Sonntag, 15. Januar 2012

Plattenbaugefühle gewinnen...

"Ich möchte Plattenbaugefühle gewinnen, weil ich selbst noch im Plattenbau wohne, schönes WBS 70, und da liest es sich ja auch gut ;)", "Ich möchte Plattenbaugefühle gewinnen, weil ich die Nase voll von platt gebauten Gefühlen aus zweitklassigen Büchern habe und endlich mal wieder ein gutes Buch lesen möchte!" und "weil ich das Buch gerne an meinen Sohn weiterreichen würde, vlt. kann ich ihn damit für das Lesen begeistern :-))" - das sind drei der schönen, spannenden, kreativen, buchliebenden... Statements auf der Plattenbaugefühle-Fanpage. Anlass? 300 Fans auf der Seite. Ich hatte gesagt, sobald ich diese Anzahl an Fans erreiche, verlose ich wieder ein Exemplar. Allerdings wollte ich dieses Mal nicht wirklich losen, sondern den kreativsten Grund für das Gewinnen wollen des Buches prämieren. Also, hat jeder Fan auf der Fanpage Gelegenheit bis zum 20.1. einen coolen Spruch zu posten und eine Gewinnchance zu erhalten. Also, schnell noch Fan werden und was Gutes posten. :-) Ziel ist natürlich, genauso viel Fans auf der Fanpage zu haben, wie ich Plattenbaugefühle-Exemplare verkauft habe. Ich möchte keine Zahlen nennen. Aber ich habe mehr Buchkäufer als Fans. ;-) Vielleicht kann ich an dieser Stelle auch noch mal sagen, wozu es Fanpages es überhaupt gibt. Denn es ist nicht so, dass es ein exklusiver Club von Menschen ist, die das Buch bereits erstanden und gelesen haben, nein, Fanpages haben noch mehr Funktionen, sonst würde es ja auch keinen Sinn haben, Bücher zu verlosen. Die Fanpage soll auch Geschmack auf das Buch machen, mehr Hintergrundinfos bieten, mehr Anreizmöglichkeiten zum Buchkauf. Und für diejenigen, die lieber zuhören als lesen, die Lesungstermine auflisten, aber auch für diejenigen, die da wiederum nicht dabei sein konnten, Impressionen geben. Und und und... Es gibt viele Gründe für eine Fanpage, viele Funktionen, die die Seite übernehmen kann. Unter anderem auch die Lust auf mehr Drumherum, auf mehr Atmosphäre, auf mehr Bilder, die noch im Kopf entstehen können - auch nach dem Lesen. Und: irgendwann in nächster Zeit wird es eine Fortsetzung geben... Und dann wird es auf der Fanpage Diskussions-Möglichkeiten geben und die Chance, den nächsten Teil in Jonas´ Leben zu beeinflussen... Aber nun erst einmal eine weitere Chance den ersten Teil zu gewinnen... und zu lesen...
https://www.facebook.com/Plattenbaugefuehle

Freitag, 13. Januar 2012

Today´s TV-Trash


Wieso intellektuelle Menschen immer gegen diese unmenschlichen Casting-Shows und Trash-Formate stänkern? Weil sie sauer sind, dass es kein "DSDSS -Deutschland sucht den Superschriftsteller" oder "DSDJ - Deutschland sucht den Superjournalisten" gibt bzw. kein "Ich bin ein Schriftsteller - holt mich hier raus (aus dem Schreibloch)". Oder? Meine heutige Krise: in einem Sender läuft "The Voice ... of ... Germanyyyyyyy" und im anderen "Ich bin ein Star" (IBES). Endlich ist es so weit! Der Kult-Trash, den zwei Wochen lang keiner anschaut und über den trotzdem jeder spricht, läuft endlich wieder. Wow! Und wieder mal viele Leute, die ich kaum kenne. Wen interessiert es? Darum geht es gar nicht. Oh, kurzer Einschub: Endlich weiß ich, wer Rocco Stark ist. Also der Sohn von Uwe Ochsenknecht. Jimmy Blue finde ich eigentlich süßer. Na, was soll´s! Da sind fast nur Leute aus Casting-Shows. Wer castet die denn eigentlich? Dingens. Ailton. Mann ohne Hals. Oder? Argh. 
Ich finde als Integrationist ;-) sehr schön, dass dieses Dschungelcamp ja so interkulturell ist. Haben alle so einen Akzent. Süß. Nur fehlt ein Türke, irgendwie. Aber ich meine... Gab ja schon einen griechischen Dschungelkönig. Brasil forever und so. Und Ramona Leiß. Achso, queer ist das also auch wieder. ;-) 
Sex im Camp... Radost. Was hast du denn dagegen? Zu porno? Du bist Frankfurterin und kommst aus der Gosse. Dann kannste das auch... "D-Lo" gefällt mir. ;-) Vincent ist schon jetzt das Hass-Objekt für mich. Rot ist ihm also zu schwuchtelig... Wie war das mit Kompensation und so...? Vincent Raven nenne ich jetzt nur noch "die Tucke". Geschieht ihm recht. Und wieso hat Micaela einen Tanga beim Baden an? Geht´s noch? 
Die sind noch gar nicht im Dschungelcamp selbst, da hasse ich sie wieder alle. So schnell ging es noch nie. Wen werde ich ins Herz schließen diesmal? Ist alles noch ganz offen. Ramona Leiß? Oder doch Brigitte Nielsen? Alle anderen schließe ich erstmal aus. Ich habe eh schon wieder vergessen, wer die anderen sind, irgendwie. Trash-TV verdummt: Ach, Scheiß drauf. So intellektuell sind wir hier nicht. Willi Herren ist der Manager von D-Lo??? WTF?! 
Radost Bokel, die "Gosse", ist auch wieder etwas strange. Flugangst? Ist sie nach Australien geschwommen? Sachen gibt es...
Während ich mich kurz bei IBES langweile, denke ich über den Unterschied zwischen "The Voice" und "Unser Star für Baku". Klar ist das Niveau bei The Voice höher - das sind alles gute Sänger_innen, die teilweise Geld damit verdienen, nicht viel, sonst würden sie da nicht mitmachen, aber Profis sind es meist schon. Während für Baku ein Neuling gesucht wird. Und teilweise sind da sehr gute Neulinge dabei. Vielleicht sind die 16 aus The Voice viel besser als die 20 von Baku. Aber die stärksten für Baku sind gut genug, um in Baku zu bestehen. In anderen Ländern - und das darf man auch nicht vergessen - seine Stars zum ESC, anders als in Deutschland, wo man meist lieber mehr oder weniger unbedarfte Talente hinschickt...


view.stern.de
Ramona Ließ: Das ist doch nicht das Dschungelcamp... Was denn sonst, du daube Nuss! Oh Mann... Und Micaela liebt Aufräumen. Hahaha. Ach, herrlich stupide hier alles. Und ich passe mich sprachlich an. Muss auch mal sein. Sonst ist das auf diesem Blog ja immer so hochkulturell. ;-) "Na, her auf", sagt Rrrramona. "Des schaut aus.." Erinnert mich irgendwie an meine Mutter: Nei, hä ä. Sagt sie auch immer. 
D-Lo hat einen kleinen Wanst. Das finde ich süß. :-) Und Rocco Pornostar ist ja ganz hübsch, prollhübsch - so lange er sein Maul hält, was ja irgendwie auch sinnig ist. Und er meldet sich gleich mal freiwillig, um 12 (!) Sterne zu holen. Ahso! Und wie er sie auslacht, als er sie im Elend sieht. :-))) Pah, voll schleimig! Ich würde nie ins Dschungelcamp gehen. Ich finde so Viecher voll ekelhaft. Ich drehe schon bei einem durch, geschweige denn, dass da 100000 von denen auf mir rumkrabbeln. Ja, zu viele Horrorfilme gesehen, oder? Rocco Pornostar hat voll die kranke Lache. Und so Kakerlaken. Widerlich. Ey. Das machen die alles für 15 Minuten Ruhm? Für 100.000 Euro? Oder sind es nur 50.000? Wer weiß?! Manchmal bringt sie aber lustige Sachen, die Micaela: "Ich kann auch nicht besser kochen". Diese Dschungelprüfung geht sooooo lang. Ieeehhh! Was bedeutet das für dieses Jahr? Immer ekliger, schlimmer, länger? Crazy, dass der Pornostar immer so pornös dreckig lacht zwischendurch. Rowdy! Aber 11 Sterne! Top! :-)))

Donnerstag, 12. Januar 2012

Unser Star für Baku

Also, ich war schon immer Eurovision Song Contest-Fan, damals, als es noch der Grand Prix war, damals, als das noch das Event des Jahres war, damals, als noch tabuisiert wurde, dass es eine queere Veranstaltung ist. ;-) Trash gab es immer schon, witzige Acts, witzige Auftritte - schon als kleines Kind tanzte ich zu Bucks Fizz mit und zog zwei Pyjamas übereinander, um sie geschickt wieder tanzend auszuziehen: http://www.youtube.com/watch?v=pACePi441ds. Ich nehme diesen Wettbewerb trotzdem total ernst und mache auch immer einen Riesenbohai darum. Letztes Jahr übrigens habe ich am ESC-Samstag um 18.44 Uhr den Sieger gepostet. Aserbaidschan. Daher Baku. ;-)
Dieses Jahr wird Stefan Raab gemeinsam mit Thomas D als Jury-Präsident und Alina Süggeler von Frida Gold "unseren Star für Baku" suchen. Heute Abend hat der ganze Spaß begonnen. Mit einer Vorstellung der ersten zehn potenziellen "Stars". Und die Zuschauer_innen sind schon zu Beginn gefragt. Man muss voten, wen man als erste/n bzw. letzte/n sehen möchte. Na, interessante Idee schon mal. Den besten Eindruck hat bei mir Jan Verweij hinterlassen, so sympathisch und zurückhaltend, trotzdem cool. 
20.41 Uhr: Naja, irgendwie ist diese Blitztabelle etwas merkwürdig. Und Jan ist am Ende, Platz 9. Komisch. Aber Roman Lob, Platz 1, sieht ja auch ganz süß und sympathisch aus. 
Katja Petri: Mh, doofes Lied. Ich mag Bruno Mars eh nicht, schon mal ein Minuspunkt. Die Stimme okay, aber im nächsten Moment auch wieder vergessen... Und diese Blitztabelle: gleich ist sie auf Platz 1 gelandet. Die Sendungsmacher_innen möchten von Anfang bis Ende Spannung reinbringen. Nette Spielerei. 
Jan Verweij: Thomas D sagt, dass er ein Süßer ist. Hat er recht. Aber die Stimme bricht zu oft. Sehr unsicher. Würde in Baku untergehen...
Leonie Burgmeier: Kann schon ihr Gesicht nicht sehen. Ja ja, Lehramts-Studentin... wundert mich nicht. Grauselige Stimme, dummes Gehabe. Finde ich ätzend! Wäre in Baku eine Lachnummer.
Yasmin Gueroui: Ich mag Menschen mit dünnen glänzenden Stirnbändern. Ich mag Lilly Allen. Ich finde Yasmin bekloppt. Ich mag sie. (In diesem Moment ist mein Eiswürfel aus dem Glas geflutscht und liegt nun an meinem Po - IEH!) Und natürlich ticken die anderen Zuschauer_innen nicht so wie ich. Das war ja so klar!
Kai Nötting: Unsympathisch. Und hat zu viel versprochen. Ich mag den nicht. Er singt nicht gut. Kommt nicht hoch, kommt nicht tief, kommt vermutlich gar nicht. 
Shelly Philipps: Finde ich gut. Mag ich. Hat eine schöne Stimme, ist süß. Und der Super Nintendo Controller ist SUPER! Stefan Raab sagt: Das ist Kunst. Ja! Coole Interpretation. Coole Sau.
Salih Özcan: Warum wundert mich bei dem nicht, dass er Justin Timberlake singt? ;-) Er kann fließend griechisch? Finde trotzdem nicht, dass er gut singen kann. Schon gar nicht wie Justin... Der wird auch (zurecht) niedermacht von der Jury. Wie unsympathisch und dumm der Typ ist. Geht gar nicht!
Celine Huber: Mag ich nicht. Vor allem nicht das Lied. Schmalz. Unsympathisch. Doof. Nö.
Jil Rock: Äh nee. Das Lied war mal cool, irgendwie. Aber nicht von ihr. Die singt das so lieblos und so Möchtegern. Das ist gar nix! Nee. Also echt nicht. Ohne Gefühl. Darf für Estland starten, wenn es sein muss, nix für Deutsche Land. ;-)
Roman Lob: Wirklich niedlich. Kommt gut rüber. Ehrlich. Gefühlvoll. Aber die Liedwahl war nicht besonders clever. Aber er kann was, wirklich. Gefällt mir.
Wieso Standing Ovations? Sind die beim Supertalent? Und Roman führt gerade klar. Digger! Der ist cool. :-) Ja, das stimmt, Stefan, er ist bescheiden, tritt auch so auf. Schön!
Ahja, und jetzt kommt der dümmste Teil jeder Sendung. Überbrückung der Zeit zwischen Liedern und Verkünden der Ergebnisse. Schade, dass Yasmin gerade etwas hinterher hinkt...
Und die obligatorische Verspätung ist auch nicht weit... Oh Mann! 
Aber das Ende war eeeeeecht spannend! Katja hat es im letzten Moment geschafft. Shelly und Roman zum Glück auch. Kai nicht. Yes. Schade, Yasmin! Schauen wir, wie es nächste Woche weitergeht...
http://www.unser-star-fuer-baku.tv/index.html

Ausstellungseröffnung bei Kultur und mehr


Am 27.1. wird im kleinen Nordwestzentrum das neue "Vereinsheim" vom Kulturnetz Frankfurt eröffnet, es ist genauer gesagt ein Treffpunkt für interessierte Bürger_innen des Stadtteils und Anlaufstelle für das Projekt "Kultur und mehr - miteinander im Quartier". Das Kulturnetz Frankfurt hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht, weil es wichtige Frankfurter Projekte initiiert bzw. durchführt. Zum Beispiel organisiert Dirk Huelstrunk, der im Vorstand des Vereins sitzt, die berühmten Poetry Slams in der FH Frankfurt. Nun soll es in der Nordweststadt viele niedrigschwellige kulturelle Angebote geben, zum Beispiel werde auch ich voraussichtlich Lesungen von Plattenbaugefühle und anderen Texten und Schreibworkshops anbieten. Aber dazu ein ander Mal mehr. Denn schon von der offiziellen Eröffnung am 27.1. werden schon Aktionen gestartet, wie am vergangenen Dienstag (10.1.), denn "Kultur und mehr" durfte der erste Gastgeber einer Wander-Fotoausstellung des Deutsch-Türkischen Forums in Stadt und Kreis Offenbach (DTFO) und des Kreisausländerbeirates Offenbach werden. Diese Ausstellung wurde anlässlich des 50jährigen Bestehens des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei initiiert. 


Projektleiter Kultur und mehr Ali Karakale (2.v.l.) und Steffen Schmidt (1.v.r.),
Frau Püntmann, Quartiersmanagement (3.v.r.), Hüsamettin Eryilmaz,
Vorsitzender DTFO (3.v.l.)
Bei der Umsetzung haben die Ausländerbeiräte und Integrationsfachstellen mit den Migrantenselbstorganisationen aus Stadt und Kreis Offenbach eng kooperiert. Entstanden ist eine Sammlung von Portraitfotos und kurzen Begleittexten, die der Fotograf und Journalist Ömer Aktas verwirklicht hat. Sie zeigt die Gesichter von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte aus unterschiedlichen Bereichen und Generationen, die ihren Lebensmittelpunkt in Stadt und Kreis Offenbach gefunden haben. Darüber hinaus soll das vorhandene Netzwerk von politischem Mandat, sozialem Engagement und Verwal- tung für die Öffentlichkeit sichtbar werden. Von Oktober 2011 – Juni 2012 wird die Wander-Fotoausstellung in den Kommunen des Kreises Offenbach, in der Stadt Offenbach sowie in Frankfurt/Main gezeigt. Bei Kultur und mehr noch bis zum 27.1. (Eröffnungsfeier) zu sehen...





Ach ja, und das wichtigste von allem (bei jeder Ausstellungseröffnung - Hauptsache Running Gag ;-)):


Mittwoch, 11. Januar 2012

Ali und Ramazan von Perihan Magden

Der Roman "Ali und Ramazan" von Perihan Magden lag vor Kurzem noch neben Plattenbaugefühle im Oscar Wilde Buchladen... Ich habe es mir gekauft und natürlich gelesen... So wie ich das erste ins Deutsche übersetzte Buch von der Journalistin und Autorin Perihan Magden mit dem Namen "Zwei Mädchen. Istanbul story" gelesen habe. "Ali und Ramazan" wurde im Jahr 2010 zum Buch des Jahres in der Türkei gewählt, es wird gerade verfilmt. Es geht um "Seite 3"-Jungs - die Seite 3 ist diejenige, auf der Verbrechen, Todesfälle usw. berichtet werden. Und im Jahre 1992 las nun die Autorin vom Tod eines jungen Prostituierten, von Ramazan. Sie recherchierte diesen Fall und schrieb ein halb dokumentarisches und halb literarisches Buch darüber. Der wunderschöne Ramazan ist in einem Waisenhaus in Istanbul untergebracht. Er wird von allen bewundert, nicht alleine deswegen, weil er jeden beim Murmeln spielen besiegt, er ist der Anführer. Dann kommt Ali, der Kurde, aus einem Bergdorf, niemand weiß, was mit ihm Schlimmes passiert ist, er ist groß, stark, ein Bär. Vom ersten Moment sind sich die beiden Jungen sympathisch, ziehen sich gegenseitig an. Ramazan, der vom Waisenhausdirektor geliebt und vor allem regelmäßig missbraucht wird, verliebt sich genauso in Ali wie umgekehrt. Als sie mit achtzehn Jahre aus dem Waisenhaus in eine ungewisse Zukunft entlassen werden, gibt ihnen nur diese Liebe Kraft. Doch nicht lange. Als sie den ersten freiheitlichen Liebestaumel hinter sich haben und den harten Alltag gemeinsam bewältigen müssen, beginnen sie zu verstehen: Es geht nicht ohne einander, aber auch nicht miteinander. Es ist eine sehr ambivalente Beziehung, die die beiden führen. Der jähzornige Stricher Ramazan und der hypersensible Ali, der bald den Drogen verfällt. 
Perihan Magden erzählt in diesem Roman eine sehr tragische, aber vor allem sehr wichtige Geschichte, die in den Achtzigern und Anfang der 90er Jahre spielt. Wichtig deswegen, weil sie Themen anspricht, die in die Öffentlichkeit müssen. Die verheerenden Zustände in den türkischen Waisenhäusern, die mangelhafte Bildung und damit katastrophalen Zukunftsaussichten der jungen Waisen zum Beispiel. Oder der Umgang mit Homosexualität in einer patriarchalen türkischen Gesellschaft. Sowohl Ali als auch Ramazan begreifen sich nicht als schwul, nur weil sie einander lieben. Bei Ramazan geht der Hass auf seine schwulen Freier, die er selbstverständlich fickt, sehr weit. Auch die Freunde des Waisenhausdirektors, ein offensichtlicher Kinderficker, greifen nicht ein, sie scheint das gar nicht zu stören, es wird nicht geahndet. Alle Freunde aus dem Waisenhaus erleben ähnliche Schicksale wie Ali und Ramazan, alle landen nach dem 18. Lebensjahr auf der Straße, schaffen es nicht, sich zu berappeln. Alles erscheint aussichtslos, ihr ganzes Leben ist verkorkst. Man weiß auch nicht, welche schlimmen Sachen Ali erlebt haben muss, die er nicht mal seiner großen Liebe Ramazan erzählt hat, sondern nur einer Psychologin. 
Es ist ein erschütternder Text, deprimierend vielleicht auch - und vor allem sehr sehr tragisch. 
Leider hat Perihan Magden, anders als bei "Zwei Mädchen. Eine Istanbul Story" die Figuren nicht besonders gut im Griff, wahrscheinlich weil sie sie zu wenig kennt. Deswegen erscheinen sie etwas holzschnittartig und oberflächlich. Zudem scheinen ihr die sozialen Zustände, von denen sie erzählt, weitaus wichtiger als die literarischen Aspekte zu sein. Nur so lässt sich erklären, wieso ihre Dramaturgie so daneben geht. Weil sie sehr viele Dinge schon vorausschauend erzählt, bleibt wenig Spannung übrig, man denkt sich ja schon immer, was passieren wird. So geht der Lesespaß manchmal etwas verloren. Leider. Nichtsdestotrotz ist "Ali und Ramazan" empfehlenswert, weil so viele misslichen Zustände und so viele Vorurteile in so einer homophoben Kultur, in der Homosexualität ausschließlich im Verborgenen ausgelebt wird, beschrieben werden. Ich hoffe, dass sich diese "Zustände" in der modernen Türkei etwas zum Vorteil verbessert haben. Sowohl die Waisenhäuser als auch die Bildung dieser Waisen, ihre Zukunftschancen und natürlich ebenso der Umgang mit Homosexuellen in der Gesellschaft.
Der Roman "Ali und Ramazan" ist im November 2011 im Suhrkamp Verlag in Klappenbroschur erschienen, umfasst 191 Seiten und ist für 13,95 Euro im Fachhandel erhältlich.

Montag, 9. Januar 2012

Plattenteller 3/3

Platten...baugefühle... und Platten...teller ;-) Ich besitze ja einen wundervollen Platten...spieler. Und einige Platten... Mehrere Platten...sammlungen wurden da zusammengelegt. Jetzt wird es Zeit in zwei Posts die schrecklichsten Cover davon vorzustellen - ohne Worte - und in einem dritten ein paar nette Schmuckstücke.







Sonntag, 8. Januar 2012

GRÖSSENWAHN - Größenwahn - GRÖSSENWAHN

Sascha Lobo lief bei der Buchmesse am Stand des Größenwahn Verlags vorbei, als ich gerade da war. Er zeigte einen Daumen nach oben und sagte: "Großartiger Name". Größenwahn. Ja. Der Name hat Geschichte. Der Größenwahn Verlag heißt nach dem Cafe Größenwahn. Also nicht nach dem gleichnamigen Album von Udo Jürgens. ;-) Sondern nach der Kneipe in Frankfurt, die im Dezember 1978 von Hans Peter Hoogen, dem verdienten schwulen Aktivisten, und seinem Partner Heinen, eröffnet wurde und nach wie vor im Nordend Frankfurts blüht und gedeiht. Sie hat das Motto "Die Welt soll wärmer und weiblicher werden". Und das kommt von Hoogens ersten Aktionen. Hoogen, der 2005 von Roland Koch den Hessischen Verdienstorden am Bande erhalten hat, trat 1971 in die „Rote Zelle Schwul“ ein, die auch „RotzSchwul“ genannt wurde. Da das Interesse in der linken Studentenbewegung an den Sorgen der Homosexuellen gering war (da waren eher Salon-Machos zugange, selbst ein Joschka Fischer zeigte sich nicht sehr verständig), verbündete man sich mit der Frauenbewegung. „Hessen soll wärmer und weiblicher werden“ war das Motto damals schon und blieb es für Hoogen bis heute. Doch auch das Cafe Größenwahn hatte berühmte Vorgänger und das ist der Grund für den Verlagsnamen. Ich meine das Cafe des Westens in Berlin, das genauso Cafe Größenwahn als Beinamen hatte wie das Cafe Griensteidl in Wien und das Cafe Stefanie in München. Allesamt Künstlerlokale. Das Cafe des Westens wurde zwischen 1893 und 1895 als repräsentatives Wohnhaus von dem Zimmermeister Christoph Osten erbaut. Es etablierte sich sehr schnell als Treffpunkt der Literaten. Die beiden ersten Kabaretts in Berlin entstanden hier. Ebenso bildeten sich recht bald zwei Gruppierungen, das so genannte Schwimmer- und das Nichtschwimmer-Bassin. Wer schon einen Namen hatte, fand sich am Stammtisch des Malers Max Liebermann ein, Literaten und Kritiker wie Alfred Kerr und Herbert Ihering zählten dazu. Am Komponistentisch, angeführt von Paul Lincke, waren Walter Kollo und Jean Gilbert anzutreffen. Die aufstrebende Bohème schloss sich dem Künstlerkreis Die Brille um Max Reinhardt und Christian Morgenstern an. Die Idee zur Dreigroschenoper wurde im Café in die Welt gesetzt. Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt… komponierte Friedrich Hollaender hier.
Weiter verkehrten hier Richard Strauss, Maximilian Harden, Ludwig Fulda, Paul Lindau, Frank Wedekind und Carl Sternheim. Der Maler Emil Orlik, selbst eine Berühmtheit und regelmäßiger Stammgast, hat viele von ihnen im Café gezeichnet. Das „Café Größenwahn“ war für viele Künstler eine Art Heimat.  Das „Café Größenwahn“ war auch berühmt für die Frauen, die sich hier sehen ließen und neuesten Chic gleichzeitig mit ihrem Anspruch auf Emanzipation demonstrierten.
In den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg wurde das „Café Größenwahn“ zum Mittelpunkt der literarischen Bewegung des deutschen Expressionismus. Hier trafen sich die avantgardistischen Literaten – Naturalismus und Impressionismus schienen überwunden – und diskutierten mit ihren Kollegen: Else Lasker-Schüler und ihr Gatte Herwarth Walden, René Schickele, Roda Roda, Johannes Schlaf, Erich Mühsam und John Henry Mackay, Peter Hille und Paul Scheerbart, Frank Wedekind, Artur Landsberger, Carl Sternheim und Leonhard Frank, Salomo Friedländer, John Höxter und Jakob van Hoddis waren hier „zuhause“ – am Café Größenwahn kam niemand vorbei, der in der neuen expressionistischen Bewegung mitreden und mitschreiben wollte. Auch wichtige literarische Zeitschriften wurden hier gegründet: 1910 konzipierte Herwarth Walden im Café seine Zeitschrift Der Sturm, 1911 Franz Pfemfert Die Aktion. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Caf%C3%A9_des_Westens)
Damit wollte ich nur sagen, dass ich sehr stolz darauf bin, dass Plattenbaugefühle beim Größenwahn Verlag erschienen ist und dass Sevastos Sampsounis, der Verleger, mir dieses Vertrauen entgegengebracht hat... 
https://www.facebook.com/Plattenbaugefuehle

Samstag, 7. Januar 2012

Tanzen an der Stange...

Pik Dame in der Elbestraße in Frankfurt
Ich tanzte heute an der Stange - im Pik Dame in der Frankfurter Bahnhofsgegend. Wie es dazu kam? Also, zunächst begann es ja ganz harmlos. Der 7.1. ist ja mein Namenstag, und Namenstage feiert man ja in Griechenland eher als Geburtstage... Also, wollte ich heute schöne Sachen machen. Also, habe ich mich mit Jonas getroffen (nein, nicht der aus den Plattenbaugefühlen) und wir haben erstmal fette Burger in der lachenden Kuh gegessen. Yummie yummie. Haben über Kunst geredet, über das Schreiben, über das Drehen von Filmen etc. Jonas schlug vor, den Mittag künstlerisch zu gestalten - und zwar bei einem Testlauf der Performance Red Light Red Heat - Eine Überbelichtungsmenagerie teilzunehmen. Das ist ein Projekt von Pedro Martins Beja (Regie) und Paul Wiersbinski (Text + Video) im schauspielfrankfurt. Die Uraufführung ist am 10.1. und schon ausverkauft. Es beginnt im Kassenfoyer des Schauspiels am Willy-Brandt-Platz, immer zu zweit (und diese zwei Personen sollten nicht miteinander bekannt sein, weswegen Jonas und ich getrennt wurden) kriegt man einen MP3-Player, der zwei Kopfhörern, die man sich aufsetzen muss, gekoppelt ist. Mit einer Karte mit Markierungen, einem Text, der das Ganze erklärt, und den Anweisungen und Texten ausgestattet, soll man erst mal durchs Occupy-Zeltlager und dann das Rotlichtviertel Frankfurts stapfen bis man in der Kaiserhofpassage in einem Laden landet, in der man interaktiv zu einer Performance-Veranstaltung eingeladen wird. Die dann nach einer Weile mit einem Spaziergang zur Pik Dame und dem Verweilen dort endet. Was da genau passiert, möchte ich natürlich nicht verraten. Nur dass... ich an der Stange tanzen durfte, ein bisschen strippend ;-) und schamlos natürlich. Wieso mich der AGASSI dafür aussuchte? Das bleibt auf ewig ein Rätsel... Und später bekam ich noch eine ganz besondere Aufgabe, wofür ich ganz viel liquides Geld erhielt... Ich habe mit meiner Tatkraft einen Cyborg zum Leben erweckt... Ui! :-))) Worum sich die ganze Performance dreht? Ja, worum eigentlich? "Jedes Liquid-System produziert entweder Widersprüche oder es enthält Aussagen, die sich nicht beweisen lassen." So heißt es auf einem der Flyer der ACAB, der vom Team erfundenen Institution. Es ist eine Utopie, die vorgestellt wird, wie sieht die Zukunft aus? Und wie kann man die der Vergangenheit diese Zukunft erklären? Menschen werden langsam von Automaten verdrängt, das Geld gewinnt eine andere Bedeutung. Doch welche? Das wussten die einzelnen Rollen auch nicht so genau zu sagen bzw. sie verstrickten sich da in Widersprüchen... Es war einerseits eine spannende Sache, dieser Testlauf, und die Schauspieler_innen, allen voran Agassi F. Bangura, Henriette Blumenau und Pedro Martins Beja himself waren sehr präsent und authentisch, aber manchmal war es doch auch ein bisschen zu langweilig, zu wenig gewagt, zu wenig interaktiv. Vielleicht ändert sich das in den richtigen Aufführungen. Wer bei so etwas mitmacht, der muss auch mal aushalten - man denke nur an die Mitmach-Aufführungen von der Rocky Horror Picture Show...
Aber nun zu meinem Namenstag, den ich mit dem Tabledance und dem Bier danach gefeiert habe:
Von Nikolaos Kallis geschenkt bekommen, Johannes
der Täufer - mehr: http://www.nikoskallis.gr
Johannes der Täufer: Gedenktag der Übertragung der Hand nach Konstantinopel, Gedenktag orthodox: 7. Januar, Überführung nach Gatchina: 12. Oktober
Die Überlieferung berichtet, dass am Tag nach dem Epiphanias-Fest die Hand nach Konstantinopel gebracht wurde. Lukas ging demnach nach Sebaste - das heutige Sivas, wo das Grab von Johannes war. Er erhielt dessen rechte Hand und brachte sie in seine Heimat, nach Antiochia - das heuigte Antakya, wo sie viele Wunder wirkte. So war es in Antiochia Brauch, einem Drachen alljährlich ein Menschenopfer dazubringen; als die Wahl auf die Tochter eines Christen fiel, griff der Vater zu einer List: angeblich wollte er die Hand von Johannes verehren, tatsächlich biss er heimlich deren Daumen ab; als der Tag des Menschenopfers kam, ging der Mann mit seiner Tochter dem Drachen entgegen, öffnete vor diesem seinen Mund - und als der Drache Johannes' Daumen sah, fiel er tot um. Das Volk baute aus Dankbarkeit eine große Kirche.
Am Fest der Kreuzerhöhung wurde die Hand des Johannes als Ernteweissagung benutzt: spreizte sie die Finger, war eine reiche Ernte zu erwarten.
Am 12. Oktober 1799 wurde die Hand von Malta nach Gatchina gebracht, um sie vor den französischen Besatzern zu retten, dann nach St. Petersburg überführt. Heute wird die rechte Hand auch in Vladikavkaz in Russland und im Kloster Dionisiou auf dem Athos verehrt.

The Voice of Germany

This is the Voice ... of Germanyyyyyyy. Ist doch klar, ich schaue mir das doch auch an. Als Event. Besser als Tatort schauen. Denn bei The Voice kann man zwischendrin mal reden, kritisieren, mitfiebern. Kritisieren: Da die Juror_innen wohl a) einen Nichtangriffspakt geschlossen haben und b) der Meinung sind, dass sie ihre Sänger_innen hätscheln und tätscheln müssen, da sie ja alle schon sehr gut sind und weil sie sich ja auch von DSDS abheben wollen - da müssen das andere übernehmen. Die schrecklichen FÜNF, die mit viel Pizza, Chips, Schokobons und Sekt vollgestopft gemütlich vor dem kleinen Fernseher fläzten und ihr Urteil abgaben. Über die teilweise schrecklichen Outfits in der zweiten Live-Show (Was war das los? In der ersten Live-Show waren aber alle so cool gestyled), über die Titelauswahl (Sharron: Duran Duran??? Michael: Creep von Radiohead??? usw.). Wir verteilten Sympathien (Sharron Levy MUSS weiterkommen, Kim Sanders und Jasmin Graf sowieso - und bei Michael Schulte war ich der einzige, der sich ihn weiter wünschte ;-) - der hatte das beste Outfit übrigens). Ich war ja schon schwer gebeutelt von der ersten Live-Show: Ich war ja für Rüdiger! Bähhhh, jetzt ist der schon raus. Warum? Das darf nicht sein! Jetzt drücke ich eben Kim und Jasmin die Daumen...


You are The Voice of Germanyyyyyyyyy! 
Jasmin Graf ist einfach eine coole Maschine! Es gibt so viele gute Sänger und Performer bei The Voice, wirklich, aber meiner Meinung nach hat sie den meisten "Sex-Appeal" von allen, sie ist diejenige, die es am meisten verdient. Sie ist diejenige, die für The Voice steht. Die das Haus rockt, die souverän ist, die der Underdog ist und trotzdem auf der Bühne immer voll aufdreht. Sie hat nicht die Erfahrung von Kim Sanders oder Percival, zeigt aber genauso viel Präsenz und Sicherheit. Ich spreche mich für Jasmin Graf aus. Nicht weil sie die beste von allen ist, sondern weil es für sie ein Sprungbrett sein kann, wenn sie gewinnt. Eine Kim Sanders hatte bereits Erfolg und wird ihn wieder haben. Aber Jasmin Graf verdient den Titel und wird darauf aufbauen - und muss aufgebaut werden. Das Potenzial zu einem Star hat sie. Ich drücke dir die Daumen, Jasmin! :-)

Freitag, 6. Januar 2012

Die blaue Tür von Brigitte Münch

Die blaue Tür - Ägäische Geschichten von Brigitte Münch sind Erzählungen von meist deutschen jungen Frauen und Männern, die sich zu Griechenland und dessen Menschen hingezogen fühlen. Die sehr einfühlsame Brigitte Münch beschreibt entscheidende Situationen im Leben dieser Figuren. Sei es der junge Mann, der in Griechenland seine leibliche Mutter aufspürt und sie unvermittelt in ihrem Schneiderladen besucht. Sei es die junge Frau, die plötzlich ihren Job verliert. Die Autorin versucht die jahrtausende alten Traditionen Griechenlands heraufzubeschwören und gleichzeitig einen zeitgemäßen, neuen Blick auf das krisengeschüttelte Land zu werfen. Die meisten Erzählungen sind heteronormativer Art, doch zwei sind queer. Und auf diese möchte ich nun in diesem Beitrag eingehen, sind sie doch symptomatisch für das Schreiben Brigitte Münchs, die auch fließend Griechisch spricht und seit 25 Jahren in Naxos lebt. Sie kennt also dieses Land und seine Leute ganz gut.


In "Herzbube" begleiten wir den Deutschen Stefan zum kleinen Kafenion, das nicht gerade gut besucht ist - es ist noch zu früh am Mittag, zu heiß. Die Griechen halten Siesta. Stefan unterhält sich mit der Wirtin Kalliopi über die gestrige Disco, über das Leben der Jugend. Er wartet auf Manolis, der sich etwas verspätet, und etwas weniger verkatert als der Deutsche ist. Manolis holt ihn ab, schließlich könne man in so einem kleinen Dorf nicht so offen und frei reden. Sie gehen also spazieren, hinunter zum Hafen, dann zu den Olivenbäumen. Auf dem Weg beginnen sie zu reden. Über die Liebe. Über sich. Sie hatten sich nachts zuvor kennengelernt, sich angeflirtet. Wie geht es weiter? Stefan ist in Deutschland verheiratet, mit einer Frau. Manolis ist überrascht. 


Untergegangen sind wohl Mond
und Plejaden. Mitternacht
ist und vorbei geht die Zeit.
Ich aber, ich liege einsam.
Dieses Gedicht zitiert Moira in "Die Augen der Sappho", Adressatin ist die deutsche Marion, mit der sie in einem Hain, zwischen Bäumen liegt, fast wie in einem Traum. Die Frauen flirten miteinander...


Brigitte Münch bringt immer wieder Bilder, Träume, Fantasien in die realistischen Erzählungen, Realität und Fiktion verschwimmen für die Figuren. Es ist immer ein Grenzgang, ein wirklich schmaler Grat. Wo ist es noch Romantik, wo beginnt der Kitsch? Wo ist es "traumhaft" und wo einfach nur "esoterisch"? Ganz oft kann man das nicht so genau definieren. Die Autorin hält sich in immer sehr langen Beschreibungen von Orten und Menschen auf, es passiert dafür selten viel. Das kann in manchen Erzählungen funktionieren. In anderen tut es das nicht. In der Titelgeschichte "Die blaue Tür" liest sich das alles sehr schön, die macht Spaß. In den beiden queeren Geschichten ist mir die Thematik vielleicht ein bisschen zu oberflächlich bearbeitet. Auch störe ich mich ein bisschen an der Stereotypisierung "Deutscher redet zu viel, denkt zu viel nach" versus "Grieche ist spontan, emotional, handelt". Es ist ein beliebtes Klischee. Es ist verzeihbar. Es ist eine Urlaubslektüre, am besten funktioniert sie wohl, wenn man gerade aus dem Fenster schaut, auf der Couch liegend, und draußen ist es am Tag bereits dunkel, wolkenverhangen, und man flüchtet sich mit dem Buch nach Griechenland. Auf eine kleine Insel. An den Strand. Schaut den Urlaubsflirts zu. Der Suche nach der eigenen Identität. Der Suche nach dem Platz im Leben...


Die blaue Tür. Ägäische Geschichten von Brigitte Münch umfasst 172 Seiten, ist in 2011 im Größenwahn Verlag, Frankfurt, erschienen und kostet 12,90 Euro. 

Donnerstag, 5. Januar 2012

CASHBACK

Ein Freund erzählte mir von einer Therapieform bei Depressionen, die in Deutschland sehr umstritten ist, in den Vereinigten Staaten allerdings bereits seit den 70ern praktiziert wird: die Schlafentzugstherapie. Es gibt sie in zwei verschiedenen Formen, er berichtete von der Hardcore-Version, in der man die ganze Nacht durchmacht. Er sagte, dass man nach etwa 40-42 Stunden Dauerwachsein HIGH wird. So oder so würde es die Stimmung aufhellen. Nun hatte ich keine Depressionen, aber meine Stimmung war schlecht genug, um es mal auszuprobieren. Man sollte kein Koffein oder sonst was zu sich nehmen, um sich wachzuhalten, das würde alles kaputt machen. Nachdem ich irgendwann zu müde war, um zu lesen, kam ich auf die glorreiche Idee, Filme in der 24 h-Videothek auszuleihen - es war übrigens die, die zwei Jahre später von einem Tag auf den anderen zumachte und meine 15 Euro Guthaben damit verfallen ließ). Die Situation wurde noch absurder, als ich neben I HEART HUCKABEES, die mein Freund mir ebenfalls Tage zuvor empfohlen hatte, den Film Cashback auslieh. Cashback wurde als Kurzfilm 2004 gedreht und für den Oscar nominiert. Die gleichen Leute haben dann 2006 einen Langfilm daraus gemacht. Sean Ellis war der Regisseur, Lene Bausager die Produzentin und Sean Biggerstaff und Emilia Fox jeweils die Hauptrollen. Es geht um Ben Willis, Kunststudent und besonders sensibel, der an Liebeskummer leidet, weil seine Freundin Suzy ihn verlässt. Fortan kann er nicht mehr schlafen. Ihm werden acht Stunden pro Tag geschenkt. Er beschließt sich diese Zeit auszahlen zu lassen - indem er die Nachtschicht in einem Supermarkt bestreitet. Dies lässt ihn nicht nur kuriose Gestalten kennenlernen, seinen Chef und seine witzigen Arbeitskollegen, sondern auch den neuen Schwarm, die Verkäuferin Sharon... Doch nicht nur, dass er keinen Schlaf mehr braucht, er kann auch die Zeit anhalten. Während alle anderen einfrieren, kann er den Moment nutzen, ihn auf Tage verlängern. Das ist seine Methode, mit der langweiligen Zeit, mit ihrem Vergehen, umzugehen. Die anderen haben andere Methoden. Wenn die Zeit anhält, schaut er sich die Frauen, auf die er trifft, besonders genau an, er malt sie. Vor allem Sharon ist ein beliebtes Modell.
Diese acht Stunden, die man mehr hätte... Das war das erste Faszinosum für mich. Ich meine, ich sage das ja schon immer, dass der Tag für mich viel zu wenig Stunden hat. Genau 8! Schlafen ist gewiss schön, aber wenn ich nicht schlafen müsste, wäre mir das noch sehr viel lieber. Keine Schlafprobleme mehr. Viel mehr Zeit zum Schreiben und Lesen. Alles wäre viel einfacher in meinem Leben. Und vor allem könnte ich dann kein Morgenmuffel mehr sein, schließlich würde ich ja nicht mehr schlafen. Im Biologiestudium haben Parthena und ich sehr gelitten. Wir saßen gelegentlich nebeneinander und schauten immer verwirrt auf die Uhr und fragten uns, wie es sein kann, dass wir vor einer Stunde das letzte Mal draufgeschaut haben, aber die Uhr felsenfest behauptet, es seien erst drei Minuten vergangen. Wir vermuteten, dass unser Bio-Prof da irgendwas gedreht hat. Irgendwas stimmte nicht. Wir wollten Fox und Mulder herbestellen, Akte X... Ja, nach diesem Film wurde mir einiges klarer. ;-) Ich mag den Film. Klar, er ist ein Adoleszenz-Film, es geht um Identitätssuche, es geht um die erste große Liebe, um Erotik und Gedanken eines jungen Studenten. Aber so what?! Die Jugend dehnt sich immer weiter aus und so sind das Themen, die mich immer noch beschäftigen. Schon weil ich Jugendbücher schreibe... Der Film ist originell gemacht, ich mag die Aufnahmen, ich mag die Atmosphäre und ich mag die witzigen Figuren. Natürlich sind die oberflächlich angerissen, teilweise sehr klischeehaft, aber das soll so sein. Und dass der Protagonist dann dagegen als so tief, emotional und sensibel dargestellt wird, ja, das kommt mir bekannt vor - und nein, es ist für mich kein Kritikpunkt. Prompt habe ich nach dem zweiten Mal Anschauen des Films erneut Probleme einzuschlafen. Bezeichnend. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Ende der Urlaubszeit näher rückt - und ich dann wieder weniger Zeit zum Schreiben und Lesen habe. Traurig. Wer schenkt mir diese acht Stunden, die Ben zur Verfügung hat? Ich bräuchte sie so dringend! Ach, und bevor ich es vergesse: 43 Stunden und 42 Minuten habe ich geschafft und die letzten zwei Stunden davon war ich wie in Trance - hatte so ein schönes Gefühl an (in) der Stirn (Stirn Chakra). Nun, hatte ich auch schon nach Yoga oder Meditation - und es war weniger aufwändig. ;-)