Mittwoch, 4. Januar 2012

Plattenbaugefühle lesen...


Heute ist der 4.1. Es gibt Plattenbaugefühle nun seit genau drei Monaten zu kaufen. Hast DU schon ein Exemplar davon? Hier noch einmal eine kleine Leseprobe, um dich zu überzeugen! ;-)

Es klingelt. Oh Gott, es ist sechs Uhr! Meine Mama  öffnet ihm, ich sehe es vor mir, wie er unbeholfen  vor ihr steht und nicht weiß, was er sagen soll. Sie   legt nicht so viel Wert auf Etikette, das ist eher mein  Vater, der aber heute Abend mit seinen Arbeits-kollegen unterwegs ist. Ich versuche cool auf meinem Bett sitzenzubleiben. Das Herz ballert. Der Puls rast.  
»Besuch für dich!« Mama klopft schon an die Tür,  »ein netter junger Mann«, sagt sie fröhlich und tritt   in mein Zimmer. Afyon lächelt schüchtern. Oh Mann,  sieht er unverschämt gut aus!  
Wie soll ich ihn begrüßen? Die Tür geht hinter uns  zu. Was soll ich sagen? Er steht da und schaut sich im Zimmer um. »Ist da die Playstation drin?«  Ich zeige auf seine große Tasche, die er mitgeschleppt  hat. Er nickt, legt sie auf das Bett, holt die Playstation behutsam heraus. Ich stehe unbeholfen neben ihm, möchte ihn berühren, doch wie stelle ich das an?   
»Bestimmt teuer«, sagt er mit leuchtenden Augen und bewundert meinen Flat­Screen-­Fernseher.    
»Bestimmt«, wiederhole ich und verfluche meine Eltern, dass sie so ein großes  Ding gekauft haben und ich so protzig wirke.    
»So einer in meinem Zimmer ... wär geil!«    
»Du kannst jederzeit herkommen zum Fernsehen«, sage ich vorschnell. Mann,  bin ich dumm. Mann, bin ich plump!    
»Geiles Zimmer!« sagt er und ich fühle mich merkwürdig.    
Es ist mir unangenehm. Seine Stimme gibt mir das Gefühl, ein Snob zu sein,  und ich denke die ganze Zeit nur: Hey, du kannst hier jederzeit vorbei kommen, kannst immer hier sein, wenn du möchtest, bei mir fernsehen,  meine Klamotten anziehen, solange ich immer in deiner Nähe sein darf. Krass!   Bin ich krank? Das klingt doch dumm! Hohl! Scheiße! Er steckt tausend Kabel  ein und um, kann er nicht auch meinen Kabelsalat im Kopf ordnen? Er trägt  teure Klamotten - das sehe ich - vielleicht haben seine Eltern Geld, vielleicht   einen Sportladen, was weiß ich! Was weiß ich denn von ihm?    
»Was machst du?« frage ich, während er immer noch über die Steckdose gebeugt mit den Kabeln hantiert.      
»Kabel dings« nuschelt er vor sich hin, dann steht er auf, schaut sich skeptisch um. »Aufs  Bett?«  
Was meint er denn? Ich bin verwirrt! Will er mit mir gleich ins Bett gehen?  
»Zum Spielen! Aufs Bett! Oder?« Er spricht mit mir, als ob ich von einem  fremden Planeten komme. Und ich nicke dabei, ohne wirklich zu verstehen.   Wow! Warum hat mir keiner vorher gesagt, dass Playstation auf dem Bett gespielt wird!  
Mama klopft an die Tür, bringt uns Limo und Knabbereien, ich bedanke mich   artig. Afyon sagt keinen Ton. Als wir wieder alleine sind, lege ich mich neben   ihn aufs Bett, achte dabei, ihm nicht zu nahe zu kommen.  
»Ist was?« frage ich, als er mich merkwürdig anschaut. »Bionade?« sagt er  lächelnd und zeigt auf das Tablett. »Ach, meine Mutter steht auf solche  Sachen.«  
»Und was ist das?« Er betrachtet die Knabbereien, getrocknete Apfel-­ und  Bananen-­Chips aus dem Bioladen. »Kennst du sowas nicht?« frage ich verblüfft.   Er nimmt einen Chip in die Hand und betrachtet ihn eingehend. »Probier doch!  Ist alles gesund. Bio eben!« sage ich und greife mir einen Apfelchip. Er lacht.  Lacht er mich aus? »In welcher Welt lebst du, Jonas?« sagt er und schüttelt  den Kopf. Jetzt denkt er bestimmt: typisch Deutsch, oder so etwas. »Und in  welcher Welt lebst du?« traue ich mich etwas beleidigt zurückzuschießen. Als  ob er die Frage gar nicht gehört hat, schaut er mich wieder seltsam an. Was  ist denn jetzt? »Was soll das sein?«. Er nimmt Wuffi in seine Hände. »Ein  Hund!« Lacht er jetzt ironisch? Ich schäme mich, nehme ihm Wuffi aus  den  Händen und schmeiße das Stofftier in die andere Ecke des Zimmers. Ich fühle  mich wie eine treulose Tomate - habe meinen besten Freund verraten.  
»FIFA 2008«, sagt er und zeigt mir das Cover des Spiels.  
»Erkläre es mir!« Schon wieder Fußball! Oh mein Gott, wird mich das jetzt die  ganze Zeit verfolgen? Das ist seine Welt, nicht meine. Er entscheidet und macht  sich keine Gedanken, was mir gefallen könnte.    
Er drückt mir ein Gerät in die Hand, »mit dem musst du steuern und drücken«,  sagt er, und ich bin damit völlig überfordert. Als das Spiel beginnt, geht alles  voll daneben. Er hat kaum Mühe, mich zu umdribbeln, gefühlte hundert Tore  gegen mich zu schießen, worüber er sich total freut, »ich mach dich platt«, ruft er ganz aufgeregt, »Tor!« schreit er mal wieder und als er genug hat, schaut  er mich wieder merkwürdig an.    
»Jonas, Jonas, in welcher Welt lebst du eigentlich?«    
»Afyon, Afyon! In welcher Welt lebst du?« Ich versuche zu kontern, äffe ihn  nach, obwohl ich es nicht verstehe, was ständig dieser Satz zu bedeuten hat.   Er muss dabei grinsen. Rückt näher. Mir wird ganz warm. Ich kann seinen Atem  spüren. Körper an Körper.  

Wie es wohl weitergeht? ;-)
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