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Es werden Posts vom August, 2012 angezeigt.

„Rosa Winkel“ von Dufranne/ Vicanović/ Lerolle oder: Auch Deutsche kamen ins KZ

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„Sie werden verstehen, dass die Entschädigung für die echten Opfer vorgesehen ist und nicht für Leute, die nach dem Strafgesetzbuch Kriminelle sind.“ Das kriegt Andreas, die Hauptfigur der Graphic Novel „Rosa Winkel“, nach dem Zweiten Weltkrieg zu hören, als er um Entschädigung für seine Qualen in den beiden Konzentrationslagern Sachsenhausen (ab 1937) und Neuengamme (ab 1941) bittet. So erging es allen homosexuellen Überlebenden nach dem Dritten Reich. „Für die Homosexuellen ist das Dritte Reich noch nicht zu Ende“, schrieb Hans-Joachim Schoeps im Jahr 1962 in einem Aufsatz. Dass die Überlebenden der Konzentrationslager in Deutschland nicht mit offenen Armen aufgenommen wurden, ist bekannt, und das betrifft alle Gruppen, „die Juden“ genauso wie „die Politischen“ oder „die Sinthi und Roma“. Das Besondere an der Situation der Homosexuellen war, dass ein Gesetz aus dem Jahr 1794, das homosexuelle Handlungen unter Männern mit ein- bis mehrjährigen Zuchthausstrafen belegte, im Dritten Rei…

sprich! im Schaufenster Karstadt

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Oh, das wird furchtbar aufregend. AUFREGEND! Aufregend, wirklich, ich meine, in einem SCHAUFENSTER eines großen Kaufhauses sitzen und LESEN??? OH MY GOD! Was ´ne Idee! Was ´ne Gaudi! Und was braucht´s für die Gaudi? Viele liebe Leute, die schon vormittags vor diesem Schaufenster stehen und zusehen und vor allem ZUHÖREN! :-) Ich bin gleich nach PIRO ("Du bist Frankfurt"!) dran. Ich bin so gespannt, wie das alles wird, wie die Leute reagieren, die Künstler performen etc. Es ist die Auftaktveranstaltung der immer größer werdenden Frankfurter Sprachwoche. Diesmal geht sie vom 1.9. bis zum 9.9.! Nein, keine Wasserglaslesung. Nein, nicht irgendwo in einem Literatur- oder Schauspielhaus, sondern mitten auf der Zeil, mitten im Karstadt. Da, wo Tausende von Menschen vorbei laufen, zu ihrem Samstagsshopping, zu ihren Erledigungen, zu ihrem Coffee to go und Va Piano oder McDonalds-Besuch. Und wir werden da sein - und singen, lesen, zaubern, slammen. Es ist schon etwas Cooles, da dabei …

Baden und Lesen

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Gestern dachte ich: Jetzt bist du mal früh wach und das Wetter spielt mit, also kannst du ja mal ins beheizte Freibad nach Hausen (da hatte ich ja vor einem Jahr den Schirn Clip gedreht - siehe rechts). Schließlich muss ich jetzt mal konsequent das Sportprogramm starten, nachdem ich diesen Vorsatz an Neujahr getroffen hatte (ist ja noch nicht soooo lange her, man hat doch das ganze Jahr dafür, um die Vorsätze in die Tat umzusetzen). Vorher bin ich in die Uni-Bib, um mir Bücher auszuleihen...
Gar nicht notwendig, dachte ich dann im Freibad, denn... die haben jetzt da einen Bücherschrank! Eine wirklich tolle Sache, wie ich finde. Baden und Lesen. Wenn man sich da schön auf die Wiese legt und plötzlich denkt: da fehlt doch was - ach, ein Buch vielleicht - da kann man sich gleich eines aus dem Schrank holen. Oder mehrere. Ich brauchte keines, ich habe mich außer zum Fotografieren ferngehalten, denn... Ich habe einen Riesen-SUB mittlerweile, es ist martialisch. John Kennedy Tooles Buch &quo…

Sprich! Zweite Frankfurter Sprachwoche Flyer

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Fortsetzungsroman: Moody Blue 6

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http://schmerzwach.blogspot.de/
2012/08/fortsetzungsroman-moody-blue-5.html
Ein kleiner Seitenarm des Rheins floss still und langsam an uns vorbei, ein großer Stein, der sich als Sitzplatz eignete, lag am Ufer und ich setzte mich darauf. Es war schon seltsam, mitten in der Nacht im Wald zu sein, ich hatte ein wenig Angst, Tobias wohl ebenso, denn er folgte mir gleich und nahm neben mir Platz, lehnte sich an mich. Ich legte meinen Arm um ihn, ohne zu wissen, ob das in Ordnung für ihn war, vielleicht hasste er offenkundige Berührungen – eventuelle Annäherungsversuche – von anderen Jungs, man wusste das ja nie. Gera-de homosexuelle Jugendliche, die im Kampf mit ihrer Veranlagung und ihrer Identität stecken, reagieren besonders empfindlich in solchen Situationen. Er nicht. Die Luft roch angenehm nach Natur und Nacht, der Wind blies sanft und streichelte unsere Gesichter. Ich fühlte mich wohl. Die Zärtlichkeit Tobi gegenüber hatte so etwas Harmloses an sich – zumindest für mich –, so etwas a…

UFM MUF - Museumsuferfest 2012

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Jedes Jahr aufs Neue: schmerzwach versucht auf dem Museumsuferfest Spaß zu haben. Jedes Jahr aufs Neue: schmerzwach ist etwas überfordert mit diesen vielen Menschen. Mit diesen Menschen, die grundsätzlich "falsch" reagieren, wenn es besonders eng wird, alle wollen durch das gleiche Nadelöhr, auch wenn ein paar Meter weit Platz ist. Dann bleiben Leute mitten im Weg stehen, laufen plötzlich nach rechts oder links, oder noch sehr viel besser: drehen sich unmittelbar um und laufen in die andere Richtung, egal, ob 1000 Leute ihnen gerade entgegen kommen. Achtung, mein EGO ist wichtiger als die anderen Egos. Und immer gehen alle Leute dorthin, wo schon die meisten Leute sind, getreu dem Motto: Nur, wo es voll ist, kann es auch gut sein, die Mehrheit hat immer recht! Ja, gefährlicher Gedanken, aber gut. ;-) Das Museumsuferfest: eine große Gaudi, für ganz Frankfurt - und "leider" auch aus dem Frankfurter Umland, leider weil: es einfach zu viele Menschen sind, und es werden…

Atomic Age von Helena Klotz

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Das Mal Seh´ n Kino in der Adlerflychtstraße ist wohl das Kino in Frankfurt, das am häufigsten queere Filme zeigt, hier laufen Filme von Rosa von Praunheim, Xavier Dolan, von der Edition Salzgeber und Pro-Fun Media. In dieser Kinowoche ist es der Film Atomic Age von Helena Klotz, in dem zwei schöne, selbstverliebte junge Männer aus der Pariser Vorstadt eine vielleicht gewöhnliche Nacht miteinander verbringen. In der Art eines Road Movies sehen wir sie zunächst gemeinsam im Zug in die City Paris hineinfahren, in einen Club gehen, tanzen und Leute beobachten, über die berühmte Brücke Pont Neuf spazieren und diskutieren. Wir begleiten sie in einer Prügelei mit dem noch schöneren Niels Schneider, bekannt aus „Herzensbrecher“ von Wunderkind Xavier Dolan. Und sind hautnah dabei, wenn sie sich am Ende in einem Wald hinlegen, in den Himmel schauen und philosophieren.
Das war der Inhalt in grausamer Kürze. Dass es der Regisseurin Helena Klotz offensichtlich nicht um den Plot ging, merkt man in …

Lavendelblues von Petra van Cronenburg

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Den Blog von Petra van Cronenburg lese ich ja regelmäßig, wirklich, ungelogen. Macht Spaß und ich bin immer neidisch, weil sie so viel Ahnung hat - hätte ich auch gerne. Aber das sind ein paar Jahre Erfahrung mehr - und ganz schön viel Klugheit. Einen literarischen Text hatte ich noch nie von ihr gelesen - und dann war da eine Gratis-Ebook-Aktion, von der sie immer im Blog erzählt hatte, und ich dachte: So, jetzt aber! Ich besorgte mir Lavendelblues und dachte zunächst: Na, das wirste wahrscheinlich niemals lesen! Ein "Frauenbuch"! 


Alle reden von Krise, aber die Freundinnen Dahlia und Estelle wagen trotzdem zu träumen. Dabei sind die Widerstände groß: Dahlia will ihren geliebten, aber unrentablen Romantikladen retten. Und Jazzsängerin Estelle möchte endlich wieder mit Seele singen statt auf zweifelhaften Firmen-Events. Die beiden brauchen eine Auszeit. Als sie ihre Freundin Bruni in Südfrankreich überraschen, sind sie allerdings enttäuscht. Das Paradies, von dem ihnen die Au…

Hund im Boot oder Urlaub in Heidelberg

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Fortsetzungsroman: Moody Blue 5

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http://schmerzwach.blogspot.de/2012/08/
fortsetzungsroman-moody-blue-4.html
Wenn das alles nach seinen Wünschen läuft, schafft er es bestimmt, eine Lernstrategie zu finden und wird endlich erfolgreich in seinem Studium, dann wird er sich auch wieder für das Theaterspielen Zeit nehmen können. Vielleicht klappt es. Ich schlug nun vor, eine kleine Rast zu machen, wir waren am Rheindamm angelangt und zehn Meter von uns entfernt stand eine Bank. Auf diese setzten wir uns, schweigend. Er schaute nun um sich, betrachtete die Bäume, die majestätisch vor dem Rhein ragten. Nach wie vor gingen mir diese Gedanken durch den Kopf: Dieses verdammte Sex-Angebot. Es verwirrte mich, da ich lange Zeit nicht mehr an so etwas gedacht hatte, so etwas überhaupt nicht erwartet hätte. Levent schwieg. 
In der Dunkelheit konnte man ein kleines Leuchten erkennen, da hatten welche Kerzen aufgestellt. Wer ist das? fragte er. Wahrscheinlich ein paar Jugendliche, die kiffen wollen, sagte ich. Lass uns hingehen, fordert…

CSD Darmstadt - Hoch auf dem gelben Wagen...

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CSD Darmstadt - Die erste Parade ever

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Der Frankfurter Engel

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Mit dem "Frankfurter Engel" bin nicht ich gemeint, obwohl ich ja ein Engel bin. ;-) Und gerne von Engeln schreibe (siehe Moody Blue - natürlich auch von Teufeln). Der Frankfurter Engel ist die Statue links, ein Kunstwerk von Rosemarie Trockel (aus Köln) - das Mahnmal an die Verfolgung und Ermordung homosexueller Männer und Frauen im Nationalsozialismus. Wieso ich darüber schreibe? Nun, einerseits stelle ich die These auf, dass viele Menschen in Frankfurt sich gar nicht darüber bewusst sind, dass sich da am kleinen Klaus-Mann-Platz in der Nähe der Konstablerwache (vor dem Kino Eldorado, gegenüber von Döner/ Thai/ und Inder-Imbissbuden) ein Mahnmal befindet. Ich habe oft den Eindruck, dass man über Dinge, die 5000 Kilometer oder mehr von einem entfernt sind, mehr Ahnung hat als über Dinge, an denen man tagtäglich vorbei läuft. Auch ich hatte mir noch nie Gedanken über das Mahnmal gemacht...


Andererseits werde ich immer gefragt, was ich so tue. Viel, könnte meine Antwort lauten.…

Sprich! Zweite Frankfurter Sprachwoche

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Seit der ersten "Frankfurter Sprachwoche" im letzten Jahr ist sehr vieles passiert... Damals hat der Verein Sprich!, der sich gerade neu gegründet hatte, trotz aller Unkenrufe und Ratschlägen, so eine große Veranstaltung doch nicht so kurzfristig zu organisieren, vier Tage lang Programm gerockt (26.9. - 30.9.20122). Klar, nicht alles lief optimal, nicht alles war ein Erfolg - und doch: Wir haben etwas erreicht. Wir haben es geschafft, beim "Lesemarathon" auf der Konstablerwache (gegenüber von Apollo Optik) bis zu 300 Leute zu aktivieren, die sich mit dem Medium Buch auseinandersetzten. Das einfache Rezept: 1 Buch aus dem Bücherwühltisch mitnehmen, dafür aber 1 Minute daraus vorlesen. Es gab eine Bühne mit einem Mikrofon und die unterschiedlichsten Bücher. Mittlerweile gibt es zusätzliche Projekte, wir haben einen Preis für ehrenamtliches Engagement von der Stadt Frankfurt erhalten und sehr viel mehr finanzielle Unterstützung als im letzten Jahr (da waren es 700 Eur…

Unnützes Sprachwissen - Erstaunliches über unsere Sprache

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Deutsch ist weder meine Mutter- noch meine Vatersprache. Deutsch habe ich zunächst auf der Straße, später in der Schule gelernt. Nach kurzer Zeit habe ich meine Eltern zuhause berichtigt und nicht viel später studierte ich Deutsch - mit Schwerpunkt Deutsch als Fremd-/Zweitsprache. Vielleicht liegt es daran, dass ich mir immer schon sehr viele Gedanken über Sprache machte. Zum Beispiel konnte ich nie Dialekt sprechen, weder den badischen (in Kehl geboren) noch den hessischen, der in meiner Wahlheimat Frankfurt gesprochen wird. Hast Du gewusst, dass Bairisch der beliebteste Dialekt ist? Gleichzeitig ist er allerdings auch der zweite Platz bei der Frage nach dem unbeliebtesten. Das Berlinerische ist jeweils auf dem dritten Platz, der unbeliebteste Dialekt ist das Sächsische, aber bei der Beliebtheitsskala wiederum auf Platz 5. Das sind die Dinge, die man in diesem kleinen Büchlein "Unnützes Sprachwissen" lernt. Wusstest Du, dass es in Italien folgende deutsche Wörter gibt: föhn…

Elf Fragen von Schmerzwach an die Autorin Anja Ollmert

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Anja Ollmert, geb. 1966 schreibt seit einigen Jahren überwiegend Kurzgeschichten, Prosagedichte und spirituelle Texte. Sie lebt mit ihrem Mann im Herzen des Ruhrgebietes und hat drei erwachsene Kinder. Die Autorin arbeitet ehrenamtlich als geistliche Leiterin des katholischen Frauenverbandes kfd und ist Leiterin eines Kinderchores. In ihrem vorliegenden Debütroman „Aoife“ verknüpft sie das persönliche Interesse an keltischer Mythologie und christlicher Tradition zu einer Fantasyromanze. Den Schauplatz ihres Buches hat sie mehrfach selbst bereist.

1.Wer bist du?
Mein Name ist Anja Ollmert. Ich wurde vor 46 Jahren in Recklinghausen geboren und wohne seither in Herten, der einst größten Bergbaustadt Europas. Ich bin Mutter von drei erwachsenen Kindern und verheiratet. 
2.Was machst du?
Ich arbeite fast ausschließlich ehrenamtlich. Seit 15 Jahren leite ich einen Kinderchor in meiner katholischen Heimatgemeinde. Darüber hinaus bin ich – ebenfalls ehrenamtlich – als geistliche Leiterin für die …

Fortsetzungsroman: Moody Blue 4

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http://schmerzwach.blogspot.de/2012/08/
fortsetzungsroman-moody-blue-3.html
Levent hingegen möchte Schauspieler werden. Mittlerweile, begann er, mittlerweile möchte ich Regisseur werden, das mit dem Schauspielern klappt sowieso nicht mehr, ich bin zu alt um einzusteigen. Regisseur, das wäre es, da müsste ich aber auch das Leben kennen, alles schon erlebt haben, in sehr vielen Situationen gewesen sein. Ich dachte: Wie in dieser vielleicht? Aber er sprach mir ein bisschen aus dem Herzen, auch ich glaube das, auch ich komme mir so vor, als kennte ich das Leben nicht gut genug, um es auf dem Papier darzustellen. Ich bin noch nicht weit herumgekommen, bin vielleicht zu ängstlich dafür. Auf der anderen Seite: Gab es nicht dieses französische Zwillingspaar, das Zeit seines Lebens in der Küche saß und trotzdem wild vor sich hin schriftstellerte? Die waren ja auch nirgends herumgekommen! So viele Ideen hätte ich, meinte er, die ich umsetzen könnte, aber ich muss zuerst zu Ende studieren, ich bin…

Berlin Impressionen

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