Freitag, 17. August 2012

Der Frankfurter Engel

http://evangelischesfrankfurt.de/ entnommen
Mit dem "Frankfurter Engel" bin nicht ich gemeint, obwohl ich ja ein Engel bin. ;-) Und gerne von Engeln schreibe (siehe Moody Blue - natürlich auch von Teufeln). Der Frankfurter Engel ist die Statue links, ein Kunstwerk von Rosemarie Trockel (aus Köln) - das Mahnmal an die Verfolgung und Ermordung homosexueller Männer und Frauen im Nationalsozialismus. Wieso ich darüber schreibe? Nun, einerseits stelle ich die These auf, dass viele Menschen in Frankfurt sich gar nicht darüber bewusst sind, dass sich da am kleinen Klaus-Mann-Platz in der Nähe der Konstablerwache (vor dem Kino Eldorado, gegenüber von Döner/ Thai/ und Inder-Imbissbuden) ein Mahnmal befindet. Ich habe oft den Eindruck, dass man über Dinge, die 5000 Kilometer oder mehr von einem entfernt sind, mehr Ahnung hat als über Dinge, an denen man tagtäglich vorbei läuft. Auch ich hatte mir noch nie Gedanken über das Mahnmal gemacht...


Andererseits werde ich immer gefragt, was ich so tue. Viel, könnte meine Antwort lauten. Ich meine, ich poste doch alleweil, was ich so treibe - trotzdem scheint es einigen Leuten nicht ganz so klar zu sein. Das ist übrigens so beabsichtigt. :-))) Doch ein wenig Licht ins Dunkle kann ich bringen, wenn... wenn ich erzähle, dass ich in die Geschichte Frankfurts eindringe. In einen ganz bestimmten Teil der Geschichte natürlich. Die Rote Zelle Schwul wird mein Thema in der nächsten Zeit sein (Buchprojekt). Deswegen war ich in Berlin (Verlagsgespräch und Recherche im Archiv des Berliner Schwulenmuseums), deswegen lese ich dieses Buch "Der Frankfurter Engel" - das Bindeglied ist Hans-Peter Hoogen, der sowohl bei der zweiten Schwulenbewegung innerhalb der Roten Zelle Schwul (etwa zwischen 1971 und 1975) mitgewirkt hat als auch bei der Initiativgruppe Mahnmal Homosexuellenverfolgung gemeinsam mit fünf anderen Männern mitgestritten und organisiert hat (die anderen waren Andreas Maul, Andreas Meyer-Hanno, Herbert Gschwind, Dieter Schiefelbein und Ulrich Gooß). Hans-Peter Hoogen hat auch mit seinem Partner Heine 1978 die Gaststätte „Café Größenwahn“ gegründet, aus der viel später auch der Größenwahn-Verlag entstand (bei dem ich Plattenbaugefühle und demnächst mehr veröffentliche). Die Rotzschwul wie diese Linke Zelle ebenfalls genannt wird, ist eine sehr spannende Gruppe gewesen, über 600 Seiten habe ich dazu im Archiv kopiert. Mehr dazu gibt es im nächsten Jahr, da möchte ich dann auch eine Internet-Präsenz entwickeln. Zum Frankfurter Engel zurück: auch das ein spannendes und langwieriges Thema. Es gab einst den Paragraphen 175, den "Homosexuellen-Paragraphen", der erst in den Neunziger Jahren (!!!) ganz abgeschafft wurde, er stammt aus dem 19.Jahrhundert und verbot ohne Ausnahme und unter schwerer Strafandrohung gleichgeschlechtliche Sexualhandlungen. Im Nationalsozialismus wurde dieser noch verschärft und so als eines der wenigen Gesetze auch nach 1945 weiter in die neue Gesetzgebung übernommen. In den 50er und 60er Jahren waren daher weiterhin Denunziationen gang und gäbe. Kein Mann durfte in den Verdacht geraten, schwul zu sein, gar einen Mann mit nach Hause nehmen. Die Hauswirte und Hauswirtinnen verrieten diese Männer und die bekamen bald Besuch von der Polizei und kamen auf eine rosa Liste. Auch die wenigen Etablissements waren eher versteckt und Razzien waren an der Tagesordnung, manchmal mit dem einfachen Hintergedanken, die Homosexuellen zu diskriminieren und zu diffamieren (dazu wird es im Buch über die Rote Zelle Schwul leider Erzählungen geben). Nun, 1969 wurde das Gesetz entschärft und damit veränderte sich einiges im Leben der Homosexuellen, 1973 gab es nochmals eine Entschärfung. Doch neben diesen Diskriminierungen in den 50er und 60ern war vor allem eines ein Tabu und ein großer Kloß im Hals der meisten Homosexuellen: das Wort KZ. Und der Fakt, dass neben den Schwulen und den Politischen, den Sinthi und Roma etc. auch Homosexuelle dort landeten und Schlimmes durchmachen mussten. Dazu gab es lange keine Quellen, lange wollte sich kein Überlebender dazu äußern, kein Wissenschaftler nannte diese Gruppe, was Spekulationen Tür und Tor öffnete. Auch die Homosexuellen selbst schienen sich nicht sonderlich darum zu kümmern (was sich erst in der Mitte der Siebziger änderte, warum wird dann auch ein Thema im Buch-Projekt sein). Und das Thema Entschädigung? "Sie machen wohl Witze, Sie Krimineller!" So lautete wohl öfter die Antwort auf die berechtigte Frage... Erst 2004 wurden die damaligen Opfer rehabilitiert... Diese Thematik wird in dem Buch aus dem Eichborn Verlag ebenso behandelt, wie die Geschichte, wie es nach langen Jahren des Ringens um das Mahnmal endlich dazu kam, dass man es aufstellen konnte und durfte. Politik. Geld. Machtverhältnisse. Das eine kurze Zusammenfassung. Das mache ich also unter anderem im Moment...

1 Kommentar:

  1. Ich verstehe das Engel Mahnmal überhaupt nicht und habe folgende Fragen:

    Was hat eine Giebelfigur des Kölner Doms mit der Verfolgung von Homosexuellen zu tun.

    Warum ist der Kopf des Engels versetzt aufgesetzt worden?

    Warum überhaupt ein Engel?

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