Samstag, 30. Juli 2011

CSD in Frankfurt 2011 (1)


DU bist DEUTSCHLAND - uNd ICH BiN SCHWUL


LOST in SonnenBLUMEN-dREaMs


schWuLe JUNG(s) - enGEL und BENGELchen


JaCoB SISTERS


pretty In pInk


BABSI Nordend HEART

Krise in Griechenland - ein Frosch erklärt sie uns...

Natürlich werde ich oft gefragt, wie das mit Griechenland und der Finanzkrise dort so ist. Sehr viel Ahnung habe ich nicht - in etwa genauso viel oder genauso wenig wie alle anderen hier in Deutschland. Immer viel Spekulation, viele Stereotypen und Beschuldigungen... Endlich gibt es ein schönes Buch zu der Thematik, in der man aus der Perspektive eines Frosches in Tagebuchform lesen kann, wie diese Krise kulminierte, was im Vorfeld passierte, wie das alles miteinander zusammenhing. Das Buch heißt "Krise! Krise! Schulden am Olymp, ist gerade im Größenwahn Verlag erschienen, umfasst 220 Seiten und ist für 13,90 Euro im Fachhandel erhältlich. Hier eine kleine schöne Leseprobe:

(23.Februar 2010)  
KEINER HAT’S GEMERKT
Dummheit schützt vor Strafe nicht. Aber wenn man nichts weiß, dann kann man auch nicht bestraft werden. Denken sich zumindest mal die Politiker. Nicht nur, dass jetzt keiner weiß, wie es weitergehen soll. Es hat auch keiner von irgendetwas irgendwas gewusst. Jedenfalls nicht in oder über Griechenland.
Seit 2004 haben sich die Staatsausgaben in Griechenland verdoppelt. Hat keiner gemerkt. Notwendige Reformen hinsichtlich Steuern, Renten usw. wurden zwar ständig diskutiert, aber nie angepackt. Hat auch keiner gemerkt.
Gemäß dem Maastricht- ‐Vertrag über die Euro- ‐Währungsunion darf eigentlich die Gesamtverschuldung nicht über 60 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen. Die »Phantastischen Sechs« hatten aber schon im Jahr 2009 mehr: Italien 105,8 %, Griechenland 97,6 %, Belgien 89,6 % Frankreich 68 %, Portugal 66,4 %, Deutschland 65,9 %. Da sind wir alle in einem Boot. Hat das auch keiner gemerkt? Und dagegen etwas unternommen hat natürlich auch keiner. Man hat nur aufgepasst, dass der Affe das nicht allzu laut durch den Wald schreit.
Jedenfalls ist jetzt die Kugel von den Bären zu uns Fröschen in den Brunnen gefallen. Und wir sollen sie wieder heraufholen. Dazu wird uns, wenn nötig, auch das Blaue vom Himmel versprochen. Alles nach dem Motto aus dem Froschkönig »Was schadet dir das, du kannst ihm ja leicht aus Gefallen so sprechen, ein dummer Frosch kann doch nimmermehr mein Schatz seyn.«
Griechenland ist pleite, bankrott, fertig – zu viel und zu lange auf Kredit gelebt. Papandreou hat den Karamanlis abgelöst und hat erstmals ehrlich zugegeben: Da geht was nicht mit rechten Dingen zu. Stell sich das ein Frosch mal vor: Irgendwelche Wölfe und Bären haben, ohne es zu merken, Griechenland über 300 Milliarden Euro gepumpt – und Griechenland kann das jetzt nicht zurückzahlen.
Ich Frosch habe jetzt mal eine dumme Frage: Wer leiht denn einem Staat so viel Geld? Und dann ganz ohne zu gucken, wie dessen allgemeine und spezielle Finanzlage so ist? Wir Frösche jedenfalls kriegen keinen Cent, wenn wir dafür keine Sicherheiten vorweisen können. ...

http://www.groessenwahn-verlag.de/

WTF, karelgott und "Gitte"! - Teil 8

http://img.fotocommunity.com/photos/14447897.jpg
der bodyguard – der wie in einem b-movie vladi heißt – schmeißt mich auf ein poppenhausen / er checkt aus dem raum aus und schließt dabei die türe / nur ich und sergej / er erklärt mir die konditionen – zu denen ich für ihn auf den strich gehen darf / hat er sie noch alle? jetzt erst glaube ich den fickshit – den mir die brunftlöscherin chantal erzählt hatte – wovor sie mich warnen wollte / doch it´ s to late! pengpengpeng / verfickte arschgeigenscheiße! ich sitze hier fest / gerade noch war ich aufgegeilt – jetzt denke ich mir nur – tolle wurst! er schreit mich an – dass ich mich wie eine tote aufs bett legen solle – „maul öffnen, klüsen schließen!“ ich spüre – wie er ganz nah neben mir am poppenhausen steht / dann eine warme flüssigkeit / ieeeeeh! er pisst mir überall hin / ich klappe mein maul zu / doch nun wird er aggro / „fickhure – du machst – was ich sage!“ er prügelt mich mehrmals in die fresse / noch nie habe ich so viel schmerz gefühlt wie jetzt / aber auch geilheit / ich versteh mich nicht! sergej dreht mich so dass ich waagerecht daliege / er reißt unter meinem mini-rock den slip runter / er wird doch nicht / ohne eine lümmeltüte draufzuziehen – stößt er mich / ich brülle auf vor schmerzen / wie ein tier / das erregt diesen elektrozaunpinkler umso mehr / er haut mich in die fresse – während er immer schneller stößt / ich spüre wie er seine ficksahne in meine fotze spritzt / doch er macht weiter / und ich merke – wie ich zittere – wie ich zu einem vulkan werde – der ausbricht / ekel vor ihm – ekel vor mir – und verfickte rattige lust / alles zusammen erlebe ich mit einem mal / vielleicht bin ich eine fickhure? vielleicht brauche ich das alles? ich weiß es nicht / danach: „dusch dich jetzt! was sollen denn die freier von dir denken“ /
an diesem verfickten wochenende mache ich noch ganz viele dreckigen fickshit / mit kleinen arschgeigen – spacken – nerds – don geilos – newbies – alten säcken – genital danebenen – checkern – arschkühen / nach sergej entscheide ich mich – es wie die anderen huren zu machen – entweder zu bescheißen – oder – wenn das nicht geht – mich vollzudröhnen / chantal schüttelt den schädel und sagt nur – „versuch unbemerkt zu verschwinden und komm nie wieder hierher / ich bitte dich als freundin / ich weiß wovon ich spreche / du hattest bisher noch glück!“ tatsächlich schaffe ich es unbemerkt von sergejs schmocks wieder nach hause zu fahren – obwohl ich jetzt schon das gefühl habe – nicht mehr zurückkehren zu können!
http://schmerzwach.blogspot.com/2011/07/wtf-karelgott-und-gitte-teil-7.html

Sonntag, 24. Juli 2011

Kitchen Stories TWENTY - Von Anfang bis Ende

Mein Freund J.E.G. sagt immer (sinngemäß): "Ich könnte jeden Tag einen neuen Roman beginnen... aber bis zum Ende durchhalten ist echt hart!" Ja, Romananfänge sind das schönste am Schreiben, da fällt es noch leicht, da weiß man noch, was man schreiben möchte. Und vor allem ist man sich da noch sicher, dass es ein guter Text ist, den man gewiss nicht mehr verändern muss... Hat man schon ein bisschen mehr geschrieben, liest man zum ersten Mal anderen Menschen vor. Und plötzlich heißt es: Oh nein, nein, so nicht, so nicht, am Anfang lieber eher so, oder so... Man weiß, okay, so funktioniert es nicht, also muss ich den Anfang überarbeiten. Aber damit ist noch nichts für den weiteren Verlauf der Geschichte getan... Man verausgabt sich also dabei, einen neuen Anfang zu schreiben - und hat dann erst mal keine Kraft für die Mitte. Geschweige denn für das Ende, das Ende, das man ja eigentlich auch schon im Kopf hat, aber eben nur da. Vielleicht beendet der eine oder die andere die Arbeit an dem Manuskript nun da, schreibt ein paar Kurzgeschichten, die etwas übersichtlicher sind, oder gar Gedichte. Vielleicht schreibt der eine oder andere auch nie wieder weiter an dem langen Text, beginnt dafür lieber einen neuen Roman, der ganz richtig klingt... bis er ihn anderen vorliest... Teufelskreislauf! Bei meinem ersten Jugendbuch ging es mir so: Ich begann damit 2008, im August. Eigentlich hätte ich ja andere Dinge tun müssen, aber... plötzlich drängte sich mir der Stoff auf. Ich schrieb also ein paar Tage exzessiv daran. Dann pausierte ich zwei bis drei Wochen. Als ich bei meiner lieben Freundin Hüsne in der Türkei zu Besuch war, in Antalya, hatte ich das Laptop dabei - und plötzlich ganz viel Lust weiter zu schreiben. Tatsächlich schaffte ich es zwei Drittel des Jugendbuchs fertig zu stellen. In der Folgezeit hatte ich dann viel zu viel zu tun. Tagsüber Praktikum beim Schöffling Verlag, gleichzeitig Abendstudium, für das ich an Wochenenden Texte schreiben musste... Das war zu viel. Als ich Monate später wieder Zeit hatte, schrieb ich lieber andere Texte. Kurzgeschichten. Warum auch immer... Erst im Mai 2010, fast zwei Jahre nach Beginn des Jugendbuchs mit dem Arbeitstitel "Kranichstein" (heißt nun aber ganz anders! :-)), bekam ich wieder Lust darauf. Und ich schrieb. Und schrieb. Es klang anders. Aufregender. Der Anfang passte schon fast nicht mehr dazu... Ich schrieb ihn kurz vor meinem Geburtstag zu Ende, schickte ihn zu einem Preis ein. Es passierte nichts... Auch Verlage interessierten sich nicht dafür... Dann im Oktober auf der Buchmesse lernte ich einen Frankfurter Verleger kennen. Wir redeten miteinander. Es war sehr nett. Er erzählte mir von seinen Vorhaben. Das erinnerte mich an Kurzgeschichten, die ich geschrieben hatte. Ich schicke sie ihm. Als Antwort kam die Frage, ob ich auch einen Langtext habe. So schickte ich ihm Kranichstein... Und er wollte es verlegen. Aber ich müsse es überarbeiten... Der kompetente Mann gab mir wertvolle Tipps. Ich veränderte bis Weihnachten den Text radikal. Aber damit begann erst die ganze Arbeit. Ab diesem Zeitpunkt musste ich das Jugendbuch noch sechs Mal umschreiben. Und ich kann es nicht mehr sehen. Bei jedem neuen Durchgang - wieder von vorne anfangen, angemerkte Kritiken verinnerlichen und umsetzen - dachte ich immer nur: Boah, lieber ein neues Buch beginnen, lieber ein neues Buch! Aber das geht nicht, sagte die Vernunft, der Jugendroman soll bei der nächsten Buchmesse draußen sein. Er wird es auch. Und jetzt kann ich einen neuen Roman schreiben, jetzt, nachdem es sogar einen Titel für "Kranichstein" gibt, der nicht verraten wird! Auf das Cover bin ich gespannt... Und wie es sich in meinen Händen anfühlen wird, das schöne Buch, mein erster Roman, der verlegt wird...

Samstag, 23. Juli 2011

Pacaveli´s Gedanken-Blog: Da liegt er nun


Nun liegt er da, auf seinen Knien

nach unten gebeugt, sein Bild in der Pfütze

„komm nur mit, brauchst nicht zu flieh´n!“

Zerren, ziehen. An den Armen, die er bräuchte zur Stütze

Nun liegt er da, am kalten Asphalt

nach unten gebeugt, sein Bild in der Pfütze

„selber Schuld, halt heißt halt!“

Zerren, ziehen. Leblos, zu gar nichts mehr nütze

Nun liegt er da, äußerlich kalt, innerlich leer

nach unten gebeugt, sieht sein Bild in der Pfütze

„soll das so bleiben? Los, hoch, hinterher!“

Rappelt sich auf. Bricht zusammen. 
Arme verrenkt, hat keine Stütze.

Nun liegt er da, einige lachen, wenige weinen, andere gähnen

nach unten gebeugt, das Gesicht in der Pfütze

„seht ihn euch an, wie arm, ertrunken an Tränen!“

Verrenkte Arme. Verschenkte Zeit. Ohne Hoffnung. Die ihn einst schützte.

Freitag, 22. Juli 2011

Und der Himmel rot von Gabi Kreslehner

Darm, Oliver ist 17. Sein Leben ist verpfuscht, verrutscht. Kein Wunder, wenn man Darm heißt. Sein Name ist gewissermaßen Prophezeiung. Aber Jana bringt das Eis zum Schmelzen. Muss ja. Der neue Roman von Gabi Kreslehner ist so bitter und schön wie das Leben selbst.
Darm ist ein Eisklotz und lässt niemanden an sich rankommen, seinen Onkel Kurt nicht und Muskat nicht, mit dem er so oft auf den Wasserwiesen am Fluss sitzt. Auch Jana nicht. Jana liebt Darm. Aber Darm liebt Jana nicht. Darm liebt niemanden. Doch als die Polizisten auftauchen, kommt alles wieder hoch. Was damals, vor mehr als tausend Tagen, passiert ist, als seine Schwester auf tragische Weise verschwand, seine Mutter anfing zu trinken und überhaupt sein ganzes Leben auseinanderfiel. Darm braucht diesen ganzen langen Sommer, bis er endlich reden kann. Doch irgendwann, als Darm mit Jana auf dem Hügel sitzt und der Himmel rot wird, beginnt der Anfang vom Ende.

"Und der Himmel rot" ist ein Jugendbuch, das polarisiert. Die einen jauchzen auf und lieben die Sprache der Autorin, die anderen finden sich nicht in den Text hinein, weil ihnen die Worte zu verdreht sind. Gabi Kreslehner erfindet neue Worte, hat ihren eigenen unverwechselbaren Klang, das ist ihre Stärke. Bei "Charlottes Traum", ihrem ersten Jugendroman, kam sie damit sehr gut an. Sie hat alle Jugendpreise gewonnen, mit einem einzigen Buch in einem einzigen Jahr. Doch damals hatte sie ein sehr viel einfacheres Thema. "Und der Himmel rot" ist anders, schwerer, deprimierender. Und doch auf seine Weise schön. Die Liebesgeschichte von Jana und Darm zum Beispiel. Die Dialoge, die sie miteinander führen, auf der verbalen, aber auch nonverbalen Ebene, sind mit das Beste, was ich in diesem Bereich jemals gelesen habe. Dieses sich abstoßen - sich anziehen zwischen den beiden bringt Gabi Kreslehner sehr gut zum Ausdruck. Dabei ist Jana stets die Gute, die den armen Darm so liebt, wie er es vielleicht gar nicht verdient. Er ist übrigens von Beginn an eine sehr unsympathische Figur, das Gegenteil eines Helden. Er hat ein Geheimnis und man erfährt ganz lange nicht, was es ist, nur Andeutungen. Es gibt Meinungen, die besagen, dass Darm als Figur nicht glaubwürdig ist, ich hingegen bewundere Gabi Kreslehner dafür, dass sie so gut in menschliche Abgründe schauen kann. Auch wenn ich viele seiner Verhaltensweisen nicht leiden mag, so kommen sie mir doch recht plausibel vor. Auch diese ganzen Verwicklungen der Personen miteinander, die konstruiert erscheinen mögen - auch im normalen Leben hängen alle Dinge miteinander zusammen. Gerade die Tatsache, dass letztendlich alle wichtigen Figuren miteinander verflochten sind, macht die Geschichte spannend. Es ist kein einfaches Buch, sicher nicht, und es ist für Erwachsene vielleicht sogar sehr viel lesbarer als für Jugendliche (unter 14 Jahre sollte man wirklich nicht sein), die vielleicht diese Tragik und die vielen Andeutungen zu Anfang des Romans etwas überfordern mögen. Aber einen Versuch ist es wert. Ich würde es reifen Jugendlichen auf jeden Fall schenken, aber auch Erwachsenen. :-) Wenn ich Punkte oder Sterne vergeben soll, dann sind es gute VIER. Nach Prinzip der Seite: http://www.buecherkinder.de/
, bei der alle Kinder-/Jugendbuch-Freunde nach Empfehlungen schauen können.
Gabi KreslehnerUnd der Himmel rot, Roman, EUR 12,95, ISBN 978-3-407-81080-9, 1. Auflage 2011. 144 Seiten. Ab 14 Jahre

Donnerstag, 21. Juli 2011

Der Schmerzwach-Lesezirkel INTERAKTIV - tschick2

Ach, das waren mal wieder aufregende 50 Seiten, die ich in den letzten Tagen lesen durfte, die Geschichte beginnt richtig Fahrt zu nehmen. Doch bevor ich meine Eindrücke niederschreibe, möchte ich noch auf zwei Posts in anderen Blogs zu Tschick hinweisen. Hilke Gesa Bussmann, Hilly, hat sich HIER sehr kluge Gedanken zu den ersten 50 Seiten gemacht. Und mein lieber Carsten Kubicki, stancer, hat (da Urlaub) bereits das ganze Buch gelesen. Wer darauf einen Blick werfen möchte, tu das HIER. Betti hatte ja bereits ihre Eindrücke auf schmerzwach beschrieben. 
"Bist du schwul?" fragt Tschick den armen, genervten Maik auf Seite 85. Ja, klar, das interessiert mich wieder. ;-) Ist da "Schwulen-Action" im Anmarsch? ;-) Haben wir da was zu erwarten? :-)))) Tschick taucht plötzlich bei Maik auf, der sich auf zwei Wochen sturmfrei und alleine sein gefreut hatte... Anfangs wünscht sich Maik ja Tschick weg, doch dann, dann... fahren sie zusammen zu Tatjanas Geburtstag - ohne Führerschein natürlich - Maik wird gezwungen die Zeichnung, die er für sie in monatelanger Klein-Arbeit angefertigt hatte, zu übergeben. Dann fahren sie mit dem klapprigen, geklauten Lada davon. Tschick hat die gnadenlose Idee, führerscheinlos mit diesem Teil in die Wallachei zu fahren. Wallachei? Dieses Land gibt es noch nicht einmal, sagt Maik. Das sagt man nur so, genauso wie Pampa. Doch Tschick beharrt darauf: Wir fahren in die Wallachei - zu meinem coolen Onkel, der da wohnt. Wo sie wohl da landen werden??? Ich bin sehr gespannt! :-) Und wie sieht es bei euch aus?
Erfreulich: Die Stadt Heidelberg hat dem Schriftsteller Wolfgang Herrndorf den Clemens-Brentano-Förderpreis für Literatur verliehen. Er erhielt die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für Tschick. Die Jury aus drei Literaturkritikern und drei Heidelberger Germanistikstudenten würdigte den Roman als "anrührende Geschichte zweier Halbwüchsiger" und "bleibende Literatur". Mit Tschick war Herrndorf bereits für den Preis der Leipziger Buchmesse im März nominiert worden. Quelle: Zeit Online Kultur vom 19.7. Herzlichen Glückwunsch, Wolfgang Herrndorf! Verdient ist verdient!

Blogparade: Sonnenschein-Lektüre

falballa ruft in ihrem Blog zur Blogparade: Sonnenschein-Lektüre auf. Da möchte ich doch gerne mitmachen. Es gibt dabei drei Fragen, die ich beantworten soll, nun denn...

1.) Auf welche drei Bücher freust du dich diesen Sommer am meisten?


Von Siri Hustvedt las ich vor einigen Jahren ein total faszinierendes Buch: Was ich liebte. Ich dachte und denke es immer noch: Wie kann man so ein geniales Buch schreiben? Und jetzt das Neue! Ob es auch so toll zu lesen ist? Ich meine, es geht um den "Geschlechterkrieg" - da gibt es wirklich interessantere Themen... Aber das ist ja die Kunst: wenn es mich trotzdem packt. Gespannt bin ich auf das Buch "Schwule Schurken" von Eric Walz - über Alexander der Große und Heliogabel und Co. Natürlich freue ich mich, den tschick weiter zu lesen, selbstverständlich doch! :-)


2.) Welches Buch empfiehlst du deinen Lesern für den Sommer?
Ich könnte mich jetzt nicht zwischen Herr Leben, die Rechnung bitte und Oh Tapirtier entscheiden. ;-)
3.) Deine Wohnung brennt, du kannst nur ein Buch retten, welches ist es?
Das könnte ich gar nicht beantworten. Ich bin zwar jemand, der sehr sehr gerne liest, aber der keine Bücher besitzen muss, also zumindest nicht körperlich. Meine Besitznahme geschieht auf geistiger Ebene. Vielleicht eines der Bücher, das ich in meiner Stöckchen Bücherliste erwähnt habe? Kann man nachschlagen... http://schmerzwach.blogspot.com/2010/11/is-blog-bucherliste.html 

Mittwoch, 20. Juli 2011

WTF, karelgott und "Gitte"! - Teil 7

http://img.fotocommunity.com/photos/14447897.jpg
wieder zurück am reudigen arbeitsplatz / ich kann meinen fokus zuerst nicht auf das schreiben bringen – weil mir der talk mit der nutte ultra krawallschaschlik bereitet / einerseits fickt es mich so richtig – andererseits spitzt es mich übelst an / einige dinge – von denen sie erzählt hat – machen mich krass neugierig / kiss kiss bang bang / nicht das so genannte schummeln – das sie mir lang und breit erklärt – auch nicht der gubbel – der einen befällt – wenn man alte säcke blasen muss / sie erzählte mir andere stories – die freaky sind und meine fantasie beflügeln / ich möchte diese erfahrungen machen / ich halte es kaum auf meinem billo-office-stuhl aus – ständig komme ich auf die idee – mich im mitarbeiter-bad zu verschanzen und an mir rumzufingern / diese woche habe ich drei verhurte abend-events – so dass ich die fleischmütze nur für den dienstagabend einplanen kann / oder ich könnte die nächte bei ihm pennen / mal schauen – was er dazu talkt – wenn ich ihn wiedersehe / nach der ersten genitalexplosion geht es tatsächlich besser mit dem schreiben des artikels / ich spüre – dass er wirklich etwas grandioses wird / immer wieder höre ich mir die aufzeichnungen an / wie abgefahren das alles war / alto belli! das ist großes kino / irgendwann merke ich, dass ich einen mords-hunger habe und geh zu meinem stamm-asiaten / ich stopfe krass viel kung pao in mich hinein / nach der pause komme ich nicht mehr ins verpisste schreiben / also verabschiede ich mich von den fickstelzen und den spacken im office und sage – dass ich zuhause weiterarbeiten muss – heute würde hier sowieso nichts mehr gehen / zuhause mixe ich mir erstmal einen gin tonic oder zwei – so als muntermacher / so geht´s besser / aber gerade als ich wie im rausch schreibe – einen richtigen flow habe – merke ich – dass ich breaken muss – weil ich zu einer verschissenen lesung muss /


die meisten kulturellen events könnte man sich sparen – aber es wäre ja beschiss / also dackeln wir schmocks von der presse zu jedem fickshit – und überlegen hinterher – ob wir bock haben – nice über diesen schmodder zu schreiben – oder doch lieber gehirnwichsende bösartigkeiten / die tagesform entscheidet meist / kollegas – die sehr viel menschenfreundlicher sind als ich – haben da übelst krasse strategien entwickelt – um nicht zu krass zu werden / aber mir ist selbst das zu krasser aufwand / ich schreibe – worauf ich bock habe / nur fände ich es nicer – wenn ich mir den bullshit nicht vorher ansehen – anhören – müsste / andererseits trifft man das eine oder andere mal einen erzählmeister oder potenziellen fickfreund /
die nächsten tage arbeite ich verbissen an diesen fick-artikeln / ich beende auch meinen atzeligen text über „The Prostitutes versus the prostitutes“ / er ist der beste und krasseste – den ich jemals geschrieben habe / doch bevor ich den ganzen fickshit meinem nerd- chef gebe – folgt ein free weekend / und da schlage ich erneut auf st. pauli auf / das ist eine sponti-entscheidung – weil mir die fleischmütze nach meinen adventures mit den tschechen nicht mehr aufregend genug war / ich hatte blut geleckt – war angespitzt / chantal hatte mich rallig gemacht / jede freie minute dachte ich fünf tage lang an diese geilen erfahrungen – die ich machen durfte / bäng bäng bäng / chantal ist allerdings bei meinem einchecken auf dem strich nicht sehr erfreut / „verschwinde!“ raunt sie mir zu – doch ich lasse mich nicht vertreiben – verfickter fickshit /„es ist wirklich schlecht heute“, zischt sie mir zu / sturköpfig wie ich nun mal bin – lasse ich mich nicht ins bockshorn jagen / plötzlich spüre ich eine hand auf meiner schulter / ich drehe mich um / der pimp schaut mich feindselig an / „wer bist du – du kleine hure?“ fragt er mich / chantal möchte mich retten, sagt: „das ist eine touristin – sie weiß nicht – was hier los ist / lass sie bitte gehn“ / er beachtet sie niente – obwohl sie mittlerweile an seinem arm zupft / „ich bitte dich!“ fleht sie ihn an / ich begreife endlich – dass ich mich möglichst schnell verziehen sollte / doch zu spät! peng! als ich mich wegwende und losrennen möchte – werde ich von einem bodyguard festgehalten / die beiden arschgeburten nehmen mich mit /
es ist wirklich übelst krass und krödelich / vielleicht ist das alles eine lebensbedrohliche situation – doch ich bin ultra feucht / ich schau diesen don geilo an – der mir mittlerweile gesteckt hat – dass er sergej sei und das gebiet kontrolliere – auf dem ich ihm um seine ocken bringen wolle / da schaue er nicht wie ein spallo zu – ohne mir zu zeigen wos verficktescheißenochmal langgeht / er macht mich übelst rattig / natürlich hat er eine fleischmütze und dicke oberarme / aber das ist nicht das beste an ihm – durch die eng geschnittene hose bemerke ich – dass er einen rüsselsheimer hat – der mich gerne durchknattern darf /
http://schmerzwach.blogspot.com/2011/07/wtf-karelgott-und-gitte-teil-6.html

OH TAPIRTIER von Andreas Dury

Tapirpaste - oder besonders krass drauf!


Lange habe ich darauf gewartet. Auf einen Roman von einem deutschen Autoren, der sich im Bücherregal neben die Bücher von Erlend Loe und Matias Faldbakken einreihen lässt. Nun habe ich ihn gefunden. Beim Conte-Verlag ist er erschienen, Andreas Dury hat ihn geschrieben und OH TAPIRTIER heißt das überraschend witzige und kluge Buch.


Zehn heiße Tage im Juni 2007 
Am Freitag, den 8. Juni, beginnt die Erzählung mit dem Protagonisten Frank Schütz, der gebannt auf den Bildschirm starrt. Am Rande des G8-Gipfels in Heiligendamm wird ein Polizeihubschrauber abgeschossen, fünf Polizisten sterben dabei. Zunächst weiß man nicht, ob er mit dieser Aktion in Zusammenhang steht, doch man erfährt sehr schnell, dass er zumindest mit den vermeintlichen Tätern, die im Antiglobalisierungslager zu finden sind, sympathisiert. Ebenso wie seine Freundin Tina, die eine erfolgreiche Tierärztin ist und die dann sagt: "Aber eine Protestbewegung, bei der es nicht Momente des Zu-weit-Gehens gibt, kannst du in der Pfeife rauchen", womit sie im ersten Moment die Tat rechtfertigt. Später, als es so erscheint, dass ihr Freund Frank in irgend einer Weise damit zu tun haben könnte, nimmt sie es zurück. Denn plötzlich steht der gemeinsam mit seinem Freund und Rivalen Leo Fetzner im Visier der Polizei, scheint doch die Tatwaffe eine Kanone mit dem Namen DK1 zu sein, die von den beiden Männern vor Jahren erbaut wurde. Frank Schütz macht sich nun auf die Reise nach Saarbrücken, wo er Fetzner vermutet, und versucht herauszufinden, was wirklich passiert ist. Es ist eine Reise in die Vergangenheit. Und es sind zehn Tage, die alles in Franks Leben verändern...


Ein Buch über eine Männerfreundschaft
Fetzner, der Politikwissenschaftler und ehemalige Professor von Frank, hat sehr krasse Ansichten, die er seinem Schützling wortreich erklärt. Denn das, was zunächst wie ein Krimi daherkommt, ist ein Buch über eine Hassliebe zwischen zwei Männern, die in der Gegenwart im mittleren Alter sind. Es wird eine rivalisierende Freundschaft beschrieben - Frank war aus Saarbrücken nach Göttingen gezogen, weil er sich in Leos Frau Eva verliebte und sie ihm nicht ausspannen wollte -, in der es um ganz viel geht. Um die Definition von "Loser" oder "Winner" sein, um Erfolg, Macht, Politik, um das Gutmensch- oder Schurke sein. Es geht auch um Leben und Tod. Es wird jede Seite klarer, dass die beiden Männer und ihre Beziehung zueinander im Mittelpunkt der Geschichte stehen.


Es darf auch einmal politisch unkorrekt sein
Frank ist 42 und arbeitslos, er weiß auch nicht so richtig, was er mit seinem Leben anfangen soll, er ist ein bisschen träge, fühlt, dass er als Informatiker den Anschluss verloren hat. Auch in der Arbeitsagentur wird ihm gesagt, dass er sich in einer sehr schwierigen Lage befindet... Frank weiß gar nicht so recht, wieso er mit Tina zusammen ist, so eine Klasse-Frau, erfolgreich, was will sie von ihm... Sie fragt in einem Gespräch, was er denn nun vorhabe. Und er sagt, er möchte mit einem Freund eine Existenz gründen, eine Tapirfarm soll es sein. Wieso? fragt sie und er sagt, nun ja, er möchte Tapirpaste herstellen, es gäbe dafür einen Markt. Sie fragt irritiert nach: Wie jetzt? Naja, der Rüssel muss eben abgehauen werden usw. Und wozu braucht man Tapirpaste? Er antwortet: Naja, für die Salbenproduktion und so... Tina ist wütend, kann es nicht fassen, was er da vor hat. Und dann sagt er ihr, dass das alles nur ein Witz gewesen sei. Das versteht sie nun noch weniger. Mir gefällt es aber. Vor allem, weil es durchaus möglich gewesen wäre, dass er das gemeinsam mit Fetzner tatsächlich in die Tat umsetzen könnte. Sie haben ganz andere Aktionen, auch mit Tapiren, bewerkstelligt... Die Aktionen sind nie "politisch korrekt", genauso wenig wie die Beschreibungen davon - super! Erlend Loe und Matias Faldbakken lassen grüßen. Endlich mal ein deutscher Autor, der Mumm und Witz in Kopf und Schreibhand zu bieten hat. Und sich nicht davor scheut, auch mal provokante und Revoluzzer Themen zu verarbeiten. Bitte mehr davon! 


Fünf Sterne - aber dicke!
Ganz klar fünf Sterne, möglichst dick aufgemalt. Danke, lieber Conte Verlag, möchte man sagen, danke, dass ihr dieses Buch verlegt habt, Danke auch an Andreas Dury für ein sehr gelungenes Buch mit einem sehr sympathischen Anti-Helden, mit einem noch unsympathischeren Gegner, Danke für so viel Lesespaß! 
Was mir auch gefällt: Das liebevoll gemachte Cover des Buches. So dürfen Bücher aussehen! 
Hier kann man das sehr lesenswerte Buch bestellen:
http://www.conte-verlag.de/conte-roman/dury-oh-tapirtier


Dies war die zweite Rezension in der Reihe blogg dein buch, und erneut ein Volltreffer. Demnächst mehr dazu...
www.bloggdeinbuch.de

Dienstag, 19. Juli 2011

Playing The City 3 - Der Clip 2/3



"Die Sonne, die Sonne und du... gehören dazu... uuuuhhhhh uuhhh uuuuuuhhh", sang Udo Jürgens und normalerweise passt das sonst zum schönsten Mann der Welt. Aber nicht heute! Nicht beim Dreh zum Werbe-Clip für Playing The City 3. Tagelang hatte ich Bammel, dass es heute regnet und stürmt, dass es saukalt ist und ich mir den A... abfrieren werde. Und was war? Sonnenschein! Zumindest zwei Stunden lang. In denen ich permanent im Wasser war. Am Ende konnte ich fast nicht mehr... Atmen, ATMEN nicht vergessen! Nachdem wir endlich dieses Freibad Hausen gefunden hatten (zwei Neu- bzw. Nicht-Frankfurter und ein Orientierungsloser unterwegs), durfte ich mich sogleich umziehen - meine "Baywatch-Shorts" (siehe unten) und diese hässliche Bademütze (siehe oben) - und dann ins zum Glück recht warme Wasser springen. Bahnen schwimmen... Immer auf dem Strich... Wenn keine Leute in der Nähe schwimmen... Hin und her. Dann von der einen Seite... Hin und her... Dann von der anderen Seite, damit man mich von vorne sieht... Hin und her... Ewig. Das Wasser war schön, die Sonne noch schöner, sie strahlte. Dann begann das Drama, Wolken zogen auf... Gerade, als ich hundert Mal aus dem Wasser steigen sollte und wieder hinein, wieder raus, wieder rein. 


Es hat Spaß gemacht, mit dem Schirn-Team und natürlich mit dem Rhein Main TV-Team zu drehen.




Profis. Gut gelaunt und ruuuuuuuhig. :-) Genauso wie ich, geduldig. Der kameramann meinte: Boah, wie kann das sein, dass du so geduldig bist - das kenne ich gar nicht vom Set. Glaubt man kaum, ist aber so. Wobei ich hier an dieser Stelle (auf dem Foto sieht man, wie die Ergebnisse angeschaut werden), als ich vom Wasser heraus Richtung Umkleidekabinen laufen sollte, schon ein klein wenig angepisst war. Da waren so viele Leute miteinbezogen (kleines Mädchen, das ein Schlumpfeis schleckt, Leute, die lesen bzw. sich unterhalten sollten) und ich bin ungefähr 200 Mal hin und her geflipp-floppt. Und musste immer nass sein. Jetzt, da die Wolken die Sonne meist verbargen. Zuerst duschte ich mich noch (Brrrrrrrrrrrrr!), dann fiel mir aber ein, dass ich mich ja genauso gut ins Baby-Becken (P...-Becken ;-)) legen könnte.




Ich schloss die Augen und lag da... Und plötzlich kam Wasser von oben. Dieses Kind. Tze! Fand es wohl witzig, mich nass zu spritzen. Kinder... Und ab diesem Zeitpunkt wurde es wieder lustig. Und am Ende noch sehr viel lustiger. Ich hoffe auf ein Making Of. Herr Woody sollte mal wieder erschrocken wirken... Am Ende zog Herr Woody ganz viele lustige Grimassen und lachte sich in die Kamera kaputt. Doch ob der Blick im Werbe-Clip dann authentisch rüberkommt?... Schauen wir mal, ich bin sehr sehr gespannt. Die bisherigen Aufnahmen waren auf jeden Fall schon sehr cool! ... Ich werde hier dann das Ergebnis posten. :-)




Natürlich gehören Pommes zum Schwimmbad - und Schokolade, Bananen und Co. zum Drehen... Ein anstrengender Tag - aber auch sehr lustig, sehr nett und unheimlich "inspirierend"! ;-)

Montag, 18. Juli 2011

Schmutziger Mord von Olive Feuerbach

Wer hat den vermeintlich biederen Rentner Otto Korbach in seinem gutbürgerlichen Stadtteil in Baden-Württembergs Hauptstadt Stuttgart bestialisch umgebracht? Vor diese Frage wird die sympathische und resolute Kommissarin Corinna "Coco" Conradt gestellt. So kalt wie das Umfeld des Toten ist - er hat keinen Kontakt mehr zu seinen beiden Kindern, die ihn hassen, er hatte sich von seiner Frau scheiden lassen, als sie in die geschlossene psychiatrische Einrichtung eingewiesen wurde - so kalt ist auch das Wetter. Die Polizei tappt die ganze Zeit im Dunkeln, während sich immer wieder neue Hypothesen, neue Handlungsstränge finden, die allesamt nicht überzeugend sind. Coco treibt sich in Freibädern herum, in psychiatrischen Anstalten und in Berliner Kaschemmen, in denen sie neue Spielarten der lesbischen Liebe kennenlernt. Gemeinsam mit ihrer Partnerin Judith. Coco ist voller Zweifel an ihrer kriminalistischen Arbeit, denkt über ihre Beziehung, über Sex und Liebe überhaupt. Sie ist eine Genießerin und sehr neugierig. Und trifft auf ganz spannende Menschen, zum Beispiel einen Professoren namens Schlatter, der die Frau des Ermordeten seelsorgerisch betreut. Sie hat auch mit der "Firma", mit dem "Konzern" zu tun, bei dem Korbach einst tätig in einem Werk in Argentinien war... Selbst der Polizeipräsident wird aufgescheucht und warnt die genervte Kommissarin...
Olive Feuerbachs zweiter Roman, der im konkursbuch Verlag Claudia Gehrke erschienen ist, ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Er spielt zwar im kalten Winter, ist aber die optimale Strandlektüre für diesen Sommer. Die Autorin schafft es tatsächlich, in allen Milieus, in denen sich ihre Figuren bewegen, authentisch zu beschreiben, man spürt die Atmosphäre, die von diesen Orten ausgehen, förmlich. Die Dialoge sind niemals platt, im Gegenteil, gerade gegen Ende des Buchs sagen die Figuren einige sehr kluge Dinge. Coco wird mit jeder Seite sympathischer, gerade weil sie nicht diese angepasste, "professionelle" Kommissarin ist, gerade weil sie ganz schnell warm wird mit bestimmten Figuren in diesem Roman. Insbesondere mit älteren Herren und attraktiven Frauen in den Dreißigern kommt sie ganz gut aus. Schön ist auch der Querverweis auf ihre beiden anderen Bücher, die im Verlag erschienen sind, der am Ende des Buches auftaucht...
Also, 9,90 Euro sind wirklich gut investiertes Geld für den Roman "Schmutziger Mord" von Olive Feuerbach, der im konkursbuch Verlag Claudia Gehrke. Er umfasst 287 Seiten und ist im März 2011 erschienen. 

Slut Walk - No means no am 13. August in Frankfurt und anderswo

http://mommyladyclub.blogspot.com/2011/05/mom-ill-just-be-down-at-slut-walk.html
Ich möchte nun auf eine Aktion aufmerksam machen, die ich für sehr gut halte, für unbedingt mitmachenswert. In Frankfurt wird der Slut Walk am 13.8. zwischen 15 und 18 Uhr stattfinden, beginnend "Am Kaisersack" - direkt am Ende der Kaiserstraße gegenüber vom Bahnhof. :-) Hier die Fakten aus der Facebook-Gruppe: http://www.facebook.com/Sl​utWalkFrankfurtMain zu der ich euch alle gerne einladen möchte:
Auf die Bemerkung eines kanadischen Polizeibeamten hin, der Frauen empfahl, sich „nicht wie Schlampen anzuziehen, um nicht zum Opfer“ von sexueller Gewalt zu werden, fand in Toronto am 3. April 2011 der erste Slutwalk statt. SlutWalks sind Demonstrationsmärsche gegen das so genannte "victim-blaming", eine Haltung, die Betroffene von sexueller Gewalt für das ihnen angetane Unrecht verantwortlich machen möchte, gegen Sexismus, sexualisierte Gewalt, Vergewaltigungsmythen und -verharmlosungen. Alle sind - geschlechter- und altersübergreifend - dazu eingeladen, gegen Diskriminierung, Sexualisierung und Grenzüberschreitungen auf die Straße zu gehen und ihre Stimme für einen respektvollen Umgang der Menschen miteinander und das Recht auf Selbstbestimmung hinsichtlich Körper, Gender, Sexualität und Begehren zu erheben - sei es in privaten Beziehungen oder in Berufen, in denen Sex zum Arbeitsalltag gehört!
Am 13. August 2011 wird städteübergreifend der erste deutsche Slutwalk stattfinden - wobei es allen selbst überlassen ist, wie sie sich kleiden möchten.

Mehr darüber erfährt man auch hier: 
http://slutwalkfrankfurt.t​umblr.com/

Eine ganz besondere Frau - nominiert für den Woman Award

Meine liebe Facebook-Freundin Jasmin Wagenblaß ist etwas Besonderes. Und besondere Menschen (egal ob Frau oder Mann) verdienen eine Würdigung, nicht nur in meinem Blog (aber auch da :-)), sondern auch bei Preisverleihungen...
Jasmin ist die 1. Vereinsvorsitzende und Gründungsmitglied des gemeinnützigen Vereins PHAETON e. V. aus Wiesloch bei Heidelberg. Sie wurde für ihr soziales Engagement in Sachen AIDS-Aufklärung und Prävention mit ihrem ehrenamtlich-gemeinnützigen AIDS-Aufklärungsfilmprojekt SA-ID, DER SCHWARZE ENGEL für den Woman Award 2011 nominiert.


Was ist SA-ID überhaupt?
Bei diesem AIDS-Präventionsprojekt handelt es sich um einen Spielfilm für junge Menschen ab 12 Jahren, der über eine HIV-Infizierung, aufgrund eines ungeschützten One-Night-Stands und den daraus resultierenden Folgen für die Betroffen berichten soll.


Jasmin schrieb ein Drehbuch, das über die immer noch gegenwärtige Gefahr des HI-Virus informieren und aufklären soll. Ziel ist es, diesen Film an Schulen, Jugendeinrichtungen, AIDS-Hilfen, Krankenkassen, Kinos, Festivals auf DVD vorzustellen - und um so, besonders junge Menschen auf AIDS und HIV aufmerksam zu machen. Unter anderen soll in dem Film gezeigt werden, wie und wo ein AIDS-Antikörpertest gemacht werden kann, was eine HAART-Therapie ist, wie die Hauptfiguren Phil und Sophie beide mit der Diagnose und der HIV-Infektion leben usw.
Wer für diese Nominerung abstimmen möchte, kann dies täglich noch bis zum 29. September 2011 mit einem Klick auf folgendem Link tun:
http://www.woman.at/nw3/sf/tofo/21/suche/kat/5?b=270
Weitere Infos über das Projekt erhaltet ihr hier:
http://youtu.be/kqysJWOvTdo
http://www.sa-id-der-film.de

Frauen-WM: Eine Ode an die wahren Gewinnerinnen

Selten hat mich eine Mannschaft so mitgerissen, selten habe ich beim Fußball so MITGEFIEBERT! Und selten habe ich Frauen so liebgewonnen wie bei dieser FRAUEN-WM - und ich meine nicht die wundervollsten Frauen der Welt, die mit dem schönsten Mann der Welt und mir zusammen das Finale im "Apfelwein Solzer" geschaut haben. Und die gegen eine Japan-Fan-Übermacht zu kämpfen hatten... Sondern: meine neuen Lieblings-Fußballspielerinnen. Sie heißen Abby Wambach - ICH LIEBE DICH! Hope Solo - ICH LIEBE DICH, Megan Rapinoe - CH LIEBE DICH, Alex Morgan - ICH LIEBE DICH. Mitgezittert haben wir, geschrieen haben wir, gejubelt haben wir. Und verloren, ja, gemeinsam mit den tapferen US-amerikanischen Spielerinnen, die 100 Chancen hatten und zum Schluss die Nerven verloren und gegen die kleinen Japanerinnen das Nachsehen im Elfmeter-Schießen hatten. Selten war ein Sieg so unverdient, selten war der Anti-Amerikanismus so verlogen und niederträchtig. Und die angeblichen Fans waren ziemlich schnell aus dem "Solzer" verschwunden, während wir als gute Verlierer auch die Japanerinnen noch feierten, unverdient im Finale, aber sonst ein Super Turnier gespielt, wir können es ihnen kaum gönnen, weil die USA es einfach tausend Mal mehr verdient gehabt hätte, vor allem nach diesem Sturm auf das japanische Tor und diesem halben Dutzend Pfosten- bzw. Lattenschüssen. Wir lieben euch aber trotzdem, ihr wunderbaren US Girls, die ihr euch in unser Herz gespielt habt! Dank euch lieben wir Frauen-Fußball, dank euch wurde diese Frauen-WM die spannendste WM ever - und sogar spannender als die meisten WM-Spiele bei den Männern. Ihr wart die Gewinnerinnen des Herzens. APPLAUS euch wunderbaren Frauen und vielen DANK!!!

Sonntag, 17. Juli 2011

Playing The City 3 - Der Clip 1/3

Playing The City geht nun in die dritte und letzte Runde. Im Mittelpunkt des Projektes  steht erneut der öffentliche Raum als Ort künstlerischer Aktivitäten, die auf unterschiedliche Weise die Stadt und ihre Bewohner involvieren. Täglich werden neue Aktionen, Performances, Installationen und weitere partizipatorische Projekte in Frankfurt stattfinden. 
Bereits im letzten Jahr durfte ich in einem der damals drei Clips der Darsteller sein: hier in einem Video zu sehen. 
Die Jungs von Rhein Main TV erinnerten sich an meine Brille und mich und möchten mich im diesjährigen Clip erneut in Szene setzen. Bisher weiß ich neben dem Motto "Kunst - wo du sie nicht erwartest" nur, dass wir im Freibad drehen werden. Und zwar am Dienstag. Wahrscheinlich bei Wind und Wetter, freu freu, und meine dicke Wampe wird schööööööön im TV und Internet (und natürlich in diesem Blog) zu sehen sein. Super! :-)


Heute ging es dann mit dem schönsten Mann der Welt und den wundervollsten Frauen der Welt (yeah!) zum Shopping für den Dreh am Dienstag, wir brauchten Badesachen in den PTC 3 Farben, das Handtuch war wirklich noch das wenigste Problem dabei... Zum Thema Badehosen: DAS war eine sehr viel längere Geschichte - und wir haben heute sehr viele verschiedene Badehosen gesehen und doch immer wieder die gleichen. ;-) Lasst euch überraschen, welches Höschen wir am Ende gekauft haben. Und wie sich meine Plautze drüberlegen wird... ;-) Im Video dann...


Die Schirn Kunsthalle schreibt, dass auch dieses Jahr die Aktionen die kontrovers geführte Diskussion über den kollektiven, freien und gestaltbaren Raum, seine Grenzen und nicht zuletzt die Einbezogenheit seiner Bewohner fortsetzen. Der Kurator ist auch dieses Jahr Matthias Ullrich - und es wird sicherlich wie im letzten Jahr ein voller Erfolg.

Samstag, 16. Juli 2011

Blog-Parade: Wovon sollen wir träumen?

Wovon sollen wir träumen? singt Frida Gold - das Motto des deutschen Teams bei der Frauen-WM. Sie wollten das Sommermärchen von 2006 wiederholen, doch dann flogen sie leider gegen die Japanerinnen im Viertelfinale unglücklich raus. Und jetzt stehen diese am Sonntag im Finale gegen die Amerikanerinnen... Der Traum war ein anderer: der dritte Titel in Folge im eigenen Land. Schade!


"Wovon sollen wir träumen? So wie wir sind, so wie wir sind, so wie wir sind. Woran können wir glauben? So wie wir sind, das kommt und bleibt, so wie wir sind" heißt es im Refrain bei Frida Gold. Ja, wovon träumt ihr? In einer Welt, die immer weniger Utopien hat, in einer Welt, in der wir nur nach an einen Untergang glauben. Woran glauben wir? Wovon träumen wir alle? ... Vielleicht habt ihr Lust bei der Blog-Parade zu diesem Thema teilzunehmen. Postet Beiträge in eurem Blog und sagt mir Bescheid, entweder über Hash-Tag #wswt auf Twitter, in den Kommentaren hier oder über Email. Am 16.8. werde ich dann alle Beiträge in einem Posting vorstellen und etwas kommentieren. Und natürlich werde ich meine eigene Lösung der Frage ebenfalls posten. Also, würde mich sehr sehr freuen, wenn ganz viele Blogger an dieser Blog-Parade: Wovon sollen wir träumen? teilnehmen könnten. :-)

Freitag, 15. Juli 2011

BOYMEN von Peter Rehberg

Bereits mit 21 Jahren, während seines Studiums, schrieb der Autor von „American Psycho“ Brett Easton Ellis seinen Kultroman „Unter Null“. In diesem Erstling begleitet er die Hauptperson Clay ein paar Wochen in dessen Leben in Kalifornien. Es ist von Drogenexzessen, Partys, viel Sex mit Frauen und Männern gezeichnet, von Entfremdung, Demotivation und Unlust. Clay verkehrt auf Partys, in denen Snuff-Videos gezeigt werden, in denen abgestumpfte Menschen zwölfjährige Mädchen an Bettpfosten anketten – und er und seine Freundin Blair sind die einzigen, die moralische Bedenken haben.

Clay ist auch eine Figur aus dem Roman BoyMen von Peter Rehberg, quasi als Referenz wurde diese Fantasie-Gestalt in das Leben des Protagonisten Felix eingebettet. Letzterer wird bald vierzig, ist gerade dabei, sich ein bürgerliches Leben aufzubauen – und zwar mit Jack, seinem Freund, der ihn dazu drängt, ein Häuschen in der Provinz zu kaufen. Doch es klappt nicht: Jack verlässt seinen Felix, zu unüberwindbar sind die Mauern zwischen den beiden. Und vor allem: Felix möchte dieses Erwachsenen-Leben nicht. Doch was will er überhaupt? Sein Leben als schwuler Neu-Single in Ithaca, mitten in der amerikanischen Provinz, ist öde. So ist er froh, dass er auf eine Konferenz nach Kalifornien flüchten kann. Dort möchte er sich um einen neuen Job bewerben. Doch letztendlich hat er keine Lust. Und dann trifft er auf den Clay in diesem Roman, Anfang Zwanzig, unendlich reich, Felix wird über Gayromeo akquiriert und erhält vom durchtriebenen Clay eine besondere Rolle in einem grausamen Spiel. Noch unter Schock macht sich Felix auf den Weg nach Berlin, feiert dort Partys, hat wilden Sex. Am Ende bemerkt er, dass er auch mit vierzig nicht klüger geworden ist, und lässt es einfach mit dem Erwachsen werden.


Peter Rehberg war fünf Jahre lang der Chefredakteur der Zeitschrift „Männer“, hat bereits einen Roman namens „Fag Love“ und den Erzählband „Play“ beim Männerschwarm Verlag veröffentlicht. Sein Thema ist das Erwachsenwerden. Dabei ist seine These, dass dies bei schwulen Männern noch ein bisschen anders ist als bei Heteros. Es ist ein heteronormatives Konzept, in den Dreißigern zu heiraten, Kinder in die Welt zu setzen, ein Haus zu bauen, ruhig zu werden und seinen beruflichen Weg geradeaus zu gehen. Es ist ein heteronormatives Konzept, aufs Land zu ziehen, der Kinder wegen, ein größeres Auto zu kaufen, der Kinder wegen, eine gute Schule in der Umgebung zu haben, nette Nachbarn, mit denen man im Garten grillen kann. Wie funktioniert Erwachsenwerden für Schwule? Das muss wohl jeder selbst herausfinden. In diesem Roman bietet Rehberg folgende Modelle an, wie er in einem Interview mit dem queeren Magazin Bayerns LEO sagt:


„Die einen leben in einer festen Beziehung und ziehen in einen ruhigen Vorort, andere machen Karriere oder bleiben Sexjunkie und tun so, als würde sich überhaupt nichts verändern.“


Es ist durchaus ein lesenswertes Buch, doch es hat nicht die Kraft und Präsenz eines Romans von Brett Easton Ellis, die Episode mit Clay ist dafür ein Symbol – sie ist keine Traumsequenz, aber auch kein Abenteuer, sie ist einfach eine Referenz, klug, aber nicht emotional. Es ist ein unterhaltsames Buch, aber euch eines für Zwischendurch. Die meisten Schwulen werden sich sehr gut wiederfinden, großes Identifikationspotenzial ist vorhanden. Felix ist ein Lästermaul, wie es uns ganz schön bekannt vorkommt. Und seine Mittel mit Problemen umzugehen, kennt auch jeder. Aber lest selbst: „BoyMen“ von Peter Rehberg ist im Männerschwarm Verlag erschienen, umfasst 212 Seiten und ist für 16 Euro im Fachhandel erhältlich.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Pacavelli´s Gedanken Blog: Amphetaminrausch



Amphetaminrausch

Erste Nacht wach,
gutes Gefühl, laut, von innen der Krach,
folgt schon Tag zwei,
immer ein Gedanke, besser schlafen, Nacht ist vorbei,
bis Tag drei, mit´m Schlaf ist´s vorbei,
keine Kohle, mehr Stoff, egal, wenn ich was leih,
reicht bis Tag vier,
wie lang bin ich wach? Wo bin ich bloß hier?
Fragen, bis Tag fünf hat begonnen,
schlechte Laune, alles Gute am Rausch, weg, wie zerronnen,
und schon ist´s der sechste Tag,
brauche mehr Stoff. Schlafen? Was, wenn ich aufstehen mag?
Gekauft. Vernichtet. Tag sieben,
höre die Frage. Vergesse sie. Welche Antwort? Hängen geblieben?
Wieder wird´s hell, Licht für Tag acht,
mehr Stoff. Einmal angefangen, jetzt wird auch weitergemacht,
mehr, immer mehr, ist schon Tag neun,
kaputt, kein Geld, mehr Stoff würd mich freuen,
nachgedacht, wahr gemacht, Tag zehn, völlig verkracht,
Körper kann winseln, muss gehen, bis das Herz Mucken macht,
genau zu Tag elf, Mitternacht,
Herzinfarkt, will mehr Stoff. Der Teufel lacht. Eins im Sinn. Fast umgebracht.
Krankenhaus, Entgiftung. Klar, hab draus gelernt, doch Ende gibt´s keins,
frage mich, sollte ich, lieber, vielleicht? Wieso? Null Problem. Ist erst Nacht eins. 


Mittwoch, 13. Juli 2011

Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray

Zurzeit mache ich bei zwei interaktiven Lesezirkeln mit, der eine wird von mir organisiert und da könnte ihr gerne mitmachen: tschick, tschick... und der andere ist von einem Leseforum aus: http://forum-wirlesen.forumprofi.de/ und da geht es vor allem um Fantasybücher. Ihr fragt euch zurecht: schmerzwach und Fantasy? Naja, ich wollte meinen Horizont erweitern... Aber das Witzige ist, dass in der ersten Leserunde ein Klassiker ausgesucht wurde, den Dorian Gray von Oscar Wilde, den ich zwar schon mal gelesen und zwei Verfilmungen gesehen habe, doch... beim erneuten Lesen merke ich, dass es mir Spaß macht, dass ich bei ganz vielen Dingen innerlich aufschreie: JA! So ist es! Oder: NEIN! Das ist nicht so! Meine Ausgabe ist ganz schön, von der Büchergilde Gutenberg. :-)
In meiner Ausgabe beginnt das Lesevergnügen bereits mit den vorangestellten Sprüchen zu den Themen Ästhetik, Kritik und Kunst. "Kritik, in ihrer höchsten wie niedersten Form, ist eine Art Selbstdarstellung." Wie wahr, das merke ich auch immer, wenn ich über Bücher, Filme und Musik schreibe... ;-) "Wer im Schönen einen Sinn entdeckt, hat Kultur. Für ihn besteht Hoffnung." Ich male mir überall Kringel dran, Ausrufezeichen, schreibe "guter Satz", "wie wahr!" oder "hahaha" und freue mich über die gewagten Äußerungen, die im Dorian Gray gemacht werden (auch heute noch gewagt ;-)), freue mich darüber wie Lord Henry den armen jungen Dorian manipuliert, er redet ihn wild - das muss ein Autor erstmal authentisch hinkriegen. Oscar Wilde war ein Wortakrobat, konnte die fantastischsten Thesen wortreich ausdrücken, beschäftigte sich wie kaum einer in seiner Zeit mit Kunst, Kultur, Schönheit und Schauspiel und natürlich Sexualität und Liebe. "Mir war klar, hier stehe ich einer Person gegenüber, deren bloße Erscheinung faszinierend ist, daß sie, wenn ich es zulasse, mein ganzes Wesen, meine ganze Seele, ja sogar meine Kunst in Beschlag nimmt." Ja, es geht um Leidenschaften, um Wildheit, um Verderbtheit. Und das alles so herrlich konstruiert, dass man es gar nicht merkt, dass es konstruiert ist. Mir macht Spaß, dass die Figuren in dem Roman meistens in Aphorismen reden: "Lachen ist durchaus kein schlechter Anfang für eine Freundschaft und bei weitem ihr schönster Abschluß", sagt Lord Henry, so wie er permanent kluge Dinge sagt. "Von meinen Freunden verlange ich gutes Aussehen, von meinen Bekannten guten Charakter und von meinen Feinden einen gut funktionierenden Verstand." Wie arrogant und selbstbewusst muss eine Person sein, um so etwas zu äußern?! Ich liebe Lord Henry. "Wer treu ist, kennt bloß die banalen Seiten der Liebe; der Treulose kennt auch ihre Tragödien." Ein Thema, das mich und dieses Blog nicht loslässt: http://schmerzwach.blogspot.com/2011/07/wer-will-der-kann-auch-troisieme-partie.html. Immer wieder neue Gedanken dazu... Lord Henry sagt: "Ich glaube, wenn auch nur ein einziger Mensch sein Leben voll und ganz ausleben würde, wenn es ihm gelänge, seinen Gefühlen Form zu geben, seinen Gedanken Ausdruck zu verleihen und seine Träume zu verwirklichen - ich glaube, dann bekäme die Welt einen neuen Antrieb zur Freude; wir würden die Maladien des Mittelalters vergessen und zum hellenischen Ideal zurückkehren..." Die Welt hat sich seit diesen Sätzen ein paar Mal gedreht und der Wunsch gilt noch immer, umgesetzt zu werden... Der Sozialismus ist tot, die Hippies bald auch... Wann wird diese Utopie jemals der Realität nahe kommen? 

Dienstag, 12. Juli 2011

Holundermond von Jutta Wilke

Es ist eine Premiere auf diesem Blog - das erste Kinderbuch, das hier besprochen wird. Als Erwachsenen-Juror der "Goldenen Leslie" lese ich zwar oft Jugendbücher, aber in der Regel keine Kinderbücher. Wie kommt es dazu? fragt ihr... Zunächst stolperte die Autorin Jutta Wilke über mein Blog, dann stolperte ich im Anschluss über ihr Buch "Holundermond". Beides waren sehr angenehme Stolperer! :-)


www.holundermond.de
Wie verwunschen wirkt das alte Kloster im sanften Licht des Mondes. 
Doch Nele ahnt, dass hinter seinen dicken Mauern ein Geheimnis lauert, das eng mit dem plötzlichen Verschwinden ihres Vaters verknüpft ist.


Entschlossen, das Rätsel zu lösen, stellt sie sich zusammen mit ihrem Freund Flavio den dunklen Kräften des Klosters entgegen.



Für die zwölfjährige Nele kommt es zunächst etwas überraschend, dass sich ihre Eltern trennen... Als der Vater, zu dem sie zurzeit einen besseren Draht hat, auch noch ihren gemeinsamen Urlaub absagt, beschließt sie, sich in sein Auto zu stehlen und mit ihm gemeinsam nach Österreich zu fahren, wo er einen Kunstdieb fassen möchte. Dort lernt sie nicht nur den sympathischen Jungen Flavio (Igitt, Junge!), sondern auch den bösen Dr. Holzer kennen - und lernt sehr viel Historisches, teilweise aus eigener Anschauung heraus... 
Dieses Kinderbuch, das im Coppenrath-Verlag erschienen ist, ist eine spannende, rasante Reise durch die Zeit, die nicht nur Kinder ab zehn Jahren gerne miterleben, sondern auch erwachsene Leser wie ich. Wieso? Zunächst nervt die pubertierende Nele zwar, aber mit der Zeit wird sie immer sympathischer und liebenswerter, noch mehr Sympathiepunkte erhält Flavio, ihr neuer Freund, der sie immer ein wenig vorantreibt. Obwohl er sehr viel mehr riskiert, ist doch sein Gegner sein eigener Lehrer Dr. Holzer. Der schafft es, Flavios Vater auf seine Seite zu bringen - und dem Jungen droht heftiger Ärger... Jutta Wilke schafft es, dass sich der/die Leser_in hundertprozentig mit diesen beiden Figuren identifiziert. Es gelingt ihr aber noch etwas viel Schwierigeres: einen komplexen Inhalt so zu verarbeiten, dass man niemals den Faden und die Übersicht verliert. Selbst Kinder können der Zeitreise folgen, selbst Erwachsene finden die Geschichte spannend und fiebern mit, ob die beiden Kinder Neles Vater, der plötzlich spurlos verschwunden ist, wiederfinden. 
Die Dialoge sind sehr lebendig, so lebendig wie die Figuren, der hassenswerte Dr. Holzer zum Beispiel, der arme Giovanni (Flavios Vater) und natürlich die geheimnisvolle Viviane (die Namensgebung scheint nicht zufällig zu sein, ich musste an Die Nebel von Avalon denken...), die am Ende der Geschichte eine spannende Rolle einnimmt. Mir hat das Buch gefallen, weil es in Wien spielt - und wie jede_r Leser_in hier weiß: ich liebe Wien - Orte wie der Naschmarkt, an dem ich ebenfalls war, kommen vor. Mir gefällt auch was die hervorragende Autorin Jutta Wilke um das Buch herum alles an neuen Medien eingesetzt hat, um das Buch spannend an die Leser_innen zu bringen: es gibt eine Homepage dazu (Link unter dem Cover), eine Facebook-Seite und ein Blog: http://holundermond.blogspot.com/. An diesen flankierenden Maßnahmen sieht man, mit wie viel Liebe und Einsatz Jutta Wilke bei der Sache ist, geradezu vorbildlich - und man wünscht ihr viele Fans. Ich auf jeden Fall bin durch das Kinderbuch "Holundermond" einer geworden und werde mir ganz treuherzig alle ihre folgenden Bücher einverleiben. 
Holundermond von Jutta Wilke, Preis: 14,95 €, Hardcover, 316 Seiten, ISBN: 978-3-8157-5305-7, Coppenrath Verlag