Freitag, 15. Juli 2011

BOYMEN von Peter Rehberg

Bereits mit 21 Jahren, während seines Studiums, schrieb der Autor von „American Psycho“ Brett Easton Ellis seinen Kultroman „Unter Null“. In diesem Erstling begleitet er die Hauptperson Clay ein paar Wochen in dessen Leben in Kalifornien. Es ist von Drogenexzessen, Partys, viel Sex mit Frauen und Männern gezeichnet, von Entfremdung, Demotivation und Unlust. Clay verkehrt auf Partys, in denen Snuff-Videos gezeigt werden, in denen abgestumpfte Menschen zwölfjährige Mädchen an Bettpfosten anketten – und er und seine Freundin Blair sind die einzigen, die moralische Bedenken haben.

Clay ist auch eine Figur aus dem Roman BoyMen von Peter Rehberg, quasi als Referenz wurde diese Fantasie-Gestalt in das Leben des Protagonisten Felix eingebettet. Letzterer wird bald vierzig, ist gerade dabei, sich ein bürgerliches Leben aufzubauen – und zwar mit Jack, seinem Freund, der ihn dazu drängt, ein Häuschen in der Provinz zu kaufen. Doch es klappt nicht: Jack verlässt seinen Felix, zu unüberwindbar sind die Mauern zwischen den beiden. Und vor allem: Felix möchte dieses Erwachsenen-Leben nicht. Doch was will er überhaupt? Sein Leben als schwuler Neu-Single in Ithaca, mitten in der amerikanischen Provinz, ist öde. So ist er froh, dass er auf eine Konferenz nach Kalifornien flüchten kann. Dort möchte er sich um einen neuen Job bewerben. Doch letztendlich hat er keine Lust. Und dann trifft er auf den Clay in diesem Roman, Anfang Zwanzig, unendlich reich, Felix wird über Gayromeo akquiriert und erhält vom durchtriebenen Clay eine besondere Rolle in einem grausamen Spiel. Noch unter Schock macht sich Felix auf den Weg nach Berlin, feiert dort Partys, hat wilden Sex. Am Ende bemerkt er, dass er auch mit vierzig nicht klüger geworden ist, und lässt es einfach mit dem Erwachsen werden.


Peter Rehberg war fünf Jahre lang der Chefredakteur der Zeitschrift „Männer“, hat bereits einen Roman namens „Fag Love“ und den Erzählband „Play“ beim Männerschwarm Verlag veröffentlicht. Sein Thema ist das Erwachsenwerden. Dabei ist seine These, dass dies bei schwulen Männern noch ein bisschen anders ist als bei Heteros. Es ist ein heteronormatives Konzept, in den Dreißigern zu heiraten, Kinder in die Welt zu setzen, ein Haus zu bauen, ruhig zu werden und seinen beruflichen Weg geradeaus zu gehen. Es ist ein heteronormatives Konzept, aufs Land zu ziehen, der Kinder wegen, ein größeres Auto zu kaufen, der Kinder wegen, eine gute Schule in der Umgebung zu haben, nette Nachbarn, mit denen man im Garten grillen kann. Wie funktioniert Erwachsenwerden für Schwule? Das muss wohl jeder selbst herausfinden. In diesem Roman bietet Rehberg folgende Modelle an, wie er in einem Interview mit dem queeren Magazin Bayerns LEO sagt:


„Die einen leben in einer festen Beziehung und ziehen in einen ruhigen Vorort, andere machen Karriere oder bleiben Sexjunkie und tun so, als würde sich überhaupt nichts verändern.“


Es ist durchaus ein lesenswertes Buch, doch es hat nicht die Kraft und Präsenz eines Romans von Brett Easton Ellis, die Episode mit Clay ist dafür ein Symbol – sie ist keine Traumsequenz, aber auch kein Abenteuer, sie ist einfach eine Referenz, klug, aber nicht emotional. Es ist ein unterhaltsames Buch, aber euch eines für Zwischendurch. Die meisten Schwulen werden sich sehr gut wiederfinden, großes Identifikationspotenzial ist vorhanden. Felix ist ein Lästermaul, wie es uns ganz schön bekannt vorkommt. Und seine Mittel mit Problemen umzugehen, kennt auch jeder. Aber lest selbst: „BoyMen“ von Peter Rehberg ist im Männerschwarm Verlag erschienen, umfasst 212 Seiten und ist für 16 Euro im Fachhandel erhältlich.

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