Mittwoch, 20. Juli 2011

OH TAPIRTIER von Andreas Dury

Tapirpaste - oder besonders krass drauf!


Lange habe ich darauf gewartet. Auf einen Roman von einem deutschen Autoren, der sich im Bücherregal neben die Bücher von Erlend Loe und Matias Faldbakken einreihen lässt. Nun habe ich ihn gefunden. Beim Conte-Verlag ist er erschienen, Andreas Dury hat ihn geschrieben und OH TAPIRTIER heißt das überraschend witzige und kluge Buch.


Zehn heiße Tage im Juni 2007 
Am Freitag, den 8. Juni, beginnt die Erzählung mit dem Protagonisten Frank Schütz, der gebannt auf den Bildschirm starrt. Am Rande des G8-Gipfels in Heiligendamm wird ein Polizeihubschrauber abgeschossen, fünf Polizisten sterben dabei. Zunächst weiß man nicht, ob er mit dieser Aktion in Zusammenhang steht, doch man erfährt sehr schnell, dass er zumindest mit den vermeintlichen Tätern, die im Antiglobalisierungslager zu finden sind, sympathisiert. Ebenso wie seine Freundin Tina, die eine erfolgreiche Tierärztin ist und die dann sagt: "Aber eine Protestbewegung, bei der es nicht Momente des Zu-weit-Gehens gibt, kannst du in der Pfeife rauchen", womit sie im ersten Moment die Tat rechtfertigt. Später, als es so erscheint, dass ihr Freund Frank in irgend einer Weise damit zu tun haben könnte, nimmt sie es zurück. Denn plötzlich steht der gemeinsam mit seinem Freund und Rivalen Leo Fetzner im Visier der Polizei, scheint doch die Tatwaffe eine Kanone mit dem Namen DK1 zu sein, die von den beiden Männern vor Jahren erbaut wurde. Frank Schütz macht sich nun auf die Reise nach Saarbrücken, wo er Fetzner vermutet, und versucht herauszufinden, was wirklich passiert ist. Es ist eine Reise in die Vergangenheit. Und es sind zehn Tage, die alles in Franks Leben verändern...


Ein Buch über eine Männerfreundschaft
Fetzner, der Politikwissenschaftler und ehemalige Professor von Frank, hat sehr krasse Ansichten, die er seinem Schützling wortreich erklärt. Denn das, was zunächst wie ein Krimi daherkommt, ist ein Buch über eine Hassliebe zwischen zwei Männern, die in der Gegenwart im mittleren Alter sind. Es wird eine rivalisierende Freundschaft beschrieben - Frank war aus Saarbrücken nach Göttingen gezogen, weil er sich in Leos Frau Eva verliebte und sie ihm nicht ausspannen wollte -, in der es um ganz viel geht. Um die Definition von "Loser" oder "Winner" sein, um Erfolg, Macht, Politik, um das Gutmensch- oder Schurke sein. Es geht auch um Leben und Tod. Es wird jede Seite klarer, dass die beiden Männer und ihre Beziehung zueinander im Mittelpunkt der Geschichte stehen.


Es darf auch einmal politisch unkorrekt sein
Frank ist 42 und arbeitslos, er weiß auch nicht so richtig, was er mit seinem Leben anfangen soll, er ist ein bisschen träge, fühlt, dass er als Informatiker den Anschluss verloren hat. Auch in der Arbeitsagentur wird ihm gesagt, dass er sich in einer sehr schwierigen Lage befindet... Frank weiß gar nicht so recht, wieso er mit Tina zusammen ist, so eine Klasse-Frau, erfolgreich, was will sie von ihm... Sie fragt in einem Gespräch, was er denn nun vorhabe. Und er sagt, er möchte mit einem Freund eine Existenz gründen, eine Tapirfarm soll es sein. Wieso? fragt sie und er sagt, nun ja, er möchte Tapirpaste herstellen, es gäbe dafür einen Markt. Sie fragt irritiert nach: Wie jetzt? Naja, der Rüssel muss eben abgehauen werden usw. Und wozu braucht man Tapirpaste? Er antwortet: Naja, für die Salbenproduktion und so... Tina ist wütend, kann es nicht fassen, was er da vor hat. Und dann sagt er ihr, dass das alles nur ein Witz gewesen sei. Das versteht sie nun noch weniger. Mir gefällt es aber. Vor allem, weil es durchaus möglich gewesen wäre, dass er das gemeinsam mit Fetzner tatsächlich in die Tat umsetzen könnte. Sie haben ganz andere Aktionen, auch mit Tapiren, bewerkstelligt... Die Aktionen sind nie "politisch korrekt", genauso wenig wie die Beschreibungen davon - super! Erlend Loe und Matias Faldbakken lassen grüßen. Endlich mal ein deutscher Autor, der Mumm und Witz in Kopf und Schreibhand zu bieten hat. Und sich nicht davor scheut, auch mal provokante und Revoluzzer Themen zu verarbeiten. Bitte mehr davon! 


Fünf Sterne - aber dicke!
Ganz klar fünf Sterne, möglichst dick aufgemalt. Danke, lieber Conte Verlag, möchte man sagen, danke, dass ihr dieses Buch verlegt habt, Danke auch an Andreas Dury für ein sehr gelungenes Buch mit einem sehr sympathischen Anti-Helden, mit einem noch unsympathischeren Gegner, Danke für so viel Lesespaß! 
Was mir auch gefällt: Das liebevoll gemachte Cover des Buches. So dürfen Bücher aussehen! 
Hier kann man das sehr lesenswerte Buch bestellen:
http://www.conte-verlag.de/conte-roman/dury-oh-tapirtier


Dies war die zweite Rezension in der Reihe blogg dein buch, und erneut ein Volltreffer. Demnächst mehr dazu...
www.bloggdeinbuch.de

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