Montag, 25. Januar 2016

RotZSchwul - Der Beginn einer Bewegung - Lesung am 26.01.2016



Dienstag, 26.01.2016, um 20:00
Café Kurzschlusz/ FH Frankfurt
Nibelungenplatz 1 (Gebäude 5, rotes Haus)

Die Rote Zelle Schwul – kurz »RotZSchwul« genannt – war eine Gruppe Schwuler in Frankfurt am Main, die in der ersten Hälfte der siebziger Jahre für die Sichtbarmachung von Homosexualität und die Emanzipation bzw. Gleichberechtigung von Schwulen in Deutschland, insbesondere in Frankfurt am Main, kämpfte. Die Gruppe um den Sexualwissenschaftler Martin Dannecker gründete sich nach dem Praunheim-Film »Nicht der Homosexuelle ist pervers ….« und traf sich regelmäßig von 1971 bis 1975. Die Aktivisten organisierten u.a. die erste Homo-Demo der Stadt Frankfurt und waren bei der ersten bundesweiten Kundgebung in Münster mit dabei.
Anhand von Interviews, zahlreicher Fotografien und Archivmaterial werden im Buch die damaligen Auseinandersetzungen mit der Gegenwart verknüpft. 
Danneckers Kapitalismus-Spruch wirkt bei aller Wahrheit im Vergleich zu heutigen Slogans aus dem schwulenpolitischen Bereich eher sperrig. Zu jener Zeit war eine kapitalismuskritische Haltung in der Schwulenbewegung allerdings die Regel. Und man ließ sich nicht so sehr von allgemein bekömmlichen Marketingstrategien leiten – es war erklärtes Ziel, anzuecken (...) Die RotZSchwulen waren theoretisch ausgerichtet, studentischer Prägung – wie die Bewegung der Zeit insgesamt – und nahmen lange Zeit keine Neuen in ihre Gruppe auf. Sie hatten das Ziel, die Schwulenunterdrückung und ihre eigene Situation zu durchdenken. Sie grübelten über eine wirkungsvolle Politik gegen die Diskriminierung der Gesellschaft ebenso wie gegen das respektlose Verhalten unter Schwulen.

(http://www.queer.de/detail.php?article_id=24641)

Dienstag, 19. Januar 2016

Anekdoten aus der Bäckerei


Eine weitere schöne Szene spielte sich beim Bäcker vor meinen Augen ab und öffnete mein Herz:
Ein kleiner Junge mit Rucksack wird zum Brötchen holen geschickt. Er hält einen Zettel in der Hand und versucht die Bestellung seiner Eltern zu lesen. Vermutlich die Sauklaue eines Erwachsenen. Schon beim ersten Punkt wird es schwierig: zwei Donuts. Die Fachverkäuferin fragt: Welche denn? "Öhm!" Okay, er entscheidet sich für jeweils einen von einer Sorte. Dann der zweite Punkt. Tja, kann er nicht entziffern. 
"Moment, reich mir mal den Zettel rüber", sagt die Bäckereifachverkäuferin. Sie packt am Ende zwei Tüten, die auf der Theke liegen. Gleichzeitig möchte sie ihm das Geld geben. Jetzt beginnen die Schwierigkeiten. "Nimm zuerst das Geld, junger Mann!" Er nimmt es, versucht aber gleichzeitig seinen Rucksack vom Rücken zu kriegen, weil er dort die Brötchen verstauen möchte. Er verhakt sich. Die Frau neben ihm hilft ihm. "Zuerst das Geld!" Okay, er packt das Geld ein, die lächelnde Dame packt die zwei großen Tüten in den kleinen Rucksack. Nun bedankt sich der kleine Junge vielmals höflichst und lächelt erleichtert. Alle sehen dem Schauspiel zu und lächeln beherzt. :-)

Das neue Bäckers-Team bringt sich ein - oder auch: Montagmorgenbegeisterung: 
Ich: Ein Camembert-Brötchen, bitte.
Verkäuferin 1: Oh ja, das ist so lecker!
Verkäuferin 2: Das erste Mal! Seit Tagen wollte ich, dass sie es probiert! Und jetzt hat es ihr so gut geschmeckt! 
Ich: Sie haben noch nie Camembert gegessen?
(man bedenke: ich bin Elsässer!) 
Verkäuferin 1: Nein, das erste Mal!
Ich: Und jetzt jeden Tag, oder?
Sie bejaht lachend. :-D
Einen schönen Tag noch! :-)
 
Beim Bäcker:
Eine neue Kollegin wird eingearbeitet. Ich bestelle zwei Kürbiskern-Brötchen. Sie möchte 1,10 Euro von mir haben, daher weise ich sie darauf hin, dass die im Angebot für 0,99 Euro sind.
Zu ihrem Kollegen:
"Ach, das wusste ich ned. Und wie mache ich das?"
Er: "Guckst du. Drückst du das und das."
Sie zu mir gerichtet: "Haha. Ich wollte Wochenendzuschlag."
Ich schmunzele: "Probieren kann man es ja mal!"
Sie: "Gell?!"
 
In der Bäckerei strahlt mich die Verkäuferin an:
"Wieder da?"
Ich (leicht erstaunt): Ähm ja.
Bestelle, kriege das Gewünschte, zahle.
Dann: "Also, du warst doch heute schon mal da, oder?"
Ich: Nein, ich war gestern da.
Sie: "Ach Gott, wie schnell die Zeit vergeht!"

In der Bäckerei:
Die Bäckerei-Leiterin verneigt sich vor uns, bedankt sich bei den gerade anwesenden Stammkunden dafür, dass ihre Filiale erfolgreicher als andere ist (ihr wurden vom Bezirksleiter Zahlen genannt). :-D
Sie sagt: Aber wir müssen unbedingt noch besser werden. Wollen Sie nicht einen Kaffee?
Ich (trinke nie Kaffee): Nein, danke, aber noch viel Erfolg! :-)

Die Bäckereifachverkäuferin lässt sich auch ganz leicht glücklich machen, ich muss nur meine zwei Brötchen mit Münzen in allen Cent-Variationen bezahlen, dann frohlockt sie, sagt laut: "Wow. Immer seeehr gerne wieder!" Und wünscht mir einen ganz besonders schönen Tag!
Wenn man nur alle Menschen so leicht glücklich machen könnte ...

Also die heutige Bäckers-Episode stammt von meinem Mitbewohner, der die grandiose Idee hatte zu meinem Bäcker zu gehen. Er bestellte also ein Bio-Landbrot. Dann kam die Frage: Darf es noch etwas sein? Und er antwortete: zwei Bio-Vollkorn-Brötchen.
Daraufhin sagte die junge Frau: "Hm, aber du bist nicht irgendwie ein Vegetarier undsowas?"
Großes Fragezeichen bei meinem Mitbewohner.
Meine steile These: Sie wollte ihn abchecken, dachte sich, hm, der sieht schnuckelig aus (tut er) - aber was mache ich, wenn er mich zu irgendwas
einladen soll? Määäh, ich will kein geräuchertes Tofu essen (und so). :-)

Gereizt in der Bäckerei:
Die Schlange ist lang, eine Frau ist dran, telefoniert noch während sie bestellt, der Bezahlvorgang dauert gefühlt eine Stunde. Wir in der Schlange werden schon ganz unruhig, weil wir das superunhöflich finden. 
Dann komme ich irgendwann endlich dran, sag, was ich möchte, füge dann noch etwas dazu:
Und ein Nougatkreppel, bitte.
 - Ein Kreppel?
 - Ja, ein Nougartkreppel bitte.
 - Ein Himbeerkreppel?
 - Nein, NOUGAT! (Ich habe nicht geschrieen, aber sie sollte mich ja verstehen, also etwas lauter)
Lächelnd sagte die Bäckereifachverkäuferin:
Ist ja gut, ist ja gut, nicht mit mir schimpfen.
Und ich nur so: rotwerd und schäm.

Absurde Situationen in der Bäckerei:
Als ich in die Bäckerei gehe, steht da eine schöne Frau mit blonden langen Haaren - sie wirkt etwas verschüchtert, vielleicht auch hilflos. Der Bäckersjunge steht neben ihr, redet - ich will mal sagen: auf sie ein. 
Ich kriege mit: "Ja, mein Onkel ... der etwas ältere Herr, der hier arbeitet ... der ist IMMER aus dem Häuschen, wenn Sie kommen." 
Sie: "Ja, der hat mir letztens einen Kaffee ausgegeben."
Er: "Ja, der. Der steht total auf Sie."
Ich bestelle und bezahle schnell, die Dame an der Theke ist auch schon etwas überfordert.
Er: "Ich kann ihm ja Ihre Nummer geben."
Ich fliehe schnell und tue so, als hätte ich nichts mitgekriegt - nicht, dass es für die arme blonde Frau noch unangenehmer wird.Draußen muss ich jedoch etwas schmunzeln ...
Der Bäckersjunge hat wieder zugeschlagen und meinen Vormittag versüßt:
Eine junge, sehr attraktive Frau bestellt auf Englisch. Er bemüht sich redlich mit der Sprache. Am Ende fragt er, ob sie auch Deutsch könne. Sie sagt: "Ein bitchen"
Ich lache schon innerlich.
Er sagt: "Good. I learn you German."
Ich denke nur: Mann, wie diese Frau duftet. Sie lacht und sagt: "That's nice."
Sie geht aus dem Laden, da meint er zu mir:
"Oh, ich bin so süchtig nach Frauen, so süchtig. Was soll ich nur machen?"
Ich zucke mit den Schultern, bestelle mein Brot.
Dann er: "Wenn man so jung ist wie ich, dann denkt man immer nur an Frauen, was soll man machen."
"Ähm, willst du sagen, dass ich alt bin?"
Er: "Ja, nein, aber da denkt man einfach auch andere Sachen. Familie, Haus ..."
Jungs, denke ich. :-) Sage aber natürlich nichts, sondern:
"Viel Glück noch bei den Frauen! Ciao!"

Mittwoch, 13. Januar 2016

Haarscharf Frankfurt: Lesung aus Bockenheim schreibt ein Buch


Das sind ja nun mindestens zwei Premieren für mich: das erste Mal lese ich aus dieser Anthologie, aber für mich noch spannender ist, dass ich das erste Mal in einem Friseur-Laden lese, im Haarscharf. Voll spannend!
Aber natürlich bin ich auch sehr gespannt auf meine Kolleginnen bei diesem interessanten Projekt. 
Ich wohne ja bekanntlich im Nordend, aber mein erster Anlaufpunkt ist tatsächlich in Bockenheim, wo meine Schwester seit vielen Jahren wohnt. Und ich habe da einige sehr spannende Dinge erleben dürfen. Einiges davon passierte im KOZ. ;-) Und deswegen handelt meine Geschichte, die ich lese, auch von genau diesem Ort - und der AfE-Turm-Sprengung. :-D
Also, kommt alle! 

Sonntag, 10. Januar 2016

Digi Digi Digi can’t you see (von Nikk Schmitz)

Digi Digi Digi can't you see
digital first is necessary …
Zugegeben: Diese eher dilettantisch umformulierte Zeile des Hiphop-Klassikers „Hypnotize“ klingt als Überschrift ziemlich reißerisch – fast gar nach Meinungsmache. Deswegen möchte ich mich vorweg schon mal bei all denjenigen entschuldigen, die an dieser Stelle eine ihrer Meinung nach längst fällige Abrechnung mit dem obsoleten Printbuch erwartet haben. Nein, darum soll es hier nicht gehen. Es sind zwar alle astiküsse im digitalfähigen Alter, doch das heißt noch lange nicht, dass wir alles Analoge doof finden – ganz im Gegenteil!

Dieser Artikel ist also keine Wertung in der Diskussion Digital vs. Print, kein Schulterschluss mit Kulturpessimisten und auch kein Abgesang auf traditionelle Medien.

Es soll hier vielmehr darum gehen, wie man als kleiner Verlag mit quasi null Budget trotzdem Voraussetzungen schaffen kann, unter denen die Produktion von gedruckten Büchern machbar ist und kein zu hohes finanzielles Risiko für die Beteiligten darstellt.

Wie sieht also der Plan aus? Bei uns bedeutet digi first, dass alle unsere Titel zunächst in digitaler Form erscheinen. Nach der Veröffentlichung gibt es eine dreimonatige Subskriptionsphase, auf die dann im Idealfall die Erscheinung in Printform folgt. Sicherlich wird es bei manchen Titeln länger dauern, andere werden eventuell schneller umgesetzt und wieder andere möglicherweise gar nicht – das wird sich zeigen. Vielleicht stellt sich auch heraus, dass drei Monate zu viel oder nicht genug Zeit sind, um die Lage einschätzen zu können. Das Grundprinzip möchten wir aber gerne so ausprobieren.

Was macht denn das eBook als primäre Veröffentlichungsform so attraktiv? Nun, die zwei Hauptgründe sind die Natur und – wer hätte das gedacht?- das liebe Geld. Den Großteil der verlegerischen Wertschöpfungskette können wir hier geflissentlich beiseite lassen, denn das Manuskript muss akquiriert, lektoriert und redigiert werden, egal in welcher Form es erscheint. Selbst in der Datenaufbereitung für die Produktion herrscht kaum ein Unterschied. Aber auf alles, was danach passiert, bis das Produkt beim Käufer ist, möchten wir hier ein Auge werfen.

Wenn das eBook die Herstellungsabteilung von astikos verlässt, wird es in den eigenen Shop gestellt und via eines Distributionsdienstleisters auf die diversen Verkaufsplattformen verteilt. Das ist mit ein paar Klicks und Datentransfers erledigt.

Bei einem gedruckten Buch sieht die Sache schon ganz anders aus. Zunächst werden die Daten an die Druckerei geliefert (so weit so gut so wenig Unterschied). Dort wird in großen Maschinen der Inhalt der Daten auf stapelweise Papier gedruckt – und weiter geht es in die Buchbinderei, wo das Buch zusammengesetzt, gebunden und mit einem schönen Umschlag versehen wird. Das ganze Material, die Arbeit und die Benutzung der Maschinen kosten natürlich Geld und sind leider in den meisten Fällen der Umwelt nicht gerade zuträglich. Von dort geht es via LKW weiter ins Lager. Hier werden wieder Transport- und Lagerkosten fällig und die Natur … naja, ihr seht, worauf ich hinaus will. Man könnte auch das eigene Wohnzimmer in ein Lager umbauen um Geld zu sparen, aber zum einen stehen da schon Bücher herum und zum anderen müsste ich dann die Möbel in ein Lager schaffen. Das ist also auch keine gute Option. Egal, wo man die Bücher zwischenlagert, sie sind auf jeden Fall noch nicht am Ende ihrer Reise angekommen. Vom Lagerplatz müssen sie dann noch zum Buchhändler gebracht werden –  wieder per LKW, wieder hat das seinen Preis für Verlag und Umwelt. Diese sehr vereinfachte Darstellung der Abläufe ist in der Realität natürlich viel komplexer und hat sicherlich auch einige Ausnahmen, aber in jedem Fall sind die Spuren in Umwelt und Geldbeutel deutlich zu sehen.


Der dritte große Aspekt hängt sehr eng mit den beiden bereits angeführten zusammen: Es geht um die Qualität. Wie man weiß, gibt es kaum ein Buch auf der Welt, das keine Fehler hat. Rechtschreib- und Interpunktionsfehler schleichen sich sehr leicht ein und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man ein und dasselbe Wort zigmal lesen kann und trotzdem übersieht, dass die Buchstaben e und i vertauscht sind. Das ist ganz normal. Es gibt aber auch schwerwiegende Fehler, die schon so manchen Verlag dazu gebracht haben, ganze Printauflagen in die Tonne zu treten, ungeachtet der ökologischen und ökonomischen Konsequenzen. Bei eBooks lassen sich Fehler ziemlich einfach beheben – Datei auf, Fehler raus, Datei zu … und einfach neu hochladen. Ob sich das für jedes falsch gesetzte Komma lohnt, sei dahin gestellt. Zumindest müssen keine Bäume sterben, nur weil man den Autor falsch geschrieben hat. Und so besteht die Hoffnung, dass wir, wenn wir unsere Bücher drucken lassen, ein Produkt haben, das solch drastische Maßnahmen nicht nötig hat.

Und was genau haben die Unterschiede zwischen eBook und haptischem Buch mit der dreimonatigen Subskriptionsphase zu tun? Durch die primäre Veröffentlichung als digitales Produkt sparen wir uns zunächst die Mehrkosten, die durch die Printproduktion, Logistik und Lagerung der Bücher anfallen. Wir nehmen uns somit die Zeit zu sehen, wie der Titel angenommen wird. Anhand der Verkaufszahlen hoffen wir, zumindest eine grobe Einschätzung des Titels machen zu können: Lohnt es sich, das Buch überhaupt zu drucken? Und wenn ja, wie groß sollte die Auflage dann sein? Welches Druckverfahren ist das richtige für dieses Projekt? Wenn wir es schaffen, die Zahlen richtig zu interpretieren, dann lassen sich so sowohl Umwelt als auch Geldbeutel nachhaltig schonen und das Risiko bleibt überschaubar. Und wo wir schon beim Geld sind – da haben wir uns überlegt, die Druckkosten zumindest teilweise durch die eBookverkäufe quer zu finanzieren. Es erscheint uns sinnvoll, dass sich die diversen Produkte innerhalb des gleichen Projektes gegenseitig finanziell unterstützen.

So, das ist unser Plan und der Grund, warum wir digi first arbeiten. Was haltet ihr davon? Habt ihr Fragen, Verbesserungsvorschläge, Kritik oder Lob? Dann nutzt einfach die Kommentarfunktion hier unten oder #verlagneudenken in den sozialen Medien.

http://astikos.de/2015/07/digi-digi-digi-cant-you-see/

https://www.facebook.com/astikosVerlag/

Samstag, 9. Januar 2016

Serienjunkie (astikos Blog)


Insgesamt 15 volle Tage, 11 Stunden und 34 Minuten. Das ist die Zeit, die mir die Seite www.tiii.me ausrechnet, als ich eingebe, alle Staffeln von Dexter, Lost, The West Wing, Breaking Bad und Game of Thrones gesehen zu haben. 15 Tage, 11 Stunden, 34 Minuten - und das sind nur fünf der unzähligen Serien, die ich in den letzten Jahren fast wie im Rausch angeschaut habe. In der Reihe “Die Welt von astikos” möchten wir urbane Phänomene beschreiben: Ich glaube, ich bin nicht der einzige, der sich Serien-Junkie nennen kann.

“Nur noch eine Folge, es ist gerade so spannend, nur noch eine Folge!” So oft denke ich mir das, wenn ich gerade im Serien-Konsum bin. Aus einer Episode, die ich vor dem Schlafen gehen anschauen wollte, werden zwei, dann drei, manchmal auch vier oder fünf. Je nachdem wie spannend es ist. Ein paar Tage ohne eine Folge der aktuellen Serie: Uff, das ist wohl kaum auszuhalten! Ich fühle mich wie auf Entzug. Wenn es jemand wagt, mich kurz vor dem Cliffhanger aus meiner Konzentration herauszureißen, wird nicht gerade mit Wohlwollen oder Liebe von mir überschüttet. Ans Telefon gehe ich in dieser Zeit sowieso nicht, Emails und Nachrichten werden ganz sicher nicht beantwortet.

Serienzeit ist Entspannungszeit ist Feelgood-Time, um es mal Neudeutsch auszudrücken. Wenn ich Serien schaue, dann fühle ich mich seelenruhig, kann ich in andere Welten eintauchen - fast wie beim Buch lesen. Jetzt werden manche aufhorchen, sogar stutzig werden. Dies ist hier ein Verlagsblog, hier sollen Bücher angepriesen und verkauft werden. Serien schauen schließt das Bücherlesen nicht aus. Die Wahrheit ist, dass die meisten Menschen genau diese Stärken, die (amerikanische) Serien von HBO, CBS, ABC, Netflix und Co. haben, sonst in Büchern wiederfinden. Die Geschichten, die hier erzählt werden, sind vielschichtig, komplex, sie werden langsam aufgebaut, die Charaktere werden minutiös eingeführt und entwickelt. Der wichtigste Punkt vielleicht: Sie erreichen die Zuschauer/innen emotional! Gut gemachte Serien schaffen es, Menschen gefühlstechnisch zu involvieren.

Simone Bauer schrieb in einem Artikel, dass der Serien-Konsum mehr als alles andere den Psychoanalytiker ersetze. Wir könnten sie wieder und wieder aufsuchen wie den Analytiker, sie haben eine bestimmte Dauer, man kann sich dazu auf ein Sofa legen und diese Zeit ist sogar (fast) gratis. (http://www.schweizamsonntag.ch/ressort/medien/warum_sind_wir_suechtig_nach_serien/)


Sie weist ebenso daraufhin, dass fast überall auf der Welt diese Serien bekannt seien und man ergo ein geeignetes Thema zum Small Talk habe. Und tatsächlich: Ich rede mit den unterschiedlichen Menschen so viel öfter und mehr über Serien als über Bücher - selbst mit Menschen, die was mit Büchern machen. Wenn mir in Gesprächen so gar nichts mehr einfällt: dann rede ich über mein Lieblingsthema.

In der Süddeutschen Zeitung las ich Ende Januar von einer Studie, die an der University of Texas gemacht wurde: Die Kommunikationswissenschaftlerin Wei-Na Lee machte eine Umfrage mit 316 Versuchsteilnehmern zwischen 18 und 29 Jahren. Nach ihren Angaben schauten 75 % bis zu drei Stunden, 14 % konnten sogar erst nach fünf Stunden aufhören. Das klingt viel, ist es auch. Ihrer Meinung nach bedarf es weiterer Studien. Ihr Verdacht ist jedenfalls, dass die Kombination aus fesselnden Fernsehserien und einer geringen Selbstkontrolle besonders gefährlich sei. Die Einschätzung, dass hoher Serienkonsum  harmlos sei, findet sie nicht haltbar. (http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/suechtig-nach-tv-serien-glotzen-bis-zum-morgengrauen-1.2326536)

15 Tage, 11 Stunden, 34 Minuten - alleine bei fünf meiner Lieblingsserien. Dabei könnte ich nun einige weitere (viele, viele) Serien aufzählen. Wie viele Wochen und Monate habe ich also mit Serien schauen verbracht? Natürlich wird dieses Phänomen von Streaming Diensten (und deren Abo-Modellen) wie Watchever, Maxdome, Netflix und Amazon Prime Instant Video forciert, das ist klar. Man muss nicht mal mehr aufstehen, um zur Videothek zu gehen, ein paar wenige Klicks und man kann weiter schauen. Ich hatte wirklich eine lange Zeit keine Serien mehr angeschaut, weil ich keine Lust hatte, eine ganze Woche auf die Fortsetzung zu warten, aber jetzt …


Wie ist euer Serienverhalten? Was lässt sich über unseren Konsum aussagen? Nach meiner Beobachtung gibt es zum Beispiel geschlechtsspezifische Unterschiede beim Serienkonsum: Downton Abbey oder Sherlock werden oft von Frauen bevorzugt, manche Girlie- und Vampirserien ebenso (ich liebte die Gilmore Girls, sonst war das eher ein Frauen-Phänomen), Dexter, True Detective oder Breaking Bad werden wohl eher von Männern bevorzugt. Das ist allerdings nicht wirklich empirisch. Es würde mich interessieren, was ihr dazu sagt. Überhaupt: ich würde mich sehr freuen, wenn astikos in diesem Jahr etwas über Serien-Junkies veröffentlichen könnte …

Donnerstag, 7. Januar 2016

New York - Nils Lacker

New York - oder: Iggy will poppen :)
Matura kommt von maturitas, Lateinisch für 'Reife'. Die hat Nils Lacker nun zumindest in Form des Abiturs in der Tasche. Der badische Kleinstädter zieht los in die weite Welt. In seinem Koffer: sein Selbstverständnis als junger Literat, das elterliche Sponsoring und jede Menge Hormone.
Angekommen in New York platzt er vor Erwartungen an die Stadt, die nie schläft, das Mekka seiner musikalischen Sozialisation, den Inbegriff der Urbanität.
Eine hungrige Suche beginnt, nach dem Geist von John Lennon und Lou Reed, Paul Simon und Iggy Pop, aber auch Charles Bukowski und Allen Ginsberg. Doch bald zeigt sich eine weitere treibende Kraft: Die Sehnsucht nach künstlerischer Klarsicht und Frauen.
Autor: Nils Lacker
Lektorat: Jannis Plastargias
Korrektorat: Jacqueline Hoffmann
Covergestaltung: Nikk Schmitz
Herstellung: Nikk Schmitz (digital)
Hauptverantwortlich: Jannis Plastargias
Vertrieb: Daniel Bräuer

Dienstag, 5. Januar 2016

Levend Seyhan – Kalter Cappuccino


Das Leben zwischen heißer Leidenschaft und kaltem Cappuccino hält einige Anekdoten bereit. Zufällige Begegnungen, absichtliche Trennungen und vom Schicksal arrangierte Neuanfänge bilden den Rahmen für die Geschichten, die Levend Seyhan hier versammelt hat.
Wir treffen auf junge Liebespaare und erfahrene Lebenskünstler, todesmutige Liebhaber und lebensmüde Genies, sprachirritierte Babys mit Bart und selbsternannte NSA-Experten. In ihren Geschichten können wie unsere eigenen Sehnsüchte erkennen: nach einem Leben, das uns so in seinen Bann schlägt, dass darüber der Cappuccino kalt wird.
Autor: Levend Seyhan
Lektorat/Redaktion: Katharina Eichler
Korrektorat: Jacqueline Hoffmann
Covergestaltung: Daniel Bräuer
Herstellung: Nikk Schmitz (digital)
Hauptverantwortlich: Nikk Schmitz
Vertrieb: Daniel Bräuer

Montag, 4. Januar 2016

Cooler Daddy von Lasar Herzberg / Noah Carev


Der schüchterne, zurückhaltende Philipp ist etwas überfordert mit seinem „coolen Daddy“. Der ist 39, redet wie ein 17jähriger, kleidet sich auch so, und möchte partout nicht erwachsen werden. Philipps Mutter hat die beiden verlassen, als der Junge noch klein war, jetzt fehlt ihm diese mütterliche Zuwendung. Von seinem Vater kann er nur Kumpelhaftigkeit erwarten.

Dann kommt die Mitschülerin Sophie ins Spiel, die begeistert von der Sensibilität des Jungen ist. Alles könnte nun sehr leicht und schön für den Jungen sein, aber sein Vater mischt sich in sein Liebesleben ein. Und dann passiert etwas, womit nicht einmal Philipp gerechnet hatte, ein großer Schock, ein Vertrauensbruch. Eine krasse Geschichte!

Autor: Lasar Herzberg / Illustrator: Noah Carev / Lektorin: Caro Nestler / Herstellung: Nikk Schmitz (digital) / Hauptverantwortlich: Jannis Plastargias / Vertrieb: Daniel Bräuer
Format: epub, mobi und pdf (in einer zip-Datei) / Dateigröße: 15 MB (zip) / Länge: 35.140 Zeichen (und 5 Illustrationen) / Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-946196-01-3 / Preis: 2 €

http://astikos.de/urban-lesen/cooler-daddy/