Freitag, 30. November 2012

Julia Mayer: Die Keime - Old souls 1

In Mecklenburg-Vorpommern arbeitend und lebend, schreibt Julia Mayer, 1993 in Malchin geboren, seit ihrem vierzehnten Lebensjahr aktiv Romane. Dabei tobt sie sich gern in den unterschiedlichsten Genres aus. Die Keime ist ihr erstes Werk der Old Souls Buchreihe, das ein dystopisches Setting aufweist und sich eng mit der Philosophie verwebt. Mehr über die Autorin und ihre Werke gibt es hier: http://www.oldsouls.de 

Die Keime - Old souls 1:
Die Welt gerät aus den Fugen, als den Menschen das Erlangen der Wiedergeburt verwehrt bleibt. Die schwächsten Glieder der Gesellschaft werden gejagt – und auch Avery findet sich auf der Flucht vor ihrer eigenen Familie wieder. Mithilfe anderer Flüchtlinge versucht sie, sich ihre Freiheit zu erkämpfen und gerät dabei immer wieder aufs Neue an scheinbar unüberwindbare Grenzen. Eine Jagd nach Sinn und Menschlichkeit beginnt ...
"Die Menschen sagen, die Seele sei rein. Keine Sünde sei an ihr zu finden, keine Scham, kein Hass und nicht die kleinste Verschmutzung kann ihre Unschuld trüben. Die Menschen sagen, die Seele sei rein, solange sie keinen Körper bewohnt, an dem Sünde zu finden ist, Scham, Hass und noch die kleinste Verschmutzung als Zeuge der Schuld. Und stellt sich nicht die Frage danach, ob es die Seele ist, die des Lebens Phasen durchschreitet, mit aller Kraft nach Perfektion strebt? Oder ist es der Mensch, der aus simpler Physik ausbrechen will und muss, um der eigenen Befriedigung willen? Manche glauben, ein paar Gramm Civil machen sie frei. Andere geben ihr eigenes Blut, kehren ihr Inneres nach außen mit Mustern und Kreisen, Linien und Kreuzen, um die Seele auf den richtigen Pfad zu bringen. Doch sie alle vergessen, dass die Seele nicht fassbar ist. Sie ist kein scheues Tier, das man überlisten kann. Kein Trick wird sie locken, keine Gewalt sie zwingen … sie findet ihren Weg indem sie den Weg zum Ziel macht und das Ziel wieder zum Weg. Und wenn wir um uns selber weinen, so ist es die Spra-che der Seele, die in fremden Zungen schlägt, und das Leben weint mit ihr. Denn so sehr wir verfluchen mögen, was unser Leben uns antut, es ist die Seele, die sich in den Schmerz verliebt." 
Leseprobe:
Kapitel 1
Wenn sie wie Blüten fallen
Auf dem goldenen Schweif, den seine Augen mit sich ziehen, will ich mich betten und ihm die Wimpern müde küssen. Mein Name wie ein Flüstern in seinen gebrochenen, weichverzerrten Mundwinkeln. Avery, du scheinst so schön. Avery …
Ich weiß manchmal nicht, wohin mich all das führen soll. Wo der Sinn ist, wenn die Welt im blutigen Koma schläft. Seit Ewigkeiten empfinde ich schon so, es fühlt sich unecht und fremd an und ich habe Angst, ganz zu vergessen, dass es auch anders sein kann.
Dieses Leben ist nur ein gelebtes von vielen – alles andere entzieht sich meinem Wissen. Das ist alles, was sicher ist und sicher bleiben wird. Die Gewissheit, dass es auch einmal anders gewesen ist.
Heute sehe ich den Tag nicht mehr verstreichen und lebe in der Nacht, denn sie ist das Einzige, das mich halten kann. Sie gibt Schutz, in ihr leben wir und sind so sicher, wie sonst an keinem Ort.
Ich bin jung – und doch werde ich gesucht, gejagt und verfolgt. Sie alle denken, ich wäre giftig. Ich bin ein Keim von wenigen noch lebenden, und es gibt so viele Gründe, die mich zum Feind aller machen.
Wir sind fragil, die schwächsten Teile des Universums, und wenn wir uns nicht verändern und die nächste Phase erreichen, wird nie eine Lösung möglich sein.
Ich weiß noch, wie meine Mutter zur Asche wurde und mir versprach, wir würden uns wiedersehen.
Und ich weiß noch, wie wir ihre staubigen Überreste auf unserem Land verstreuten und niemand weinte, alle träumten davon, selbst zur Asche zu werden - früher oder später – niemand will vergehen, ohne Zukunft zu schmecken. Alle streben wir nach Perfektion, nach dem Nachleben, nach der Wiederkehr.
Regen schimmert auf den zerstörten Straßen der Stadt, in die wir uns geflüchtet haben, gleitet schwer von den Dächern und stürzt sich aufgebracht zu Boden. Und ich blicke hinaus in die Nacht, meine Lider so furchtbar schwer, als würde mich eine innere Schwäche befallen, mir die Beine brechen und meine Kniescheiben aus meinem Fleisch drücken.
Ich kann nicht atmen in diesem Augenblick, gefangen von Furcht und der Einsamkeit, die seit ein paar Stunden in der Wohnung eingezogen ist. Mein Blick gleitet wieder zu dem kleinen Wecker, der neben der alten, löchrigen Matratze steht und auf der die 23:46 festgewachsen zu sein scheint.
Zu oft in den letzten zwei Stunden habe ich sie angestarrt und die Sorge klebt schon lang in meinen Augen und lässt sich mit den Falten meines billigen Pullovers nicht mehr raus wischen. Skar ist immer noch nicht zurück – und seine Abwesenheit löst pure Panik in mir aus, ich kann sie wie dicken Teer und giftig wie Quecksilber in meinen Venen kochen spüren. Nichts ist richtig, wenn er nicht hier ist.
»Verdammt nochmal ...« Zitternd lasse ich mich auf die Matratze sacken und ziehe den Pullover über meinen Kopf, bis ich nichts mehr sehe, außer das trübe Grau mit weißen, flimmernden Punkten vor meinen Augen. Zitternd ruhen meine kalten Finger auf meinem Gesicht und ich denke, dass ich es nicht länger aushalte. Dass ich gleich meine doppelläufige Kurzbüchse nehme und mich vor der Tür postiere – in Erwartung der Häscher, die mich sicher finden werden.
Wenn Skar nicht mehr zurückkehrt, werden sie mich töten, sie werden meine Knochen brechen und mich in die Abgründe schicken, ohne Hoffnung auf die Wiederkehr, ohne Hoffnung auf die Perfektion. Und es heißt, dass das die Hölle sein soll, dass außerhalb unseres Kopfes nichts existiert als Unbeständigkeit und Qualen. Unaufhörlich, das Zittern meiner Hände und meine Arme werden schwer, ich kann sie nicht länger über meinem Kopf halten und lege sie auf meiner Stirn ab, das Dunkel der einzige Schutz vor weiteren Panikwellen.
Mein Kopf wird klarer, der Gedanke, mir eine Waffe zu nehmen, beruhigt mich.
Ich könnte auch Skars Langbüchse schultern, die ist enorm veraltet aber leicht zu bedienen und mit einer Reichweite, welche die der Kurzbüchse überbietet. Dann würde ich hinausgehen und schießen, schießen und schießen und fliehen. Dabei weiß ich gar nicht, wo ich hin soll, wenn Skar nicht mehr da ist. Vielleicht würde ich auch warten, oder mich stellen. Beides jagt mir Angst ein, schnürt meine Kehle zu und würgt meinen Atem, bis ich japse und den Pullover endgültig von meinem Kopf reiße.
Ich kann mich nicht entscheiden. Ich kann nicht denken. Skar soll wieder auftauchen. Stumm fixiere ich die Tür und bilde mir ein, Schritte zu hören, das Klacken der Hacken seiner löchrigen Lederstiefel, seinen schweren, alten Atem und vielleicht sogar sein geräuschvolles Lächeln. Eigentlich ist es eher ein Schmatzen und es regt mich sonst furchtbar auf, aber in diesem Augenblick wäre ich froh, es hören zu können. Was, wenn er wirklich nicht zurückkehrt? Er ist schon viel zu lang fort und doch kann ich mir nicht vorstellen, dass er sich hat erwischen lassen. Wieso bin ich auch nicht mitgegangen und habe ihm geholfen, neue Essensvorräte zu besorgen?
Ich versuche, meine Gedanken zu lösen, sie auszulöschen und die Angst aus meinem Körper zu vertreiben, doch es will nicht funktionieren. Ich kann nur noch meine Furcht spüren und Gedanken, die wie Pfeile und hilflose Winde durch meinen Kopf wehen, gefangen vom Schädel, von Adern und Blut, Fleisch und Haut. Kein Entkommen, keine Ruhe.
Der Morgen schimmert am Fenster wie ein Hauch greifbaren Glückes, als ich endlich vom Klang vorsichtiger Schritte aufgeweckt werde. Die Stille, die in der toten Stadt herrscht, erlaubt es mir, jedes Geräusch zu vernehmen - dabei sind sie leiser als ein fallendes Blatt und ich traue meinen geübten Ohren noch nicht einmal ganz. Atemlos richte ich mich auf, Schlaf in meinen Augen und mein Rücken schmerzend vom Liegen.
Die löchrige Matratze unter meinem Körper bietet nur noch dürftigen Schutz vor dem kalten, aufgerissenen Betonboden, der unter alten Teppichflicken grau und voller Staub und Erde zum Vorschein kommt.
Meine Muskeln und Knochen brennen und ächzen, als ich mich auf kämpfe und nach der altmodischen Pistole fingere, die unter der Matratze klemmt und wenig später kühl in meinen zitternden Händen liegt. Unsicher schleiche ich mich zur Tür und gehe hinter ihr in die Hocke. Meine Ellenbogen kneifen in meine Rippen, so fest drücke ich sie an meinen Körper und ich glaube, dass mein Kopf vor Anstrengung zerplatzt. Krampfhaft lausche ich den näher kommenden Schritten, die unaufhörlich auf die Tür zusteuern – so denke ich jedenfalls.
Und da gibt das Holz auch schon nach und ich werde in Schatten getaucht, während das Licht des anbrechenden Morgens flackernde Punkte über den Boden tanzen lässt.
»Nimm die Waffe runter, Mädchen«, raunt eine vertraute Stimme und die Tür findet zurück ins Schloss, während ich erschöpft zusammensacke und meine Gelenke ein unangenehmes Knacken von sich geben. Nur ein paar Sekunden lang schaffe ich es, mir diese Schwäche zu gönnen, dann schnelle ich hoch, meine Kleidung klebt hauchfein an der dreckigen Wand und meine Knie fühlen sich wund und missbraucht an, taub vom Hocken und schläfrig vom Liegen auf der Matratze.
»Wieso«, zische ich und zucke zurück, als Skar eine kleine Ampulle aus seiner Westentasche kramt, in der eine träge Leuchtqualle schwimmt und den Raum erhellt. »Wieso hast du so lang gebraucht?! Ich … ich hab mir Sorgen gemacht.« Er dreht sich nicht einmal zu mir um, sein Rücken eine breite, männliche Wand und sein schütteres Haar bebt kaum merklich. Ich kann das Lachen in seiner Brust vibrieren sehen und dann dringt es auch über seine spröden Lippen.
»Hey! Verdammt.« Ich stoße mich von der Wand ab und verpasse ihm einen Schlag auf den Arm, bei dem er innehält und mir sein breitflächiges Gesicht mit der groben Nase und den weit auslaufenden Augenbrauen zuwendet.
Blut klebt an seiner Lippe und ich glaube Erschöpfung in seinem Gesicht aufblitzen zu sehen. Kurz und doch so irreal und als ich blinzele, ist es auch schon wieder verschwunden.
»Hast dir Sorgen gemacht, hm, Ave?«, grunzt Skar und kratzt sich an der linken Schläfe.
»Und wenn schon. Bist ja doch ganz gut zu gebrauchen«, antworte ich großspurig.
»Süß.« Er tätschelt mir über den Kopf und ich stoße entsetzt seine Hand fort, während er lachend fort fährt. »Du versuchst wirklich, mich zu hassen, hm?«
»Ich hasse dich nicht, dazu bedeutest du mir zu wenig.«
»Ich hasse dich nicht, bla bla bla«, äfft er mich nach und lässt sich genüsslich grinsend von mir fortstoßen, doch seine Schulter zuckt leicht bei meiner Berührung und ich kann sehen, wie er die Lippen aufeinander presst.
»Was ist? Hast du dich etwa verletzt? Hat dich jemand gesehen?«
Ich weiß, meine Stimme klingt panisch, doch es gibt nichts, was mir mehr Angst macht, als dass sie uns finden, aufspüren und im Universum auflösen, als wären wir nichts weiter als Dreck, der noch am dunklen Boden kriecht und beseitigt werden muss. »Verdammt«, fluche ich, weil sein Schweigen Antwort genug ist. Er hat sich verletzt.
Ohne ein Wort legt er seine schwere Lederjacke ab, die ich noch nie leiden konnte – viel zu altmodisch und unhandlich. Ich hingegen bevorzuge die engen Jacken und Hosen aus organischem Leichtmaterial, die sich wie eine zweite Haut an den Körper legen. Doch diese sind unglaublich teuer und wir werden zu leicht als Keime erkannt, als dass wir einfach neue Kleidung würden kaufen können. Außerdem besitze ich sowieso keine einzige Wertplexi mehr und wie viel Skar letzten Endes noch bei sich hat, weiß ich auch nicht genau.
So muss ich mich also mit uralten Kleidern aus Polyester, mit verwaschenen Jeans und löchrigen Pullovern begnügen. Ich besitze nur eine Hose, die locker um meine Hüften hängt und lediglich durch den Gürtel Halt findet.
»Ja, ich bin ein paar Häschern über den Weg gelaufen«, schnaubt Skar und ich sehe Blut, das durch einen Riss in seinem Hemd quillt und es dunkel mit Farbe rostigen Metalls färbt. Ein kleiner, rauer Schmerzenslaut entflieht Skars Lippen, als er sich des Stoffes entledigt und seine Hand dicht unter den Schnitt, der sich quer über seine Seite zieht, legt, als wolle er sich selbst stützen.
»Oh scheiße«, murmele ich und sehe ihm mit einem unangenehmen Gefühl in der Magengegend dabei zu, wie er das Hemd zerreißt und damit die Wunde provisorisch verbindet. »Das wird nicht lang halten«, murmle ich nervös, doch er zuckt nur mit den Schultern.
»Wen interessierts! Dafür haben wir jetzt keine Zeit. Hol deine Sachen, wir müssen von hier abhauen.«
»Konnten sie dir folgen?«
Skar stößt bei meiner Frage ein grunzendes Lachen aus und zieht sich die Lederjacke wieder über, seine Bewegungen minimal eingeschränkt von der Wunde und ich glaube, er ist gut darin, sie zu ignorieren, auch wenn es nicht gesund erscheinen mag.
»Ich hab' sie erledigt, aber wenn wir noch länger warten, werden sie die Leichen finden und die Stadt hier filzen wie keine andere. Also mach' hin und hör auf, Fragen zu stellen.«
Die Falten in seinem eingefallenen, alten Gesicht verbiegen sich, als für einen Augenblick Sorge seinen Blick überdeckt und dann von Verbissenheit abgelöst wird. Ich wage es nicht, ein weiteres Wort zu sagen und eile stattdessen zur Matratze, um unsere Waffen aus den ausgehöhlten Löchern zu puhlen und die wenigen Habseligkeiten zusammenzusuchen, die noch in der Wohnung verteilt herumliegen.
Ich stopfe sie in meinen Seesack, schulterte ihn und stecke meine eigene Pistole am Steiß in meinen Hosenbund, dort wo sie hingehört, immer griffbereit.
Ich denke daran, dass wir in den letzten Wochen sicher gewesen sind und ich schon fast geglaubt hatte, dass diese verlorene Stadt uns länger würde beherbergen können.
Doch wieder einmal habe ich mich getäuscht und so ist es immer seit meiner ersten Begegnung mit Skar gewesen.
Es gibt eine Ordnung, die unser aller Leben bestimmt. Sie gewährleistet die Wiederkehr unserer Seelen.
Ein jeder Mensch kann in seinem Leben vier Phasen des Seins beschreiten. Vom Keim zum Splitter, vom Splitter zum Herzen und vom Herzen zur Asche. Niemand von uns weiß mehr, wie wir von einer Phase in die andere gelangen. Kismet, das Schicksal, hat uns vergessen lassen.
Was ich weiß, ist, dass ich es in all meinen Leben bisher immer geschafft haben muss, selbst wenn ich nicht mehr weiß, wie, und meine Erinnerungen fehlen. Denn wenn man diese Phasen nicht alle durchlebt hat und einen der natürliche Tod in einer der ersten drei Stufen ereilt, wird einem die Wiederkehr verwehrt. Und ohne die Wiederkehr bleibt nur das Nichts. Der Tod. Die Hölle, wie die Menschen es einst genannt haben.
Doch diesmal ist alles anders. Der Umbruch hat unsere Welt erschüttert und die Seelen der Nomaden haben die lang verborgene Wahrheit unserer unmittelbaren Zukunft offenbart. Zu viele Seelen überleben. Zu viele Seelen verstopfen das Leben, verkeimen und verpesten Städte, Häfen, Dörfer und Straßen. Die Wiederkehr gerät in Gefahr, die Welt, vergiftet von unserem eigenen Blut und den Resten unserer glorreichen Vergangenheit, scheint nicht zu überleben. Wir sind zu viele, zu kranke Seelen. Zu müde, arme Gebeine.
Und so schwärmen seit einigen Jahren Häscher aus – Agenten der Clans und Geschlechter, die all jene Menschen vernichten sollen, die die Phase als Keim noch nicht hinter sich gebracht haben.
Es heißt, dass wir die Gassen verschmutzen und den Lauf des Lebens stören. Ein Fehler im System – und plötzlich sind unsere Seelen nichts mehr wert.
Es heißt, dass sich die Prophezeiungen ändern können, dass unser Planet, der seit über vier Milliarden Jahren existiert, einen Umschwung überleben wird, wenn wir denn Sauberkeit schaffen.
Keime sind der Dreck, der Abschaum, wir halten das Leben auf. Kismet hat für uns keine Bedeutung mehr. Keime, wie mein Partner Skar und ich, sind auf der Flucht vor anderem Leben, suchen nach der Endlichkeit unserer Phase – und der Tod klebt uns an den Fersen. Das Nichts ist bis jetzt das Einzige, das auf uns wartet. Das Einzige, das gewiss ist.
http://www.amazon.de/Die-Keime-Old-Souls-ebook/dp/B00ACHOFE8/

Donnerstag, 29. November 2012

Carstens Weihnachtsgedanken: Kann man Weihnachten nicht abschaffen?

Carsten vom stancerblog hat schon im letzten Jahr seine Meinung zu Weihnachten gebloggt, den ich hier noch einmal re-bloggen möchte, vielleicht erkennen sich einige darin wieder... 


Könnte man auch gerne abschaffen: Alle Jahre wieder!
http://stancerblog.blog.de/2011/12/26/frohes-fest-12355672/
Somit ist Weihnachten 2011 also überstanden, ja so muss man es wohl sagen, die Geschenke sind verteilt, die Braten gegessen. Der Heiligabend zu zweit zu Hause war sehr schön, fast "besinnlich", bin ich versucht zu schreiben, mit sehr gutem Essen und viel Wein, hinterher traditionell hoch zum Nachbarn, noch mehr Wein, dafür weniger besinnlich, schließlich nahezu volltrunken ins Bett; was dort noch geschah, entzieht sich meiner genaueren Erinnerung.

Sonntag dann das übliche Pflichtprogramm: mit Kater und leichter Verspätung ins Auto, durch trübes Nieselwetter, passend zur Laune, nach Ostwestfalen, erst zur Schwiegerfamilie, wieder essen und Wein trinken, um 22 Uhr völlig erschöpft im Bett, Montag dann die nächste Etappe, Mittagessen bei den Eltern, gegen 16 Uhr endlich aufbrechen, zurück nach Hause, mit schlechtem Gewissen, ihnen mal gerade zwei Stunden unserer Zeit gegönnt zu haben, wo man sich doch so selten sieht. Abends erschöpft und diffus-unzufrieden wieder zu Hause, die letzten Spuren der heiligen Nacht in der Küche beseitigen, noch ein Glas Wein und eine Zigarette in Ruhe zu zweit, ins Bett, nicht einschlafen können.

Irgendwie ist das jedes Mal anstrengend, und doch tun wir es, müssen es tun, weil es erwartet wird. Vielleicht ist es auch der "Wer-weiß-wie-lange-noch"-Effekt, die Eltern werden älter, alt. Aber ist es nicht schlimm und hochgradig beschämend, wenn das ein wesentliches Motiv ist, Weihnachten "nach Hause" zu fahren? Andererseits: braucht es dazu wirklich Weihnachten? Ich hätte nichts gegen die Abschaffung.

Dienstag, 27. November 2012

Fortsetzungsroman: Moody Blue 17

http://schmerzwach.blogspot.de/2012/
11/fortsetzungsroman-moody-blue-16.html 
Er war Alejandro nicht sympathisch, ob ihm meine Einladung recht war? Wahrscheinlich eher nicht. Du singst für ihn? fragte er mich. Gerade, als ich antworten wollte, klingelte wieder das Telefon. Levents Freundin, die immer noch auf der Suche nach ihm war, auch seine Eltern hatten nichts von ihm gehört, so langsam sei es besorgniserregend, sie habe alte Freunde von ihm angerufen, die er eventuell besucht haben könnte, erfolglos, er sei spurlos verschwunden. Ich beruhigte sie, versuchte es zumindest, und gleich nachdem ich aufgelegt hatte, rief Levents Schwester an. Das gleiche Leid, ich konnte ihr nicht weiterhelfen. Mittlerweile war Tobias angekommen. Alejandro schien nicht besonders begeistert zu sein. Wir packten unsere Sachen zusammen und fuhren los. 
Während wir radelten, überlegte ich, was das Geheimnis meines neuen Freundes sein könnte. Jeder hat irgendwelche Geheimnisse, nur dass sie meistens niemanden interessieren. Etwas zog mich an Tobi an und es konnte nicht daran liegen, dass er mich toll fand und gerne mit mir zusammen wäre, das hätte ich zwar als schmeichelhaft empfunden, aber es hätte ihn nicht anziehend gemacht. Da musste mehr sein, oder bildeten wir uns das nur ein, mein Schatz und ich? Sie fuhren vor mir und ich verglich sie. Äußerlich betrachtet hatte Tobias keine Chance gegen meinen Liebsten, ich meine, Alejandro sah man seine Güte, Liebenswürdigkeit, Herzlichkeit deutlich an, während der Anblick des anderen ein wenig verstörte, auch wenn man nicht wusste, worin dieses Verstörende bestand. Es war heiß und daher anstrengend, wir freuten uns, als wir endlich ankamen. 
Wir hatten Schwierigkeiten, einen Platz zu finden, so viele Leute waren da, wir legten uns in die Nähe des Wassers, zogen uns aus und sprangen sofort hinein ins kalte, erfrischende Nass, was sehr gut tat. Ich blieb eine Weile im Wasser, während Alejandro sich zum Bräunen hinlegte, Tobi nutzte die Chance mich zu umgarnen. Mein Freund sei sehr goldig und lieb, er möge ihn, wenngleich er mich bevorzuge, da ich so wunderschön singe, und ich verhalte mich so witzig und phantasievoll, er sei gerne mit mir zusammen. Ich bedankte mich. Ob wir eine offene Beziehung führen, wollte er wissen, er könne sich gut vorstellen, mit mir engeren Kontakt zu haben, die vorletzte Nacht sei doch wunderschön gewesen, oder? Er redete, als wäre es die normalste Sache der Welt, solche Dinge zu äußern. 
Direktheit ist gut und wünschenswert, aber ich war etwas überfordert. Haha, da redete er so, wie ich es von anderen forderte, direkt, ohne Worthülsen, sagen, was man denkt und fühlt, und was machte ich? Während er so redete, lächelte er allerliebst und schien völlig harm- und arglos zu sein. Ich schwamm weiter hinaus und er mir hinterher, er kam mir näher, zog an meiner Badehose, ich stieß ihn von mir weg. Entschuldige, sagte er, ich wollte dich nicht ärgern, vorgestern Nacht warst du derjenige, der sich herangemacht hatte.... 
Ja, vielleicht, dachte ich, vielleicht hatte ich ihm damals genug Gründe dafür gegeben, sich jetzt so zu verhalten, aber ich hatte keine Lust mehr darauf. Selbst wenn Alejandro nicht am Ufer gelegen hätte, hätte ich keine Annäherungsversuche zugelassen. Ich schwamm zurück, setzte mich neben meinen Freund, ich liebe dich, sagte ich schuldbewusst. Wir verbrachten den weiteren Nachmittag mit Karten spielen, sonnten oder erfrischten uns im Wasser, aber viel Freude machte dies keinem der Anwesenden. Deswegen beschlossen wir, bereits um fünf zu gehen, zumindest Alejandro und ich. Tobi blieb da und bat mich darum, es ihm gleichzutun, ich gab ihm Küsschen auf die Wangen und meinte: Wir sehen uns morgen. Wir düsten los. 
Daheim angekommen, hörte ich den Anrufbeantworter ab. Levents Freundin: Ruf mich an, falls du weißt, wo er ist. Etwas stimmt nicht mit ihm. Vorgestern Nachmittag sagte er mir am Telefon, dass er mich verlassen wolle. Ich glaubte ihm nicht, erzählte ihm von meinen Träumen, die ich für uns hatte. Dann schrie er ins Telefon: du siehst mich nie wieder. Und legte auf. Ich bin verzweifelt. Wenn ich frei bekomme, fahre ich zu euch. Versuche ihn bis dahin zu finden, bitte. Levents Schwester: Er ist immer noch nicht da, wir machen uns Sorgen. Ruf zurück. Nun ja, war ich die Polizei oder das Kindermädchen von meinem besten Freund? Was war denn nur los? 
Alejandro und ich duschten erst einmal, diesmal mit Sex. Entspannt begab sich mein Liebster in die Küche, um etwas Leckeres zu kochen, er wollte mich überraschen, und ich telefonierte ein bisschen durch die Gegend, vielleicht hatte irgendeiner unseren gemeinsamen Bekannten Levent gesehen - doch ich blieb erfolglos. Beim Essen fragte ich Alejandro nach seiner Meinung, er sagte nur, vielleicht hat Tobis Geheimnis damit zu tun. Und was? fragte ich. Er schwieg. Bist du das Orakel von Delphi? fragte ich ihn. 
Er beschäftigte sich wieder mit der Nahrungsaufnahme. Ich beobachtete ihn dabei, ich liebte es, wie er seine Augenbrauen hochzog, während er den Mund öffnete und sich einen Löffel Essen hineinstopfte. Wenn man solche Kleinigkeiten am Partner faszinierend findet, dann liebt man ihn. Und doch war dieser Tobias weiterhin in meinem Hinterkopf. Er hatte sich nicht gut benommen, war sehr penetrant und nervig gewesen seit dem vorigen Abend, machte mir ein mulmiges Gefühl, wurde von meinem Engelchen nicht gemocht, er hatte etwas Mysteriöses, vielleicht sogar etwas Böses an sich, trotz allem oder gerade deswegen zog er mich an. Es verband uns irgendetwas, es war nicht zu leugnen, ich konnte mich nicht mehr von ihm abwenden und er tat dies sicherlich erst recht nicht. Das gab mir ein beängstigendes Gefühl, ich verfluchte ihn, versuchte ihn zu verbannen, doch sein Gesicht und sein nackter Körper verfestigten sich in meinem Kopf. 
Warum hatten wir unbedingt in den Rheinwald müssen? Wie konnte uns der winzige Lichtschein zu den beiden merkwürdigen Menschen locken? Warum ließen wir uns dazu verführen? Einmal war ich ohne meinen Beschützer Alejandro weggewesen, hatte etwas erlebt, da nahmen die Ereignisse einen solch seltsamen Verlauf. Mein Herz schaute mich goldig an, fragte: was ist? Und ich sagte, nichts, das Essen war fein, ich habe nur kurz über etwas nachgedacht, es ist nichts.

Sonntag, 25. November 2012

Blogparade "Liebes Tagebuch"

Das Thema "Tagebuch" ist gerade in unserer heutigen Zeit und gerade für Blogger ein sehr aktuelles. Stichwort: Privatsphäre. Heute posten viele Menschen alles über Facebook und Blogs hinaus in die weite Welt, jede kleine Gemütsäußerung wird öffentlich gemacht. War das früher nicht anders? Als wir noch keine "elektronischen Tagebücher", sondern sie nur für uns selbst in einem papiernen, vielleicht sogar abschließbaren Büchlein führten? Was? Ihr habt überhaupt kein Tagebuch geführt? Das möchte ich ja gar nicht glauben. 
Wie sahen denn eure Tagebücher aus? Habt ihr in letzter Zeit einmal in die längst vergangenen Zeiten hinein gelesen? Ist euch das auch peinlich, was ihr da mal in eure Tagebücher geschrieben habt? Wird uns irgendwann peinlich sein, was wir gerade so auf Facebook, Twitter und unseren Blogs schreiben? 
In dieser Blogparade möchte ich euch anregen, Fotos von euren Tagebüchern zu machen, vielleicht ein bisschen hinein zu lesen und uns anderen daran teilhaben zu lassen, in dem ihr uns eure Texte zur Verfügung stellt, vielleicht möchtet ihr auch eine Geschichte zum Thema Tagebuch verfassen oder ein Bild malen.
Verfasst einfach einen Blogartikel in euren Blogs, twittert ihn unter Hashtag #diaryslam oder kopiert den Link hier im schmerzwach-Blog in die Kommentarleiste. Ich werde die entsprechenden Artikel hier auch noch mal re-posten.
In Hamburg und München gibt es bereits Diary Slams: Leute, die daran teilgenommen haben, können gerne in der Blogparade davon berichten. In Frankfurt wird es ab dem 14.2.13 auch einen Diary Slam geben, mehr dazu hier: https://www.facebook.com/LesebuehneDesGluecks.
Und hier der Link zu den Vorreitern aus Hamburg: http://www.diaryslam.de/
Ach ja: Zeit habt ihr den ganzen Dezember - ich würde Anfang Januar re-posten. :-)
Also, würde mich freuen, wenn ihr bei dieser Blogparade mitmacht! Danke! :-)

Samstag, 24. November 2012

Friday night queerness


Ein bisschen Gold und Silber, ein bisschen Glitzer Glitzer. ...

Diary Slam in Frankfurt


„Heute war ein schöner Tag. Markus hat mich im Englisch-Unterricht angelächelt. Und Stefan hat in der Pause gesagt, dass ich schöne Augen habe. Eigentlich finde ich ja Thomas viel toller, aber der interessiert sich ja nur für diese dumme Schlampe Bettina mit ihren dicken Möpsen. Egal. Ob mich Markus mal fragt, ob ich mit ihm ins Kino möchte? Oder Stefan? ...“
Sah euer Tagebuch auch so aus? Hört es sich auch an wie ein Plot von „Verbotene Liebe“ oder „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“? 
Holt eure Tagebücher aus den Schubladen eurer ehemaligen Kinderzimmer, sie müssen laut gelesen werden. Vor Publikum. Teilt eure Geschichten mit uns, lasst uns die Bettinas gemeinsam hassen, bangen, ob Thomas doch ein Einsehen findet und sich die Richtige aussucht. Oder habt ihr lieber von euren ersten Fahrversuchen mit dem Moped oder Pyjama-Partys geschrieben?
Die Lesebühne des Glücks veranstaltet den ersten Diary Slam in Frankfurt und möchte am 14.2.2013 im Glück ist jetzt! eure Tagebuch-Einträge hören. Wie bei einem Poetry-Slam wird auch hier am Ende ein/e Sieger/in gekürt und erhält einen Preis. In Hamburg und München gibt es bereits diese Art von Event und ist zum Kult geworden: Es wird gelacht, mitgefühlt und in Erinnerungen geschwelgt. Macht mit! Entweder als Leser/in eures Tagebuchs oder als Gast. 
Wer mitmachen möchte, melde sich bitte unter: diary-slam-frankfurt@web.de
Wir freuen uns sehr auf euch! :-)

Donnerstag, 22. November 2012

StadtteilHistoriker 2012 - Teil 2

http://www1.wdr.de/themen/archiv/stichtag/stichtagaprilzwoelf168_v-TeaserAufmacher.jpg
Auf der ersten schwullesbischen, gesamtdeutschen Demo in Münster im April 1972, links im Mantel: Martin Dannecker

Eingereichte Projektskizze „Rote Zelle schwul“
´Raus aus den Toiletten, rein in die Straßen! FREIHEIT FÜR DIE SCHWULEN!´. Das war die Parole in Rosa von Praunheims skandalträchtigem Film ´Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt´. Das war vielleicht ein Missverständnis von Praunheim, ein ´Übersetzungsfehler´, der auf den Slogan der amerikanischen Gay-Liberation-Bewegung, ´OUT OF THE CLOSETS, INTO THE STREETS!´ referieren sollte. Dabei meinten die ´Closets´ nicht Toiletten (oder Klappen ), sondern den Zwang, dass sich Schwule an geheimen Orten treffen und ihre Sexualität verleugnen müssen. Vielleicht war das aber auch sehr bewusst so ´übersetzt´ von ihm, da diese Klappen als Teil der schwulen Subkultur in Deutschland sehr wichtig waren. So wurde auch von der Roten Zelle Schwul, oder kurz und frech ´Rotzschwul´ genannt, als eine der größten Aktionen im Juni 1973 ein ´Park- und Klappenfest´ in der Nähe der Grüneburg-Klappe organisiert. Dort gab es Rockmusik und fetzige Polit-Transparente – erstmals schaffte man es die politische Gruppe und die schwule Subkultur in einem ´Event´ zu vereinen. Rosa von Praunheim wollte mit seinem Film provozieren, und schaffte dies auch, er wollte vor allem die Homosexuellen zum Protest aufwiegeln. Die Rechnung ging auf: Viele Organisationen bildeten sich neu und gingen tatsächlich auf die Straßen. In manchen Internet-Quellen wird dies auch von der Rotzschwul aus Frankfurt behauptet, wie zum Beispiel im Wikipedia-Eintrag http://de.wikipdia.org/wiki/Lesben-_und_Schwulenbewegung. Dies ist allerdings nicht ganz richtig, denn der Auslöser für diese Gruppierung, sich politisch zu engagieren, war die im Deutschen Bundestag am 25. Juni 1969 beschlossene Liberalisierung des Paragraphen 175 StGB, dem ´Homosexuellen-Paragraphen´, der die Betroffenen nach wie vor nicht sonderlich glücklich machte. Ein paar Frankfurter schwule Aktivisten taten sich zusammen und besprachen im kleinen Kreis, was sie tun könnten, um erstens die Akzeptanz für Homosexualität in der Gesellschaft zu steigern, und zweitens die schwule Subkultur dazu zu bewegen, sich in dieses politische Engagement zu integrieren, ein für die spätere Gruppierung ´Rotzschwul´ wichtiges Element ihrer Arbeit. Zwei Jahre beschäftigten sie sich mit theoretischen Texten zum Thema Unterdrückung und Verdrängung von Homosexualität in der Gesellschaft. Doch die erste sichtbare Aktion, das erste Sich-auf-die-Straße-wagen fand nach dem Film statt. 
1971 wurde also die Bewegung ´Rotzschwul´ aktiv und ihr Ende kann klar auf das Jahr 1975 festgelegt werden, als in der Wittelsbacher Allee ein erstes schwules Zentrum eröffnet wurde. 1975 ist wiederum das Geburtsjahr desjenigen, der in dem Projekt ´StadtteilHistoriker 2012´ die Rote Zelle Schwul in den Mittelpunkt stellen möchte. Dabei wird er eng mit Michael Holy zusammenarbeiten, der ein paar Texte zur Homosexuellen-Bewegung in den Siebzigern und Achtzigern geschrieben hat. Der Historiker war genauso Mitglied in dieser Gruppierung wie Hans-Peter Hoogen, Georg Linde und Danny Lewis, mit denen vorab gesprochen wurde. Es ist ein Biographie-Workshop mit den Herren geplant. Davon ausgehend wollen wir eine ´Collage´ in Buchform herstellen, die von einer Ausstellung flankiert wird. Außerdem soll es eine Web-Präsenz geben, in denen neben den Fotos auch Hörbeispiele und eventuell vorhandene Videos eingestellt werden können. Collage meint einerseits, dass Gespräche (nach Leitfaden) geführt werden, und zwar mit den bisher Genannten, aber auch weiteren aktiven Mitstreitern von damals, darunter Martin Dannecker. Neben den Gesprächen sollen auch persönliche Anekdoten einen Platz in unserem Buch finden, aber auch Zeitungsartikel von damals, eine kurze Chronologie der Jahre 1969-1975/76 und eine Literaturliste mit Zitaten aus den Texten, um die Verwendung der Literatur damals deutlich werden zu lassen. Es soll die Zeit ab der Gesetzesänderung, die ab 1.9.1969 rechtskräftig wurde, bis zur Eröffnung des Schwulenzentrums beleuchtet werden.
Wieso ein Buch? Es gibt keine Literatur zur Gruppe ´Rotzschwul´, lediglich diese Artikel und eine Diplom-Arbeit , die ich ebenso im Schwulen Museum in Berlin finde, wie alle anderen Dokumente, die mit ´Rotzschwul´ zu tun haben. Nach der Recherche dort kann ich auch ehemalige Mitglieder der Gruppe, die mittlerweile in Berlin wohnen, interviewen.
Bemerkungen: Gestützt auf Artikeln von Michael Holy, hier ohne Literaturangaben. Stand: August 2012. Zwischenzeitlich gibt es viele neue Informationen, die ich bald auch in einer Web-Präsenz zusammen tragen werde. Freue mich sehr auf die Arbeit! :-)

Sonntag, 18. November 2012

Goldene Leslie 2012 Preisverleihung

Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur gibt sich sehr viel Mühe im Bereich Leseförderung. Gemeinsam mit dem Literaturbüro in Mainz vergibt es zum Beispiel die Goldene Leslie, den Leseförderungspreis des Landes Rheinland-Pfalz. Wie wichtig dieser Preis ist, sieht man daran nicht nur daran, dass Staatssekretär Hans Beckmann und drei Landtagsabgeordnete anwesend waren, sondern ebenfalls daran, dass man zum zweiten Mal hintereinander die wunderbaren SUNA (So und nicht anders!) eingeladen hat, die nicht nur gut aussehen, sondern auch so singen, Acapella in deutscher, spritziger Sprache, die Laune macht. 

Das Schöne an dieser Veranstaltung ist ja, dass Jugendliche den Preis vergeben, nachdem eine Erwachsenen-Jury eine Vorauswahl trifft (und ich mit dabei, ich habe übrigens wie bereits im letzten Jahr den Siegertitel vorgeschlagen ;-)) - Tradition ist, dass am Anfang die Jurymitglieder erzählen, wieso sie so gerne lesen.



Den jungen Mann im Vordergrund hatte ich beim Bild oben drüber abgeschnitten. 



Moderatorin der Veranstaltung war wie in den Jahren zuvor Sabine Hampel vom SWR, die das sympathisch und launig wie immer gemacht hat.


Drei Jurorinnen durften mit dem Staatssekretär über das Lesen reden - passiert auch nicht alle Tage. 


Katja Brandis liest aus einer spannenden Stelle vor, Ruf der Tiefe aus dem Beltz Verlag ist spannend und aktuell. 2018. Die Tiefsee ist noch immer einer der geheimnisvollsten Orte der Erde. Für den 16-jährigen Leon aber bedeutet sie Zuhause, denn als Flüssigkeitstaucher kann er sich auf dem Meeresgrund frei bewegen. Doch dann breiten sich Todeszonen aus und nicht nur die Wesen der Tiefe geraten in Panik …


Der Biologie-Professor Hans-Peter Ziemek ist der Co-Autor des Thrillers, er erzählt hier von den Wundertieren "Krake", die auch im Buch eine wichtige Rolle spielen. Diese sehr klugen Tiere werden nur zwei bis drei Jahre alt. Ansonsten, sagt Herr Ziemek, würden sie vielleicht die Welt beherrschen - und nicht die Menschen. So klug sind sie. Zum Beispiel können sie Farben riechen...


Eine Tradition ist natürlich auch das Gespräch mit den Autoren - darauf freuen sich beide Seiten am meisten, und es durchaus nicht so, dass man das Gefühl hat, dass da nicht auf gleicher Höhe diskutiert wird, die Jugendlichen sagen immer sehr kluge Dinge über die Bücher. In dem Fall ging es sehr um das Thema Umweltschutz.


Hans Beckmann verleiht den beiden Autoren die Goldene Leslie - ein klarer Sieg war es! Und verdient. 

Samstag, 17. November 2012

Fortsetzungsroman: Moody Blue 16

http://schmerzwach.blogspot.de/2012/
11/fortsetzungsroman-moody-blue-15.html Wie war es beispielsweise bei Tobi gewesen? Aber andererseits benötigte man ein bisschen Zeit für solche Vertraulichkeiten. Und in dieser Situation kam ich schlichtweg nicht auf die Idee, ich hätte sagen können, nein – mir fällt in Wirklichkeit gar nichts ein. Was hätte ich denn sagen können? So, Alejandro und Tobias, ihr müsstet euch gut verstehen, denn ich finde euch beide toll! Oder: Alejandro und Tobias, ihr habt ja eins gemeinsam, ihr wisst, wie sich mein Schwanz anfühlt. Oh, Entschuldigung. Oder: Tobi, mit Alejandro schlafe ich, Alejandro, mit Tobi könnte ich es mir auch vorstellen. Nein, nein, ich bin ein bisschen wirr im Kopf, ich gebe es zu, ich schreibe Unsinn. 
Stefanie war gar nicht bei ihm gewesen, was wiederum neue Fragen aufwarf, doch ich hinderte Tobi daran, diese auszudiskutieren. Was brächten uns Spekulationen?! Ich hasste solche Diskussionen, die nur auf Spekulationen beruhten, sie sind so sinnlos. Er erzählte von einem Baggerseefest, da könnten wir ja hin. Und wie? fragte ich, hast du ein Auto? Nein, habt ihr keins? Nein, Tobi, wir haben keines. Mit dem Fahrrad? fragte er vorsichtig. Nein, das ist jetzt viel zu stressig, antwortete Alejandro. Tobias schaute mich an: Apostoli? Mir auch, entgegnete ich schnell. Ich fahre allein, sagte er nun, vielleicht sind Steff und Levent dort. Wir wünschten ihm viel Spaß und verabschiedeten uns von ihm. Als er weg war, hatten wir keine Lust mehr auf Schachspielen. Um diese Zeit wollte er noch los? Es war halb zwölf. Vielleicht aber hatte er nur einen Vorwand gesucht, um gehen zu können. Ich fragte meinen Schatz, wie er Tobi finde. Er gefalle ihm äußerlich nicht, er mache auch keinen sympathischen Eindruck, sagte er, aber etwas Mysteriöses, Attraktives sei an ihm. Wieso dachte mein Brasileiro das auch? Bist du eifersüchtig? wollte ich wissen. Nein, sagte er, du wirst sein Geheimnis bald entdecken, dafür brauchst du wahrscheinlich kein allzu enges und intimes Verhältnis zu ihm, und dann verlierst du das Interesse. 
Alejandro, der erst 19 Jahre alt ist, hat eine grandiose Fähigkeit, die ich sehr an ihm bewundere: Er kann Menschen gut einschätzen, er hat ein Gefühl für sie, nach kurzer Zeit schon kann er sagen, ob jemand ehrlich, gut, unehrlich, böse, echt, unecht, fair, unfair ist. Wie oft irrte ich mich, sah jemanden, den ich total hübsch fand, deutete sein Lächeln als süß und zuvorkommend, mein Freund betrachtete ihn, sagte: Der hat ein hinterhältiges Lächeln; am Ende stellte sich heraus, dass derjenige ein großes Arschloch ist. Nun, wie war seine Einschätzung bei Tobi? Etwas Mysteriöses. Das Interesse verlieren. Es gehe nicht lange, ich brauche kein allzu intimes Verhältnis. Erkläre dich! sagte ich zu Alejandro. Da gibt es nichts zu erklären, meinte er, er zieht dich im Moment nur an, weil er ein Geheimnis hat, worin es besteht, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass du es bald herausfinden wirst, weil du alles Wichtige sehr schnell in Erfahrung bringst, du brauchst nicht intim mit ihm zu werden; daher mache ich mir keine Sorgen. Nach der Auflösung wird er dich nur noch langweilen. Ach so, sagte ich, so ist das also. Genau, lass uns jetzt vor dem Fernseher einschlafen, mein Apostelchen. Wir zogen uns aus, schalteten das Licht aus und verkrochen uns unter die Bettdecke. Er zappte durch das Programm, bis er einen zufriedenstellenden Film entdeckte, es war ein Psychothriller, aber wir kriegten nicht mehr viel mit, weil wir beide bald einschliefen. Allerdings wachte ich nach zwei Stunden auf, lag schlaflos neben Alejandro und dachte nach. 
Um drei Uhr klingelte das Telefon. Ich ging sofort dran. Wer rief um die Uhrzeit an? Levent? Nein, es war Tobias. Mein Süßer wurde dadurch zum Glück nicht aufgeweckt. Ich setzte mich in die Küche, um zu telefonieren. Tobias war total besoffen, erzählte mir, dass er die beiden nicht getroffen habe. Dann stammelte er irgendwelche unverständlichen Dinge vor sich hin. Irgendwie musste er wohl etwas Peinliches getan haben, dass ihm leidtat und dass seinen Ruf beschädigte. Nur was? Das konnte ich nicht ausmachen. Und ich solle ihn verstehen und nicht böse auf ihn sein. Er bat mich um ein Lied und ich sagte, leg jetzt auf, ich singe dir morgen ein Lied. Versprochen? fragte er mich mit kindlich-unsicherer Stimme. Natürlich, meinte ich, ruf mich an, wenn du wach bist. 
Ich legte mich wieder in mein Bett, Alejandro schlummerte weiterhin friedlich. Konnte ich noch einschlafen? Ja. Allerdings war es einmal mehr eine unruhige Nacht, ich fühlte mich morgens nicht entspannt. Warum hatte mich Tobi noch so spät angerufen? Naja, mein Engelchen prophezeite mir, dass ich sein Geheimnis bald lüftete, also versuchte ich jegliche Spekulationen darüber, in einen anderen Teil meines Gehirns zu verdrängen, der mich nicht bewusst in Beschlag nahm. Wir ließen den Morgen langsam und entspannt beginnen, ich bin sowieso ein Morgenmuffel, aber auch mein Freund brauchte seine Zeit, um fit zu werden. Nach einiger Zeit duschten wir miteinander, allerdings ohne Sex. Danach ging es mir ein bisschen besser. Ich nahm mir mein Buch vor, ich las „Maurice“ von E.M. Forster und es machte mir Spaß. Ich versuchte eine interessante Lektüre für Alejandro zu finden, der gerne eine schöne „schwule“ Liebesgeschichte lesen würde. Dieses war jetzt das erste Werk, das ich ihm empfehlen konnte, nachdem die anderen Romane etwas Verstörendes, Deprimierendes hatten. Was nervte mich dieser unerträglich dämliche Roland in Stefan Zweigs „Verwirrungen der Gefühle“, der doch gar nichts geschnallt hatte, und Herr Zweigs Stil mag literarisch wertvoll sein, nur konnte ich damit nichts anfangen. Genausowenig mit Candia Williams´ “Die dritte Seite der Liebe“, ich fand die Sprache schwülstig und nervenaufreibend. Auch Alvarez Pombo, den ich gerne las, schien nicht das Richtige für meinen Engel zu sein, nein, er wollte ja eine glückliche, schöne Liebesgeschichte, keine tragische, unglückliche. 
Alejandro putzte die Wohnung. Nach dem Mittagessen, um halb eins, rief Tobias wieder an, er wollte sich für die beiden Störungen, am Abend und in der Nacht, entschuldigen. Man mache wirklich blöde Dinge, wenn man besoffen ist. Das wusste ich selbst. Magst du mich noch? fragte er mich. Natürlich, sagte ich, was glaubst du? War er in mich verliebt?! Singst du mir jetzt ein Lied? Ja, Tobi, mache ich, ich singe:


Η πατριδα μου

Εγω κραταω τον ερωτα
μα εσυ την καταιγιδα
και πνιγειs μεs στο ψεμα σου
την ακριβη μου ελπιδα.

Εγω κραταω τον ερωτα
μα εσυ κραταs μαχαιρι
που καρφωσεs στην πλατη μου
με το ιδιο σου το χερι 
μερα μεσημερι.

Εισαι ο ηλιοs που εχει γινει επικινδυνοs 
και καθε μερα καει την επιδερμιδα μου
απ´ τους πολλους πολιτικους
κι εσυ εισαι ενας απ´ αυτους
που ξεπουλανε μ´ ευκολια την πατριδα μου.

Εγω σου λεω τα ονειρα
που κρυβω μεs στα στηθια
μα εσυ μου λεs καταμουτρα
την πιο πικρη σου αληθεια.

Ζωγραϕισμενος ειναι πια 
στα ματια μου ο πονος
κοιτω πως μας καταντησε 
στο περασμα του ο χρονος
και με πιανει τρομος.

(ΚΑΙΤΗ ΓΑΡΜΠΗ)

Kannst du mir den Text übersetzen, Apostoli? Natürlich; ähm – so weit er übersetzbar ist:

Meine Heimat

Ich erfreue mich am Eros,
Du dich jedoch am Gewitter
Und du ertränkst in deiner Lüge
Meine teure Hoffnung.

Ich halte mich am Eros,
du dich jedoch hältst ein Messer,
das du in meinen Rücken stießest
mit der gleichen Hand,
jeden Tag, jeden Mittag.

Du bist die Sonne, die gefährlich geworden ist
Und die jeden Tag meine Haut verbrennt,
genauso wie die Politiker
und du gehörst zu ihnen,
die mit Einfachheit meine Heimat verkaufen.

Ich erzähle dir die Träume,
die ich zwischen meinen Brüsten verstecke,
aber du schmetterst mir deine allerbitterste Wahrheit
mitten ins Gesicht.

Jäh eingezeichnet ist
Der Schmerz in meinen Augen,
ich beobachte, was die Zeit
mit uns getan hat
und mich erfaßt ein Schrecken.
(KAITI GARMBI)

Im Deutschen reimt es sich nie, sagte ich, und hört sich sehr holprig an, da kann man nichts machen. Besuchst du mich? fragte er mich. Gehen wir schwimmen, beschloss ich, du, Alejandro und ich. An den Baggersee? Ja. Gestern Abend wolltet ihr nicht so weit fahren, stellte er fest. Nein, gestern war es aber auch schon fast Mitternacht und wir waren müde, jetzt nicht, erwiderte ich. Trug er mir das nach? War ich etwa Schuld an seiner peinlichen Situation? Ich komme bald vorbei, bis dann, sagte er. Ja, bis dann. 

Freitag, 16. November 2012

Elf Fragen von schmerzwach an die Autorin Waltraud Grampp


Waltraud Grampp, 1952 in Weinheim an der Bergstraße geboren, träumte erstmals in den sechziger Jahren davon, einen Roman zu schreiben – brachte jedoch nur Kurzgeschichten in Schulheften oder auf losen Blättern (meist handschriftlich) zustande, von denen die meisten in den folgenden Jahren verloren gingen. Vierzig Jahre später, inzwischen längst in Bad Homburg lebend und im Computerzeitalter angekommen, wagte sie einen letzten Versuch. Das Ergebnis war die „Waaseby-Trilogie“, Liebesgeschichten aus dem ländlichen Schleswig-Holstein. Alle drei Bücher wurden 2009-2010 in einem inzwischen liquidierten Mini-Verlag veröffentlicht. 2011 folgte die Veröffentlichung von „VerHEISSung – Käseglockensommer“, ein Roman mit Fantasy-Elementen, der einerseits im Rhein-Main-Gebiet, andererseits in Irland, sowie in einer mystischen Welt spielt. Vor wenigen Tagen erschien die Fortsetzung „VerHEISSung – Sternhagelwinter“, ebenfalls im Noel-Verlag.

1. Wer bist du?
Ein unverbesserlicher Optimist.
2. Was machst du?
In jeder schwarzen Wolke den Silberstreif suchen und in jedem Regenschauer den Regenbogen.
3. Woher kommst du und wohin möchtest du?
Aus einem friedlichen Land, in dem alles wahr werden kann, was denkbar ist – und ich möchte nirgendwo anders sein.
4. Warum bist du Schriftstellerin geworden?
Ich sehe meine Geschichten als Visum, das es den Lesern gestattet, mich in meiner Heimat zu besuchen.
5. Welche Ziele hast du?
Meine Träume und meinen Optimismus mit anderen zu teilen.
6. Wer oder was inspiriert dich?
Die sprichwörtliche Fliege an der Wand. Ein Lied, ein Bild, ein Satz, mehr braucht es nicht.
7. Wann bist du glücklich?
Wann bin ich es nicht? (Siehe Frage zwei.) In Irland bin ich sogar wunschlos glücklich.

8. Wie sieht dein perfektes Leben aus?
Wenn mein Leben perfekt wäre, wovon soll ich dann träumen, was mir wünschen? Perfektion ist steril und langweilig, also alles andere als erstrebenswert.
9. Was würdest du tun, wenn du ein Tag lang König von Deutschland wärst?
Mich wundern, wie plötzlich ein Mann aus mir geworden ist, und Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um das wieder rückgängig zu machen.
10. Wovon hast du als Kind geträumt?
Ferne Länder zu bereisen – was ich inzwischen auch ausgiebig getan habe. Das war faszinierend, allerdings war kein Land auch nur halbwegs so exotisch wie meine Fantasie.
11. Worauf könntest du verzichten und worauf überhaupt nicht?
Vor allem anderen auf die Einkommenssteuererklärung – aber niemals auf meine Freunde. Sie sind das Netz, das meinen Sturz aus den Höhenflügen der Fantasie zurück in die Realität abfedert.

Donnerstag, 15. November 2012

Vielleicht lieber morgen von Stephen Chbosky


Auf diesen Film habe ich gewartet! Schon sehr lange. Und das Warten hat sich aber so etwas von gelohnt - auch das in der langen Sonntagmittags-Schlange im Metropolis. Schön, dass sich Familien miteinander verabreden, um sich einen Film gemeinsam anzuschauen. ;-) Ich war wirklich froh, dass in diesen Cine Star-Kinos so lang Werbung läuft... 
Gebannt saß ich also da. Eines meiner Lieblingsbücher ever wird vom Autoren selbst verfilmt - Wahnsinn! Würde der Film nun alles zerstören? Würde ich traurig aus dem Kino gehen und sagen: Chbosky hat es vermasselt? 
Nein!!! Ich saß in diesem Kinositz und weinte. Was ist da alles in mir vorgegangen, während ich da saß, wie viele Assoziationen hatte ich, wie viele schöne Momente der zweifachen Lektüre konnte ich vergegenwärtigen... Ich weinte, aber nicht weil ich traurig war, sondern melancholisch, ich weinte aber auch lachend, ich weinte, weil ich emotional tief berührt wurde, weil ich etwas spürte, weil mir Dinge klar wurden - und weil ich verstand, wieso ICH Kunst machen möchte. Weil ich gerne (und wenn es nur ein oder zwei Personen auf der Welt sind) jemanden so berühren, wie mich dieser wunderbare Roman "Vielleicht lieber morgen" berührte, ergriff, ja, veränderte, inspirierte, motivierte - ich habe ihn in Anfang der Neunziger gelesen und im letzten Jahr noch einmal. Habe aber auch die Bücher verschlungen, die im Buch genannt wurden, denn Charlie (Logan Lerman) ist eine Leseratte, und einer, der später Romane schreiben wird. Charlie schreibt einem "Unbekannten" tagebuchartig Briefe, was er erlebt, wie er sich fühlt, was er denkt. Er hat eine schlimme Geschichte hinter sich, muss auf die High School wechseln, ist da Junior, und hat keine Freunde. Er ist ein Außenseiter. Bleibt er es auch? Zumindest lernt er bald den schwulen "Revoluzzer" Patrick (Ezra Miller, oh Mann!) und seine wunderschöne Stiefschwester Sam (Emma Watson, ja, aus "Harry Potter") kennen. Und es verändert sich sein ganzes Leben. 
"Du kannst nicht beeinflussen, woher du kommst", heißt es im Film, "aber du kannst beeinflussen, wohin du gehst". Gänsehaut bekomme ich, wenn ich diesen Satz denke. Ein so einfacher wie wahrer Satz, ein wichtiger Satz in meinem Leben. Sechzehn Jahre ist Charlie, ein wichtiges Alter, meint der Autor, ein wichtiges Alter auch für mich: Ich lag ein halbes Jahr in der Freiburger Uni-Kinder-Klinik auf der onkologischen Station, als ich sechzehn Jahr war. Chemotherapie, Bestrahlungen. Ich durchlitt meine traurige Geschichte, so wie das Charlie tut - und irgendwann entdeckt er dabei, dass er anfangen muss zu leben, um dieser traurigen Geschichte zu entfliehen. So erging es auch mir!
Man soll weder in der Zukunft noch in der Vergangenheit leben, immer in der Gegenwart, sagen weise Männer. Ja, das stimmt. Und trotzdem ist es wichtig, in die eigene Vergangenheit zu reisen, immer wieder - man kann die Vergangenheit nicht verändern und es hilft nichts darüber zu jammern, aber es hilft einem zu verstehen, warum manches so ist, wie es ist, (und wenn einem immer wieder deutlich wird, was einen so geprägt hat). Es kann einem Kraft geben für den weiteren Weg. Wenn einem deutlich wird, dass man schon so einiges geschafft hat im Leben. 
Es war sehr gut, dass Stephen Chbosky das Drehbuch geschrieben und selbst Regie geführt hat, denn er hatte das Gefühl für seine Geschichte. Hinterher fiel mir keine wichtige Szene ein, die er nicht in den Film eingeführt hat. Ich hatte nicht das Gefühl, dass etwas fehlte. Die Hauptpersonen hatte ich mir im Kopf anders vorgestellt, das ist ja klar, ich hatte weder Logan Lerman noch Ezra Miller und schon gar nicht Emma Watson in meinen Gedanken, aber! Als ich sie auf der Leinwand sah, da waren sie Charlie, Patrick und Sam - und ich liebte sie, genauso wie ich es tat, als ich von ihnen las. 
Wieso läuft dieser (ausdrucks)starke Film bereits in der zweiten Woche im Nachmittagsproblem? Ein Teenie-Film? Meiner Ansicht nach nicht. Teenies können den Film anschauen, er betrifft sie unmittelbar. Aber gute Geschichten sind für alle da, egal, wie alt sie sind. So wie manch "Jugendbuch" vielleicht von Erwachsenen besser verstanden wird, und vielleicht auch lieber gelesen wird. Erwachsene sollten mehr "Jugendromane" lesen und mehr "Jugendfilme" schauen. Wir alle haben den Zwölfjährigen und Sechzehnjährigen noch in uns...
Und: ein gutes Buch ist immer zuerst ein gutes Buch. Ein guter Film ist immer zuerst ein guter Film!
In diesem Sinne: Wenn ihr irgendwie die Möglichkeit habt, "Vielleicht lieber morgen" zu schauen, dann tut es, verdammtnochmal! Es lohnt sich!!!

Mittwoch, 14. November 2012

Keep The Lights On


Das wird keine Rezension. Es wird etwas Einfaches. So einfach wieder dieser Film ist. Einfach schön ist er. Einfach gut. Einfach melancholisch. Einfach zeitgemäß. Einfach das, was ich im Kino sehen möchte. 
Liegt es an der wunderbaren Film-Musik - der bis dahin mir unbekannte Sänger Arthur Russell lieferte die Titel dazu, es dauerte bis ich auf die Idee kam, Shazam mal laufen zu lassen, weil ich dachte: wieso kenne ich diese Lieder von Antony Hegarty eigentlich nicht? - an den herrlichen Schauspielern, Thure Lindhardt (Darsteller in "Was nützt die Liebe in Gedanken"! und "Into the Wild"!), Zachary Booth und die von mir geliebte Julianne Nicholson (Ally McBeal!), an dem Regisseur Ira Sachs, der dafür einen Teddy Award erhielt, und der Erik (Thure Lindhardt) als Regisseur einen Dokumentarfilm drehen lässt, der tatsächlich nebenher produziert wurde - "In Search Of Avery Willard" (und witzigerweise für diese Doku im Film einen Teddy bekam), an dem zeitgemäßen Thema oder an meiner eigenen Stimmung?
Thema: Erik lernt Paul über eine Gay-Dating-Line kennen, zunächst geht es um Sex, Paul hat eine Freundin. Sie verlieben sich, kommen zusammen, erleben Höhen und Tiefen. Einfach gesagt. Und so einfach ist es dann auch. Daraus kann man einen Film machen, der 102 Minuten lang ist, in keinem Moment langweilig wird, im Gegenteil. Ein bewegender Film. Einer, der noch drei Tage nach dem Sehen nachklingt. Keep The Lights On gehört übrigens, wie Ira Sachs betont, dem "autobiografischen Realismus" verhaftet ist, er erzählt also seine Geschichte... Für mich hat dieser Film super zu der Filmwoche gepasst, in der ich z.B. auch Kurzfilme von Jack Smith und Co. (ebenfalls im Mal Sehn Kino) gesehen habe, der übrigens in Keep The Lights On als Ikone des Camp-Films erwähnt wurde. Wenn ihr die Möglichkeit habt, diesen Film zu sehen: TUT ES!

Dienstag, 13. November 2012

Extra Trouble - Jack Smith in Frankfurt

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Frankfurt, mein Frankfurt - was hast du uns alles zu bieten zurzeit, ich komme kaum noch nach mit dem Kunst-Konsum, oh du herrliche heimliche kulturelle Hauptstadt Deutschlands. :-) Die Ausstellungseröffnung im MMK zu Jack Smith (Extra Trouble...) habe ich leider verpasst, die Ausstellung muss ich mir noch anschauen. Zusätzlich zu der (wie ich gehört habe) spannenden Exposition (ein Jack Smith-Raum) gibt es viel Rahmenprogramm in verschiedenen Kulturinstitutionen in Frankfurt. Performances, Symposien und natürlich Filmvorführungen. Es ist ein Projekt der Initiative Kultur und Homosexualität e.V., über die ich ja auch bei meinem Vorhaben zum StadtteilHistoriker 2012 gestolpert bin, weil Hans-Peter Hoogen auch hier ein Mitglied ist. 
In Deutschland ist Jack Smith gar nicht so bekannt - er lebte in New York und war ein verrückter Multimedia-Avantgarde-Künstler, der vor allem in den Sechzigern und noch in den Siebzigern gewirkt hat. Große Künstler wie Andy Warhol schätzten ihn. Viele beziehen sich noch heute auf ihn und seine Kunst, die von Fotografie, über Musik, Performance bis zum Film reichte. Wieso er besonders gut in den schmerzwach Blog passt? Er liebte Trash, liebte Horrorfilme und B-Movies (wie ich es auch tue) und Hollywood Diven. 
Er ist auch - und darum ging es letzten Mittwoch (7.11.) im Mal Sehn Kino - der erste Vertreter der "Camp"-Kultur. Camp: Ein von der New Yorker Publizistin Susan Sontag geprägter Begriff für "Dinge, die von einem seriösen Standpunkt aus entweder schlechte Kunst oder Kitsch sind" (S.Sontag, Notes on Camp, 1964). „Camp ist eine Art unter anderen, die Welt als ein ästhetisches Phänomen zu betrachten. Nicht um Schönheit geht es dabei, sondern um den Grad der Kunstmäßigkeit, der Stilisierung“ (ebd.). Camp befasst sich dabei mit der äußeren Form der Dinge, Camp orientiert sich am Stil. „Den Stil betonen heißt den Inhalt vernachlässigen oder eine Haltung einführen, die im Hinblick auf den Inhalt neutral ist“ (ebd.). Ich möchte aber auch nicht weiter auf dieses hochkomplizierte Thema eingehen, ich bin ehrlich gesagt auch nicht immer durchgestiegen beim Vortrag von Prof. Dr. Juliane Rebentisch (HFG Offenbach), die einige Argumente gegen Susan Sontag anbringen konnte (Titel: Der Materialismus von Camp).
Das Filmprogramm beinhaltete zwei Filme von Jack Smith (Yellow Sequence und Song for Rent), außerdem einen Film von George Kuchar (Hold me while I´m naked) einen Film von Babeth (Balls on the line - Hommage a Joseph Beuys) und einen von Stefan Hayn (What to put on Jack Smith´s memorial Christmas Tree). Am meisten Gesprächsstoff lieferte der Film von George Kuchar - dieser belegte bei einer Kritikerumfrage der besten Filme des 20. Jahrhunderts Platz 52! Was mich etwas überraschte, als ich es erst nach dem Ansehen las. Ich fand diesen Film genauso wie die anderen etwas anstrengend. Unheimlich inspirierend, trashig, manchmal witzig, manchmal aber auch nervig. Und trotzdem war ich sehr froh, die Filme angeschaut zu haben, weil mich diese Künstler faszinieren, weil sie viele Grenzen übertraten, weil sie intellektuell und trotzdem humorvoll waren (was ja meiner Ansicht kein Widerspruch ist), weil sie innovativ, sehr kreativ waren und weil sie eine Haltung hatten. Etwas, das ich gelegentlich vermisse bei Künstlern der heutigen Zeit, in der gerne alles etwas beliebig und auf einen Markt hin ausgerichtet ist...
Mehr zu Jack Smith und den Frankfurter Veranstaltungen auf: http://jacksmith.extratrouble.de/

Montag, 12. November 2012

Ein literarischer Urknall?


Es war einmal wieder ein aufregender Abend! Die Lesebühne des Glücks: Mit vielen Emotionen und Diskussionen und mit einem spannenden Autoren Steffen Lars Popp (diesmal anwesend als Lars), der sehr viel interessante Dinge über die veränderten Arbeitsbedingungen von Autor/innen in der digitalen Welt zu berichten hatte - wie verändert sich das Autor-Sein im Netz, wie die Autorschaft und wie die Arbeit an den Texten der Autor/innen? Eine anregende Diskussion, auch unter Kolleg/innen.



James Bond, der seinen Kopf hinhält: mit Herz und Hand - ach, verstehen jetzt nur Pädagogen ;-)



Strippen ziehen, super kochen, wunderbare Flyer herstellen - hier, DU, DICH meine ich. :-)


Wettbewerb: Wer erzählt die lustigeren Geschichten? James Bond oder (wie zu vermuten) die fantasievolle Wahl-Irin Waltraud Grampp? :-)


Und das Erzählen (vor allem das mündliche Erzählen!) liegt ihr wohl im Blut. Ob das mit der Liebe zu Irland zusammenhängt? Schließlich gab es dort (und gibt es noch?) sprichwörtlich viele wunderbare Märchenerzähler/innen.



Eine rege Diskussion konnte auch Uschi Schweiss anzetteln, die beredt von anderen Welten erzählte, unter anderem von Costa Rica. Vielleicht war auch sie gemeint, als eine befreundete Fotografin (CoCo) von einem warmen, literarischen Abend auf Facebook sprach. Warm war dieser Abend, schön war er, und wirklich aufregend. Das nun am Ende: Wir hatten im Vorfeld ein bisschen mit technischen Problemen (Herd!) und anderen "Lustigkeiten" zu kämpfen (aber hierfür zu intern :-)). Nun gehen wir in die Winterpause und kehren im neuen Jahr mit neuen Ideen zurück! :-)

Sonntag, 11. November 2012

PRIVAT - Eine sehr zeitgemäße Ausstellung in der Schirn Kunsthalle

Emily, 2012 © Evan Baden
PRIVAT - "Das Ende der Intimität". Mit dieser Ausstellung zeigt die Schirn Kunsthalle einmal mehr, das sie am Puls der Zeit ist. Am 31.Oktober war die Eröffnung, bei der ich zugegen war (leider hatte ich jedoch noch keine Zeit darüber zu berichten). Ich war sehr gespannt - und ich wurde nicht enttäuscht. Ist es doch so, dass gerade der Blogger in mir mit diesem Thema "Privatheit / Intimität" häufig konfrontiert wird. Wie oft führte ich Diskussionen mit Leser/innen, Kritikern darüber, wie viel oder wie wenig man von sich im Netz äußern sollte. Manchmal fühlte ich mich unverstanden, oft sah ich mich aber auch bestätigt, dass gerade die Leute, die relativ viel von sich preisgeben im Netz, am rätselhaftesten erscheinen. Wieso? Nein, ganz im Ernst: Wie oft werde ich gefragt, was ich eigentlich so mache / womit ich mein Geld verdiene. Wie oft denkt man dies und das über mich, weiß aber gar nicht, wer oder was ich bin. Und dann auch noch diese Mitteilungslust auf Facebook! Und ob ich da nicht Angst hätte, dass jegliche Information über mich, dass meine Daten missbraucht/ verscherbelt werden etc. Natürlich habe ich die. Und natürlich mache ich mir gelegentlich Gedanken darüber. Das versteht sich von selbst. Ich habe Grenzen - andere zwar als viele Menschen, aber ich habe sie. Und bin mir den Gefahren bewusst und nehme sie in Kauf. Doch ich bin keine 15 mehr. Bei Kindern und Jugendlichen sollte man genau darauf achten, was sie da "im Netz" treiben, aber Erwachsene können selbst entscheiden. Und (Lebens)Künstler wie ich haben sowieso ganz andere Grenzen und Vorstellungen von Leben. Da vermischt sich Privat- und Berufsleben sehr, das war schon immer so. 
Exhibitionismus, Selbstenthüllung, Erzähllust, Zeigefreude und Voyeurismus sind die sozialen Strategien unserer Zeit, in der längst ein Strukturwandel der Öffentlichkeit stattgefunden hat. In der zeitgenössischen Kunst spiegeln Fotografien, Polaroids, Handyfotos, Objekte, Installationen und Filme häusliche Szenen und persönliche Geheimnisse. Vertrautes und Intimes wird ins Bild gesetzt. 
http://www.schirn.de/ausstellungen/2012/privat/privat-ausstellung.html
Welche Positionen Martina Weinhart (die Kuratorin dieser Ausstellung) ausgesucht hat, kann man bis zum 3.2.13 noch in der Schirn Kunsthalle sehen. Ich kann dazu sagen, dass einiges, was ich da gesehen habe, auch bedeutende Künstler auf ähnliche Weise gemacht haben. ;-) Ich sage nur: Krankenhaus-Bilder und Berichte. :-)))
Heute möchte ich zwei besondere Aktionen auf dem SchirnMag vorstellen, die nur dort zu sehen sind.






Unter dem Titel „Das Beste des Jahres“ wird Edgar Leciejewski über einen Zeitraum von 18 Tagen öffentlich Tagebuch führen, indem er jeden Tag ein Foto aus seinem Alltag präsentiert. Jedes Bild wird von einem Text begleitet, der sich schließlich bildübergreifend zu einem Ganzen fügt. 

Die Digitalfotografie hat unseren Umgang mit dem Medium Fotografie in hohem Maße verändert. Im Zusammenspiel der Möglichkeiten, die das Internet für die Verbreitung von Fotos bietet, werden digitale Fotos heute nicht mehr in erster Linie für den privaten Gebrauch gemacht. Das Internet bietet eine unüberschaubare Fülle an Bildern, die Fremde und Freunde gleichermaßen, in jeder erdenklichen Situation abbilden. Dabei tritt die Ästhetik – in der analogen Fotografie noch von primärer Bedeutung – immer stärker hinter das bloße Motiv zurück. Der Fotokünstler Edgar Leciejewski zeigt mit seiner Serie „NYC Ghosts & Flowers“ wie sich mit digitaler Fototechnik und dem Service „Street View“ von Google Maps Bilder aus dem Internet in vollkommen neuen Zusammenhängen entdecken lassen.
Link zum Fototagebuch von Edgar Leciejewski auf dem Schirn-Magazin:
http://www.schirn-magazin.de/kontext/edgar-leciejewski-fototagebuch/


LEO GABIN: WEEKLY YOUTUBE SELECTION
Für das Schirn-Magazin dokumentieren Leo Gabin während der Ausstellungslaufzeit von „Privat“ jede Woche mit einem gefundenen Videoclip ihre Suche nach Inspiration. Die daraus entstehende neue Videoarbeit präsentiert das belgische Kollektiv am Donnerstag, den 24. Januar 2012, ab 19 Uhr in der Schirn Kunsthalle mit einer Video-Premiere. 
Auf Videoportalen wie YouTube finden sich gigantische Mengen an Videomaterial. Neben professionell produzierten Videoclips liegt der Reiz dieser Internetplattformen in erster Linie in größtenteils anonymen, privaten Amateurvideos. Nahezu jede Alltagssituation ist dort dokumentiert und öffentlich jederzeit abrufbar. Das belgische Künstlerkollektiv Leo Gabin durchforstet diese 
Portale auf der Suche nach Amateurvideos, die sich unter einem Thema subsummieren lassen oder einem sich stets wiederholenden Muster folgen, um daraus ein neues Video zusammenzufügen. So finden sich in der Arbeit „Cleaning“ unzählige Ausschnitte aus privaten Videos, in denen sich Teenager beim Aufräumen ihrer Zimmer filmen. Die Arbeit „Killin’it“ ist eine Aneinander-reihung von gewalttätigen Auseinandersetzungen unter Frauen, offensichtlich spontan mit wackeliger Kamera dokumentiert und öffentlich zugänglich gemacht.
Link zur Youtube Selection von Leo Gabin auf dem Schirn-Magazin:
http://www.schirn-magazin.de/kontext/leo-gabin-video-of-the-week/
(kursive Texte von der Presse-Abteilung der Schirn Kunsthalle zur Verfügung gestellt)