Dienstag, 13. November 2012

Extra Trouble - Jack Smith in Frankfurt

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Frankfurt, mein Frankfurt - was hast du uns alles zu bieten zurzeit, ich komme kaum noch nach mit dem Kunst-Konsum, oh du herrliche heimliche kulturelle Hauptstadt Deutschlands. :-) Die Ausstellungseröffnung im MMK zu Jack Smith (Extra Trouble...) habe ich leider verpasst, die Ausstellung muss ich mir noch anschauen. Zusätzlich zu der (wie ich gehört habe) spannenden Exposition (ein Jack Smith-Raum) gibt es viel Rahmenprogramm in verschiedenen Kulturinstitutionen in Frankfurt. Performances, Symposien und natürlich Filmvorführungen. Es ist ein Projekt der Initiative Kultur und Homosexualität e.V., über die ich ja auch bei meinem Vorhaben zum StadtteilHistoriker 2012 gestolpert bin, weil Hans-Peter Hoogen auch hier ein Mitglied ist. 
In Deutschland ist Jack Smith gar nicht so bekannt - er lebte in New York und war ein verrückter Multimedia-Avantgarde-Künstler, der vor allem in den Sechzigern und noch in den Siebzigern gewirkt hat. Große Künstler wie Andy Warhol schätzten ihn. Viele beziehen sich noch heute auf ihn und seine Kunst, die von Fotografie, über Musik, Performance bis zum Film reichte. Wieso er besonders gut in den schmerzwach Blog passt? Er liebte Trash, liebte Horrorfilme und B-Movies (wie ich es auch tue) und Hollywood Diven. 
Er ist auch - und darum ging es letzten Mittwoch (7.11.) im Mal Sehn Kino - der erste Vertreter der "Camp"-Kultur. Camp: Ein von der New Yorker Publizistin Susan Sontag geprägter Begriff für "Dinge, die von einem seriösen Standpunkt aus entweder schlechte Kunst oder Kitsch sind" (S.Sontag, Notes on Camp, 1964). „Camp ist eine Art unter anderen, die Welt als ein ästhetisches Phänomen zu betrachten. Nicht um Schönheit geht es dabei, sondern um den Grad der Kunstmäßigkeit, der Stilisierung“ (ebd.). Camp befasst sich dabei mit der äußeren Form der Dinge, Camp orientiert sich am Stil. „Den Stil betonen heißt den Inhalt vernachlässigen oder eine Haltung einführen, die im Hinblick auf den Inhalt neutral ist“ (ebd.). Ich möchte aber auch nicht weiter auf dieses hochkomplizierte Thema eingehen, ich bin ehrlich gesagt auch nicht immer durchgestiegen beim Vortrag von Prof. Dr. Juliane Rebentisch (HFG Offenbach), die einige Argumente gegen Susan Sontag anbringen konnte (Titel: Der Materialismus von Camp).
Das Filmprogramm beinhaltete zwei Filme von Jack Smith (Yellow Sequence und Song for Rent), außerdem einen Film von George Kuchar (Hold me while I´m naked) einen Film von Babeth (Balls on the line - Hommage a Joseph Beuys) und einen von Stefan Hayn (What to put on Jack Smith´s memorial Christmas Tree). Am meisten Gesprächsstoff lieferte der Film von George Kuchar - dieser belegte bei einer Kritikerumfrage der besten Filme des 20. Jahrhunderts Platz 52! Was mich etwas überraschte, als ich es erst nach dem Ansehen las. Ich fand diesen Film genauso wie die anderen etwas anstrengend. Unheimlich inspirierend, trashig, manchmal witzig, manchmal aber auch nervig. Und trotzdem war ich sehr froh, die Filme angeschaut zu haben, weil mich diese Künstler faszinieren, weil sie viele Grenzen übertraten, weil sie intellektuell und trotzdem humorvoll waren (was ja meiner Ansicht kein Widerspruch ist), weil sie innovativ, sehr kreativ waren und weil sie eine Haltung hatten. Etwas, das ich gelegentlich vermisse bei Künstlern der heutigen Zeit, in der gerne alles etwas beliebig und auf einen Markt hin ausgerichtet ist...
Mehr zu Jack Smith und den Frankfurter Veranstaltungen auf: http://jacksmith.extratrouble.de/

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