Samstag, 17. November 2012

Fortsetzungsroman: Moody Blue 16

http://schmerzwach.blogspot.de/2012/
11/fortsetzungsroman-moody-blue-15.html Wie war es beispielsweise bei Tobi gewesen? Aber andererseits benötigte man ein bisschen Zeit für solche Vertraulichkeiten. Und in dieser Situation kam ich schlichtweg nicht auf die Idee, ich hätte sagen können, nein – mir fällt in Wirklichkeit gar nichts ein. Was hätte ich denn sagen können? So, Alejandro und Tobias, ihr müsstet euch gut verstehen, denn ich finde euch beide toll! Oder: Alejandro und Tobias, ihr habt ja eins gemeinsam, ihr wisst, wie sich mein Schwanz anfühlt. Oh, Entschuldigung. Oder: Tobi, mit Alejandro schlafe ich, Alejandro, mit Tobi könnte ich es mir auch vorstellen. Nein, nein, ich bin ein bisschen wirr im Kopf, ich gebe es zu, ich schreibe Unsinn. 
Stefanie war gar nicht bei ihm gewesen, was wiederum neue Fragen aufwarf, doch ich hinderte Tobi daran, diese auszudiskutieren. Was brächten uns Spekulationen?! Ich hasste solche Diskussionen, die nur auf Spekulationen beruhten, sie sind so sinnlos. Er erzählte von einem Baggerseefest, da könnten wir ja hin. Und wie? fragte ich, hast du ein Auto? Nein, habt ihr keins? Nein, Tobi, wir haben keines. Mit dem Fahrrad? fragte er vorsichtig. Nein, das ist jetzt viel zu stressig, antwortete Alejandro. Tobias schaute mich an: Apostoli? Mir auch, entgegnete ich schnell. Ich fahre allein, sagte er nun, vielleicht sind Steff und Levent dort. Wir wünschten ihm viel Spaß und verabschiedeten uns von ihm. Als er weg war, hatten wir keine Lust mehr auf Schachspielen. Um diese Zeit wollte er noch los? Es war halb zwölf. Vielleicht aber hatte er nur einen Vorwand gesucht, um gehen zu können. Ich fragte meinen Schatz, wie er Tobi finde. Er gefalle ihm äußerlich nicht, er mache auch keinen sympathischen Eindruck, sagte er, aber etwas Mysteriöses, Attraktives sei an ihm. Wieso dachte mein Brasileiro das auch? Bist du eifersüchtig? wollte ich wissen. Nein, sagte er, du wirst sein Geheimnis bald entdecken, dafür brauchst du wahrscheinlich kein allzu enges und intimes Verhältnis zu ihm, und dann verlierst du das Interesse. 
Alejandro, der erst 19 Jahre alt ist, hat eine grandiose Fähigkeit, die ich sehr an ihm bewundere: Er kann Menschen gut einschätzen, er hat ein Gefühl für sie, nach kurzer Zeit schon kann er sagen, ob jemand ehrlich, gut, unehrlich, böse, echt, unecht, fair, unfair ist. Wie oft irrte ich mich, sah jemanden, den ich total hübsch fand, deutete sein Lächeln als süß und zuvorkommend, mein Freund betrachtete ihn, sagte: Der hat ein hinterhältiges Lächeln; am Ende stellte sich heraus, dass derjenige ein großes Arschloch ist. Nun, wie war seine Einschätzung bei Tobi? Etwas Mysteriöses. Das Interesse verlieren. Es gehe nicht lange, ich brauche kein allzu intimes Verhältnis. Erkläre dich! sagte ich zu Alejandro. Da gibt es nichts zu erklären, meinte er, er zieht dich im Moment nur an, weil er ein Geheimnis hat, worin es besteht, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass du es bald herausfinden wirst, weil du alles Wichtige sehr schnell in Erfahrung bringst, du brauchst nicht intim mit ihm zu werden; daher mache ich mir keine Sorgen. Nach der Auflösung wird er dich nur noch langweilen. Ach so, sagte ich, so ist das also. Genau, lass uns jetzt vor dem Fernseher einschlafen, mein Apostelchen. Wir zogen uns aus, schalteten das Licht aus und verkrochen uns unter die Bettdecke. Er zappte durch das Programm, bis er einen zufriedenstellenden Film entdeckte, es war ein Psychothriller, aber wir kriegten nicht mehr viel mit, weil wir beide bald einschliefen. Allerdings wachte ich nach zwei Stunden auf, lag schlaflos neben Alejandro und dachte nach. 
Um drei Uhr klingelte das Telefon. Ich ging sofort dran. Wer rief um die Uhrzeit an? Levent? Nein, es war Tobias. Mein Süßer wurde dadurch zum Glück nicht aufgeweckt. Ich setzte mich in die Küche, um zu telefonieren. Tobias war total besoffen, erzählte mir, dass er die beiden nicht getroffen habe. Dann stammelte er irgendwelche unverständlichen Dinge vor sich hin. Irgendwie musste er wohl etwas Peinliches getan haben, dass ihm leidtat und dass seinen Ruf beschädigte. Nur was? Das konnte ich nicht ausmachen. Und ich solle ihn verstehen und nicht böse auf ihn sein. Er bat mich um ein Lied und ich sagte, leg jetzt auf, ich singe dir morgen ein Lied. Versprochen? fragte er mich mit kindlich-unsicherer Stimme. Natürlich, meinte ich, ruf mich an, wenn du wach bist. 
Ich legte mich wieder in mein Bett, Alejandro schlummerte weiterhin friedlich. Konnte ich noch einschlafen? Ja. Allerdings war es einmal mehr eine unruhige Nacht, ich fühlte mich morgens nicht entspannt. Warum hatte mich Tobi noch so spät angerufen? Naja, mein Engelchen prophezeite mir, dass ich sein Geheimnis bald lüftete, also versuchte ich jegliche Spekulationen darüber, in einen anderen Teil meines Gehirns zu verdrängen, der mich nicht bewusst in Beschlag nahm. Wir ließen den Morgen langsam und entspannt beginnen, ich bin sowieso ein Morgenmuffel, aber auch mein Freund brauchte seine Zeit, um fit zu werden. Nach einiger Zeit duschten wir miteinander, allerdings ohne Sex. Danach ging es mir ein bisschen besser. Ich nahm mir mein Buch vor, ich las „Maurice“ von E.M. Forster und es machte mir Spaß. Ich versuchte eine interessante Lektüre für Alejandro zu finden, der gerne eine schöne „schwule“ Liebesgeschichte lesen würde. Dieses war jetzt das erste Werk, das ich ihm empfehlen konnte, nachdem die anderen Romane etwas Verstörendes, Deprimierendes hatten. Was nervte mich dieser unerträglich dämliche Roland in Stefan Zweigs „Verwirrungen der Gefühle“, der doch gar nichts geschnallt hatte, und Herr Zweigs Stil mag literarisch wertvoll sein, nur konnte ich damit nichts anfangen. Genausowenig mit Candia Williams´ “Die dritte Seite der Liebe“, ich fand die Sprache schwülstig und nervenaufreibend. Auch Alvarez Pombo, den ich gerne las, schien nicht das Richtige für meinen Engel zu sein, nein, er wollte ja eine glückliche, schöne Liebesgeschichte, keine tragische, unglückliche. 
Alejandro putzte die Wohnung. Nach dem Mittagessen, um halb eins, rief Tobias wieder an, er wollte sich für die beiden Störungen, am Abend und in der Nacht, entschuldigen. Man mache wirklich blöde Dinge, wenn man besoffen ist. Das wusste ich selbst. Magst du mich noch? fragte er mich. Natürlich, sagte ich, was glaubst du? War er in mich verliebt?! Singst du mir jetzt ein Lied? Ja, Tobi, mache ich, ich singe:


Η πατριδα μου

Εγω κραταω τον ερωτα
μα εσυ την καταιγιδα
και πνιγειs μεs στο ψεμα σου
την ακριβη μου ελπιδα.

Εγω κραταω τον ερωτα
μα εσυ κραταs μαχαιρι
που καρφωσεs στην πλατη μου
με το ιδιο σου το χερι 
μερα μεσημερι.

Εισαι ο ηλιοs που εχει γινει επικινδυνοs 
και καθε μερα καει την επιδερμιδα μου
απ´ τους πολλους πολιτικους
κι εσυ εισαι ενας απ´ αυτους
που ξεπουλανε μ´ ευκολια την πατριδα μου.

Εγω σου λεω τα ονειρα
που κρυβω μεs στα στηθια
μα εσυ μου λεs καταμουτρα
την πιο πικρη σου αληθεια.

Ζωγραϕισμενος ειναι πια 
στα ματια μου ο πονος
κοιτω πως μας καταντησε 
στο περασμα του ο χρονος
και με πιανει τρομος.

(ΚΑΙΤΗ ΓΑΡΜΠΗ)

Kannst du mir den Text übersetzen, Apostoli? Natürlich; ähm – so weit er übersetzbar ist:

Meine Heimat

Ich erfreue mich am Eros,
Du dich jedoch am Gewitter
Und du ertränkst in deiner Lüge
Meine teure Hoffnung.

Ich halte mich am Eros,
du dich jedoch hältst ein Messer,
das du in meinen Rücken stießest
mit der gleichen Hand,
jeden Tag, jeden Mittag.

Du bist die Sonne, die gefährlich geworden ist
Und die jeden Tag meine Haut verbrennt,
genauso wie die Politiker
und du gehörst zu ihnen,
die mit Einfachheit meine Heimat verkaufen.

Ich erzähle dir die Träume,
die ich zwischen meinen Brüsten verstecke,
aber du schmetterst mir deine allerbitterste Wahrheit
mitten ins Gesicht.

Jäh eingezeichnet ist
Der Schmerz in meinen Augen,
ich beobachte, was die Zeit
mit uns getan hat
und mich erfaßt ein Schrecken.
(KAITI GARMBI)

Im Deutschen reimt es sich nie, sagte ich, und hört sich sehr holprig an, da kann man nichts machen. Besuchst du mich? fragte er mich. Gehen wir schwimmen, beschloss ich, du, Alejandro und ich. An den Baggersee? Ja. Gestern Abend wolltet ihr nicht so weit fahren, stellte er fest. Nein, gestern war es aber auch schon fast Mitternacht und wir waren müde, jetzt nicht, erwiderte ich. Trug er mir das nach? War ich etwa Schuld an seiner peinlichen Situation? Ich komme bald vorbei, bis dann, sagte er. Ja, bis dann. 

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