Mittwoch, 13. Juli 2011

Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray

Zurzeit mache ich bei zwei interaktiven Lesezirkeln mit, der eine wird von mir organisiert und da könnte ihr gerne mitmachen: tschick, tschick... und der andere ist von einem Leseforum aus: http://forum-wirlesen.forumprofi.de/ und da geht es vor allem um Fantasybücher. Ihr fragt euch zurecht: schmerzwach und Fantasy? Naja, ich wollte meinen Horizont erweitern... Aber das Witzige ist, dass in der ersten Leserunde ein Klassiker ausgesucht wurde, den Dorian Gray von Oscar Wilde, den ich zwar schon mal gelesen und zwei Verfilmungen gesehen habe, doch... beim erneuten Lesen merke ich, dass es mir Spaß macht, dass ich bei ganz vielen Dingen innerlich aufschreie: JA! So ist es! Oder: NEIN! Das ist nicht so! Meine Ausgabe ist ganz schön, von der Büchergilde Gutenberg. :-)
In meiner Ausgabe beginnt das Lesevergnügen bereits mit den vorangestellten Sprüchen zu den Themen Ästhetik, Kritik und Kunst. "Kritik, in ihrer höchsten wie niedersten Form, ist eine Art Selbstdarstellung." Wie wahr, das merke ich auch immer, wenn ich über Bücher, Filme und Musik schreibe... ;-) "Wer im Schönen einen Sinn entdeckt, hat Kultur. Für ihn besteht Hoffnung." Ich male mir überall Kringel dran, Ausrufezeichen, schreibe "guter Satz", "wie wahr!" oder "hahaha" und freue mich über die gewagten Äußerungen, die im Dorian Gray gemacht werden (auch heute noch gewagt ;-)), freue mich darüber wie Lord Henry den armen jungen Dorian manipuliert, er redet ihn wild - das muss ein Autor erstmal authentisch hinkriegen. Oscar Wilde war ein Wortakrobat, konnte die fantastischsten Thesen wortreich ausdrücken, beschäftigte sich wie kaum einer in seiner Zeit mit Kunst, Kultur, Schönheit und Schauspiel und natürlich Sexualität und Liebe. "Mir war klar, hier stehe ich einer Person gegenüber, deren bloße Erscheinung faszinierend ist, daß sie, wenn ich es zulasse, mein ganzes Wesen, meine ganze Seele, ja sogar meine Kunst in Beschlag nimmt." Ja, es geht um Leidenschaften, um Wildheit, um Verderbtheit. Und das alles so herrlich konstruiert, dass man es gar nicht merkt, dass es konstruiert ist. Mir macht Spaß, dass die Figuren in dem Roman meistens in Aphorismen reden: "Lachen ist durchaus kein schlechter Anfang für eine Freundschaft und bei weitem ihr schönster Abschluß", sagt Lord Henry, so wie er permanent kluge Dinge sagt. "Von meinen Freunden verlange ich gutes Aussehen, von meinen Bekannten guten Charakter und von meinen Feinden einen gut funktionierenden Verstand." Wie arrogant und selbstbewusst muss eine Person sein, um so etwas zu äußern?! Ich liebe Lord Henry. "Wer treu ist, kennt bloß die banalen Seiten der Liebe; der Treulose kennt auch ihre Tragödien." Ein Thema, das mich und dieses Blog nicht loslässt: http://schmerzwach.blogspot.com/2011/07/wer-will-der-kann-auch-troisieme-partie.html. Immer wieder neue Gedanken dazu... Lord Henry sagt: "Ich glaube, wenn auch nur ein einziger Mensch sein Leben voll und ganz ausleben würde, wenn es ihm gelänge, seinen Gefühlen Form zu geben, seinen Gedanken Ausdruck zu verleihen und seine Träume zu verwirklichen - ich glaube, dann bekäme die Welt einen neuen Antrieb zur Freude; wir würden die Maladien des Mittelalters vergessen und zum hellenischen Ideal zurückkehren..." Die Welt hat sich seit diesen Sätzen ein paar Mal gedreht und der Wunsch gilt noch immer, umgesetzt zu werden... Der Sozialismus ist tot, die Hippies bald auch... Wann wird diese Utopie jemals der Realität nahe kommen? 

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