Sonntag, 24. Juli 2011

Kitchen Stories TWENTY - Von Anfang bis Ende

Mein Freund J.E.G. sagt immer (sinngemäß): "Ich könnte jeden Tag einen neuen Roman beginnen... aber bis zum Ende durchhalten ist echt hart!" Ja, Romananfänge sind das schönste am Schreiben, da fällt es noch leicht, da weiß man noch, was man schreiben möchte. Und vor allem ist man sich da noch sicher, dass es ein guter Text ist, den man gewiss nicht mehr verändern muss... Hat man schon ein bisschen mehr geschrieben, liest man zum ersten Mal anderen Menschen vor. Und plötzlich heißt es: Oh nein, nein, so nicht, so nicht, am Anfang lieber eher so, oder so... Man weiß, okay, so funktioniert es nicht, also muss ich den Anfang überarbeiten. Aber damit ist noch nichts für den weiteren Verlauf der Geschichte getan... Man verausgabt sich also dabei, einen neuen Anfang zu schreiben - und hat dann erst mal keine Kraft für die Mitte. Geschweige denn für das Ende, das Ende, das man ja eigentlich auch schon im Kopf hat, aber eben nur da. Vielleicht beendet der eine oder die andere die Arbeit an dem Manuskript nun da, schreibt ein paar Kurzgeschichten, die etwas übersichtlicher sind, oder gar Gedichte. Vielleicht schreibt der eine oder andere auch nie wieder weiter an dem langen Text, beginnt dafür lieber einen neuen Roman, der ganz richtig klingt... bis er ihn anderen vorliest... Teufelskreislauf! Bei meinem ersten Jugendbuch ging es mir so: Ich begann damit 2008, im August. Eigentlich hätte ich ja andere Dinge tun müssen, aber... plötzlich drängte sich mir der Stoff auf. Ich schrieb also ein paar Tage exzessiv daran. Dann pausierte ich zwei bis drei Wochen. Als ich bei meiner lieben Freundin Hüsne in der Türkei zu Besuch war, in Antalya, hatte ich das Laptop dabei - und plötzlich ganz viel Lust weiter zu schreiben. Tatsächlich schaffte ich es zwei Drittel des Jugendbuchs fertig zu stellen. In der Folgezeit hatte ich dann viel zu viel zu tun. Tagsüber Praktikum beim Schöffling Verlag, gleichzeitig Abendstudium, für das ich an Wochenenden Texte schreiben musste... Das war zu viel. Als ich Monate später wieder Zeit hatte, schrieb ich lieber andere Texte. Kurzgeschichten. Warum auch immer... Erst im Mai 2010, fast zwei Jahre nach Beginn des Jugendbuchs mit dem Arbeitstitel "Kranichstein" (heißt nun aber ganz anders! :-)), bekam ich wieder Lust darauf. Und ich schrieb. Und schrieb. Es klang anders. Aufregender. Der Anfang passte schon fast nicht mehr dazu... Ich schrieb ihn kurz vor meinem Geburtstag zu Ende, schickte ihn zu einem Preis ein. Es passierte nichts... Auch Verlage interessierten sich nicht dafür... Dann im Oktober auf der Buchmesse lernte ich einen Frankfurter Verleger kennen. Wir redeten miteinander. Es war sehr nett. Er erzählte mir von seinen Vorhaben. Das erinnerte mich an Kurzgeschichten, die ich geschrieben hatte. Ich schicke sie ihm. Als Antwort kam die Frage, ob ich auch einen Langtext habe. So schickte ich ihm Kranichstein... Und er wollte es verlegen. Aber ich müsse es überarbeiten... Der kompetente Mann gab mir wertvolle Tipps. Ich veränderte bis Weihnachten den Text radikal. Aber damit begann erst die ganze Arbeit. Ab diesem Zeitpunkt musste ich das Jugendbuch noch sechs Mal umschreiben. Und ich kann es nicht mehr sehen. Bei jedem neuen Durchgang - wieder von vorne anfangen, angemerkte Kritiken verinnerlichen und umsetzen - dachte ich immer nur: Boah, lieber ein neues Buch beginnen, lieber ein neues Buch! Aber das geht nicht, sagte die Vernunft, der Jugendroman soll bei der nächsten Buchmesse draußen sein. Er wird es auch. Und jetzt kann ich einen neuen Roman schreiben, jetzt, nachdem es sogar einen Titel für "Kranichstein" gibt, der nicht verraten wird! Auf das Cover bin ich gespannt... Und wie es sich in meinen Händen anfühlen wird, das schöne Buch, mein erster Roman, der verlegt wird...

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