Samstag, 4. August 2012

Weltentaucher Literaturfreunde präsentieren: Gespräch mit Acadius

Hütte auf dem Hügel... Lily M Neumeier


Wir haben uns verabredet. Nach den ganzen letzten Monaten der gemeinsamen Arbeit, war es auch endlich mal Zeit dazu. Aussprechen, über die Probleme reden, die sich zwischen uns wie eine große Kluft aufgetan haben und eine Lösung finden. Gibt es überhaupt eine? Ich bin mir unsicher: Schließlich war ich es, die Acadius über Monate gequält, ihn durch seine Welt gejagt und immer wieder Details geändert hat. Ich erinnere mich noch gut daran, wie er zwischenzeitlich immer stehenblieb, sich umdrehte und mir mit seinen treublauen Augen unwiderruflich sagte, was Worte überhaupt nicht hätten ausdrücken können. Er hatte keine Lust mehr, den gleichen Tag, die gleiche Story immer und immer wieder zu erleben. Die gleichen Tränke zu brauen und auf seine Mitstudenten zu treffen. Ich glaub, dafür sollte ich mich heute entschuldigen. 
Ich lehne mich nach hinten. Die Tür des Cafés öffnet sich und die Ladenglocke ertönt. Herein tritt ein Acadius, genauso, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe. Er ist dünn, ohne Frage, aber nicht schmächtig, seine Augen sind unglaublich ... Ich könnte ihn in einer riesigen Menschenmasse wiederfinden. Irgendwie ist er doch immer noch ein Teil meiner Gedanken und Vorstellungen. 
Auch er erkennt mich auf Anhieb und kommt mit gesenktem Blick auf mich zu. Seine Hand zittert vor Aufregung, als er sie mir entgegenstreckt. Ich muss das unbedingt ändern, er ist ein bisschen zu oft aufgeregt ...
„Hallo Acadius“, begrüße ich ihn und deute ihm, mir gegenüber Platz zu nehmen.
„Hallo“, bringt er trocken heraus. Ich weiß nicht, ob auch das an seiner Aufregung liegt, oder er einfach immer in einem solchen Ton spricht. Wir schweigen. 
„Na, wie geht es dir?“, bringe ich nach einigen Minuten heraus. Er antwortet mir nicht, blickt mich aber immerhin an. 
„Was wird noch mit mir passieren?“ Seine Stimme wird noch leiser. Ich beuge mich zu ihm vor, runzle meine Stirn. 
„Wie meinst du das?“
„Naja, was passiert in den nächsten Teilen mit mir? Du hast mich so durch die Welt gescheucht, ich bin eigentlich nur knapp dem Tod entkommen ... wirst du ... Wirst du mich umbringen?“ 
Mein Mund öffnet und schließt sich vor Ungläubigkeit wie in Trance. 
„Wieso sollte ich dich umbringen?“ 
„Naja, du brauchst doch sicher irgendwann ein Opfer ...“ 
Ich schüttle den Kopf. 
„Acadius, glaube mir, bevor ich dich umbringe, muss noch so einiges passieren. Aber keine Sorge, ich weiß schon, wie du stirbst. Es wird der Tod eines Heldes sein!“ 
Ich glaub, das hat ihn nicht beruhigt. Schreckhaft weicht er zurück, starrt mich mit den immer größer werdenden Augen an. 
„Und was passiert mit mir jetzt ... im zweiten Teil?“
Ich unterdrücke ein Lächeln. 
„Was glaubst du?“
„Ich ... Ich hoffe irgendwie, dass es nicht so ganz aussichtslos sein wird ...“ Er trommelt mit seinen Fingern auf den Tisch. 
„Keine Angst, das wird es nicht sein ...“, beruhige ich ihn. „Du wirst supernette Menschen kennenlernen. Und deine Chance erhalten, alles wieder gut zu machen!“ 
Ein Lächeln umspielt Acadius’ Lippen. 
„Ich muss wieder gehen“, sagt er mit viel glücklicherer Stimme und steht auf. 
„Bis später, in deiner Geschichte“, rufe ich ihm hinterher. Doch er war schon längst verschwunden. 
http://www.amazon.de/Die-Legenden-Weltentaucher-Aufbruch-ebook/dp/B008RZY05Q/

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen