Donnerstag, 10. September 2015

Meine Erlebnisse als Pädagoge (21-25):


Meine Erlebnisse als Pädagoge (21):
Noch als Student arbeitete ich im Schülercafe einer Karlsruher Hauptschule. Eines Tages sprach mich ein Mädchen aus der 8. Klasse an: "Jannis, hast du eigentlich eine Freundin?" 
Natürlich war meine Antwort: Nein.
Eine Woche später traf sie mich dort wieder, ich hatte einen Knutschfleck. 
Sie schaute mich ernst an, sagte: "Letzte Woche habe ich dich gefragt, ob du eine Freundin hast."
Ich: "Ja?"
Sie: "Und du hast gesagt: nein. Und jetzt hast du einen Knutschfleck! Wie geht das?"
Ich muss schmunzeln, die Jungs kichern. 
Die Sozialarbeiterin mischt sich ein: "Ja, denk mal darüber nach, liebe ..." und muss ebenso schmunzeln.
Die Schülerin grübelt.
Die Sozialarbeiterin helfend: "Was könnte das bedeuten?"
Die Jungs schütteln lachend den Kopf.
Die Schülerin: "Hä? Ich checks net!"

Meine Erlebnisse als Pädagoge (22):
Die Episode mit dem Bäckersjungen erinnerte mich auch an eine Beratungssituation mit einem fünfzehnjährigen Jugendlichen. 
Der redete und redete und redete - und ich dachte: komm mal zum Punkt, ich habe auch noch andere Klienten. Aber weiter ging es: blubb blubb blubb. 
Dann, eine gefühlte Stunde später: "Also, PlastaMasta, ich bin nicht normal. Ich sehe dauernd: Hintern, Busen, Hintern, Busen, Hintern, Busen. Die ganze Zeit. Ich werde noch verrückt!"
Ich wollte ihn ja nicht auslachen, musste mich allerdings gut zurücknehmen. 
Ich schaute ihn ernst an: "Du bist sowas von 'normal'. Wenn du deine Mitschüler fragen würdest, dann würden die das gleiche sagen. Und wenn du deinen Vater fragst, wie er damals war ..."
"Und du?"

"Ich? Ja, ich war auch mal 15."

Meine Erlebnisse als Pädagoge (23):
Schon als Student leitete ich ja Kurse mit jugendlichen Flüchtlingen. Ich hatte da einen ganz zauberhaften irakischen Jungen als Schüler. Bei der Flucht hatte er seine Eltern verloren und kam dann über Umwege zu seinem großen Bruder nach Karlsruhe. Der kümmerte sich um ihn, war aber natürlich mit seinem eigenen Leben genug beschäftigt und etwas überfordert mit seinem kleinen Bruder ... So bat er mich irgendwann, auf seinen kleinen Bruder ein Auge zu werfen, quasi als zweiter großer Bruder. Die beiden wussten die ganze Zeit nichts über den Verbleib ihrer Eltern ... Dann nach fast zwei Jahren (das muss man sich mal vorstellen, der jüngere war ja 11/12 Jahre alt) stellte sich dann endlich heraus, dass sie noch lebten. Natürlich wollte er sie sofort sehen, was jedoch gegen die deutschen Richtlinien verstieß, da sie in einem anderen Bundesland untergebracht waren. So verstand ich sehr gut, dass der Junge schwierig wurde und ausreißen wollte. Er probierte es mehrmals und sein Bruder und ich mussten da viel Überzeugungsarbeit leisten, dass er sich wieder beruhigte und Geduld zeigte. Und das in diesem Alter ...

Meine Erlebnisse als Pädagoge (24): 
Neben der Bauernschläue gibt es auch die Lehrerschläue... Eines Tages - noch zu Studienzeiten - begleitete ich die zweiten Klassen einer Karlsruher Grundschule zu einem Theaterstück. Die Mutter eines Schülers war auch mit dabei. Wir setzten uns nach links zu ihrem Sohn. Kaum saßen wir, mussten wir jede Minute "eigene" wie "fremde" Kinder ermahnen. Ich blickte mich um, sagte dann zur Mutter:
"Ist dir eigentlich aufgefallen, dass wir als einzige Betreuer links sitzen?"
"Nein. Wo sitzen denn die Lehrerinnen?"
"Alle Lehrerinnen sitzen rechts, auch die der anderen Schulen."
"Ähm, okay."
"Und die Rabauken sitzen alle links übrigens." 
"Die Lehrerinnen sind ganz schön abgebrüht", schmunzelte die Mutter. 

Die Mutter und ich haben irgendwie nur die Hälfte des Stückes mitgekriegt...

Meine Erlebnisse als Pädagoge (25):
Ich bin ja mehr der große Bruder so als Pädagoge, manchmal habe ich mich dann aber doch gefragt, ob ich nicht zu viel erzähle... Eines Tages hatte ich eine Postkarte auf meinem Tisch, auf der die Nummer einer Hotline für Alkoholsüchtige drauf stand... Ich war leicht verwirrt. Als ich Schüler Daniel wieder sah, fragte der mich: "Haben Sie schon angerufen?" von mir kam wahrscheinlich nur ein "grmpfl" heraus. Er lachte: "Naja, ich habe es nur gut gemeint, Herr P."

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