Samstag, 5. September 2015

RotZSchwul. Der Beginn einer Bewegung (1971-1975)

Es gab Momente, in denen ich dachte: Hm, das schaffst du nie! Zu groß erschien mir der Berg - die vielen Kopien aus dem Archiv, gefühlt eine Million!, die langen Tonbandaufnahmen, die enormen Eindrücke und die Komplexität des Ganzen - ja, er erschien mir unüberwindbar! Ängste trieben mich um, niemals mit dem Buch fertig zu werden. Das erscheint kurios, angesichts der Tatsache, dass es nun 200 Seiten dick ist. Aber zwischendurch dachte mein Betreuer von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, dass ich bei dem vielen Material und bei meiner Herangehensweise einen 1000-Seiten-Wälzer fabrizieren würde. Das verhinderte natürlich mein Lektor und Verleger in Personalunion (Jim Baker vom Querverlag). Zum Glück für die zukünftigen Leser_innen. 1000 Seiten hätte niemand geschafft. ;-) Als allerletzter ich selbst! Denn selten habe ich ein Buch so oft überarbeitet wie dieses. Dachte ich schon bei Liebe/r Kim, dass ich am Rande des Erträglichen stehe, war diese Sisyphus-Arbeit an dem RotZSchwul noch eine Steigerung und noch größere Herausforderung für meine Nerven! 
Das alles hört sich nach zu viel Arbeit und Bereuen an. Nein, dem ist natürlich nicht so! Ich habe in diesen drei Jahren, in denen ich an diesem Buch arbeitete - immer etappenweise natürlich - so vieles gelernt, dass ich das kaum in einem Blog-Artikel zusammenfassen könnte. Da waren so viele spannende Menschen, die ich kennenlernen durfte, so viele Geschichten, die ich zu hören bekam, so viele Gedanken und Gefühle, die auf mich einstürzten und zu einem anderen Menschen machten. Während der Arbeiten dachte ich gelegentlich: So etwas machst du nie wieder! Nichts Historisches mehr, nichts mit Interviews, kein Crossover mehr - denn im Grunde ist "RotZSchwul. Der Beginn einer Bewegung (1971-1975) mehr als ein Sachbuch. Oder besser: kein übliches Sachbuch. Es ist kein Geschichtsbuch, wie man das so kennt. Es ist mehr ein Geschichten-Buch. In den Mittelpunkt habe ich nicht nur die Gruppe RotZSchwul gesetzt, sondern auch meine "Erfahrung mit der RotZSchwul", was ein sehr großer Unterschied ist. Ich erzähle aus meiner Sicht, und das wirkt manchmal traumartig, irgendwie die Vergangenheit verfälschend - und doch berichte ich immer Fakten, stütze mich auf wahre Quellen, die meine Worte belegen. 
In diesem Werk wollte ich Geschichte(n) erlebbar machen, wollte Menschen mit auf meine Reise in die Vergangenheit nehmen - ich möchte nicht nur, dass die Leser_innen verstehen, warum ich das Buch geschrieben habe, sondern auch, dass sie nachvollziehen können, warum ich es nur so schreiben konnte und was es mit mir gemacht hat. Ich ziehe alles in meine eigene Realität, in meine Gegenwart, nein, in unsere Gegenwart - und so versuche ich die Vergangenheit zu erklären und zu zeigen, wie sie unseren Weg gebahnt hat. Ich hoffe sehr, dass mir dies gelungen ist. Wen ich nun neugierig auf mein neues Baby gemacht habe, hier gibt es mehr dazu: http://querverlag.de/books/RotZSchwul.html.

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