Freitag, 14. September 2012

Lesung in der Stadtteilbibliothek Nordweststadt am 13/09/12


Da hat der Auszubildende gute Arbeit geleistet, mein Buch über Andreas Steinhöfels "Die Mitte der Welt", Cornelia Funke ist dabei - und ein paar Fantasy-Bücher... Gelungene Mischung, Plattenbaugefühle passt genau da rein. :-) Nein, ich fand das eine schöne Sache, als ich da nach einer kleinen Weltreise  in die Nordweststadt kam und schon um zehn Uhr lesen sollte. :-)



Zwei Schulklassen der Ernst-Reuter-Schule trauten sich an diese Lesung heran. Es war spannend! Und zeigte mir wieder, wie wichtig Lesungen an sich sind, aber vor allem wie wichtig Lesungen von Büchern wie dem meinen sind. Zu den Lesungen an sich: Es sollte Pflicht sein, dass man mit seinen Schülern zu Lesungen geht, ins Theater, ins Museum, ins Kino, zu einem Konzert - und zwar regelmäßig. Man kann eben nicht alles nur im Schulraum und im Internet konsumieren - und wenn immer weniger Eltern mit ihren Kindern für ein Kulturprogramm außerhalb von Internet und Konsum bieten (nein, in der City shoppen oder auf die Dippe-Messe gehen gilt NICHT als Kultur), dann hat die Schule eben diesen Kultur-Auftrag...



Wie wichtig die Themen (Homo)Sexualität, von der Norm abweichende Geschlechtsrollen und das Sprechen darüber sind, das zeigte sich erneut bei dieser Lesung. Die eine Klasse hatte sich auf diese Lesung vorbereitet, traute sich aber dann nicht mir Fragen zu stellen, weil die Wilden von der anderen Klasse nicht gerade für ein vertrauensvolles Klima sorgten. Da waren dann meine pädagogischen (und Moderations)Fähigkeiten sehr viel mehr gefragt als ursprünglich gehofft. Aber das soll jetzt keineswegs negativ und abwertend klingen, die Jugendlichen sind mitten in der Pubertät, die Jungens versuchen gerade sich abzugrenzen, "nicht Mädchen zu sein" - da ist eine Offenheit schwierig. Und diese Schwierigkeit wird so lange bestehen bleiben, bis sich die Gesellschaft endlich ändert, sich von diesem Mario Barth-Quatsch löst, von diesem Quatsch auch, der aus den USA kommt, die Twilight-Scheiße genauso wie der Shades of Grey-Schwachsinn. Denn diese Rollenstereotype, die da vermittelt werden, sind nicht viel besser als das, was die Europäer andernorts als rückständig bekämpfen (Frauenbild im Islam). Anstatt jeden Quatsch aus den Medien unreflektiert zu übernehmen, seit Jahrzehnten schon in den gleichen Mustern zu schmoren, sollte man lieber in die Zukunft blicken, neue Gesellschaftsformen, neue Geschlechtsrollenbilder, Beziehungsmuster und einen befreiteren Umgang mit Sexualität und Normabweichung suchen. Und das kann man nur mit offenen Menschen - so offen, wie es die Kolleg/innen von der Stadtteilbibliothek in der Nordweststadt waren, aber auch vor allem die Lehrerinnen der Ernst-Reuter-Schule, die ihre Schüler/innen vier Stunden lang auf diese Lesung vorbereiteten; sie erarbeiteten die Themen Coming-out und Homosexualität. 



Dass Plattenbaugefühle auf Interesse stieß, merkte ich nicht nur daran, dass eine Schülerin die Lehrerin fragte, ob sie das nicht als Zwischenlektüre lesen könnten. Sondern auch, dass ein Schüler nach der Lesung in der Ecke saß und darin schmökerte. Ein größeres Kompliment gibt es wohl nicht! :-)

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