Dienstag, 14. Dezember 2010

Liebesgeschichte in 11 Liedern - Teil 2 -

Lied 2: Gala – Freed from Desire

Ich bin eher der Kuschel-Typ. Tom musste ich dazu zwingen. Er ist ein Wilder. Die letzten Tage versuchte ich ihn sanft und bestimmt dazu zu bringen, dass er mich wenigstens vor dem Schlafengehen noch ein bisschen in den Arm nahm. Mit dem Verstand kann man nicht erklären, wieso ich so sehr an im hänge, da ich bereits so oft verletzt wurde. Es ist so, wie wenn ich immer wieder eine CD von Coldplay anhöre, obwohl ich weiß, dass ich dann weinen werde, weil ich einfach stets weinen muss, wenn ich ein Lied von ihnen höre. Tom legte sich noch einmal hin, während ich duschte. Wir tranken Sekt, gingen dann los. Liefen durch Chueca, versuchten ein paar Freikarten für Clubs zu ergattern, wurden von Promotern angesprochen, schauten uns die Menschen an. Betraten merkwürdige Clubs, in denen noch viel zu wenig los war. Nach zwei Liedern etwa rauschten wir wieder heraus, weil immer noch niemand da war. Ich amüsierte mich auch ohne andere, weil ich tanzte. Ich wollte zeigen, dass ich nicht nur weinen kann. Ich kann Spaß haben, Leute anflirten, tanzen, schön sein, einfach.

Wir setzten uns in eine Schwulen-kneipe, tranken etwas Mysteriöses, was schnell betrunken macht. Ich fühlte mich mit Tom wohl. Wir erlebten etwas gemeinsam. Wir gingen später ins „Longplay“. Auch hier war erst einmal relativ leer. Es füllte sich später. Mir gefiel es. Nichts Besonderes, aber die Menschen schienen nett und umgänglich. Sympathisch. Ich tanzte zu schlechter Musik, meist Spanisch, manchmal Eurovision Song Contest. Als gerade das bekannteste Lied von Gala lief, stupste mich Tom an: hey, da ist ein süßer Lockenkopf. Hmmm, machte ich, wenig interessiert. Der gefällt mir, sagte er. Ja, erwiderte ich. Ich fühlte mich einfach wohl hier. So ganz anders als in Frankfurt. Da erschien mir alles so kalt, so oberflächlich, so unfreundlich, so selbstbezogen. Vielleicht war das auch hier so. Nur fühlte ich es anders. 

Tom entschied, dass wir um vier gehen könnten, noch ein wenig schlafen und am nächsten Tag viel erleben. Mir war es recht. Für mich kam der schönste Teil des Abends vor dem Schlafengehen. Noch einmal eine Viertelstunde Schmusen.

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