Montag, 13. Dezember 2010

Liebesgeschichte in 11 Liedern - Teil 1 -

Schaue ich mir die Umfragewerte bisher an, dann liege ich nun mit dieser neuen Fortsetzungsgeschichte ganz richtig:
a) es ist ein Reisebericht, b) es geht um schöne Männer und die Liebe (Homosexualität), c) Musik spielt eine große Rolle - was auch zum Soundtrack of my Life (der anderen aktuellen Reihe passt), d) ist es literarisch geschrieben und e) sind es eigentlich kleine aneinandergereihte Anekdoten aus einem Urlaub. Also viel Spaß mit der Liebesgeschichte in 11 Liedern! Man höre dazu: http://www.youtube.com/watch?v=9hZftgET4GI.

Lied 1: I Am Kloot – Avenue of Hope

Ich musste mich auf eine Bank setzen und weinen. Ich war durch den Retiro Park gelaufen, der riesengroß ist, alleine, saß am Wasser, schaute mir den Glaspalast an, in dem eine Ausstellung von Tobias Rehberger zu sehen war, allerdings nicht an diesem Tag, und plötzlich begann es tröpfchenweise zu regnen. Da ich mich nicht auskannte und nicht wusste, wie ich wieder zum Ausgang kommen könnte, lief ich einem Mann, der mit seinem Hund Gassi ging, hinterher. Mir kam dieser Ausgang nicht bekannt vor. Vielleicht lag es auch daran, dass sich meine Augen mit Tränen gefüllt hatten. Ich fühlte mich verirrt. Wieso besuchte ich Tom, meinen Ex-Freund? Wieso erwartete ich so viel von ihm? Wieso bekam ich mein Leben nicht in den Griff? Wieso verirrte ich mich ausgerechnet hier das erste Mal, da ich mich sonst in diesem unlogischen und megalomanen Madrid noch nie verirrt hatte? Von Anfang an hatte ich mich in der Metro zurechtgefunden, bin korrekt gefahren, habe die Ausgänge richtig gewählt, lief bei meinen Spaziergängen, bei meinem Sightseeing, stets auf die nächste Metrostation, die ich brauchte, zu, so als hätte ich gewusst, wohin ich laufe, ohne Stadtplan, auf gut Glück. 

Doch heute, am vierten Tag, begann ich mich zu verirren, unruhig zu sein, mich nicht so wohl zu fühlen, wie ich es die Tage über getan hatte, immer dann, wenn ich alleine war. Denn Alleine-Sein in Madrid bedeutete für mich nicht Einsam-Sein, sondern Gerne-Allein-Sein, Entspannt-Sein. Wenn Tom in meiner Nähe war, begannen die Probleme, die Erwartungen zu groß zu werden, die Enttäuschung gewann überhand. Ich saß auf der Treppe, weinte in der Öffentlichkeit, und hoffte, dass sich meine Stimmung bald änderte. Es konnte nicht so weitergehen. Ich musste mich von ihm lösen. Er wünschte sich einen besten Freund und ich einen Beziehungspartner. Ihn. Auf der Bank sitzend träumte ich davon, dass er sich eines Besseren besann, sich ein wenig austobte und dann feststellte, hey, ich habe meinen Traummann bereits gefunden. Unrealistisch. Ich musste mich von ihm lösen, mich für andere Menschen öffnen. Ich wusste nicht wie. 

Ich gehöre zu den Menschen, die mit der Tür ins Haus fallen, die andere Leute ständig überfordern mit ihren Erwartungen, Wünschen, Vorstellungen. Die meisten sind davon sehr schnell abgeschreckt. Blocken ab. So ist es mir oft mit Tom ergangen. Auch hier in Madrid. Mach dich locker, sagte ich zu mir selbst. Die letzten Tage arbeitete er immer und ließ dich viel allein, aber nun hast du das gesamte Wochenende Zeit, mit ihm Schönes zu erleben. Dieses Madrid, das für ihn „Madrid gleich ohne Tobias“ bedeutet, und für mich „Madrid gleich der Ort, an dem Tom lebt“ ist, zu einem „Madrid, in dem wir gemeinsam viel Spaß hatten“ zu machen. Noch war ich nicht so weit, noch hatte ich die Melodie eines traurigen Liedes in meinem Kopf. Ich wurde nass, die Tropfen erinnerten mich an das Klavier in diesem Song.

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