Samstag, 18. Dezember 2010

Liebesgeschichte in 11 Liedern - Teil 6 -

Lied 6: Jovanotti – L´ ombelico del Mundo

Wir saßen auf einer Bank in der Gran Via. Ein Mann lief vorbei. Rotzte auf die Straße. João sagte, he is a pig. What is pig called in german? Schwein. Que? Schwein. Okay. Schafein. Schwein! Jjjwein. What is pig called in portugues? Porko (Pochko). Pochko. What is in german: he is a pig. Er ist ein Schwein. Oh god! It´ so difficult! Germany is so difficult. Yeah. Ich lachte. Yeah? João lachte. Ea its ain Schawein. Buen, João. You laugh at me. No, I don´ t. 

Wir schauten uns die Leute an, redeten dabei Portugiesisch, Englisch, Deutsch und natürlich Spanisch. Mit Arturo, dem Knutscher, redete ich zwischendurch Französisch. Ich fühlte mich so wohl mit ihnen. Ich kannte sie nicht, sprach nicht ihre Sprache, liebte diese aber doch. Wenn Arturo Portugiesisch sprach, hörte es sich so poetisch an, ich mochte das. Und João konnte alles sagen, mittlerweile versank ich in seinen braunen Augen, diesen braunen Augen. Ich schaute ihn immer wieder an, diesen Lockenkopf. 

Er fragte mich, why do you look at me? Ich dachte: weil ich muss, weil du so wunderschön bist, weil du so warmherzig bist und mir das Gefühl gibst, etwas Besonderes zu sein. Wir waren zusammen im Retiro Park, saßen stundenlang herum, ließen uns von der Sonne bräunen. Erzählten uns unsere Geschichten. Soweit wir das zustande brachten in diesem Sprachenwirrwarr. Wir lachten. Eres muy loco, sagte João ständig zu mir. You´ re really crazy. Er mochte mich. Ich mochte ihn noch mehr. Ich mochte auch Arturo. Anders. Ich war ihm nicht mehr böse, dass er mit Tom geknutscht hatte. Er gefiel mir. Er war nett, clever, gebildet. Bei João lief es bei mir über Gefühle. Er sagte, dass er nicht schlau ist, nicht gebildet. Mich störte das nicht. Ich fühlte mich so geborgen bei ihm. 

Mit Arturo redete ich weniger, aber ich wusste, dass wir uns auf geistiger Ebene verstehen. Auf der Treppe vor dem Alfonso-Denkmal im Retiro-Park. Wir schauten auf das Wasser hinaus, beobachteten die Boote. Später liefen wir. Just walking. Wir liefen bereits den ganzen Tag. Diesmal suchten wir einen Ort, an dem wir essen könnten. Wir gingen in den Burger King. João saß mir gegenüber. Er aß mit Genuss. Er machte wohlige Geräusche, äußerte wie gut es ihm schmeckt. Sagte: ich kann den ganzen Tag essen, habe immer Hunger. Er war sehr dünn. So dünn wie Tom. Ich liebte João in diesem Moment. Er lachte über mich. Wir mussten die Zeit totschlagen, Tom sollte erst um neun Uhr abends kommen. Dann wollten wir ins Kino. Bis dahin gingen wir zunächst in den FNAC, Musik anhören. Offensichtlich hatten wir ganz unterschiedliche Musikgeschmäcker. Zu Pink Martini sagte er: it´ s different. Zu Stereo Total´ s „Wir tanzen im Viereck“: crazy. Und dachte dabei: so loco wie du es bist, mein lieber Tobias. Später saßen wir erneut auf einer Bank, erwarteten Tom. Die beiden Jungs sangen, in verschiedenen Sprachen. Arturo trällerte ein französisches Kinderlied. Danach „Frozen“ von Madonna. Am besten gefiel mir ein brasilianisches Lied, das beide intonierten.

Teil 1-5:

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