Freitag, 28. Januar 2011

Darkroom Diaries - 4 -

So etwas ist mir noch nie passiert, sagte mir Jott A. vor seiner nächsten Erzählung, also wirklich nicht, DAS ist nun absolut unüblich in Darkrooms, aber man lernt nie aus, es gibt die ungewöhnlichsten Dinge... Jott A. ist vielleicht nicht der attraktivste Mann der Welt, aber er hat etwas im Blick, so dieses Verruchte, das Sexuelle, vielleicht das, was ich nicht so habe, er hat es in ganz besonderem Maße. Jott A. erzählt, wie er vor einigen Jahren ins Chango nach Frankfurt, in der Bahnhofsgegend, mitgenommen worden ist. Er wusste vorher nicht, um was es da ging, seine jungen Kumpels sagten nur: Geile Mucke, geile neue Partyreihe, auf mehreren Ebenen, Dancefloors und ein Darkroom. Das reichte ihm an Information, dem Jott A. Darkroom, lecker, sagt er zur Bestätigung. Die Disco war voll, und ich ergänze dabei im Kopf: Ja, wie immer, wenn in Frankfurt eine neue Party an den Start geht, zwei Monate später brauchen die Schwuppen wieder etwas Neues! Jott A. sagt, geil, wieviele junge, gutgebaute Typen da waren, aber die Musik... Die Musik war schrecklich, nichts für mich, viel zu viel Bummbumm, viel zu wenig Rhythmus und gute Laune. Aber die nackten Oberkörper entschädigten ja. Und der Darkroom, der tatsächlich sehr groß war, allerdings nicht ganz so dunkel wie sonst, da der Raum sonst anderen Dingen diente. Die Veranstalter waren einfallsreich, erzählt er mir, sie hatten so Pappwände aufgebaut, darin kleine Löcher in der richtigen Höhe, Gloryholes,in die tatsächlich Leute ihre Schwänze taten... 

Man konnte sich umschauen, und manchmal mehr als Schemen erkennen, viele geile Typen waren nackt, sagt er, und einer verfolgte mich, aber so ganz verschämt. Ich schaute mich um, während er hinter mir her schlich, und schaute ihm überraschend in die Augen, die ich ganz schwach erkennen konnte, berichtet Jott A. Spannend, denke ich, und dann? Und dann, sagt er, dann nimmt er meine Hand, wir gehen in eine Ecke, er berührt mich am ganzen Körper, zwickt leicht in meine Nippel, streichelt mich in der Bauchgegend, kitzelt zärtlich meinen Bachnabel. Ich denke, sagt er, um Gottes willen, so etwas ist mir j anoch nie im Darkroom passiert, so viel Zärtlichkeit, doch es geht so weiter, er tut seine Hand in meine Hose, reibst meinen Schwanz ganz zärtlich, während er meinen Hals liebkost, er haucht mir in das rechte Ohr, zart, gefühlvoll, ja, gefühlvoll trifft es, und ich fühle mich gleichzeitig gerührt, und aufgegeilt, ich, der sonst nur auf harten Sex steht, nicht auf solches Blümchen-Zeug, doch dieser Typ macht mich an mit seiner Art. Dabei ist er sonst nicht mein Typ, nicht jünger als ich, nicht dünner als ich, eigentlich sogar etwas moppeliger als ich, der Bärchen-Typ, aber ein süßer Bär... Obwohl das alles so harmlos ist, so etwas wie Zeltlager-erstes-Mal-gegenseitig-einen-Runterholen-Sex, komme ich so intensiv, so schnell wie lange nicht mehr. Ich komme in seiner Hand und er nimmt dieses Sperma und rubbelt dann seinen Schwanz und kommt mit einem leichten Aufstöhnen. Danach küsst er mich auf den Mund, ohne Zunge, ganz zärtlich, wie ein Partner, mit dem man sein Leben verbracht hat, liebevoll, wenn man es nicht besser wüsste, und sagt: Danke. Und geht dann. Jott A. sagt: Du wirst es vielleicht nicht wissen, schmerzwach, aber so etwas ist sehr unüblich, das war das erste Mal, dass ich so etwas erlebt habe... Denn das krasseste war, dass ich ein besonders warmes Gefühl plötzlich hatte, so etwas wie Zuneigung, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich es Verliebtheit nennen. Aber wie ist so etwas möglich? Ich habe ihn den ganzen Abend im Django gesucht, aber nicht mehr wiedergesehen, wahrscheinlich ist er gegangen, nachdem er im Darkroom gekommen ist.

Kommentare:

  1. Ja ja, der Ruf der Liebe schleicht auf leisen Sohlen in den finstersten Darkroom, berührt sanft die unruhige Seele.

    AntwortenLöschen