Dienstag, 11. Januar 2011

Darkroom Diaries -1-

"Im Darkroom habe ich ihn kennengelernt!" Anstatt eines "Was, erzähl..." folgte ein langes Schweigen, minutenlang kam keine Nachricht per StudiVZ, dabei wollte ich ihm doch nur eine aufregende Geschichte erzählen... Er sollte doch sofort nachfragen - er tat es nicht. Anstattdessen schickte er diese Nachricht an seinen besten Freund, dem Kollegen von ..., weiter, und der wiederum sendete dies per Email an den Verteiler von der Arbeit, so dass alle Kollegen, die nicht gewusst hatten, dass ... schwul ist, geschweige denn, dass er solche Dinge tut wie Etablissements mit Darkrooms zu besuchen, nun Bescheid wussten. Ein Darkroom ist nach wikipedia folgendes:  

Ein Darkroom (engl., eigentlich für Photographische Dunkelkammer für die Bearbeitung von lichtempfindlichen Materialien, im englischsprachigen Raum allerdings backroom/back room („Hinterzimmer“) genannt, im Beamtendeutsch auch als beruhigter Gastraum bezeichnet) ist ein spärlichst beleuchteter Raum für Sexualkontakte (fast ausschließlich zwischen homosexuellen Männern) in einem einschlägigen Lokal.  

So kam es zu seinem unfreiwilligen Coming-Out, und ich war der Grund. Dabei wollte ich sofort weitererzählen, was tatsächlich passiert war:

Mein Kumpel D. überredete mich, mit ins MS Connexxion nach Mannheim zu fahren. Nun, ich war Single, ich war fast schon betrunken, ich hatte Lust auszugehen. Also, bin ich mit. Dort traf mein Kumpel auf Jungs, die alle so 18 und 19 waren und aus der Pfalz, ich hatte sie alle vom Sehen gekannt, aber noch nie mit ihnen geredet. Sie kamen auf die fabelhafte Idee, in einen der Darkrooms zu gehen. Mit dabei ... und - natürlich ich. Da ... so schüchtern war, dachte ich mir etwas aus... Wir gingen in diesen wirklich düsteren Raum, wir konnten nichts sehen, hielten uns an den Händen, um schnell flüchten können, falls uns jemand etwas tut, was wir nicht wollten. Wir hörten Gürtelschnallen, wir hörten Reißverschlüsse, wir hörten schmatzende Geräusche, wir hörten es bloppen, sahen aber nichts. Und dann fasste ich ... an den Po - und er rannte schreiend aus diesem Darkroom hinaus. Wir natürlich hinterher, er konnte sich gar nicht mehr beruhigen. Ich fand es saulustig. Und den ganzen Abend lang traute er sich nicht mehr irgendwohin, er saß nur in der Nähe der Theke, saß da, und ich musste mit ihm reden, weil die anderen ihren Spaß haben wollten... So lernte ich also ... kennen, im Darkroom sozusagen. Übrigens mag er mich wohl noch, auch wenn er sich ein paar Monate nicht gemeldet hat nach diesem unfreiwilligen Outing...

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