Mittwoch, 8. Juni 2011

Kitchen Stories SEVENTEEN - die Textwerkstatt unterwegs...

Auf in die schönste und chilligste Stadt Deutschlands. Auch die Textwerkstatt Darmstadt hat erkannt, dass die Bezeichnung auf Heidelberg zutrifft, und sich aufgemacht, sich die spannende Prinzhornsammlung anzuschauen, sich in der besten Eisdiele in Town niederzulassen bzw. am Neckar den Ruderern bei ihren Meisterschaften zuzuschauen. Manche von den wagemutigen Textwerkstättlern sind sogar den Philosophenweg hinauf. :-) Hier ein paar Eindrücke des interessanten Ausflugs:










Das Museum Sammlung Prinzhorn ist ein sehr spannendes Museum, in dem Werke des historischen Bestandes (Arbeiten von psychisch kranken Menschen, die Hans Prinzhorn - ein Kunsthistoriker und Psychiater gesammelt hat) vornehmlich Arbeiten von älteren Künstlern gegenübergestellt werden. Die Ausstellung "Von Kirchner bis heute - Künstler reagieren auf die Sammlung Prinzhorn" ist vom 7.5. bis 14.8. zu sehen. Darunter Werke von Ernst Ludwig Kirchner, Alfred Kubin, Paul Klee, Max Ernst, Arnulf Rainer, Georg Baselitz, aber auch von jüngeren Künstlerinnen wie Lisa Niederreiter und Jennifer Gilbert.
Wir durften einer spannenden Führung zuhören und eifrig mit dem Experten über Genie und Wahnsinn reden - wie eng das beieinander liegt, seht ihr ja hier fast täglich. Nein, nein, nur ein Scherz! :-) Fakt ist, dass uns dieser Rundgang sehr inspiriert hat, zumal wir Schreibenden in unseren Brotberufen unter anderem Psychologen, Pädagogen und Lehrer sind. ;-) Die Ausstellung kann ich nur empfehlen (allerdings dringend mit Führung) - und Heidelberg sowieso. Einfach eine Reise wert (ja, okay, man MUSS da nicht WOHNEN, ich weiß schon). 
Ich habe an dem Tag so einige Ideen gesammelt, Anregungen bekommen zu schreiben, so wie ich ständig und überall inspiriert werde, Zusammenhänge entdecke, neue Geschichten spinne oder auch "nur" neue Blogeinträge. Mich hat zum Beispiel der Aspekt besonders interessiert, dass Künstler_innen sich Werke von "Geistesgestörten" anschauen und damit arbeiten, künstlerisch darauf reagieren. Sie versuchen sich in deren Welten einzudenken, gute Ideen aufzugreifen, sie zu abstrahieren und in ihre Welt und Gegenwart zu transferieren. Mich hat aber auch fasziniert zu hören, inwieweit bestimmte Künstler_innen selbst ihre psychischen Störungen be- und verarbeiten, die gar nicht so unweit dieser "Laien, die nicht als Künstler galten in ihrer Zeit" entfernt waren, weder künstlerisch betrachtet noch pathologisch... Das ist nämlich auch das Interessante - von den Ärzten und Psychiatern wurden diese Werke ihrer Patienten selten ernst genommen, sie wurden nicht mit in die Therapie einbezogen, obwohl man heute weiß, wie wichtig dies gewesen wäre. In den Diagnoseberichten wurde nur von "Kritzeleien" gesprochen und dergleichen, ansonsten wurde nicht damit gearbeitet. Merkwürdig, sagt doch der gesunde Menschenverstand etwas anderes...

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