Mittwoch, 22. Juni 2011

London Diaries - Betti berichtet... (2)

Murakamis „Norwegian Wood“ wurde mir vor ein paar Tagen von einem Freund ans Herz gelegt. Wobei ans Herz legen vielleicht schon untertrieben ist, er hat es mir quasi ans Herz geworfen. Vor kurzem kam hier auch der Film dazu raus und ich fand das Plakat sehr schön, den Trailer aber eher langweilig. Als ich dann letzen Montag völlig verkatert von Glade (einem Wochend-Rave) an der Themse spazieren ging, lag es doch wirklich gleich an der Ecke einer der Büchertische. Also hab ich es mir gekauft.
Ich musste meinen Glade-Kater noch drei Tage auskurieren und bin nun endlich zum Lesen gekommen. Ich muss sagen, es ist wirklich ein schönes Buch, wenn auch so gar nicht Murakami like. Diese kafkaesken Momente gibt es eher am Rande. Wunderschöne Dinge, die ich bis jetzt aus dem Buch mitgenommen habe:
- Jemandem ein Glas mit einem Glühwürmchen (firefly) schenken. Ein wunderbares Symbol für Hoffnung.
- Lieder, die in einem Buch erwähnt werden, parallel dazu anhören. Für sowas bin ich meist zu faul, hab es diesmal aber gemacht und es ist wirklich schön!!! Vor allem wenn es um den Zeitgeist einer Epoche (hier die 60er) geht. Hier eines der wundervollen Lieder: http://www.youtube.com/watch?v=IvXBwwYWpQk
- Die Idee jemandem, der einem ein Buch empfohlen hat, im 50 Seiten-Takt über die Impressionen, die einem das Buch gegeben hat auf dem Laufenden zu halten. Man liest das Buch dann ganz anders. Ich bin ja eher schreibfaul, aber Ideen über ein Buch zu Papier zu bringen, während man es liest, ist eine gute Sache… auch wenn es nur Gedankenfetzen sind. Am Ende eines Buches sieht man ja immer schon das Ganze. Und wenn der andere es schon gelesen hat, dann geht es weniger ums Nacherzählen als mehr um Inspirierendes. Bin offen für ähnliche Projekte… Buchempfehlungen also immer her (aber bitte solche, die ich auch hier in England bekommen kann). Man macht das natürlich noch lieber, wenn das Gegenüber interessant ist. Drückt mir also die Daumen, dass nicht nur das Buch ein Happy-End hat.
- Murakamis Art über Frauen zu schreiben ist wirklich sehr berührend. Ich habe das Gefühl, dass es wirklich eher Personen mit Charakter sind als Körper, auch wenn das Buch aus der Sicht eines Mannes geschrieben wurde.


Bild von www.lastfm.de entnommen
Als die Musikvorschläge aus dem Buch dann zu Ende gingen, habe ich mich dem neuen Patrick Wolf Album gewidmet (das gestern mit der Post gekommen ist und so schön wie alle vorherigen anzuschauen ist). Er hat ja eine fortschrittliche Art mit der Musikindustrie umzugehen. Weshalb ich ihn auch so liebe. Sein letztes Album wurde durch Aktien von Fans finanziert (bin selbst stolze Inhaberin zwei dieser Aktien). Sein neues Album wurde zwar wieder auf normalem Wege finanziert, aber obwohl es erst heute rauskam, sind die Singles schon über ein halbes Jahr alt und die Tour dazu gabs schon im März. Ich mag das… ich kannte schon einige Lieder und habe das Gefühl, das Album kommt raus, wenn er zufrieden ist und nicht, wenn es ökonomisch sinnvoll wäre. Eines der wundervollsten Lieder darauf ist Bermondsey street (die gleich bei mir um die Ecke ist, wo er auch ungefähr wohnt… ich glaube, ich sollte meinen super size tesco gegen den sainsburys da tauschen, um ihm mal „zufällig“ über den Weg zu laufen). Hier ein Video davon: http://www.youtube.com/watch?v=-Je2cAAB824, ein live Video, aber weil ich auf diesem Konzert war, ziehe ich es dem „Original“ vor. Man überhört das vielleicht aber, in der ersten Strophe heißt es „she kisses him“ und in der zweiten „he kisses him“ und der Song gipfelt in:
Now you know
Love knows no Boundaries
Sees beyond sexuality
And holds the sun
In the palm of its hand


Ist euch schon mal aufgefallen, dass selbst bekennend schwule Sänger meist von straighten Paaren singen oder nur von you and me oder es ist Katie Perry like im Titel, dass auch jeder gleich von der schockierenden und medienwirksamen Sache weiß. Fällt euch ein Gegenbeispiel ein? Patrick Wolf macht das anders. Er ist ja selbst schwul, bi oder was auch immer. Er schreibt von seinem Leben, seinen Lieben und weder seine Sexualität noch sonst was wird medienwirksam eingesetzt. Dafür kann man ihn doch nur lieben, oder? Er hat sich zu Silvester übrigens mit seinem Partner William verlobt, dem das ganze Album auch gewidmet ist (dazu gibt zwei absolut amazing Posts auf Twitter von ihm). Bitte kaufen, anhören und einen der eindrucksvollsten Künstler unserer Zeit genießen!!! 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen