Donnerstag, 11. November 2010

Die Optionen-Gesellschaft: Das Gedicht

Du kannst jenes tun, sagt die Mutter, du kannst dieses tun, sagt der Vater, tausend Möglichkeiten des Studiums eröffnet dir der Lehrer, viele verschiedene Ausbildungen wären auch noch möglich, sagt die Sozialarbeiterin, deine Facebook-Freunde laden dich zu Tausend Gruppen ein, deine Schulfreunde erzählen dir fortwährend, welche Musik ihnen gefällt, die diversen Newsletter informieren dich über Veranstaltungen in der Gegend, die Stadtmagazine schlagen dir Filme vor, deine Tante schickt dir Emails, in denen sie dir die besten Geschenke für deine Freundin anpreist, deine Freunde tragen dich in Newsletter ein, die dir Einkaufsschnäppchen (teure Markenklamotten) offerieren, auf den Ausstellungseröffnungen lädt man dich zu weiteren ein, Kunst-Studenten möchten mit dir ein Filmprojekt machen, dein Onkle fragt dich, ob du beim örtlichen Fußballverein die Jugendlichen trainieren möchtest, auf Plakaten siehst du tolle Initiativen, an denen du dich gerne beteiligen möchtest, im Email-Verteiler deiner AG tauchen immer wieder Anfragen auf, ob du dich an Demos beteiligen möchtest, deine Freundin möchte einen Literaturzirkel organisieren, an dem du teilnehmen musst, auf Twitter werden dir Tausende Blogs vorgeschlagen, die du lesen sollst, die Berufsberater sagen dir, dass du dich regelmäßig per Zeitungen informieren sollst, die Musikzeitschriften empfehlen dir die neuesten Platten, das Fernsehen suggeriert dir, dass du ein noch aufregenderes Leben führen musst, die Mutter sagt, mach doch mal, der Vater sagt, du musst doch nicht jeden Unsinn mitmachen, die Freunde sagen, versuche doch mal das und das, die Freundin sagt, du seist zu abhängig von deinen Freunden, die Tante sagt, sie könne noch den und den fragen, ob er einen Job für dich habe, der Onkel sagt, du müsstest schon während der Schulzeit Praktika machen, die Mutter kennt den, der Vater den, die Schwester sagt, sei doch nicht so opportunistisch, die Freunde sagen, sei doch nicht so spießig, die Freundin sagt, sei doch nicht so ein Revoluzzer, die Oma sagt, dass früher alles anders war, der Opa sagt, je, genau, und es war auch alles besser, die Facebook-Freunde schreiben ständig, wo sie gerade sind, die Studi-Vz-Freunde gründen ständig neue Gruppen, die Twitter-Freunde organisieren ständig Treffen, die Poster kündigen weitere Veranstaltungen an, die Musik-Clips rufen dich auf, mehr Spaß im Leben zu haben, deine Theatergruppe möchte, dass du mehr Flyer für eure Premiere verteilt, deine Mutter sagt, mach mal mehr für die Schule, dein Vater sagt, lerne für das Leben...

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