Samstag, 23. Januar 2010

Wo die Lyrik herkommt...

Die CD Starry Night von Apergis, Kalimeri und Pavlidis
„Deine Worte sind Gift, Wolken deine Augen, einst warst du Wasser, jetzt bist du Feuer…“. So beginnt Lied 7 „Love in bonds“ (Αγάπη στα δεσμά) auf der CD Starry night (Νύχτα με αστέρια) der griechischen Musiker Antonis Apergis, Lizeta Kalimeri und Kostas Pavlidis, die bei Libra Music, Athen, 2007 erschienen ist. Einem Label, das 1992 gegründet wurde und andere balkanische Musiker um sich versammelt, als die, die bei uns bekannt sind. Der Gründer Alkis Vafias legt Wert darauf, Künstler zu unterstützen, die sich im Spannungsfeld von Weltmusik, Jazz und Tradition bewegen.
Der Begriff der Lyrik leitet sich von dem zentralasiatischen Instrument Lyra ab, das eines der vielfältigen Saiten- und Blasinstrumente ist, in den dreizehn Liedern dieses Albums benutzt. Antonis Apergis, der die Texte geschrieben, die Stücke komponiert und arrangiert hat, spielt neben der Lyra noch die Saz (eine türkische Laute), Querflöte, Gitarre; der Bass und die Ney (eine Längsflöte, die nur aus einem offenen Rohr des Pfahlrohrs besteht) gehören ebenso zu seinem Repertoire auf dieser Platte. Er wird von zahlreichen Gast-Musikern auf der Oud (einer arabischen Laute), Gitarren und Geigen begleitet. Gesungen werden die poetischen, getragenen Lieder abwechselnd von Kostas Pavlidis, einem Roma, der seine Wurzeln in die Arrangements und einen fremden Klang ins Griechische einbringt, und Lizeta Kalimera, die in ihrem Repertoire und ihrer Aura mit Etta Scollo aus Italien oder Bea Palya aus Ungarn zu vergleichen ist.
„Wieso verstummen plötzlich alle Vögel, und was bedeutet diese Stille; um sich zu beklagen, sind sie in den Wald geflüchtet, und dort wird ihr Schmerz geheim“, singt Kostas Pavlidis im ersten Lied des Albums. Melancholisch hört sich das an: Fast drei Minuten spielen die Instrumente ohne gesangliche Begleitung auf, zarte Gitarrenklänge und die Töne der weinerlichen Geige und der melodiösen Ney sind zu hören. Der Sänger setzt mit seiner zittrigen Stimme ein, die allerdings fester wird gegen Ende des Liedes, welches an positiver Ausstrahlung gewinnt, wenn die Hoffnung die Melancholie überwiegt. Das ganze endet fast fröhlich mit dem Vers: „ ... Und ich erwarte die Vögel, die wieder zwitschern, sie erinnern mich immer an Ankunft.“
Wie an einem sonnigen Tag auf einem Boot ausgestreckt zu liegen, sich auf einem ruhigen See treiben zu lassen und in den blauen Himmel zu schauen so hören sich diese Lieder an. Sie erinnern an schmerzhafte Erlebnisse aus vergangenen Liebesbeziehungen, erzählen davon, dass man sich wünschte, „den Kuss der Trennung“ niemals erhalten zu haben, und fragt: Wieso hast du ihn nicht jemand anderem gegeben? Lizeta Kalimeri singt das glaubhaft und authentisch, immer mit einem angemessenen Stück Pathos.
Alkis Viafas, sagt, dass jedes Album seine eigene kleine Welt darstellt, die man mit viel Liebe erschaffen muss. Das merkt man den Covern der Platten an; in diesem Fall liebevoll gezeichnete Sterne und ein Mond, eine stilsichere Farbwahl mit gelblichen und bläulichen Tönen. Die Welt, in die der Zuhörer eingeladen wird, ist eine andere als die der Zorbas-Musik, der Dancefloor-Hits einer Despina Vandi oder der Eurovision Song Contest-Gewinnerin Helena Paparizou. In „Starry Night“ dominiert die Melancholie, die in einsamen sternklaren Nächten sensible Menschen überfallen kann. Poetische Texte, liebevolle Arrangements, verführerische Klänge. Hier waren Künstler am Werk, die etwas von Musik verstehen, die etwas von ihrer Welt vermitteln möchten; in „Dream“ heißt es: „Dieses falsche Leben, das dir folgt, entfliehe ihm und suche das wahre Leben.“

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen