Samstag, 2. Januar 2010

Das Internet aus der Sicht...

... des ABK (Alternativer Block Kehl). Angesichts meiner letzten Erfahrung auf FACEBOOK versuche ich gerade, das Internet bzw. die Social Platforms aus der Perspektive des ABK zu sehen. Ich werde den Text ausdrucken und einem der Wortführer per Post schicken. Ich bin gespannt, was der ABK davon hält.
Zum Ersten: Schon mehrmals ist es geschehen, und nun auch bei mir. Zunächst hatte ich meinen Beziehungsstatus von SINGLE auf IN EINER BEZIEHUNG geändert. Selten habe ich so viele (wohlgefällige) Kommentare und "Gefällt mir" erhalten, inklusive gute Tipps und dumme Sprüche über mein bisheriges Sexualleben. Kaum hatte ich den Status geändert, gab es es wieder mehrere Male "Gefällt mir" (warum??? und bei R. das gleiche Phänomen - freut man sich neuerdings über Trennungen von Freunden?) und natürlich ein Haufen netter, mitfühlender Kommentare a la "Neues Jahr, neues Glück" - da traf es sich ja gut, dass wir uns an Neujahr getrennt haben! Der gläserne Mensch. Jeder weiß alles sofort in Zeiten des Internet. Meine Familie weiß noch gar nicht, dass ich wieder alleine bin, aber Leute in Indonesien und Australien wissen es schon.
Von diesen Gedanken ausgehend, versuche ich nun noch einige andere Gedanken im Ton des ABK zu schreiben:
„Du willst Schmetterlinge im Bauch? Steck dir Raupen in den Arsch“ – „Nüchtern zu schüchtern, besoffen zu offen!!“ – „Wer ist "Holla die Waldfee!"? Und andere wichtige Fragen!“ – „Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird“ – „DVD Abend, meint nicht DVD Abend, sondern Ficken...“
So heißen Gruppen auf Plattformen wie Studivz, Facebook oder Wer-kennt-wen. Das bedeutet, dass es einen Gründer gibt, der sich einen originellen Titel ausdenkt, sich ein bestimmtes Ziel für das neue Forum überlegt und dann andere Mitglieder einlädt, die er gerne in seiner Gruppe hätte. Oder die von sich aus, also beim Stöbern, darauf stoßen. Und dann können Diskussionen beginnen. Es sei denn, man sammelt diese Gruppen nur, weil sich der Titel gut anhört, das gibt es auch. Gruppen dienen als Distinktionsmerkmal – Freunde werden ausgesucht aufgrund von Zugehörigkeiten. Freundeskreise erweitern sich, man kann sich über Interessen austauschen oder eben auch nicht. Man kann sich sehr exponieren in diesen Foren: sein Seelenheil preisgeben und private Texte oder Bilder von sich „posten“. Dieser Thematik hat SPIEGEL seine Titelgeschichte im Februar-Heft gewidmet: Wie könne man sich so exponieren und sich gleichzeitig im geschützten privaten Raum wähnen?
Frei und geschützt ist das Internet nämlich nicht, das dürfte jeder wissen. Hier ist alles möglich. Viele Anbieter behaupten zwar, Pornografie oder rechtsradikale Hetze fände keinen Platz auf ihren Plattformen, doch die interessierten Nutzer sind sehr findig, wenn sie die Hürden umgehen möchten. Der gemeine User des Studivz zum Beispiel geht davon aus, dass Fotos, auf denen sich erigierte Penisse oder kopulierende Menschen befinden, zensiert würden. Sie denken, dass Gruppen wie: „Ich bin am liebsten Nackt“ das Äußerste an Pornografie sind, und das ist schon eine Menge, denn da posten Menschen Bilder von sich, auf denen sie splitterfasernackt oder in nicht viel bedeckender Reizwäsche aufreizend posieren. Doch Recherchen haben ergeben, dass sich Mitglieder zusammengeschlossen haben, die Fotos in ihre Foren setzten, auf denen man tatsächlich das aufgerichtete beste Stück von Männern sah, das gerade Samenflüssigkeit aussonderte. Es gibt eine Funktion, solche Bilder, Nutzer oder Gruppen zu „melden“, doch diese Menschen finden Mittel und Wege, diese Foren neu zu gründen und besser zu chiffrieren. Im Falle dieser „Porno-Mafia“ gaben sie den Gruppen Namen, in denen Gemüse oder Obst vorkamen, die dem männlichen Geschlechtsteil ähnlich sahen.
Dass Mitglieder solcher Plattformen gelöscht werden, ist sicher. Wobei die wahren Gründe manchmal sehr schleierhaft sind und das eine oder andere Mal sicherlich eher mit Kommerz als mit Ethik zu tun haben. Die Band KIDS ON TV zum Beispiel wurde bei MySpace gelöscht. Ihre eigene Erklärung war ihre „Queerness“ und das offensive Umgehen damit. Diese Musikgruppe macht alternativen Punk mit Texten schwulen Inhalts. Dies wurde zunächst „Homocore“ genannt, später dann „Queercore“. Der Punkt bei KIDS ON TV ist, dass gerade so eine Underground-Band wie sie diese kommerziellen heteronormativen Plattformen brauchen, um kommerziell zu überleben. Sie scheinen MySpace mehr zu brauchen als umgekehrt.
Das Potenzial, dass solche Plattformen haben, erkennen auch rechtsradikale Gruppen. Auf WKW oder wie es mit vollem Namen heißt „Wer-kennt-wen“, einer Plattform, die in kürzester Zeit von 50.000 auf sechs Millionen Nutzer gewachsen ist, gibt es neuerdings Gruppen mit Namen wie „Ich deutsch, du nur BRD“. In diesen Foren posiert man mit neonazistischen Symbolen, tauscht rassistische Ansichten miteinander. Weit größer ist noch die Zahl derer, die mit einschlägigen Neonazi-Bands sympathisiert und ganz selbstverständlich angibt, neben Christina Aguilera oder Britney Spears solche fragwürdige Musik zu mögen. Denn das ist das Erschreckende: Nutzer geben an, Angehörige des „Revolutionären Blocks“ zu sein (selbst ernannte Elite der hessischen NPD) und geben solche Hobbys an wie „Freunde, Feiern, Kirmes, Ahnenforschung“. Auch hier werden User oder Gruppen gelöscht, um wieder unter anderen Namen neu aufzutauchen. Der Anbieter kann nicht viel machen. Denn die nicht dummen Mitglieder chiffrieren ihre Gruppen mehr oder weniger geschickt. So viele Studenten können die Betreiber gar nicht einstellen, um die unzähligen Gruppen näher zu untersuchen. Wobei nicht viel Phantasie dazugehören sollte, die Gruppe „I hate Juice“ als „I hate Jews“ zu lesen. Gleichzeitig mobilisieren die delinquenten Nutzer Freunde, die sich wieder über diese „Zensur“ mokieren.
Wie gefährlich diese Internet-Communities werden können, zeigen kleine Gedankenspiele. Was macht ein Jugendlicher in einem kleinen Ort, in dem es keine Ortsgruppe der Rechten gibt, in dem sich niemand irgendwo trifft, um Randale zu machen? Der Jugendliche sucht bei WKW Gleichgesinnte, die die gleiche Musik mögen, vielleicht die „Zillertaler Türkenjäger“. Die Gruppe erweitert sich, der Jugendliche wird sichtbar als Sympathisant dieser „Szene“. Ein Rädelsführer, der sich gerade überlegt, die nächste Demonstration der Linken mit ein paar Gleichgesinnten zu torpedieren, sucht sich also in verschiedenen Plattformen entsprechende Gruppen, schreibt alle Mitglieder derjenigen an und trommelt so sehr viel mehr Menschen zusammen als er das auf anderen Wegen tun könnte. Natürlich ist er dabei nicht auf sich alleine gestellt. Er fragt seinen engsten Kreis und die starten gemeinsam diese „Klickkampagne“. In kürzester Zeit sind mehrere Tausend User verfügbar.
Natürlich wird dabei genauso wie in der Realität das Moment der Identitätsschaffung und das Zugehörigkeitsgefühl bedient. Denn dass das Surfen im Internet und das Chatten einsam machen, ist meist nur ein Klischee. Die wenigsten Nutzer vereinsamen oder leben ausschließlich im „Netz“. Ohne diese Problematik zu unterschätzen, kann festgestellt werden, dass das soziale Leben zwar ein anderes wird, aber nicht weniger einsam. Und nicht weniger subversiv, um wieder auf die Rechtsradikalen oder die „Perversen“ zurückzukommen (denn bei den Päderasten im Netz funktioniert der Mechanismus nicht anders als bei den bisher genannten Beispielen).

Der ABK ist für den geschützen privaten Raum und möchte nur aus den aus dem Text genannten Gründen nichts mit dem Internet zu tun haben. Es muss andere Mittel und Wege geben, sich politisch zu engagieren und die Welt zu verändern!

Kommentare:

  1. Ein SEHR guter Post - DANKE dafür - hat Spaß gemacht zu lesen!

    AntwortenLöschen
  2. Endlich wird mal gelüftet WER der ABK ist!
    Juchu :-))) Licht in meinem Kopf *G*

    AntwortenLöschen
  3. Na der A(lternative) B(lock) K(ehl)

    AntwortenLöschen