Sonntag, 11. September 2011

Oscar Wilde - Das Bild des Dorian Gray



Es hat eine Weile gedauert - doch nun ist es vollbracht: Ich habe "Das Bild des Dorian Gray" von Oscar Wilde erneut gelesen. Und es war merkwürdig. Obwohl ich den Film mit Ben Barnes vor gar nicht allzu langer Zeit gesehen habe, blieb mir nichts davon im Gedächtnis haften. Ich konnte mich sogar besser an die Bilder in meinem Kopf erinnern, die ich beim ersten Lesen - vor langer Zeit - hatte. Was habe ich jetzt beim erneuten Lesen aus der Lektüre mitgenommen? Was ist die makellose Schönheit wert, derer sich Dorian Gray jahrelang, jahrzehntelang bedienen darf? Was ist seine Jugend wert? In der heutigen Zeit gilt dieser Hedonismus, dieser Jugend- und Schönheitswahn noch mehr denn je. Fünfzigjährige Männer, die sich anziehen wie Teenies, sechzigjährige Frauen, die sich mit Botox zu Vierzigjährigen spritzen möchten, Zwanzigjährige, die sich Silikon in die Brüste implantieren oder Fett absaugen lassen. Im Dorian Gray heißt es auf S.241 (Ausgabe Büchergilde Frankfurt): Dann packte ihn Abscheu vor seiner eigenen Schönheit; er warf den Spiegel zu Boden und zertrat ihn mit dem Absatz in silberne Splitter. Seine Schönheit hatte ihn zugrunde gerichtet, seine Schönheit und die Jugend, die er sich so inbrünstig herbeigewünscht hatte. Ohne diese beiden Dinge wäre sein Leben vielleicht makellos geblieben. Seine Schönheit war ihm nur eine Maske, seine Jugend nur Blendwerk gewesen. Was war denn die Jugend im besten Fall? Eine noch grüne, eine unreife Zeit, eine Zeit oberflächlicher Stimmungen und ungesunder Gedanken. Warum hatte er ihr Gewand getragen? Die Jugend hatte ihn verdorben.
Jetzt im Nachhinein wünscht sich Dorian nicht nur, dass er sich diese Jugend bicht herbeigewünscht hätte, sondern generell, dass auf all seine Taten eine rasche Strafe gefolgt wäre - und zwar nicht im Bildnis, sondern in seinem realen Leben. Er wirft Lord Henry vor, dass das Buch von Joris-Karl Huysmans (A rebours) ihn vergiftet habe. Doch dieser sagt, dass es so etwas nicht gebe, Bücher könnten einen nicht vergiften, er sagt, dass die Kunst keinen Einfluss auf das Handeln der Menschen hätte. Nun, ich weiß nicht, ob ich dieser Meinung  sein kann - mich beeinflussen manchmal Filme tage- oder wochenlang, Bücher erstrecht, über die Ausstellung Geheimgesellschaften und die geheime Führung denke ich immer noch nach... Doch im Grunde genommen ist das ja ein alter Streit und lässt sich gut auch auf die Ballerspiele und auf Horrorfilme übertragen: Welchen Einfluss haben sie auf die Gewalttätigkeit Jugendlicher? Was war zuerst da? Der Wunsch zu zerstören oder der Wunsch auf Gewalt in Medien? Was war zuerst da: die Disposition dieser Jugendlicher oder der auslösende Moment? Was war zuerst da... Ihr wisst Bescheid.
Ist Kunst nur dazu da, nicht gelangweilt zu sein, den "Ennui" zu verhindern, denn Lord Henry findet diesen "Ennui" das schlimmste Übel, dass, was man verhindern müsste. 
Das Bild des Dorian Gray ist auch beim zweiten Mal lesen und nach zwei Mal anschauen (alte und neue Version) immer noch neu und spannend und immer wieder empfehlenswert. Diese erfrischenden Dialoge, diese Sprüche, die mal mehr, mal weniger treffend sind, manchmal provozierend, manchmal weise, sie machen Spaß, sie machen Lust auf mehr. Doch welcher Klassiker ist auch in diesen heutigen Zeit noch so aktuell, so spannend, so witzig, so wichtig?

Kommentare:

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    thanks
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  2. yeah, cool!
    I like that! :-)
    thank YOU! :-)

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