Donnerstag, 22. Dezember 2011

Lieb mich! von Hilke-Gesa Bußmann

Die Buchhändlerin Tanja Feldmann ist auf der Suche nach ihrem Traummann und besessen von den zuckersüßen Versprechen aus Liebesromanen. Doch Tanja ist keine Prinzessin, ihr Leben kein Märchen und die wahre Liebe für sie eine Illusion. Bei einem Speeddating lernt sie Alexander Bach, den Inbegriff eines Machos, kennen und hassen. Ihre getrübte Beziehung zur Männerwelt gerät vollends aus den Fugen. Dennoch scheint für einen Augenblick das Märchen perfekt, als sich Alexander in Tanja verliebt. Doch die Realität holt beide ein ...

Ich mag keine Liebesromane. Die Hauptperson Tanja, Buchhändlerin, schon. Sie lebt in diesen Liebesromanen, erträumt sich ihre Traummänner, erträumt sich Liebesgeschichten, Liebesfantasien. Es ist zu arg. Es nervt. Aber genau das wollte die Autorin wohl erreichen. Es geht sogar so weit, dass man schon fast eine Sympathie zu ihrem Pendant, dem Macho Alexander, der keine Bücher liest, aufbaut. Zwei richtig unsympathische Helden in einem Roman. Geht das überhaupt? Und dann auch noch eine Poetologie von Liebesromanen aufbauen? Da scheint die Autorin Hilke-Gesa Bußmann viel vorzuhaben - und nicht zu scheitern. Es geht auf. Dass die Figuren beide sehr klischeehaft und überzogen sind: geschenkt, dass die Figuren wenig glaubwürdig erscheinen: geschenkt. Das gehört zur Ironie des Textes, das gehört zum Aufbau eines Romans, der immer über sich selbst lachen kann. Und der jedes Mario Barth-Klischee aufspürt. Menschen, die Liebesromane lesen, werden ihn verschlingen. Menschen, die keine Liebesromane mögen, werden "Lieb mich!" hassen, aber witzig finden. Denke ich. Wenn man das Marketing-technisch betrachtet, ist es ein kluger Schachzug: Zielgruppe vergrößert.  Der Roman ist sehr lebendig geschrieben, sehr temporeich, man merkt der Autorin an, dass sie eigentlich spannende Literatur schreibt (weiß ich aber nur, weil ich ihre anderen Texte im Internet schon gelesen habe - und auf einen veröffentlichten Langtext warte). Lieb mich! Liebt es oder hasst es.

1 Kommentar:

  1. Liebe ist für Heteros ein Spiel, das immer wieder neu inszeniert werden muss, damit es nicht langweilig wird bis ans Ende des Lebens! ;)

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