Donnerstag, 26. Mai 2011

Herr Leben, die Rechnung bitte!

www.epidu.de entnommen
Entdeckt...
...wurde dieses Buch also von der Epidu Community. Von wem? werdet ihr völlig zurecht fragen. Wer VERBIRGT sich unter dieser Community? Epidu ist der erste deutsche Web 2.0 Verlag, der u.a. darauf aufbaut, dass in einem "Lektorentisch" die von den registrierten Nutzer_innen eingereichten Manuskripte von anderen Nutzer_innen gelesen, "gescoutet", mit 1-5 Sternen bewertet und rezensiert werden. Am Ende der Lektorentischphase gibt es dann eine TOP 5, von der ein Buch dann verlegt wird - die endgültige Entscheidung treffen die Lektor_innen. Sarah Eder hatte das Glück, dass ihr Manuskript "Herr Leben, die Rechnung bitte!" zunächst die Nutzer_innen überzeugte und dann die  Lektor_innen. Völlig zurecht! Wieso? Das lest ihr hier!


Hannah und Fellix
In diesem Roman dreht sich alles um Hannah mit H. und ihre "Geschichte" mit Fellix mit Doppel-L. Sie lernt ihn in ihrer Stammkneipe kennen und lieben, doch leider zu einem schlechten Zeitpunkt, denn der Angebetete möchte schon einige Wochen später nach Portugal ziehen. Und dorthin nimmt er ihre Liebe mit. Für ihn ist es eine bequeme Affäre vor seinem Wegzug, ohne Hintergedanken. Doch für sie ist das anders... Sie leidet im weiteren Verlauf der Geschichte vor sich hin und trifft sich mit Herrn Leben, ihrem neuen Therapeuten. Der hat so seine eigenen produktiv-verstörenden Methoden, mit denen er Hannah konfrontiert...


Wer will, der kann auch!
Im März letzten Jahres schrieb ich über den Film 500 Days of Summer, der mich sehr beeindruckte. Tom (Joseph Gordon Levitt) glaubt am Anfang des Films an die große Liebe, die er in seiner Agentur in Summer (Zooey Dechanel) erblickt. Doch diese glaubt weder an Liebe noch an Beziehungen. Das dreht sich gegen Ende des Films. Tom trifft Summer zufällig im Park und sie lädt ihn zu ihrer Hochzeit ein. Überrascht schaut er sie an. Und sie sagt so etwas wie: "Nun, da wachte ich morgens neben diesem Typen auf und dachte: Neben dem willst du dein ganzes Leben morgens aufwachen." Dieses Gefühl hatte sie vorher noch nie gehabt, schon gar nicht bei Tom, der mittlerweile verbittert ist und nicht mehr an die Liebe glaubt... Wieso ich das erzähle? Weil Hannah die gleiche Erkenntnis gewinnt, sie tituliert sie nur anders: "Wer will, der kann auch". Was meint: Wenn jemand wirklich verliebt ist, dann stört ihn/sie auch nicht eine Entfernung von 2500 oder auch 25000 Kilometern. Wenn man wirklich verliebt ist, dann will man - und dann kann man auch... eine Beziehung führen, treu sein, mit jemandem zusammenwohnen, heiraten... Da gibt es kein Rumgeiere. 


Der Ton macht die Musik
In Sarah Eders Roman gibt es ganz viele solcher Erkenntnisse und Erfahrungen, teils banal, teils weise, aber immer so geschrieben, dass man sich mit der Gedankenwelt Hannahs identifizieren kann. Sie trifft den Ton der Zeit - zumindest was den Zeitgeist der "Facebook"-Generation betrifft. Sarah Eder schreibt gerne lange Schachtelsätze, die ungefähr folgendes sagen: "Mir fallen so viele Sachen gleichzeitig ein und alles ist so wichtig, wie soll ich da klare Satzstrukturen hinkriegen und in Hauptsatz/ Nebensatz gliedern, nein, nein, ich muss erzählen, schnell, alles und gleichzeitig". Und das ist gut so! Wenn ein Wort nicht ganz so hineinpasst, dann wird es einfach neu geschöpft, dann wird etwas ein "bisschener", dann gibt es "Beleidigtgesichter" oder sie "liebschaut". Gerne wendet sie auch ihr Wissen aus ihren wissenschaftstheoretischen Seminaren auf ihr Leben an und erklärt mit ihnen einfache Sachverhalte plausibel. Sehr sympathisch das! Wie das ganze Buch. 


Zum Glück entdeckt worden...
...von der Epidu Community, so kann das Fazit sicherlich lauten. Ich lese vieles und ich lese auch viel Gutes, aber mir fallen sicher nicht sehr viele Titel ein, die ich in letzter Zeit mit so viel Spaß und so vielen "ja, genau so ist es!" gelesen habe wie diesen Roman. Da kann man dann auch ein bisschen über die Fehlerchen, die zuhauf vorkommen (Satzzeichen; Buchstaben, die fehlen), hinwegsehen. Denn: Die Figuren sind alle sehr sympathisch gezeichnet, neben Hannah vor allem Viktor Leben, der Therapeut; Lukas, Anna oder Tim. Es wird über die Liebe reflektiert, über das moderne Großstadtleben, über moderne Stadtneurotiker (jawoll!), über die sozialen Netzwerke, über Facebook und Co. - und wie sich das Leben seitdem verändert hat. Und das alles auf witzige und lockere Weise. Ja, lest das Buch! Ich jedenfalls kann es nur empfehlen. Wenn ich es in Sternen ausdrücken sollte: dann volle FÜNF! :-)


Dies war die erste Rezension in der Reihe bdb - blogg dein buch. Weitere folgen in den nächsten Wochen. 

Kommentare:

  1. Wirklich sehr tolle und gelungende Rezension. Ich nehme mal an das sind dann 5 von 5 Sterne oder?

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  2. klar! :-) schreibe ich gleich dazu. :-)

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  3. Ja, sehr toll geschrieben. Jetzt bin ich auch neugierig geworden...

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  4. danke für die komplimente! :-)
    freue mich sehr darüber!
    und sarah eder hat diese rezension verdient! :-)

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  5. oh dank. bin sehr gerührt. ganz in echt. wie rührei.

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  6. weißt du, sarah, ich habe mich schon gefragt, ob ich dir eine freundschaftsanfrage schicken soll. aber dann dachte ich: hm, wenn sie das gleiche über diese seite denkt wie die hannah mit h... vielleicht sollte ich es dann doch nicht tun. oder so. :-))) übrigens habe ich mich schon gefragt, ob ich vier kartons nehmen soll... aber mit wem bespreche ich das denn?

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  7. lieber jannis, nein...ich werde gerne angefreundet im gesichtsbuch, ist ja auch alles dramaturgie und überspitzt. ja, kartons können helfen. und die richtige frage stellt man meistens eh schon so, dass die antwort überflüssig wird. denk ich mal. ach, es is halb acht. also mitten in der nacht, da kommt nix anständiges aus mir raus. erstmal kaffee.

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  8. gerührt wie Rührei... das ist ja genial ;-) Sarah du bist eine tolle Autorin!

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  9. ja, ist sie! :-)
    warum gelingen mir nicht solche aussprüche! :-)
    danke fürs bestätigen, sarah! :-) wir sind jetzt facebook-freunde :-)))

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