Freitag, 30. April 2010

Die Merkwürdigkeiten hören nicht auf...

Als ich auf der Krebsstation von Pfaundler in der Uni-Kinderklinik Patient war - ja, lange ist es her und gerade auch nicht weiter wichtig - schaffte ich etwas noch nie Dagewesenes: Als einziger Patient ever wurde ich zum Gegenstand der Diskussion einer Gesamt-Pfleger/-innen-Sitzung, denn in der Regel besprach man sich über grundlegende Dinge, nicht über Klienten, die ja bekanntlich nur auf einer Station bekannt sind, doch mein grenzenloser Expansionsdrang (;-)), das damals ein aufblühendes Pflänzchen war, und meine Networking-Talente griffen damals schon. Zunächst begann es damit, dass ich die Krankenpflegerinnen auf der Neurologie unterstützte, weil ich mich um einen besonders schwierigen Patienten kümmerte: Stefan, gerade einmal 6 Jahre alt, er hatte mich auf meinem Weg zur Eingangstür erwischt und mit Wasserbomben klatschnass gespritzt. Ich wäre nicht ich, auch damals nicht, wenn ich das nicht positiv bewertet hätte, und so war ich zwei Wochen lang seine Bezugsperson. Doch nicht nur das, irgendwann begann ich unsere Lebensmittel-Listen auf der Station auszufüllen und begann einen Tauschhandel mit Produkten, die bei uns zuhauf zu finden waren, aber auf anderen Stationen Mangelware, im Gegenzug mussten meine Freunde niemals auf etwas verzichten, weil ich sogar um elf Uhr abends noch schnell das eine oder andere zugeschoben bekam. Habe ich schon erzählt, dass ich auch regelmäßig den Newsletter von der Frauenschule beziehe? Na, ich denke, dass die denken, ich sei eine Frau, weil sie meinen Namen anders aussprechen. Heute jedoch passierte mir was noch Lustigeres: Tatsächlich war ich der einzige Mann auf einer Fachkonferenz, der einzige Mann unter 70 Frauen, okay, es war eine Veranstaltung namens "Frauen in Frankfurt - von der Gastarbeiterin zur gesellschaftlichen Akteurin", aber so ein bisschen mehr Interesse von Männern wäre wünschenswert. Ich bin ja gegen dieses Segregieren der Geschlechter, aber wer hört schon auf mich? Die Welt wäre viel besser... Okay, das war ja jetzt nicht so ernst gemeint, ich habe eh schon genug angegeben. Aber im Ernst: wieso ist das im Jahr 2010 noch alles so schwierig? Wir sind alles Menschen, Frau oder Mann, weiß oder schwarz, Migrant oder Einheimischer, christlich oder atheistisch oder muslimisch, klein oder groß, oder irgendetwas dazwischen.

1 Kommentar:

  1. Zitat aus der WELT von 1999:
    Am Ende des 20. Jahrhunderts sollten die Grenzen und damit auch das Schubladendenken von gut oder schlecht, stärker oder schwächer überwunden werden.

    Somit wohl auch 11 Jahre später die von "Frau oder Mann, weiß oder schwarz, Migrant oder Einheimischer, christlich oder atheistisch oder muslimisch, klein oder groß".

    Aber nopeeeeeeeeeee: FEHLANZEIGE!

    Vieleicht ist es so, weil Otto Normalverbraucher eine Schublade BRAUCHT, in die er sich selber stecken kann um sich irgendwo zugehörig zu fühlen!?

    Also ich BIN und deswegen handel ich so und so...ganz nach meiner Gruppenzugehörigkeit und nach ungeschriebenen, oder festgelegten Regeln.

    Und über den Tellerrand zu gucken liegt generell nicht jedem...

    Denn das würde bedeuten, die eigenen geistigen Fähigkeiten durch eine Horizonterweiterung zu verbessern.

    Ans NACHDENKEN zu kommen: über seine eigenen Werte, die der anderen, das ganze im kleinen und im großen Globalem.

    Da attestierst du dem Großteil der Bevölkerung doch ne MENGE Hirn ;-) und/oder Interesse daran, es zu nutzen...

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