Mittwoch, 18. Juli 2012

Fortsetzungsroman: Moody Blue 1

"Moody Blue" - so heißt das letzte Studio-Album von Elvis Presley, die einzige Platte, die 1977 noch verkauft wurde, bevor er verstarb (falls er überhaupt verstarb - und nicht mit Marylin Monroe, JFK und anderen Stars auf einer einsamen Insel zecht und kifft). Moody Blue heißt aber auch der erste Fortsetzungsroman hier auf schmerzwach. Warum es einen Fortsetzungsroman gibt? Ich werde immer wieder gefragt, warum ich nicht mehr eigene Literatur auf diesem Blog poste. Ich freue mich auf die Serie - ein bis zwei Mal die Woche (vielleicht auch mal mehr) werde ich jetzt einen Teil des Romans posten. Rechts befindet sich dann eine Leiste mit allen Links zu den bisher geposteten Teilen, damit man auch später noch einsteigen kann, wird ja ein halbes Jahr lang fortgesetzt... Dieser Roman wird genauso wenig lektoriert und verbessert sein wie meine restlichen Texte auf dem Blog - daher ist der Autor "schmerzwach".  Es wird um Engel gehen und noch mehr um Teufel, um Musik, um viel Sex, um die Jugend - und spannend wird es auch noch. Der Roman spielt irgendwann zwischen 1995 und 1999, am Ende des Milleniums. Alle Figuren und Geschichten sind erfunden, doch es gibt manchmal Ähnlichkeiten zu lebenden Personen. Der Erzähler im Roman ist nicht gleich schmerzwach - der ist der Autor. Und schmerzwach ist auch nicht gleich Jannis Plastargias: Nicht vergessen!!! :-) Also, ganz viel Spaß - und zur Einstimmung Elvis (weil eine Hauptfigur immer schon der größte Elvis-Fan war): http://www.myvideo.de/watch/6303731/Elvis_Presley_Moody_Blue_Live_Concert_Version

Eins

Ανεβα στο τραπεζι μου, κουκλα μου γλυκεια,
χορεψε και σπαστα ολα τουτη τη βραδυα...

Steig auf den Tisch, meine süße Puppe,
tanze und zerstöre alles an diesem Abend...

Wir gingen spazieren. Wie so oft, wenn wir beide in unserer kleinen Heimatstadt waren. Vielleicht weil uns nichts anderes einfiel, aber wahrscheinlich eher, um zwei der wenigen Vorteile zu nutzen, die dieses Kaff gegenüber Großstädten vorzuweisen hat: Viele grüne Flächen, viel Natur, viele Spazierpfade und wenig Menschen, die einem spätabends begegnen. Levent hasste dieses Kaff, mochte nicht auf die Anonymität in der bayrischen Hauptstadt verzichten, fühlte sich dort wohl, unbeobachtet; nicht schräg von irgendwelchen Müttern ehemaliger Freunde angeschaut oder von x-beliebigen Rentnern misstrauisch beäugt, weil dieser fremdländisch und gefährlich aussehende Mensch etwas anstellen könnte. Die saßen jetzt in ihren gemütlichen Wohnzimmern, schauten Heimatfilme, Volksmusik oder sonstigen hirnlosen Quatsch an. Uns betraf das nicht. Wir gingen ungestört spazieren, begegneten niemandem, was gut war, denn so lenkte uns nichts ab, Levent konnte mir alles auseinandersetzen, was ihn in letzter Zeit umtrieb. Genausowenig beachteten wir zunächst die Natur, das kleine Bächlein beispielsweise, dessen Wasser rauschte, es floss nun in Kurven, nachdem der Bach bei Hochwasser, gerade wie er gewesen war, immer hochschwappte, die Ufer überflutete; früher, als es noch nicht sozusagen unbegradigt vor sich hin stürzte – oder vielmehr dessen Wasser –, hatten wir hier oft gesessen, kiffend und philosophierend, Levent wunderte sich darüber, warum das Rauschen niemals aufhörte, warum nicht! wollte er wissen. Damals sannen wir lange über die Wunder der Natur nach: Wie konnten Bäume nur so hoch wachsen, so majestätisch und wunderschön, wie war es der Mutter Natur nur möglich, so viele verschiedene, prächtige, wunderbare, kluge Pflanzen, die sich in ihrer Umwelt zurechtfinden, zu produzieren. Wir mussten uns auf etwas Anderes konzentrieren. Levent darauf, was er erzählte, und ich darauf, das alles zu verstehen. Wir ignorierten die raschelnden Blätter an den Bäumen, den sanft um unsere Ohren blasenden Wind, die angenehmen Gerüche dieses Frühsommerabends, der aufkeimenden Blüten der um uns herum thronenden Pflanzen. Ich muss mich berichtigen: Levent ignorierte sie wohl, ich nicht, ich schaffte es nicht, nicht abzuschweifen, während ich zuhörte und nachfragte. Nun, ich war derjenige, der sich öfter in unserer Heimat befand, sehr viel öfter, aus privaten Gründen, der Liebe wegen. Er hingegen ließ sich nicht oft blicken, blieb fast das ganze Jahr über in seinem München. 
Doch jetzt flüchtete er. Der Liebe wegen. Beziehungsweise der fehlenden Liebe wegen oder vielmehr: Der schrecklichen Langeweile, Eintönigkeit, Öde, der Schwere der partnerschaftlichen Liebe wegen. Er liebe seine Freundin noch, sagte er, aber das Gefühl, dass sie ihm im Weg stehe, ihn in seiner Entwicklung hemme, gewinne immer mehr die Oberhand. Sie leben in verschiedenen Welten und mit der Zeit werde dieser Umstand unerträglicher. Weißt du, sagte er, wir haben keinen einzigen gemeinsamen Freund. Sie mag die Menschen nicht, die ich mag - und umgekehrt ist es genauso. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit. Jahrelang nahm ich darauf Rücksicht, jahrelang, wirklich. Du weißt ja noch, wie es bei dir und ihr war! Euch zusammenzubringen, womöglich noch mit anderen Bekannten, die sie hatte, klappte niemals, endete immer in einem Fiasko. 
Angestrengt zuhörend, bot ich ihm eine Zigarette an. Ich rauche nur bei solchen Gelegenheiten, bei Spaziergängen im Mondschein, in Discos, nachdem ich einiges getrunken habe oder wenn ich mich auf einen Gesprächspartner konzentrieren muss. Ansonsten bin ich Nichtraucher und es fiele mir im Traum nicht ein, in meiner Wohnung zu rauchen...

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