Samstag, 14. Juli 2012

Der ABK – oder Occupy Me


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Ich sage es vorweg – der ABK, voll ausgeschrieben: Alternativer Block Kehl – ist erstunken und erlogen. Warum ich dieses Konstrukt ABK erfunden habe? Da kommen mehrere Dinge zusammen. Zunächst einmal die Ausstellung im Jahr 2008 im Frankfurter Historischen Museum, die mich sehr zum Nachdenken brachte: „Die 68er – Kurzer Sommer, lange Wirkung“. Ich hatte plötzlich den Eindruck, dass diese 68er umsonst gekämpft haben, dass so vieles wieder eher einen Rückschritt als einen Fortschritt macht, vor allem in der Geschlechterbewegung, und in der Folge überlegte ich mir, eine „linke Zelle“ zu etablieren, die die Gender-Problematik thematisiert, Rollenbilder, die neu interpretiert werden sollten und solche Dinge. Dann entdeckte ich einen Literaten für mich, von dem ich zwar gehört, aber nie etwas gelesen hatte, geschweige denn mich mit ihm befasst hätte. Fernando Pessoa. Und was ich über ihn erfuhr, machte mich wirklich zu einem Fan. Fernando Pessoa zeichnete sich nämlich dadurch aus, dass er viele HETERONYME annahm. Was das ist? Also, so etwas Ähnliches wie Pseudonyme – nur dass Heteronyme weitergehen als Pseudonyme, hinter ihnen stehen nämlich nicht nur andere Namen für den selben Autor, sondern auch fiktive (also erfundene) Personen mit eigenen Biografien. Mit eigenen Schreibstilen und Themen und sogar Motiven und philosophischen Kontexten. Die drei wichtigsten davon für Fernando Pessoa sind Alberto Caeiro, Ricardo Reis und  Álvaro de Campos. Fernando Pessoa erfindet dabei für Ricardo Reis, dass dieser 1887 in Porto geboren sei, ein Arzt sei und gegenwärtig in Brasilien lebe. Alberto Caiero hingegen sei 1889 geboren und 1915 verstorben, er komme aus Lissabon und lebte sein ganzes Leben auf dem Lande. Er hatte tatsächlich keinen Beruf, war ungebildet. Álvaro de Campos sei in Tavira geboren (am 15.10.1890), Schiffsbauingenieur und in Lissabon ohne Arbeit. Alberto Caeiro ist dabei der „Meister“, sowohl für Fernando Pessoa selbst, als auch für seine anderen Figuren Álvaro de Campos und Ricardo Reis. Das genannte Schlüsselwerk des Meisters sei O Guardador de Rebanhos (Der Hüter der Herden). Die Heteronyme schreiben alle ganz unterschiedliche Gedichte, kommen aus unterschiedlichen Strömungen, Ricardo Reis zum Beispiel schreibt Oden, die stark rhythmisiert sind, Álvaro de Campos hingegen ist nicht sehr an eine äußere Form gebunden und sind oft ohne festen Rhythmus. Er schreibt eher urbane Lyrik mit einem meist gescheiterten Helden als Hauptfigur. Der dritte Aspekt ist nun, dass Schmerzwach von einem Freund zu einem Sonntagsbrunch eingeladen wurde und sich dachte: Ich setze mich lieber an den Main, trinke Dosenbier und schmeiße dann die Dosen in den Fluss, bevor ich mich so erniedrige und so spießig werde. Doch wie diesem Freund das möglichst schonungslos beibringen? Schmerzwach erschien es charmant (erschien es, war es aber nicht), den ABK aus dem Hut zu zaubern und eine Email zu schreiben, in dem er mit der eben genannten Begründung absagte, sich aber hinter dem ABK versteckte. Und so begann ein witziges Spiel, in dem er seine teils radikalen Ansichten als Vorstand des ABK darstellte, aber genauso auch dessen Gegenüber war. Das Verwirrspiel gelang immerhin so gut, dass seine Freunde, die mit ihm in Kehl aufgewachsen sind, tatsächlich daran glaubten, dass es den Alternativen Block Kehl gäbe – und ihn irritiert fragten, um wen es sich da handele beim Vorstand. Schließlich müssten sie die Leute kennen. Doch das taten sie nicht. Erst im Spiel mit dem ABK entdeckte Schmerzwach seine politische Ader und ließ sie dann immer wieder im Blog durchscheinen. Er beschäftigte sich immer mehr mit politischen Themen, wobei er oft vor allem die queeren Aspekte berücksichtigte...

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