Samstag, 12. Dezember 2009

Hercules & Love Affair

Hafen 2. Es beginnt damit, dass ich diese Location nicht finde. Zunächst. Steige irgendwo in der Pampa aus. Es ist dunkel. Und kein Main in Sicht. Ich laufe hin und her. Nirgends scheint es richtig zu sein. Dann sehe ich zwei Männer. Ich frage sie. Und ja, sie möchten auch dorthin. So laufe ich also diesen fremden Männern hinterher.
Es ist ein Auftrag vom Radio. Ich bin eingesprungen. Klar habe ich schon Lieder von Hercules & Love Affair gehört. Und ich erinnere mich an die Stimme von Antony Hegarty von Antony & The Johnsons. Aber noch nie habe ich ein Video von ihnen gesehen. Ich weiß nicht, wer hinter dieser Band steht. Und ich weiß nicht, ob sie jemand in Frankfurt kennt/mag/schätzt. Der Hafen 2 ist ja nicht gerade groß, aber dafür sehr nett.
Ach, was rede ich. Das Eigentliche ist, dass ich ab Konzertbeginn lächeln muss. Nee, es ist wirklich gar nicht so prächtig, so rein musikalisch. Die sonstige Sängerin Nomi Ruiz, wie ich erfahre, ist gar nicht dabei in Offenbach. Sie ist ein Zwitterwesen, eine Transe oder whatever. Ist ja auch egal. Jetzt wird sie von Daniella und Shaun ersetzt. Und die haben es mir wirklich angetan. Die zaubern mir ein Lächeln auf die Lippen. Sie und diese launige Disco-Musik. Die einerseits an die 70er erinnert, andererseits aber an House und Techno-Remixe der letzten Zeit. Elektro-Musik par excellence. Und dann diese zwei bunten Vögel Daniella und Shaun, mit ihren Glitzer-Oberteilen und schwarzen Leggings. Mit schwarzen langen Rastas, fast wie eine Frau, aber dann einen Schnauzbart, die eine. Die andere mit rumdem weichen Gesicht und flauschigen Locken. Und wie sie sich bewegen. Persiflieren Baccara oder Boney M. und sehen dabei so niedlich aus. Sie flirten mit O., die ich zufällig auf dem Konzert treffe, und mit mir. Sie strahlen so eine Freude aus. Ja, toll, dass wir hier singen dürfen! Für euch zur Freude!
Und dieses Publikum, dass mich an Boys and Girls von BLUR erinnert. Diese Indie/ Alternative Boys and Girls, alle stylish, alle fesch. Die Jungs leicht weiblich, die Mädchen leicht männlich. Grenzen verwischen. Geschlechter werden uneindeutiger. Und wer mit wem schläft, ist hier allen egal. Alle Möglichkeiten stehen offen. Heteros benehmen sich wie Schwule und haben Spaß daran, Schwule bewegen sich männlich und sind ganz Oldstyle-straight-Eighties angezogen. Ich mag die Stimmung, ich mag, wie die alle tanzen. Ja, vor allem die Jungs neben mir. Die sehen so niedlich aus, wie sie sich bewegen. Die Mädchen, die neben mir stehen, fast wie Ballettösen aussehen, fast wie Jazzdancer tanzen. Und ich bin mittendrin und freue mich. Freue mich. Tanze. Singe. Flirte. Schaue auf Andy Butler, dem Kopf der Band, schaue auf die kleine Lesbe, die zweite Kopf der Band ist: Kim Ann Foxman.
Wir stehen nach dem Konzert draußen. Glückliche, entspannte Menschen um uns herum... Und ich mittendrin.

1 Kommentar:

  1. sich treiben lassen, vollkommene offenheit, gleichzusetzen mit einer bewahrten fantastischen kindlichen unbeschwertheit.

    beneidenswert.einfach lebendig, l(i)ebenswert

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