Samstag, 7. September 2013

Tweetup: STREET-ART BRAZIL


Der persönliche Bezug dieses Beitrags? Ich war 19 Jahre alt, da verliebte ich mich in einen blonden Jungen, der Graffiti Künstler war (ob er es noch immer ist? - 19 Jahre habe ich ihn nun nicht mehr gesehen ...) ... Ich verliebte mich in ihn, er durfte gemeinsam mit einem anderen tollen Typen mein Zimmer mit Werken verschönern - letztendlich handelte auch mein erster Roman von diesem Jungen und vor allem von Graffiti, ich hatte mich sehr in disen Bereich der Street-Art eingearbeitet ... 
Brasilien ist in diesem Jahr das Gastland bei der Buchmesse in Frankfurt (Achtung nächster großer Bezug) - Grund für die Schirn Kunsthalle Kunst aus Brasilien in den Blickpunkt zu nehmen. Außergewöhnlicherweise hat man sich für Street-Art aus Brasilien entschieden und 11 Künstler/innen eingeladen, nach Frankfurt zu kommen (11! - Brasilien ist ja 2014 auch der Gastgeber der Fußball-WM). Sie stammen aus São Paulo (überwiegend), aus Rio de Janeiro und Curitiba. Street-Art meint hier vor allem Graffiti, das in Brasilien omnipräsent ist in den Mega-Citys, insbesondere in São Paulo. An mehreren Orten in Frankfurt darf man nun diese Kunstwerke bewundern - unter Zuhilfenahme einer APP - Street-art Brazil, die man sich kostenlos herunterladen kann. Dort werden nicht nur die Standorte der Graffitis markiert und erklärt, sondern auch die Filme, Fotos und Interviews, die bei den Spaziergängen und Gesprächen an den Orten entstanden sind, abgespielt. 
Am 6.9. lud die Schirn zu einem Tweetup ein, in dem die Kuratorin Carolin Köchling mit den Interessierten durch die Stadt ging und ihnen die wichtigsten Informationen aufbereitete. Natürlich durfte auch ich mit dabei sein ... :-)


Zu jedem Bild gibt es den Tweet und dann eine kleine weitere Erklärung: Der Künstler #nunca hat das Mural hergestellt - der zweite Teil ist woanders ...
Nunca oder DAS GLOBALE GRAFFITI - Indigene und afrikanische Elemente, europäische und zeitgenössisch brasilianische Einflüsse; Popkultur, Globalisierung, Kommerz; dieses Graffiti nimmt hier den Startpunkt, wird in der Niddastraße im Bahnhofsviertel weitergeführt - und an weiteren Orten der Welt.


Arabesken und Kontraste von Zezãos - seine Kunst ist oft in den ärmsten und versifftesten Gegenden São Paolos zu finden, manchmal in der Kanalisation. Der Künstler hat sich die Orte selbst ausgesucht. Seine Werke stehen in der Tradtition dekorativer Deckengemälde vergangener Epochen ...


Besonders schönes Graffiti von Vitche und Jana Joana - Graffiti-Kunst kam mit großer Verspätung nach Brasilien ... 


In Brasilien wird viel mit Fassadenfarbe gearbeitet, hier ohne Schablonen ...


In Brasilien ist das Graffiti Sprühen keine Straftat, anders als in fast allen anderen Ländern der Welt. Es hat einen großen Stellenwert.




Ein großes Kunstwerk direkt auf der Hauptwache - es ist flächenmäßig das größte - von Herbert Baglione, ebenfalls São Paulo. Der Künstler arbeitet ohne Skizzenblock!



Gestalten, Geister, Graffitis - so das Motto. Die interessante Hintergrundgeschichte ist, dass Herbert Baglione seinen einstigen Graffiti-Namen "Cobal" öffentlich und offiziell sterben ließ. Seitdem sind die Werke im öffentlichen Raum eigenartig angsteinflößend und lebendig wie kleine Geister aus fiesen Horrorfilmen ...


Ein spannender Tweetup, eine spannende Ausstellung inmitten der Bankentürme besonders aufregend - als Teilnehmer und sicher auch als Künstler. :-)



Passendes Motiv von #onesto sehr humorvoll ...


Onestos Bild auf der Fassade der Sparkasse - was sollte es passenderes geben? Seine Werke sind auch Aktion, Performance und insbesondere Provokation. Überraschend, dass die Bank nicht Sturm läuft ob des Bildes ... Mutig ist es ... Onesto ist ein sehr engagierter Künstler, z.B. kritisiert er das brasilianische Bildungssystem ...


Frankfurt ist so schnell, niemand hat Zeit, sagt Onesto ...



Um die Ecke gespraytes ... :-) von #alexandreorion ... Die Stadt als Material ... Alexandre Orion versucht mit seinen Graffitis mit den Passanten in Kontakt zu treten ... Umweltschmutz ist u.a. sein Thema ...


#fefetavalera sehr spannend! In Mexiko versteht man das Motiv sofort, aber auch in Brasilien ... Sie ist die einzige Künstlerin (neben Jana Joana, die mit ihrem Partner Vitche arbeitet) in dieser Ausstellung ... Interessant ist der Aspekt, dass es seit 2007 keine Werbung mehr im öffentlichen Raum gibt in São Paulo ... Es gibt einige Berührungspunkte zwischen Reklame und Graffiti. 


Es geht um Kindesentführungen bei #tinho - Altes Polizeipräsidium in #Frankfurt ... Spannende Stelle für dieses Werk von Tinho, der gefesselte, kauernde und weinende Kinder abbildet - seine Vorbilder sind Suchanzeigen vermisster Kinder aus den 90er Jahren ...


An nordbrasilianischer Tradition angelehnt bei #speto mystischer #motoboy - es geht um die "Literatura de Cordel" - mit Holzschnitten illustrierte mystische Geschichten aus dem 17.Jahrhundert, in einem Klima der kulturellen Durchmischung - europäische Einwanderer auf der einen Seite, Handel mit afrikanischen Sklaven auf der anderen ... Motoboys sind Motorrad-Kurriere, von denen es 220.000 gibt in São Paulo, viele davon kommen täglich zu Tode. Sein Werk an der Matthäuskirche zeigt eine skurrile Bildgeschichte, in der ein Kurier selbst zum Todesboten wird ... Cool, dass sich eine Kirchengemeinde einverstanden erklärt, bei so einem Projekt mitzumachen!


Und die passenden Flip-Flop, brasilianische Havaianas, hatte ich auch noch an. Es war eine sehr intensive Führung, ein temporeiches Tweetup - wir konnten Carolin Köchling kaum folgen, so schnell raste sie davon. Die Konzentration blieb immer und wir haben, glaube ich, alle sehr viel mitgenommen aus diesem Event. Wirklich fantastisch ist, was die Künstler gemeinsam mit der Schirn Kunsthalle auf die Beine gestellt haben. Danke, Frankfurt, dass das in dieser Stadt möglich ist, in der heimlichen Kultur-Hauptstadt - wo sonst wäre so ein Projekt möglich?!

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